Seit acht Jahren berichtet Booksection.de nun schon von der Frankfurter Buchmesse. Unzählige Interviews mit großen und kleinen Autoren sind an diesem Ort aufgenommen worden und in unseren Messebericht gewandert. Auch dieses Jahr war ein vierköpfiges Team von Booksection.de wieder vor Ort, um Euch mit spannenden Interviews und Berichten über Lesungen, Pressekonferenzen und externen Interviews zu versorgen. Unter anderem präsentieren wir Euch sowohl Interviews mit uns bereits bekannten Autoren, wie Jussi Adler-Olsen, Markus Heitz und Petra Hammesfahr, als auch mit „frischen Gesichtern“, wie Julie Mebes, Andrea Sawatzki und Emma Hooper. Wir freuen uns wie immer über Feedback von Euch und wünschen viel Spaß beim Lesen – egal wo, egal wie, egal wen.

"Die Filme sind schlecht und sie floppten nicht ohne Grund an den Kinokassen."

Jeder Interview-Termin mit ihm ist ein Highlight: Jussi Adler-Olsen ist nicht nur als Autor ein ganz Großer.

Booksection.de: “Takeover” ist ein sehr politischer Thriller, dessen Lektüre nicht immer unbedingt leicht ist.
Jussi Adler-Olsen: “Takeover” ist eines meiner ersten Bücher, in dem unglaublich viel Recherchearbeit steckt und das viele unterschiedliche Elemente in sich vereint. Das macht es auch so kompliziert zu lesen.

Booksection.de: Was hat Dich damals zu diesem Roman mit all seinen unterschiedlichen Facetten inspiriert?
Jussi Adler-Olsen: Viele, viele Dinge. Ich war selbst einmal von Company-Bashing betroffen, konnte das aber nie beweisen. Hinterher war ich fasziniert davon, dass man ein eigentlich kriminelles Verhalten so dastehen lassen kann, als sei es völlig legal. Ich begann nachzuforschen, was Company-Bashing tatsächlich ist, wie vorgegangen wird, um Unternehmen zu zerstören.
Man stelle sich nur einmal vor, was es für eine Firma wie Nestlé bedeuten würde, wenn Milchpulver mit Salmonellen verunreinigt würde und ein Baby daran sterben würde. Ein Beispiel dafür findet sich auch in „Takeover“, wo der Sandoz-Fall beschrieben wird, wo ein großer Zyanidaustritt und andere Abfallchemikalien der Schweizer Firma 1986 eine katastrophale Verunreinigung des Rheins verursachten. Später hat sich herausgestellt, dass die Stasi dahinterstand, die vom KGB damit beauftragt wurde, um so die Weltaufmerksamkeit von der Tschernobyl-Katastrophe abzulenken. Das war Company-Bashing im ganz großen Stil und darum geht es in „Takeover“.
Peter de Boer ist ein Company-Baher, er zerstört große Firmen auf eine Art und Weise, die nicht kriminell ist. Und nun bekommt er den Auftrag, einen großen Ölkonzern zu zerschlagen, doch das ist nur ein Aspekt meines Romans. Eine wichtige Figur ist Nicky Landsaat, ich liebe diesen Charakter, sie ist von all meinen Romanen meine Lieblingsfigur – auch nach all den Jahren noch. Mein Ziel war es, eine Frau, die ich sehr, sehr mag, jung, intelligent und mit 24 Jahren noch ungeküsst aber in der niederländischen Hierarchie der Einwanderer ganz unten stehend, an die Spitze der Wirtschaftshierarchie zu befördern. Ich weiß, das ist bestimmt ein bisschen romantisch gedacht. (lacht)
Dann geht es in „Takeover“ noch um das Unglück von Bijlmer, über das ich ausführlich recherchiert habe. Dieser Rechercheteil ist im Buch leider nicht abgedruckt. (Kann unter diesem Link nachgelesen werden, Anmerkung der Redaktion)
Ein Flugzeug stürzt ab, keiner weiß warum, und plötzlich sterben zahllose Leute in der Umgebung – und das nicht nur aufgrund der unmittelbaren Folgen des Flugzeugabsturzes. Auch in der Zeit nach dem Unglück klagten die Bewohner des Absturzgebiets über unerklärliche Krankheiten und keiner wusste warum. Mein Ziel war es nun, Nachforschungen anzustellen – die Katastrophe war 1992 und 1998 versprach ich mir selbst, herauszufinden, was geschehen war. Ich ging nach Amsterdam und führte viele Interviews in Regierungskreisen, doch keiner dort konnte mir sagen, was sich im Frachtraum des Flugzeugs befunden hatte. Doch vierzehn Tage später bekam ich einen anonymen Brief, der die Frachtpapiere enthielt. Noch einmal vierzehn Tage später hatten auch sämtliche Zeitungen diese Frachtpapiere, doch ich bin mir sicher, dass ich derjenige war, der das auslöste. Es gab dann eine Anhörung, in der sich entschuldigt wurde und man sein Bedauern ausdrückte, dass so viele Menschen sterben mussten – aufgrund der Folgen von DMMP und Sarin, das das Flugzeug geladen hatte.
Und damit kommen wir zum nächsten Element, das mich zu dieser Geschichte bewegte. Viele Flugzeuge aus Amerika und Israel landen in einem geschlossen Bereich auf dem Flughafen Schiphol, was nicht legal ist – auf keinem Flughafen der Welt. Und nun haben wir es mit einem Flugzeug zu tun, das Sarin geladen hat, einen der giftigsten Stoffe überhaupt, der in Amerika entwickelt wurde. Nachdem „Takeover“ erschienen war, gab es keine Landungen mehr in diesem geschlossenen Bereich des Flughafens Schiphol – und darauf bin ich sehr stolz.

Booksection.de: Neben den wirtschaftlichen und politischen Aspekten erzählt „Takeover“ aber auch eine Liebesgeschichte, die fast schon etwas Mystisches an sich hat. Welche Rolle spielt sie für Dich in diesem Roman?
Jussi Adler-Olsen: Ja, es ist mit Sicherheit eine Geschichte, die man als fast schon esoterisch ansehen kann, aber in erster Linie wollte ich an ihrem Beispiel den Schmetterlingseffekt deutlich machen. Ein kleiner Schmetterling, dem es gelingt, mit seinen Flügeln die ganze Welt zu bewegen. Und Nicky ist auch wie ein Schmetterling, sie bewegt ihre Flügel und plötzlich geschehen die Dinge einfach. Ich mag Nicky Landsaat so sehr, weil wir beide uns so ähnlich sind. Wie sie hüte auch ich meine Träume aus der Kindheit über die Welt und was in ihr möglich sein könnte. Die Vorstellung davon, wie es sein könnte hält mich vielleicht ein bisschen jünger, als ich eigentlich bin. Und obwohl es schon so lange her ist, dass ich dieses Buch geschrieben habe, ist es immer noch schön für mich, diese andere Seite von mir selbst, diese romantische Seite, zu zeigen. Es mag sein, dass „Takeover“ nicht mein bestes Buch ist – aber es ist mein Lieblingsroman.

Booksection.de: Viele komplexe politische Themen vereinen sich in Deinem Roman. Wie und vor allem wie lange hast Du hierfür recherchiert?
Jussi Adler-Olsen: Zweieinhalb Jahre haben die Recherchearbeiten gedauert, ähnlich wie auch schon bei „Das Washington-Dekret“. Die „Google-Geschichte“ habe ich noch nie gemocht, das kann eine Möglichkeit sein, einige Worte zu finden, mit denen man dann weitermachen kann, doch entscheidend sind die Personen, mit denen man dann spricht.
Das kann ich am Beispiel von Nicky Landsaat erklären. Ihre Mutter hält sich nur in ihrer Küche auf – das ist ihre ganz eigene Welt. Auch in Dänemark sehe ich muslimische Frauen kaum in der Öffentlichkeit, sie halten sich zuhause auf, während die Kinder zur Schule gehen, die jungen Männer und Frauen arbeiten oder studieren. Mich interessierte, wie es ihnen ging, doch ich konnte sie ja nicht einfach interviewen, und ihre Männer konnte ich dazu auch nicht befragen, denn hätten sie mir wirklich gesagt, wie einsam und gelangweilt ihre Frauen sind und dass sie ständig daran denken, wieder zurück in ihre Heimat zu gehen? Also hielt ich sie auf der Straße an, doch 90 von 100 Frauen wollten nicht mit mir sprechen. Doch die wenigen, mit denen ich sprechen konnte, bestätigten mir, dass es für sie die Hölle sei – einfach die Hölle! Sie sehnten sich nach Freiheit und besseren Lebensbedingungen – und fanden die Hölle. Frauen, die es gewohnt waren, in ihrer Heimat von vielen anderen Frauen umgeben zu sein, in Gemeinschaft zu leben, saßen nun einsam in ihrer Küche. Dieses Buch ist auch ein Tribut an diese Frauen, und ich brauchte lange, um ihre Situation wirklich zu begreifen.
Nachdem ich das Buch geschrieben hatte, zeigte ich das Manuskript einem Freund, der von Zeit zu Zeit in Indonesien lebt. Er sagte zu mir: „Jussi, das ist sehr gut recherchiert, ich kann auf keinen Punkt einen Finger legen, aber Du warst nicht dort und das ist so offensichtlich!“ Ich konnte nicht verstehen, was er meint, worauf er mir folgendes Beispiel nannte: In Indonesien liegen die Satelliten-Schüsseln auf dem Boden. Als ich selber nach Indonesien reiste, sah ich, was er meinte. Tatsächlich liegen die Satelliten-Schüsseln dort auf dem Boden und jeden Abend kommen die Bewohner raus, um die Blätter daraus zu entfernen. Aber das war genau, was mein Freund meinte: ein etwas anderer Geruch in den Straßen, die Abgase der Mopeds, ein anderes Licht der Straßenlaternen. Ich wusste das ja schon von das „Das Alphabet Haus“, man muss dort gewesen sein, aber ich dachte, Indonesien ist so weit weg und hielt es nicht für nötig. Das wird mir nie wieder passieren!

Booksection.de: Würdest Du sagen, dass es für Dich als Autor essentiell ist, über politische Themen zu schreiben, die Dich bewegen?
Jussi Adler-Olsen: Ich wäre glücklich, wenn ich der Herrscher der Welt wäre! (lacht) Wenn man politische Meinungen hat, wünscht man sich das. Ich weiß nicht, ob ich ein netter Diktator wäre – ich glaube schon, aber man weiß es ja nie… (lacht) Falsche politische Meinungen zu verändern ist einer der größten Wünsche jedes Autors. Für mich ist das sehr, sehr wichtig aber wie ich ja bereits gesagt habe, kann man nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen und ihm sagen, wie er es zu machen hat, denn darauf wird er, wie ein kleines Kind auch, nicht hören. Für mich als Autor ist es wichtig, meine Leser zu erreichen und das gelingt am besten, wenn ich meine Meinungen nicht mit dem Holzhammer vermittle.
Es geht darum, einen Konsens zu finden und das ist es, was den heutigen Politikern leider fehlt. Angela Merkel zum Beispiel, die sagt, man muss den Flüchtlingen eine Chance geben, in Deutschland zu leben. Aber gibt sie ihnen wirklich eine Chance? Es ist keine Chance, sie in Deutschland aufzunehmen und ihnen dann keine Arbeit, keine Beschäftigung zu geben – das ist respektlos. Da hilft auch das ganze Geld nicht, das man in Fernsehshows sammelt, wie wir es zum Beispiel in Dänemark tun. Das hat man ja schon vor zwanzig Jahren mit den Spendenaktionen für Afrika gesehen. Hat ihnen das wirklich geholfen?
Ich würde mir sehr wünschen, dass meine Kreativität zu mehr Übereinstimmung der Meinungen führen würde, denn kluge Ratschläge bringen uns nicht wirklich weiter. Um Deine Frage zu beantworten: Ja, es ist sehr wichtig für mich!

Booksection.de: Ist Dein Kopf momentan komplett ausgefüllt mit dem Sonderdezernat-Q-Universum oder denkst Du schon an andere Projekte?
Jussi Adler-Olsen: Ich habe viele Projekte auch außerhalb des Schreibens. Ich habe zwei Unternehmen, eines davon entwickelt Software. Und was das Schreiben anbelangt, bin ich dieser Tage damit beschäftigt, alle Synopsen aus den Geschichten, die ich bisher nicht geschrieben habe, mithilfe einer Drehbuchautorin in Barcelona zusammenzufügen und sie in Filme umzusetzen. In Dänemark arbeite ich mit jemandem zusammen an einer, wie ich finde, wirklich fantastischen Fernsehserie, die zehn Folgen beinhaltet.
Im Moment schreibe ich am siebten Fall des Sonderdezernat Q, der nächstes Jahr in Deutschland erscheinen sollte. Das kann ich noch nicht versprechen, aber ich versuche, schnell zu schreiben. (lacht)
Dann überarbeite ich gerade ein Bühnenstück, das ich vor ein paar Jahren geschrieben habe und hoffe, dass ich damit Erfolg habe. Ich liebe das Theater sehr, das ist auch der Grund, warum ich in Aller?d lebe, dort gibt es das beste Theater Dänemarks – klein, aber sehr innovativ.

Booksection.de: Kannst Du Dir eine Zeit ohne Carl, Assad, Rose und Gordon vorstellen?
Jussi Adler-Olsen: Ja, das kann ich und diese Zeit wird kommen – hoffentlich. Nach den zehn Büchern kann ich mir das vorstellen, auch wenn ich noch nicht sagen kann, was ich dann mit den Charakteren mache. Werden sie dann noch am Leben sein?
Im siebten Fall werden wir in Rose’ Kopf sein, sie wird in sehr schlechter Verfassung sein. In so schlechter Verfassung, dass Carl und Assad während fast des ganzen Buches nicht wirklich mit ihr sprechen. Aber das Buch wird ein ganz spezielles Thema haben, das sich sehr leicht lesen lässt, das aber sehr, sehr dunkel ist, so dunkel wie in Band eins. Eine ganz simple Geschichte – aber ich werde Dir nicht mehr erzählen. (lacht)

Booksection.de: „Erbarmen“ und „Schändung“ wurden ja bereits verfilmt. Möchtest Du über das Ergebnis sprechen?
Jussi Adler-Olsen: Oohh… (schüttelt den Kopf) Der Produzent war einmal ein guter Freund von mir und er versprach mir damals alles, was mir wichtig war: tief in die Charaktere hineinzugehen, achtvoll mit meinen Randfiguren, die bei Carl leben, umzugehen, die ganze Geschichte im Blick zu behalten, Assad witzig rüberzubringen… Nichts von alldem wurde eingehalten! Wenn mich dann Leute fragen, warum ich die Filme nicht mag, können sie nicht verstehen, dass es nur das ist. Ich kann dazu nur sagen, okay, es ist ein Vier-Sterne-Film – aber es könnten sechs Sterne sein – und das ist der Grund. Die Filme sind schlecht und sie floppten nicht ohne Grund an den Kinokassen. Wenn die Kinobesucher sich fragen, ob das alles ist, werden sie niemals die Bücher lesen.
Die Filmgesellschaft hat auch die Filmrechte für Teil drei und vier und das ärgert mich, denn daraus könnten großartige Filme werden – doch das wird nicht geschehen. Ich mische mich da auch nicht mehr ein, aber ich gehe zu keiner Filmpremiere – und das ärgert sie!
Ich habe die internationalen Filmrechte und eine andere Gesellschaft, die mit den Verfilmungen weitermachen könnte. Wir werden nochmal von vorne beginnen und auch die ersten vier Teile neu verfilmen.

Booksection.de: Das sind großartige Nachrichten! Jussi, vielen Dank für dieses wieder einmal inspirierende und unterhaltsame Gespräch.

Verheißung

Es ist ein siebzehn Jahre zurückliegender Fall, der Polizeikommissar Christian Habersaat einfach nicht loslassen will und der ihn schließlich in den Freitod treibt. Damals setzte Habersaat alles daran, den Mord an einer jungen Frau aufzuklären, die er selbst kopfüber in einem Baum hängend aufgefunden hatte. In seiner Verzweiflung bittet er nun, siebzehn Jahre nach dem schrecklichen Mord, Carl Mørck und sein Sonderdezernat Q um Hilfe, die der ihm aber versagt. Nur kurze Zeit später nimmt Habersaat sich bei seiner offiziellen Verabschiedung aus dem Polizeidienst das Leben, was schließlich doch noch Mørcks Dezernat für ungelöste Fälle auf den Plan ruft. Carl, Assad und Rose müssen zu ihrem Entsetzen erfahren, dass die Nachricht von Habersaats Tod auch noch dessen Sohn in den Selbstmord trieb.
Bei ihren Recherchen stoßen die Ermittler auf ein obskures „Zentrum zur Transzendentalen Vereinigung von Mensch und Natur“, dessen Anführer Atu offenbar in irgendeiner Form in die Ereignisse von vor siebzehn Jahren verwickelt ist. Die Ermittlungen führen Carl, Assad und Rose nach Öland, und hier stoßen sie auf mehr als ein weibliches Wesen, das offenbar den Reizen Atus erlegen ist. Als sie herausfinden, dass auch die ermordete junge Frau mit ihm Kontakt hatte, ahnen sie nicht, mit welch tödlicher Gefahr sie es demnächst selbst zu tun bekommen werden… Hier geht's zur Kritik von "Verheißung"


Takeover

Nichts wünscht sich die Halbindonesierin Nicky Landsaat mehr, als ihrer kleinkriminellen und verwahrlosten Familie zu entkommen und zu zeigen, was wirklich in ihr steckt. Als der niederländische Geschäftsmann Peter de Boer sie als Trainee anwirbt, scheint das für Nicky die Chance ihres Lebens zu sein. De Boer leitet ein Unternehmen, das darauf spezialisiert ist, im Auftrag gut bezahlender Kunden große Firmen zu zerschlagen. Schnell wird die ehrgeizige Nicky zu de Boers Vertrauter, und ohne so genau zu wissen warum, fühlen sich die junge Frau und der um einiges ältere Unternehmer auf besondere Weise zueinander hingezogen. Als de Boer die unerfahrene Nicky und nicht einen seiner erfahrenen Mitarbeiter mit einem besonders heiklen Auftrag ins Ausland schickt, ahnt er noch nicht, welch wichtige Verbündete er sich mit diesem Schachzug macht.
Denn bald schon wird Peter de Boer vom Chef einer Consultingfirma im Auftrag des irakischen Nachrichtendienstes damit betraut, einen großen Ölkonzern zu zerschlagen. Ein Auftrag, der eigentlich nicht zu bewältigen ist, doch kann de Boer es sich nicht erlauben, diesen abzulehnen, will er verhindern, dass ein dunkler Fleck aus seiner eigenen Vergangenheit an die Öffentlichkeit gerät. Doch das ist nur der Anfang dessen, was auf Peter de Boer und Nick Landsaat zukommen soll. Plötzlich sehen sich die beiden einer perfiden Verschwörung ausgesetzt, in deren Folge sie kaum noch zwischen Freund und Feind unterscheiden können… Hier geht's zur Kritik von "Takeover"



„Der erste Kritiker ist bei uns immer der Mit-Autor.“

Wir trafen die Brüder Tom und Stephan Orgel, die als T.S. Orgel erfolgreich Fantasybücher schreiben, und sprachen mit ihnen über Orks, Blausteine und die Herausforderung als Autoren-Duo ein Buch zu schreiben.

Booksection.de: Seit Montag liegt „Die Blausteinkriege Bd 1. – Das Erbe von Berun“ in den Buchläden. Der Beginn Eurer zweiten Trilogie, ist das richtig?
Tom Orgel: Ja genau.

Booksection.de: Den Aufschlag in der Fantasyliteratur habt ihr aber vor ein paar Jahren mit „Orks vs. Zwerge“ gemacht.
Tom Orgel: Richtig, das war das erste Buch bei einem „richtigen“ Verlag sozusagen. Wir hatten ursprünglich gar keine Trilogie geplant. Die drei Bücher „Orks vs. Zwerge“ sind im Grunde Einzelbände. Nachdem das erste Buch sehr gut ankam, bekamen wir grünes Licht vom Verlag für einen zweiten Band und letztlich gab es sogar noch einen dritten.

Booksection.de: Die Geschichte baut also nicht aufeinander auf?
Stephan Orgel: Die Bücher bauen schon aufeinander auf, aber jedes Buch ist eine abgeschlossene Geschichte. Man kann also auch den zweiten Band lesen ohne den ersten zu kennen.
Tom Orgel: Wobei der zweite Band durchaus auch ein Abschluss von Band eins und zwei ist, da wir damals noch nicht wussten ob noch ein dritter Band kommt. Die Bücher bauen aufeinander auf, aber immer nur im Rückblick.

Booksection.de: . Angefangen hattet ihr aber mit Kurzgeschichten, oder?
Tom Orgel: Wir haben eigentlich mit einem Roman angefangen, den kein Mensch wollte (lacht). Und dann kam ein zweiter Roman, den kein Mensch wollte. Richtig angefangen haben wir dann zusammen mit Carsten Steenbergen und dem Onlineroman „Steamtown - Die Fabrik“. Hier haben wir zweimal pro Woche immer einen neuen Abschnitt geschrieben und veröffentlicht. Dadurch sind viele Leute in der Verlagswelt auf uns aufmerksam geworden. Parallel dazu haben wir aber auch Kurzgeschichten geschrieben.

Booksection.de: Schreibt ihr immer schon zusammen?
Stephan Orgel: Tom hat schon als Jugendlicher seine eigenen Romane geschrieben. Von denen sagt er heute, dass er sie nicht unbedingt mehr so schreiben würde. 
Tom Orgel: Ich habe sie noch im Regal und mir läuft ein wohliger Schauer des Fremdschämens den Rücken herunter, wenn ich da ab und an wieder reinschaue. Du hast so etwas nicht.
Stephan Orgel: Genau. Wirklich mit dem Schreiben begonnen habe ich erst für das Projekt mit Carsten Steenbergen. Das war 2009. Davor hatte ich aber schon redaktionell gearbeitet, so dass ich zumindest wusste, dass mir das Schreiben grundsätzlich liegt.

Booksection.de: Gleich mit Eurem ersten Buch „Orks vs. Zwerge“ wart Ihr sehr erfolgreich. Unter anderem wurde das Fantasybuch als Bestes deutschsprachiges Debüt mit dem Deutschen Phantastik Preis 2013 ausgezeichnet. So ein Preis kann Rückenwind, kann aber auch Druck bedeutet. Wie war das bei Euch?

Tom Orgel: Mich hat es eindeutig beflügelt. Zumal der Preis für mich auch total unerwartet kam.
Stephan Orgel: Es war eine schöne Anerkennung. Als wir den Preis bekamen, hatten wir das zweite Buch aber auch bereits geschrieben. Wir waren also so mitten drin im Schreiben. Ich glaube, der Druck wäre da gewesen, wenn wir mit der Arbeit am zweiten Buch noch nicht so weit gewesen wären.
Tom Orgel: Die Angst völlig verrissen zu werden und nie mehr irgendwo ein Buch unter zu kriegen war da schon vom Tisch (lacht).

Booksection.de: Wie groß war für Euch der Schritt von einer kurzen Geschichte zur Trilogie „Orks vs. Zwerge“? Oder stelle ich mir das schwieriger vor, als es tatsächlich ist?
Stephan Orgel: Es ist schwierig, aber wir schreiben ja zu zweit. Dadurch muss jeder von uns nur die Hälfte eines Romans schreiben.
Tom Orgel: Das ist dann quasi wie eine 300-Seiten-Kurzgeschichte. Darin schreibt jeder von uns wieder ein bis zwei Erzählstränge, was quasi zwei parallelen Geschichten entspricht. Dann sind wir nur noch bei 150 Seiten. Und das ist dann bloß noch eine Novelle.

Booksection.de: Wie teilt Ihr Euch das Schreiben grundsätzlich auf? Macht Ihr strickt 50/50?
Tom Orgel: Das läuft tatsächlich darauf hinaus. Bei den „Blausteinkriegen“ war es zum Beispiel auch wieder so. Obwohl ich mir diesmal nicht sicher war, ob es so funktionieren würde. Bei „Orks vs. Zwerge“ war es sehr genau getimt, weil sich hier die Figuren immer abwechseln sollten und die Kapitel ungefähr immer gleich lang waren. Dieses Mal lief es über die parallelen Erzählsträngen hinweg dann aber auch auf Hälfte/Hälfte hinaus. Stephan schreibt einen großen Erzählstrang und ich einen etwas kürzeren und die zwei Nebenstränge.  

Booksection.de: Wachsen die Erzählstränge während dem Schreiben? Also sitzt Ihr zusammen und erzählt Euch: Ich bin gerade dabei dies und jenes zu schreiben und dann steigt der darauf andere ein?
Tom Orgel: Eigentlich ist es noch wirrer.
Stephan Orgel: Die Grundgeschichte überlegen wir uns schon im Voraus. Dann überlegen wir uns, welche Handlungsstränge wir einbauen. Da schreibt dann jeder erst mal für sich. Wenn es dann zu Überscheidungen kommt, zum Beispiel wenn Figuren sich treffen, machen wir längere Konferenzen. Die Texte, die wir jeder für sich alleine schreiben, tauschen wir in regelmäßigen Abständen auch untereinander aus. Der jeweils andere lektoriert dann und weist auf Unstimmigkeiten hin. Irgendwann treffen wir uns dann in der Mitte.
Tom Orgel: An der Stelle muss man relativ unempfindlich werden. Aber das sind wir mittlerweile auch.

Booksection.de: Hilft es da, wenn man aus einer Familie kommt? Oder ist das eher hinderlich?
Tom Orgel: Wir müssen uns am Ende ja wieder vertragen.

Booksection.de: Spätestens zu Weihnachten?
Stephan Orgel: Genau. Spätesten unter dem Weihnachtsbaum treffen wir uns sowieso wieder.
Tom Orgel: .. und unsere Mama mag es auch nicht, wenn wir uns streiten.
Stephan Orgel: Aber wir streiten uns ja auch eigentlich nie (lacht).

Booksection.de: Mich hat fasziniert, dass „Die Blausteinkriege“ wie aus einem Guss erscheinen. Gerade wenn man eben weiß, dass zwei Autoren hinter der Geschichte stecken.
Tom Orgel: Ich denke, dass kommt tatsächlich daher, dass wir uns gegenseitig korrigieren. Über die Zeit hat sich unser Stil dadurch angeglichen. Gerade beim aktuellen Buch mussten wir nur noch relativ wenig gegenseitig korrigieren. Spezielle bei den ersten beiden Büchern „Orks vs. Zwerge“ haben wir ausgetauscht und korrigiert und nochmal ausgetauscht und nochmal korrigiert. Das ging bei jedem Packet bestimmt drei-viermal hin und her. Stephan schreibt kürzer und knackiger. Ich schreiben dafür an manchen Stellen etwas beschreibender und blumiger…
Stephan Orgel: Mit anderen Worten, er schreibt lang, langweilig und ausschweifend (lacht) und ich schreibe…
Tom Orgel: … so wie es die Fantasyfans wollen (grinst). Ich sag ihm immer: Adjektive, mehr Adjektive. Nimm welche von meinen. Du siehst, wir ergänzen uns da eigentlich ganz gut.

Booksection.de: Die Fantasyliteratur hat seit ein paar Jahren eine scheinbar ungebremste Hochphase. Schreibt Ihr Fantasy, weil Ihr auch gerne Fantasy lest? Oder ist es Zufall, dass Ihr in diesem Genre gelandet seid?
Stephan Orgel: Ich habe eine Zeitlang gar keine Fantasy mehr gelesen. Aber Joe Abercrombie ist schon ein großes literarisches Vorbild von mir. Nachdem ich von ihm wieder etwas gelesen hatte, hat mir die Fantasy wieder richtig Spaß gemacht. So ganz grundsätzlich kommen Tom und ich aber eben auch aus der Rollenspieler-Ecke. Das ist ja mittlerweile der Klassiker bei den Fantasy-Autoren. Von daher hat es sich eindeutige angeboten, dass wir Fantasy schreiben. Aber wir legen uns darauf auch nicht fest. Wir können uns auch gut vorstellen zum Beispiel einen Thriller zu schreiben.

Booksection.de: Gab es für Euer aktuelles Buch „Die Blausteinkriege“ so etwas wie die eine zündende Idee, an der sich alles andere dann ausgerichtet hat? Oder taucht auch einfach einmal eine Figur in den Gedanken auf?
Tom Orgel: Einige der Figuren haben tatsächlich auch schon vorher existiert. Aber sie waren nicht wirklich der Aufhänger, sondern haben einfach gut in die Geschichte hineingepasst. Als wir, auch mit Heyne, zusammensaßen und überlegt hatten was wir als nächstes schreiben wollen, kam das Gespräch häufig auf den Krim-Krieg und in dem Zusammenhang das Thema Rohstoff-Kriege. Außerdem hatten wir uns über verschiedene historische Figuren unterhalten. In mehreren Gesprächen entstand dann ein Geflecht aus den europäischen Kaiserhäusern und den immer wieder auftauchenden Rohstoff-Kriege. Letztlich war das dann der Grundstein für „Die Blausteinkriege“.
Stephan Orgel: Man sieht, es ist hochpolitisch. Das ist hohe Literatur (lacht).
Tom Orgel: Genau!

Booksection.de: Aber es deutet durchaus an, wie komplex die Geschichte angelegt ist. Ich fühlte mich beim Lesen an „Die Königreiche Gottes“ von Paul Kearney erinnert. Ist es schwierig so ein komplexes Geflecht zusammenzuhalten? Oder besteht die Gefahr sich in einzelnen Handlungssträngen und Strömungen zu verlieren?
Tom Orgel: Ich glaube die Gefahr besteht bei uns speziell etwa weniger, weil wir uns eben immer wieder zusammenraufen müssen. Wir haben jemanden, mit dem wir darüber reden können und der uns im Zweifelsfall auch sagt: Das geht jetzt zu weit. Sonst erzählen wir irgendwann keine gemeinsame Geschichte mehr. Für einen einzelnen Autoren ist das vielleicht schwieriger, weil er viele Erzählstränge hat, denen er folgen kann und keiner widerspricht ihm. Der erste Kritiker ist bei uns immer der Mit-Autor. Das zweite was uns hilft, ist ein fester Stamm an Testlesern, der uns eigentlich seit dem ersten Band „Orks vs. Zwerge“ begleitet. Die sind in der Zwischenzeit durchaus darauf eingeschliffen, uns zu sagen wenn wir uns vergaloppieren. Diese Gruppe bekommt auch vor Vollendung des Buches schon Zwischenstände vorgelegt.
Stephan Orgel: Die sind teilweise auch recht rabiat und sagen uns durchaus sehr ehrlich ihre Meinung.

Booksection.de: Aber Ehrlichkeit ist an diesem Punkt ja durchaus wichtig.
Stephan Orgel: Genau. Es bringt uns nichts, wenn diese Leser sagen: alles ist toll. Ihr Job ist es ja kritisch zu sein gegenüber unseren Fehlern. Wir nehmen das dann an. Natürlich ärgern wir uns eventuell drüber, aber im Endeffekt sollen unsere Geschichten ja den Lesern gefallen.

Booksection.de: Der Umgang mit Kritik ist sicherlich nicht einfach. So ein Buch ist ja immer auch eine Herzensangelegenheit.
Tom Orgel: Es kommt immer darauf an, wie die Kritik geäußert wird. Über manches muss man auch einfach hinwegsehen oder es mit Humor nehmen. Aber es gibt auch Kritik von Leuten, die man zu schätzen gelernt hast. Wo man dann aber auch sagt: Oh, das tat jetzt wirklich weh. Aber besser man erfährt es früh über einen Testleser als dann nach der Veröffentlichung durch die Rezensionen. Das funktioniert aber auch nicht immer, weil wir nicht immer auf sie hören (lacht). Aber dann gibt es ja auch immer noch die Instanz der Lektoren. Insgesamt haben wir ein wirklich gutes Team zusammen, das uns hilft.

Booksection.de: Hängt Ihr sehr an Euren Charakteren? Wie schwer fällt es einem eine Figur, wie zum Beispiel Flüster sterben zu lassen?
Stephan Orgel: Um ehrlich zu sein, es sollte in dieser Szene eigentlich jemand anderes sterben.

Booksection.de: Oh, okay…
Stephan Orgel: Ich verrate jetzt nicht wer, aber Flüsters Tod war am ehesten zu verschmerzen. Aber in dieser Szene musste einfach jemand sterben, das war für die kommende Handlung wichtig. Aber um auf die Frage zurückzukommen, ich habe Charaktere, die ich gerne am Leben erhalten möchte.

Booksection.de: Ein Charakter, der mir besonders gut gefallen hat, ist Meister Messer. Eine bedrohliche, aber auch faszinierende Figur. Er tanzt sprichwörtlich auf Messers Schneide und seine Motivation und seine Rolle sind noch nicht ganz klar. Auch das er alles probieren muss, was irgendwie essbar ist, ist schon sehr schräg…
Stephan Orgel: Messer ist komplett Toms Idee.
Tom Orgel: Das mit dem Essen fiel mir tatsächlich erst in Messers dritter Szene ein und ich habe es dann nachträglich noch in die älteren Szenen eingebaut, weil ich fand, das es eine nette Psychose ist, die er da hat.
Stephan Orgel: Wen hattest Du da gleich nochmal vor Augen? Einen Schauspieler oder?
Tom Orgel: Robert Carlyle. Er hat für mich in seinen Rollen schon immer den leichten Hang zum psychotischen. Als Rumpelstilzchen in „Once upon a time“ geht es dann auch tatsächlich optisch in die Richtung, wie ich mir das für Messer vorstelle. Wobei Messer eine Figur ist, die schon viel, viel älter ist. Er ist, glaube ich, die älteste Figur in der ganzen Geschichte. Er stammt aus einem Rollenspiel. Auch da spielte er nicht die Hauptrolle, aber ich mochte ihn als Nebencharakter sehr. Er hat eigentlich noch viel mehr einen an der Waffel als im ersten Band der „Blausteinkriege“ rauskommt.

Booksection.de: Ist Band zwei der „Blausteinkriege“ schon in Arbeit?
Tom Orgel: Wir sind dran. Gerade heute hatten wir eine Rücksprache mit unserer Lektorin. So richtig mit dem Schreiben haben wir noch nicht begonnen. Wir schauen gerade noch, was wir den Figuren in Band eins alles angetan haben. Wer hat welche Naben und wo? Wer hat wessen Mutter beleidigt? Das muss nun alles aufgeschrieben werden.

Booksection.de: Ihr bastelt also gerade ein kleines Nachschlagewerk für Euch damit Ihr keine Anschlussfehler macht?
Tom Orgel: Das müssen wir mittlerweile. Wir sind hier nicht so akribisch, wie wir das vielleicht sein sollten. Aber da die „Blausteinkriege“ ein echte Trilogie sein sollen und alle Bände aufeinander aufbauen, muss das diesmal wirklich sein.

Booksection.de: Mir haben die Namen gut gefallen. Gerade auch bei den Gaunern und zwielichtigen Gestalten. Habt Ihr einen Fundus an Namen aus dem Ihr schöpft? Oder sind Eure Figuren eher namenlos und geben sich ihre Namen ein stückweit selbst?
Stephan Orgel: Unterschiedlich. Ich schreibe zu Beginn oft „xxx“ für die Namen. Das nervt immer meine Testleser (grinst). Mir fällt es schwer, Namen zu finden. Es entwickelt sich dann erst aus dem Text heraus. Ein Fundus sind für mich aber auch Bücher über das Mittelalter.
Tom Orgel: Wenn mir für eine Figur partout nichts einfällt, nehme ich mir eine ganz alte deutsche Karte von Pommern, von Schwaben oder irgendeiner anderen Region. Da gibt es tolle Ortsnamen, die man verwenden kann. Manchmal bekommen wir dann aber von unserer Lektorin gesagt, dass wir den Namen nicht verwenden können, weil George Martin (Anm. der Redaktion: Autor von „Game of Thrones“) eine Figur hat, die auch so heißt.

Booksection.de: Der hat also auch dort geschaut…
Tom Orgel: Ich glaube er bedient sich schon recht gerne aus solchen deutschen Fundussachen.

Booksection.de: In der deutschen Fantasy besteht von außen betrachtet nicht wirklich ein Konkurrenzkampf unter einander. Ist das richtig?
Tom Orgel: Nein überhaupt nicht. Wir haben noch nie wirklich erlebt, dass da eine Konkurrenzsituation entstanden wäre. Im Gegenteil, da helfen sich die Autoren. 
Stephan Orgel: Wir freuen uns auch immer auf den Messen auf die anderen Fantasyautoren zu treffen. Man tauscht sich gegenseitig aus und trinkt auch mal ein Bier zusammen.

Booksection.de: Macht Ihr Euch keine Gedanken über eine gewisse Einzigartigkeit Eurer Geschichten? Oder das ein anderer Autor gerade über das Gleiche schreibt? Irgendwie ist ja in der Fantasy doch alles schon mal erzählt worden.
Tom Orgel: Das trifft aber auch auf das Thriller-Genre zu oder Krimis und historische Romane. Es ist eigentlich immer das Selbe, das genutzt wird. Ich glaube es ist bei diesen Geschichten auch relativ egal, in welchem Setting sie spielen. Ich glaube bei einem Interview zu unserem ersten Buch „Orks vs. Zwerge“ hatten wir schon einmal erzählt, dass wir die Geschichte auch als Thriller hätten schreiben können, der in Afghanistan spielt.

Booksection.de: Macht Ihr Euch beim Schreiben also keine Gedanken darüber, das gerade jemand anderes genau über das Gleiche schreibt wir Ihr? Und sich dann hinterher vielleicht die Frage stellt, wer hat nun bei wem abgeschrieben? Obwohl dass tatsächlich gar nicht der Fall war.
Stephan Orgel: Gute Frage…
Tom Orgel: Schwierige Frage. Aber Angst habe ich davor nicht wirklich. Wir haben unseren eigenen Stil, der den Lesern offensichtlich auch gefällt. Und das trifft auch auf unsere Kollegen zu. Und die Leser haben ihre eigenen Vorlieben.
Stephan Orgel: Bernhard Hennen hat seinen eigenen Stil, Markus Heitz auch. Die Geschichten mögen sich manchmal ähneln, aber jeder von uns hat eine eigene Art die Geschichten zu erzählen. Das macht den Unterschied aus.

Booksection.de: Ganz vielen Dank für das Interview!
Stephan Orgel: Wir danken auch!

Die Blausteinkriege 1 - Das Erbe von Berun

Lange war das Kaisereich von Berun das Zentrum der Macht auf dem Kontinent. Durch kluge Politik und ein schlagkräftiges Heer einte der „Löwe von Berun“ Fürstentümer und Königreiche unter einer Kaiserkrone und verband die Magie der Blausteine aus seinem Reich. Die Ordensritter der „Reisenden“ sorgten dafür, dass all jene, die ein magisches Talent hatten, vertrieben wurden. Doch nun ist der alte Kaiser tot und sein Sohn und Nachfolger interessiert sich mehr für Feste denn für Politik. Noch hält seine Mutter, die Kaiserin Ann Revin, im Hintergrund die Zügel straff. Doch auch sie und ihr Geheimdienstchef sind nicht in der Lage, den aufkommenden Sturm zu verhindern.
Mächtige Feinde lauern an den Grenzen Beruns auf ihre Chance zur Übernahme des Reiches, und im südlichen Protektorat Macouban sinnt der Fürst auf eine Abspaltung. Inmitten der politischen Intrigen und Ränke treffen die Schicksalswege des Straßenmädchens Sara, des verwöhnten Adeligen Marten und des mysteriösen Puppenspielers aufeinander. Während am Horizont der Krieg heraufzieht, entscheiden auch ihre Handlungen über das weitere Schicksal von Berun… Hier geht's zur Kritik von "Die Blausteinkriege 1 - Das Erbe von Berun"



"Ich hab’ den ganzen Keller voller Leichen."

Booksection.de traf auch Roman-Autorin Petra Hammesfahr zum Interview.

Booksection.de: Frau Hammesfahr, Sie blicken nun auf 25 Jahre als Autorin zurück.
Petra Hammesfahr: ...und nach 25 Jahren den ersten Roman neu aufzulegen. Meine Fans standen mit zittrigen Fingern da, weil es damals eben nur eine ganz kleine Auflage gab. Schon toll.

Booksection.de: Wie kam es denn zu der Entscheidung, diesen ersten Roman „Die Frau, die Männer liebte“ noch einmal zu veröffentlichen?
Petra Hammesfahr: Es war einfach höchste Zeit. Weil die Manuskriptseiten damals nur 200 Seiten umfassen durften, war ich jedes Mal sehr eingeschränkt, deshalb musste ich diesen und noch weitere Romane noch einmal überarbeiten, aber an ihm bin ich irgendwie kläglich gescheitert. Es ging irgendwie nicht mehr. Ich habe mittendrin kapituliert. Mir war bewusst, dass ich in der alten Fassung einen gravierenden Fehler gemacht habe, der allerdings nie jemandem aufgefallen ist. Ich hatte damals noch nicht so viel Ahnung von Forensik. Gut, der normale Leser hat diese Ahnung auch nicht. Ich habe in den 90er Jahren drei Jahre theoretische Forensik gemacht, weswegen ich den Fehler entdeckte. Vor einem Jahr habe ich mich dann noch einmal ran gesetzt und konnte es nicht fassen. Ich bin an nur einem Satz hängen geblieben, den ich nur ein bisschen umformulieren musste, dann ging der Rest wie von allein. Es ist quasi ein ganz neuer Roman.

Booksection.de: Was war denn der Fehler, der Sie nicht mehr in Ruhe ließ?
Petra Hammesfahr: Wenn Sie einen Menschen mit Seidenbändern ans Bett fesseln und der versucht sich zu befreien, selbst wenn die Bänder nur ganz lose umgelegt sind, kommt er da nicht raus. In dem Moment, in dem er anfängt zu ziehen, zieht sich das Band fest. Das wusste ich damals nicht.

Booksection.de: Das bedeutet aber auch, dass Ihnen dieser Roman über all die Jahre nahe geblieben ist.
Petra Hammesfahr: Die sind mir alle nahe. Ich lebe mit all diesen Romanen. Ich kann Ihnen jeden einzelnen erzählen.

Booksection.de: ...und es sind ja nicht nur zwei oder drei.
Petra Hammesfahr: Es sind jetzt 34 erschienen und ich hab zwei, drei in der Schublade, die auch schon ein Stück weit gediehen sind. Wenn ich anfange zu schreiben, bin ich aber nur in dem aktuellen Roman. Mein Mann hat ja mal gesagt, dass er manchmal gar nicht wüsste, zu wem er abends nach Hause kommt. (lacht)

Booksection.de: Hat er da auch manchmal Angst?
Petra Hammesfahr: Nein, nein. Es gibt Romane, die mochte er überhaupt nicht, weil ich schon dazu neige, mich mit meinen Protagonisten zu identifizieren, und dann bekommt er eine Frau, die er eigentlich nicht leiden kann.

Booksection.de: Sie leben also in Ihren Romanen?
Petra Hammesfahr: Den Computer kann ich runterfahren, der Kopf funktioniert aber weiter.

Booksection.de: Hat sich denn in diesen 25 Jahren in der Buchlandschaft etwas Gravierendes verändert?
Petra Hammesfahr: Ich habe gelernt, dass es ein stetiges Auf und Ab ist. Es ist wie Achterbahnfahren, mal ist man oben, mal unten, und damit muss man umgehen können. Das ist nicht immer leicht, aber man lernt es.

Booksection.de: Was ist mit der deutschen Krimilandschaft?
Petra Hammesfahr: Es gibt mehr Blut- und Magenkrimis und da möchte ich mich auch gar nicht beteiligen. Deshalb bin ich von der Krimiszene auch schon vor geraumer Zeit abgerückt. Ich bin auch immer noch der Meinung: Ich mache doch eigentlich gar keine Krimis! Sicher, es gibt meistens Leichen, ab und zu auch Polizei, es sind aber keine typischen Krimis.

Booksection.de: Es geht eher um die Figuren und deren Psychologie, warum sie bestimmte Taten begehen.
Petra Hammesfahr: Richtig. Und mir sind die Opfer wichtig! In jedem Roman zählen für mich erstmal die Opfer. Das vermisse ich bei anderen Romanen oft. Da ist dann ein Verbrechen passiert und dann kommt die Polizei, dann erfahre ich, dass der Ermittler ein Alkoholproblem hat und sein Kind nur noch am Wochenende sieht... das interessiert mich doch alles nicht. Ich will doch wissen: Wer war das Opfer? Warum ist das passiert? Das wird dann meistens aufgeklärt, aber nur mithilfe irgendwelcher belangloser Nebensätze. Das ist nicht mein Ding! Ich will ins Gefühl gehen, und ich will den Leser im Gefühl packen! Leider sind dazu nicht mehr viele bereit.

Booksection.de: Sie sind über all die Jahre Ihrem Stil schon treu geblieben. Hatten Sie irgendwann mal das Gefühl, eine ganz andere Schreibrichtung einschlagen zu wollen?
Petra Hammesfahr: Ich habe mal etwas ganz anderes geschrieben. „Am Anfang sind sie noch Kinder“ zum Beispiel. Ich habe Romane wie den „Gläsernen Himmel“ geschrieben, der auch nicht mit einem Krimi zu vergleichen ist, ausgestattet mit einer ganz anderen Sprache, wie man das normalerweise von mir gewöhnt ist. Der ist ja schon fast literarisch – und mit einem Literaturpreis ausgezeichnet. Einen habe ich noch im Keller, da ist aber noch nichts spruchreif. Den habe ich 1986 geschrieben, in dem es diese Szenen gibt, wie in Berlin die Mauer fällt. Ich habe 89 vor der Flimmerkiste gesessen, geheult wie ein Schlosshund und zu meinem Mann gesagt: „Das glaubt mir kein Mensch, dass ich das vor drei Jahren geschrieben hab!“ (lacht). Da hatte ich sogar erklärt, warum wir den Frieden bis heute nicht haben.

Booksection.de: Wie lautet die Erklärung?
Petra Hammesfahr: Das verrate ich nicht, weil ich das Buch doch irgendwann noch veröffentlichen möchte.

Booksection.de: Also haben Sie noch massig Leichen im Keller?
Petra Hammesfahr: Ich hab’ den ganzen Keller voller Leichen. (lacht) Es gibt Leute, die trauen sich nicht hinunter, weil sie das wissen. Da liegt auch noch ein uraltes Manuskript mit dem Titel „Die Geisel“. Klingt wie ein Krimi, ist es aber nicht. Es ist eine Satire – aber das nimmt mir heute wirklich niemand mehr ab. (lacht)

Booksection.de: Es hat ja sowieso nicht gleich geklappt mit der Schriftstellerkarriere.
Petra Hammesfahr: 159 Absagen. Die habe ich auch alle noch.

Booksection.de: War der Gedanke ans Aufgeben auch irgendwann da?
Petra Hammesfahr: Nein, ich kann ja nichts anderes. Was hätte ich denn machen sollen? Mir wäre doch irgendwann der Schädel geplatzt. Es kommt ja immer mehr dazu, es hört ja nicht auf.

Booksection.de: Also ist der Beruf der Schriftstellerin weiterhin Ihr Traumberuf?
Petra Hammesfahr: Ich würde es als Albtraumberuf bezeichnen. Oft leide ich an dem sogenannten „Vierten-Kapitel-Syndrom“. Die beiden Romane „Der Schatten“ und „Erinnerungen an einen Mörder“ sind parallel entstanden. Mal habe ich an dem einen, dann wieder an dem anderen geschrieben, weil ich immer wieder dachte: „Das hat einfach gar keinen Zweck!“ Und dann hat es eben doch noch funktioniert. Es gibt sowieso keine gute erste Fassung.

Booksection.de: Es ist also noch genug Stoff für viele weitere Bücher in ihrem Kopf vorhanden?
Petra Hammesfahr: Die Romane könnte ich Ihnen alle erzählen – ich muss sie nur noch schreiben. Wenn ich die erzähle, sind wir in einer halben Stunde durch. Aber für einen Roman brauche ich mindestens 400 Seiten und zwei Jahre. Am Anfang sagte man mir, man müsse die Worte klopfen – ich wusste damals gar nicht, was das heißt. Heute weiß ich das. Ich lese auch immer meinen Text vom Bildschirm laut ab. Und wenn ich an eine Stelle komme, die mich nicht mehr interessiert, weil ich sie schon so oft gelesen habe, dann muss ich da nochmal ran. Wenn ich kein Interesse habe, meinen eigenen Text zu lesen, kann ich doch auch nicht erwarten, dass es jemand anders tut.

Booksection.de: Wie viel Disziplin und wie viel Leidenschaft bedeutet das Schreiben für Sie?
Petra Hammesfahr: 80% Leidenschaft, 20% Disziplin. Ich muss es machen, obwohl ich mittlerweile ja Altersteilzeit mache. Ich mache morgens immer eine Stunde Sport und anschließend setze ich mich vor den Computer. Um fünf höre ich dann auf, weil um halb fünf mein Tiefpunkt ist. Früher bin ich da nochmal mit einer Kanne Kaffee an den Schreibtisch gezogen. Das tue ich heute nicht mehr, weil alles, was ich da noch bis halb sieben getippt hatte, am nächsten Morgen wieder rausflog.

Booksection.de: Unterscheidet sich das Drehbuchschreiben wesentlich vom Romanschreiben?
Petra Hammesfahr: Oh ja. Wenn ich in einem Drehbuch jemanden in die Oper schicke – was ich in einem Roman nie machen würde – dann schreibe ich nur „Oper – Innen – Nacht“ und der Rest macht die Requisite. Wenn ich mich im Roman darauf einlasse, muss ich wissen, was in der Oper vorgeht. Und da mich das nicht interessiert, ich bin kein Opernfreund, würde das nicht funktionieren. Im Drehbuch beschränkt man sich auf Handlung und Dialog. Mit dem Buch muss ich das Kopfkino anschalten.

Booksection.de: Waren Sie mit der Filmversion Ihres Romans „Der stille Herr Genardy“ denn schlussendlich zufrieden?
Petra Hammesfahr: Carlo Rola hat die Bilder aus meinem Kopf auf den Bildschirm gebracht. Das war für mich wirklich ein Erlebnis. Bei den anderen war ich leider nicht so ganz zufrieden. Man muss dazu sagen, dass bei diesem Buch auch das Drehbuch geschrieben habe.
Booksection.de: Vielen Dank für diese interessante Gespräch, Frau Hammesfahr.

Die Frau, die Männer mochte

In einer Kleinstadt bei Köln wird Rolf Wegener zu den Ermittlungen an einem Mordfall hinzugezogen, die ihm von Anfang an an die Nieren gehen. Die Restaurantbesitzerin Marisa Behrend wurde ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden. Nackt ans Bett gefesselt rührt die Ermordete den Kriminalhauptkommissar in ihrer Hilflosigkeit vom ersten Moment an auf unerklärliche Weise. Er, der mit den Frauen abgeschlossen hat, seit er von seiner Ehefrau Ellen zutiefst enttäuscht und gedemütigt wurde, spürt eine unerklärliche Verbundenheit mit der ermordeten Marisa – fast so, als hätte er sie tatsächlich gekannt. Alles, was der 42jährige Wegener über Marisa zu hören bekommt, ist durch und durch positiv: Offenbar war sie eine warmherzige, hilfsbereite und integre Frau, die von allen bewundert wurde. Wer also konnte sie so gehasst haben, dass er sie auf derart entwürdigende Weise umbrachte?
Noch ahnt Rolf Wegener nicht, in welchen persönlichen Abgrund ihn diese Ermittlungen ziehen werden, denn Marisas Schicksal lässt ihn von nun an nicht mehr los. Mehr und mehr verliert er jeden Bezug zur Realität, bildet sich ein, er hätte den Mord womöglich verhindern können, wenn er in jener Nacht in ihrem Restaurant eingekehrt wäre. Zusehends verliert er sich in Fantasien über ein Leben mit Marisa und verliert dabei seinen objektiven Blick auf die Ermittlungen… Hier geht's zur Kritik von "Die Frau, die Männer mochte"



"Es ist nun schon an der Zeit, damit aufzuhören."

Mit Michael Peinkofer sprachen wir ein letztes Mal über seine "Könige".

Booksection.de: Mit „Sieg der Könige“ geht eine weitere spannende Erdwelt-Trilogie zu Ende. Bist Du ein wenig wehmütig?
Michael Peinkofer: Schon ein wenig. Es ist natürlich immer wieder spannend, einen „letzten Teil“ zu schreiben. Du weißt ja im Grunde schon vorher, wer es bis zum Ende schaffen wird und wer nicht. Insofern ist bei den Figuren, bei denen Du weißt, dass sie ein übles Schicksal ereilt, schon ein bisschen Wehmut beim Schreiben dabei. Man ist immer wieder versucht, den Karren doch noch einmal herumzureißen, es anders zu machen. Aber ich bin einer von den Autoren, die im Vorfeld viel plotten und so hat doch alles immer einen Sinn. Ich weiß bei vielen Figuren schon am Anfang der Trilogie, dass ihnen etwas passieren wird. Von daher ziehe ich das dann auch durch. Ich habe, glaube ich, noch niemanden begnadigt. (lacht).

Booksection.de: Von welcher Figur ist Dir der Abschied besonders schwer gefallen? Nicht alle erleben ja das Ende des Krieges…
Michael Peinkofer: Das ist bei all meinen Figuren so. Sie wachsen Dir ans Herz. Du stattest sie mit ihren Eigenschaften aus. In jeder Figur steckt auch etwas von einem selbst. Es muss schon ein ganz übler Bösewicht sein, bei dessen Ableben ich dann relativ wenig Bedauern empfinde.

Booksection.de: Das Buch ist ja nicht nur der Abschluss der aktuellen „Könige“-Trilogie, sondern auch eine Zäsur in den Erdwelt-Geschichten an sich. Der Bogen, der geschlagen wird, erstreckt sich über nun doch acht Jahren, seit wir als Leser das erste Mal dorthin reisen durften.
Michael Peinkofer: Wenn man die Entstehungszeit des ersten Buches mitrechnet, sind es sogar fast 10 Jahre Erdwelt. Von daher glaube ich, ist es gut, hier den Bogen nun zu schließen. Es wird noch einen Band geben, der auch in Erdwelt spielt. Einen Epilog wenn man so will. Aber die ganz große Geschichte der Könige ist nun zu Ende erzählt. Wir haben jetzt die drei Trilogien: „Die Orks“, „Die Zauberer“ und „Die Könige“. Das sind insgesamt auch rund 1.500 Jahre Erdweltgeschichte, die man da im Bücherregal stehen hat. Von daher ist es nun schon an der Zeit, damit aufzuhören.

Booksection.de: Hat sich Deine Sicht auf Erdwelt in all der Zeit verändert?
Michael Peinkofer: Natürlich! Es hat sich mit jedem einzelnen Roman der Fokus erweitert. Am Anfang waren die Orks im Mittelpunkt. Mit ihnen habe ich einen relativ kleinen Landstrich erforscht. Danach wurde es immer größer. Von der Geschichte Erdwelts ist immer mehr dazu gekommen: Mehr Völker, mehr Kreaturen, mehr Mythologie, mehr Sprachen. Ich bin berüchtigt für meine Sprachen (lacht). Das habe ich durchgezogen. In jeder Trilogie gab es eine eigene Sprache. Von daher hat sich dieser Kosmos schon immer mit jedem Band sehr erweitert.

Booksection.de: In den Anhängen ist diesmal auch wieder ein großer linguistischer Part zu finden, der sich mit der Adyshan – der geheimen Sprache - beschäftigt. Wie sehr interessiert Dich dieser Part bei der Entwicklung eines neuen Kosmos? Woher nimmst Du die Anregungen hierzu?
Michael Peinkofer: Das mit den Sprachen ist ein Hobby von mir. Es ginge natürlich auch ohne, aber ich finde es ist schöner mit.

Booksection.de: Woher nimmst Du die Inspiration hierzu? Suchst Du Dir reale Sprachen als Vorbilder?
Michael Peinkofer: Ja, genau. Ganz am Anfang habe ich mit reinen Fantasiesprachen experimentiert. Aber das ist sehr, sehr schwierig. Und dann habe ich mir bei demjenigen Rat geholt, der es perfekt kann: bei Tolkien. Er hat seine Sprachen auch auf real existierenden Sprachen quasi aufgepflanzt. Auf dem Walisischen. Auf dem Gälischen. Es gibt viele schöne alte Sprachen, die auch sehr archaisch und altertümlich klingen.

Booksection.de: Ich finde eine Sprache als Ergänzung eine sehr schöne Idee.
Michael Peinkofer: Es macht die Sache für mich irgendwie runder. Und es bauen sich darauf auch mythologische Bezüge auf. Gerade bei den Orks: Sie heißen in der Regel ja so, wie sie sind. Und daraus kann man dann wirklich auch ganz viel machen. Ich hatte viele Ideen zu Namen nur aufgrund der Tatsache, dass es eine bestimmte Sprache gibt.

Booksection.de: Es befruchtet sich also gegenseitig…
Michael Peinkofer: Wie in der Wirklichkeit auch, würde ich sagen. Es trägt einfach zur Geschlossenheit und zum Realismus von einer Fantasy-Welt bei.

Booksection.de: War Dir zu Beginn des ersten Erdwelt-Buches schon klar, dass es einmal diese Dimensionen annehmen wird? Denkt man überhaupt so weit, wenn man mit einem solchen Projekt anfängt?
Michael Peinkofer: Ich habe zu Beginn der „Orks“ durchaus an eine Trilogie gedacht. Aber ich hätte nie gedacht, dass es zehn Jahre Erdwelt mit zehn bzw. letztlich dann elf Bänden werden würden. Das verdanke ich natürlich auch den Lesern, die die „Orks“ lesen wollten; die wissen wollten, wie es danach weiter ging. Oder auch was davor in Erdwelt geschah. Für mich war es toll zu wissen, dass es da draußen Leute gibt, die auf die Geschichten warten! Während der Arbeit an den „Orks“ ist so viel Material entstanden, das es dann für weit mehr Bände gereicht hat, als ursprünglich gedacht.

Booksection.de: Wer aufmerksam bis zum Ende von „Sieg der Könige“ gelesen hat, weiß es schon: Im Nachwort ist zu lesen, dass unsere beiden Lieblingsorks Rammar und Balbok doch noch Abenteuer zu erleben haben, auf die wir uns schon freuen dürfen. Magst Du uns hier schon mehr verraten?
Michael Peinkofer: Genau, es gibt noch einen Nachschlag (lacht). Der fünfte „Ork“-Band wird im Frühjahr 2016 kommen. Aktuell bin ich gerade dabei, die Geschichte abzuschließen. Es werden noch einmal ganz viele Fragen über Balbok und Rammar beantwortet. Man erfährt zum Beispiel auch, wo die beiden herkommen und warum sie dieses spezielle Verhältnis haben. Ein paar Fragen sind hier ja noch offen.

Booksection.de: Am Ende von „Sieg der Könige“ gibt es mit Alured und Catriona zwei Figuren, die aufbrechen in neue Welten. Gibt es da eventuell einen Link zu den „Splitterwelten“?
Michael Peinkofer: (lacht) Das werde ich oft gefragt. Eine interessante Idee, die mir davor gar nicht gekommen war. Aber es wird mit den beiden Figuren eventuell etwas Neues geben.

Booksection.de: „Sieg der Könige“ ist nicht das einzige Buch, das Du momentan am Start hast. Da gibt es aktuell noch ganz viel anderes aus dem Hause Peinkofer. Es gibt neues von den „Sternenrittern“, es gibt Krimis mit dem Ermittler Peter Fall …
Michael Peinkofer: Genau. Aktuell gibt es den zweiten Fall von Peter Fall: „Mordfall“.

Booksection.de: … außerdem ist der zweite Band der „Gryphony“-Trilogie, „Der Bund der Drachen“ da. Und wir hatten im Vorfeld schon kurz gesprochen zu Neues von den „Splitterwelten“…
Michael Peinkofer: Zu den „Splitterwelten“ gibt es eine gute Nachricht. Es geht weiter! Ich habe mich dafür mit einem jungen Kollegen zusammengetan, da ich im Moment einfach nicht die zeitlichen Ressourcen hatte alleine weiterzumachen. Wir machen das nun gemeinsam. Ich konnte einen tollen Co-Autor gewinnen: Christian Montillon, den von seiner Arbeit für „Perry Rhodan“ kennen werden. Wir entwickeln die Geschichten gemeinsam, aber er wird die „Splitterwelten“ weiterführen. Er hat von mir auch alle meine Notizen bekommen. So bekommen wir nun wieder Druck auf das Projekt. Im Laufe des Jahres 2016 wird es also den 2. Band der „Splitterwelten“ geben.

Booksection.de: Die Ideen sprudeln bei Dir gerade wieder sehr. Ist es da schwer, den Überblick zu behalten? Immerhin steckt bei Dir hinter jedem Buch oft eine ganze Welt und Du bewegst Dich in unterschiedlichen Genres. Machst Du auch viel parallel?
Michael Peinkofer: Wenn ich konkret am Schreiben bin, dann immer nur an einem Projekt. Aber wenn das abgeschlossen ist, bin ich immer sehr dankbar, wenn ich auch das Genre wechseln kann. Eine andere Sprache verwenden kann. Das befruchtet sich auch immer gegenseitig. Ich bin immer ganz froh, wenn ich nach einem Erwachsenenbuch ein Kinderbuch schreiben kann oder umgekehrt. Diese Abwechslung gibt mir zusätzliche Energie beim Schreiben.

Booksection.de: Brauchst Du dann also auch gar keine große Pause zwischen den unterschiedlichen Projekten?
Michael Peinkofer: Ich mache schon zwischen den einzelnen Projekten immer ein paar Tage Pause. Lege die Beine hoch (lacht). Aber im Großen und Ganzen kann ich es nie wirklich abstellen. Auch wenn ich nicht schreibe, geht es in meinem Kopf weiter. Ich denke mir immer wieder neue Geschichten aus.

Booksection.de: …es sprudelt also einfach unaufhörlich aus Dir heraus? Ich finde es faszinierend, so viel Inspiration für all diese vielfältigen Projekte zu haben.
Michael Peinkofer: Es kommt bei mir tatsächlich von ganz alleine. Das ist ein Prozess, den ich auch nicht wirklich erklären kann. Es sprudelt einfach (lacht).

Booksection.de: …es muss einfach raus…
Michael Peinkofer: Wenn die Idee da ist, will sie auch umgesetzt werden. Es muss tatsächlich raus. Das ist schön gesagt.

Booksection.de: Wie behältst Du den Überblick bei Deinen vielfältigen Projekten bzw. findest Dich immer wieder ein in die Handlung? Heute ist der Krimi abgeschlossen, dann zwei Tage Pause und dann geht’s weiter mit den Orks. Kann ich mir das so vorstellen?
Michael Peinkofer: Das trifft es im Grunde. Es klingt jetzt vielleicht buchhalterisch, aber es hat viel mit Disziplin und Organisation zu tun. Wenn ich mich auf das nächste Projekt vorbereite, lese ich mich erst wieder ein und beginne nicht sofort wieder mit dem Schreiben. In einem Zeitraum von zwei bis drei Wochen ist man dann aber wieder mitten drin.

Booksection.de: Gibt es eigentlich ein Projekt, das Dir besonders am Herzen liegt?
Michael Peinkofer: Nein, das kann ich nicht sagen. Ich bin in der glücklichen Lage, mir meine Projekte aussuchen zu können. Daher kann ich sagen, dass jedes Projekt wirklich auch ein Lieblingsprojekt ist. Gerade durch das häufige Abwechseln zwischen den Genres freue ich mich auch immer wieder auf das nächste.

Booksection.de: Ein nicht selbstverständliches Privileg…
Michael Peinkofer: Ja, darüber bin ich auch sehr glücklich und dankbar. Es ist schön, sich austoben zu können und auch zum Verlag gehen zu können, um dort seine Ideen anzubringen. Und dort auch Gehör zu finden.

Booksection.de: Die Gefahr in einer Schublade zu landen und dann auch nur noch in eine Richtung schreiben zu können, wäre sonst sicherlich gegeben.
Michael Peinkofer: Zum einen das, aber sich eben kreativ auch tot zu laufen. Hier bin ich in der glücklichen Lage sagen zu können: Das war noch nie der Fall. Ich war noch nie in einer Sackgasse. Es kamen immer neue, tolle Sachen aus anderen Genres.

Booksection.de: An was arbeitest Du gerade?
Michael Peinkofer: Gerade arbeite ich wie gesagt noch an „Orks 5“. Danach kommt dann ein neuer „Sternenritter“-Band. Es wird bereits der siebte sein. Gerade Jungs lesen gerne die „Sternenritter“ und es macht mir viel Freude, hier neue Abenteuer zu schreiben.

Booksection.de: Michael, ganz vielen Dank für das Gespräch. Es war wie immer eine Freude.
Michael Peinkofer: Ich sage danke! Es hat wieder viel Spaß gemacht.

Sieg der Könige

Die letzte entscheidende Schlacht um Erdwelt hat begonnen. Während in Tirgas Winmar das ultimativ Böse in Gestalt des einstigen Zwergenkönigs Winmar danach giert, endlich die alleinige Herrschaft über alle noch freien Völker zu erlangen, stellen die tapferen Freunde Daghan von Ansun und Bertin Zwergenhammer das Herr der Fünftausend auf.
Die Streitmacht zieht gen Tirgaslan, um die einstige Königstadt und den Thron zurückzugewinnen. Doch der Dunkle König hat seine Augen überall. Während Dag und Bertin die Zwergenstadt Gorta Ruun durch ihren Feldzug entblößen und beinahe ohne Schutz zurücklassen, schickt der Feind seine Schattendrachen und Kaldronen dorthin. Die zurückgebliebenen Frauen und Kinder schweben dadurch in höchster Gefahr. Und noch einen finsteren Plan verfolgt das Böse: Es entführt die kleine Prinzessin Alannah. Doch Balbok und Rammar, die beiden Orks, nehmen die Verfolgung auf. Doch wird es ihnen gelingen, das Kind noch rechtzeitig zu befreien? Oder ist am Ende alles verloren? Hier geht's zur Kritik von "Sieg der Könige"



"Ich war neugierig auf das, was ich außerdem noch im Leben machen kann."

Mit Booksection.de im Gespräch: Die äußerst sympathische und sehr unterhaltsame Autorin Julie Mebes. Ein Blick lohnt sich!

Booksection.de: „Der Himmel neben dem Louvre“ vermittelt den Eindruck, dass Paris wirklich die Stadt ist, in der Sie leidenschaftlich leben. Wann war für Sie ganz klar spürbar, dass Paris die Stadt für Sie ist?
Julie Mebes: Das hat sich eigentlich langsam abgebahnt. Ich war das erste Mal mit 18 in Paris, anschließend immer kurze Reisen, Stippvisiten und über die Jahre ist es dann einfach gewachsen. Ich hatte anschließend das große Glück, beruflich nach Paris zu ziehen, ich war ja Diplomatin, und als ich da wohnte, merkte ich schon sehr schnell, dass ich da nicht mehr weg kann. Ich dachte dann schnell: Hier ist es so schön, hier kann man doch gar keine Probleme haben. Darin habe ich mich etwas geirrt, natürlich kann man in Paris Probleme haben, sehr große sogar, doch auch diese Probleme erlebt man doch irgendwie leichter. Der Gedanke, ich müsste hier wieder weg, an eine andere Botschaft, in ein anderes Land, der schnürte mir die Kehle zu.

Booksection.de: Warum glauben Sie ist das so, dass man sich an einem eigentlich fremden Ort so zuhause fühlt?
Julie Mebes: Ich weiß es nicht. Für mich war es als 18jährige überwältigend, wie schön diese Bauten in Paris sind, diese Architektur, diese verschnörkelten Balkone. Da sind mir damals die Tränen gekommen, und auch heute passiert das noch. Ich heule gar nicht mal so leicht, aber in Paris heule ich regelmäßig, weil ich von der Schönheit der Bauten und dieser Eleganz, die das schon ausstrahlt, einfach so ergriffen bin. Das Glück in Paris machen für mich aber ganz klar die Bewohner aus. Das muss man erklären, weil die Pariser eigentlich in einem schlechten Ruf stehen, ich mich aber mit den Parisern ausgesprochen gut verstehe. Gerade der Umgang untereinander in so einem Großstadtviertel, was sich ja doch als kleines Dorf erweist in vielerlei Hinsicht, das macht für mich schlussendlich den Reiz aus, dort zu wohnen.

Booksection.de: Wenn man Sie so sieht, wie Sie sich kleiden und bewegen, hat man gleich das Gefühl, Sie wirken französisch.
Julie Mebes: Vielen Dank, das empfinde ich als großes Kompliment. In Paris fühle ich mich eher als Außenseiterin. Die Pariser akzeptieren mich völlig, als Nachbarin, als Freundin, sie sehen mich aber bestimmt nicht als Pariserin. Da mangelt es an noch sehr vielem. Ich fühle mich aber sehr stolz, wenn ich auf der Straße von Touristen angesprochen und nach dem Weg gefragt werde. Die kann ich dann täuschen, das habe ich geschafft. (lacht)

Booksection.de: Sie differenzieren in Ihrem Buch ja auch zwischen Französin und Pariserin.
Julie Mebes: In Frankreich gilt das glaube ich besonders stark. Die Hauptstadt Paris scheint da doch noch eine Art anderer Planet zu sein und der Rest des Landes, in dem es ja ungeheure Unterschiede gibt, scheint gefühlt von den Menschen her unterschiedlicher zu sein, als in anderen Ländern. Ich habe auch Freunde im Süden, da darf man im Grunde gar nicht laut sagen, dass man aus Paris kommt. (lacht) Da sind die Pariser wirklich richtig verhasst, sie gelten als schwierig, immer in Eile und machen Probleme. Da mag ja auch was dran sein.

Booksection.de: Fiel Ihnen die Entscheidung, Ihren Dienst zu quittieren, leicht?
Julie Mebes: Es war eine sehr schwere Entscheidung. Es war vor allen Dingen eine Entscheidung, die mir Angst machte, und die vielleicht auch wahnsinnig war. Ich war in einer wirklich gut bezahlten Stellung und habe das aufgegeben. Da steckte keine Resignation dahinter, ich habe diese Arbeit mit ungeheurer Freude zwanzig Jahre lang gemacht, aber ich war neugierig auf das, was ich außerdem noch im Leben machen kann. Diese Entscheidung hing gar nicht mit dem Wunsch, schreiben zu wollen, zusammen, der kam erst wesentlich später. Es war einfach so, dass ich spürte, in Paris bleiben zu wollen und die einzige Möglichkeit war, den Dienst zu quittieren, denn sonst hätte ich wieder weggemusst. Zuerst hatte ich noch darüber nachgedacht, erstmal in Paris zu bleiben und dann weiterzuschauen, aber das fand ich dann so unehrlich mir selbst gegenüber. Damit hätte ich nur das Problem verschoben, denn nach einem Jahr hätte ich auch nicht weggewollt, das wusste ich sicher. Und so habe ich den Dienst aufgegeben und dachte mir, dann finde ich eben irgendwann etwas anderes. Das andere ist dann das Schreiben geworden. Nein, leicht fiel es mir nicht aber es war wirklich so, dass ich wusste, ich kann nicht anders – und insofern war es auch wieder leicht.

Booksection.de: Was war zuerst da – der Wunsch ein Buch zu schreiben oder der Wunsch, ein Buch über Paris zu schreiben?
Julie Mebes: Zuerst war wohl der Gedanke da, schreiben zu wollen. Diesen Gedanken hatte ich schon ganz lange, habe mich aber nie getraut, ich fand das irgendwie so größenwahnsinnig. Dann hat aber Paris schon den Anstoß gegeben, denn dort hatte ich so viele schöne Erlebnisse und hatte Angst, die irgendwann wieder zu vergessen, Angst, dass diese schönen Gefühle sich irgendwann abschwächen würden. So habe ich angefangen, diese Geschichten für mich selber aufzuschreiben, rein für mich selber. Ich lebe jetzt seit zehn Jahren in Paris und merke, dass ich immer noch staune – vorläufig schwächt sich das zum Glück noch nicht ab.

Booksection.de: Sie sind ja in Deutschland geboren und dann in Holland aufgewachsen und leben nun in Paris. Als was fühlen Sie sich eigentlich, welcher Nationalität fühlen Sie sich zugehörig?
Julie Mebes: Am meisten noch der niederländischen Nationalität. Ich bin in Deutschland als Kind deutscher Eltern geboren, mit deutschem Pass, also ein ganz normale deutsches Kind. Als ich elf Jahre alt war, ist meine Mutter mit meiner Schwester und mir nach Holland gegangen. Das war ein richtiger Neuanfang, und dort haben wir uns sehr schnell ganz wunderbar eingelebt. Nach ein paar Jahren haben wir dann die holländische Staatsangehörigkeit angefordert, worauf ein Brief von den deutschen Behörden kam, in dem stand, wir müssten dann unseren deutschen Pass abgeben. Das wussten wir gar nicht, das war so eine Art Betriebsunfall (lacht), aber damals war das noch so, da konnte man nur einen Pass haben. Da haben wir nur ganz kurz drüber nachgedacht, denn uns war klar, wir wollten Holländer werden. Vor allem meine Schul- und Studienzeit haben mich so geformt, dass ich am ehesten sagen kann, Holländerin zu sein, und den Pass behalte ich auch.

Booksection.de: Man sagt den Franzosen ja nach, dass sie sich etwas schwer tun mit allem Deutschen. Wie wird man denn in Paris als Deutscher aufgenommen?
Julie Mebes: Das hängt ganz von Ihnen ab. (lacht) Es ist für Franzosen sehr wichtig, dass man ihnen mit einem Lächeln begegnet. Manche fangen erst an zu lächeln, wenn man sie anlächelt, das ist eine Frage von Aktion und Reaktion. Fremdsprachen sind in der Tat nicht die stärkste Seite der Franzosen, was ich aber gar nicht so sehr als französisches Problem ansehe. Das hängt auch mit der Größe eines Landes zusammen. In Holland ist es so selbstverständlich, dass alle dort Fremdsprachen sprechen, weil man es so unwahrscheinlich findet, dass ein Tourist ausgerechnet Holländisch spricht. In großen Ländern wird das selbstverständlich gefunden, in Italien, Spanien oder England ist es mit den Fremdsprachen nicht so doll, und auch in Deutschland ist es nicht unbedingt leicht, wenn man kein Deutsch spricht. Was bei den Franzosen noch hinzukommt, ist ein wirklicher Stolz auf ihre Sprache, das wird wirklich als Teil des nationalen Kulturerbes gesehen. Deshalb finden sie es nicht so toll, wenn man nach Frankreich kommt und sich vorher nicht einmal die Mühe macht, zwei oder drei Fragen auf F ranzösisch auswendig zu lernen. Das ist dann so ein richtig gekränkter Nationalstolz und ich glaube nicht, dass sie selber sich die Mühe machen würden, in Italien Italienisch zu sprechen. In den Touristengebieten von Paris gibt es mittlerweile in Restaurants und Cafés allerdings immer mehr Kellner, die auch Englisch sprechen.

Booksection.de:
In jedem Fall ist es Ihnen gelungen, auch bei jemandem, der noch nie in Paris war und den es bisher auch nicht sonderlich dorthin zog, eine Tür für diese Stadt zu öffnen und Lust auf Paris zu machen.
Julie Mebes: Ehrlich? Dabei war das doch der Werbespruch von dtv! (lacht) Die haben doch sinngemäß geschrieben: Wer dieses Buch liest, möchte nach Paris – sofort!

Booksection.de:
Wird der Roman auch ins Französische übersetzt werden?
Julie Mebes: Darüber habe ich mit dtv schon mal gesprochen, und für mich wäre es ganz toll, wenn das passieren würde. Aber das heißt natürlich, dass dtv einen französischen Verlag finden muss, der bereit ist, es herauszugeben, das ist nicht so ganz selbstverständlich. Außerdem habe ich auch Angst, dass einiges aus dem Buch im Französischen verloren geht. Denn was zum Teil den Charme dieses Buches ausmacht, sind ja die französischen Zitate, die ich immer wieder einflechte, weil ich möchte, dass der Rhythmus, die Melodie der Sprache miteinfließen. Paris ist ja nicht nur zum Ansehen schön, sondern auch zum Anhören. In einer französischen Übersetzung würde das natürlich völlig wegfallen, denn ein Satz, der uns charmant und französisch in den Ohren klingt, ist für Franzosen ja nur ein ganz normaler Satz. Ich weiß nicht, wie das funktionieren sollte, darüber müsste ich mal mit einem guten Übersetzer reden. Aber dieses Problem mal zur Seite geschoben, wäre es für mich natürlich eine ganz tolle Sache, wenn das Buch auch auf Französisch erscheinen würde.

Booksection.de:
Sie geben ja sehr private Einblicke in Ihr Alltagsleben in Paris und stellen im Buch auch viele Menschen vor, denen Sie täglich begegnen. Würden die sich, würde das Buch ins Französische übersetzt werden, darin wieder erkennen? Und was würden Sie Ihrer Meinung nach dazu sagen?
Julie Mebes: Ich denke, sie würden sich ganz gewiss wieder erkennen und das ist gleichzeitig meine große Sorge. (lacht) Denn ich beschreibe Nachbarn genau so, wie sie sind. Ich habe sie anonymisiert, weil ich ja keine Adresse angebe. Man weiß zwar, um welches Viertel es sich handelt, aber es könnte ja jedes Haus in diesem Viertel sein, und ich habe auch Namen abgeändert. Aber ansonsten sind Leute genauso beschrieben, wie sie sind und ich glaube schon, dass jemand aus meinem Haus, der das Buch liest, sich auch leicht wieder erkennt. Unter den Personen, die ich beschreibe, sind nur drei, die überhaupt wissen, dass ich über sie geschrieben habe, der Rest weiß es gar nicht. Ich schreibe ja auch im Buch, dass ich dieses fürchterliche Gewissen habe, das immer auf mir wiegt, das ist schlimmer als jede Kirche. (lacht) Und ich kam mir wirklich sehr oft richtig schlecht dabei vor, wenn ich gerade im Haus mit jemandem geredet habe und dann in meine Wohnung abgezischt bin, weil ich das unbedingt aufschreiben musste. Ich muss aber auch sagen, dass ich auch vieles weggelassen habe, zu private Dinge über andere Personen habe ich nicht mit aufgenommen. Aber es sind schon Passagen im Buch, bei denen ich denke: Ganz gut, dass die das nicht lesen können. (lacht) Obwohl alles ganz liebevoll gemeint ist.

Booksection.de:
Sie erwähnen im Buch ja immer wieder, dass es als Frau leichter sei, in Paris zu leben, als an einem anderen Ort. Warum empfinden Sie das so?
Julie Mebes: Ja, das finde ich unbedingt! Das sind diese kleinen Dinge, die einem den Alltag so erleichtern. Ich lebe als Frau alleine, und in Holland würde ich im Restaurant den Tisch neben den Toiletten zugewiesen bekommen. Oder die Leute am Nebentisch würden denken, ach die Arme, die sitzt da alleine, ihr Date hat sie sitzengelassen, bis hin zu: „Sie können sich zu uns setzen.“, was ungefähr das Letzte ist, was ich möchte. (lacht) Das passiert einem in Paris nie, man bekommt als Frau einen schönen Tisch, man wird vom Kellner umspielt, man fühlt sich einfach wohl. Es ist völlig akzeptiert, dass man in vielerlei Hinsicht ein selbständiges Leben führen kann und keine bemitleidenswerte Nummer ist. Ich finde das Leben tatsächlich leichter in Paris.

Booksection.de:
Während Ihrer Tätigkeit als Diplomatin sind Sie ja viel in der Welt herumgekommen. Hätten Sie einen alternativen Ort, an dem Sie leben könnten, sollte es aus irgendeinem Grund nicht mehr Paris sein?
Julie Mebes: Oh ja, da gibt es zwei Städte, die beide in Europa liegen. Ich könnte auch sehr gut in Rom leben, obwohl ich nicht weiß, ob ich es dort bis an mein Lebensende aushalten würde. Aber ich könnte über mehrere Jahre sehr schön in Rom leben, das ist eine Stadt, die ich auch relativ gut kenne. Die andere Stadt, in der ich mir gut vorstellen könnte zu leben, wäre Wien, dort war ich eine Zeitlang sehr häufig und ich habe das Gefühl, diese Stadt sehr gut zu kennen, ohne je dort gelebt zu haben. Wobei man eine Stadt ja erst richtig kennt, wenn man mal dort gelebt hat. Wien ist eine dieser Städte, in der das Alte so bewahrt geblieben ist, auch das Traditionsreiche, was eine Atmosphäre schafft, die man nicht mehr so oft findet und die ich sehr gerne habe. Das vereint Paris, Wien und Rom ja auch, wobei alle drei Städte auch gleichzeitig das Moderne haben, was mir sehr wichtig ist.

Booksection.de: Frau Mebes, vielen Dank für dieses kurzweilige und wirklich unterhaltsame Gespräch! Wir freuen uns jetzt schon auf Ihren nächsten Roman.

Der Himmel neben dem Louvre

Julie Mebes war Diplomatin in Brüssel und Paris, Botschaftsrätin bei der EU und stellvertretende Botschafterin bei der UNESCO. 2010 quittierte sie den Dienst, um in Paris bleiben zu können. Sie erzählt in ihren kurzen Kapiteln von ihrem Leben im Rive Droite, im 1. Arrondissement, einem der nobelsten, altehrwürdigsten und elegantesten Quartiers im Herzen von Paris und nimmt die Leser dabei mit in ihr ganz eigenes, persönliches Paris. In Teesalons, auf bunten Märkten, in kleinen Straßen und großen Boulevards entfaltet sich der ganz eigene Charme der französischen Hauptstadt…Hier geht's zur Kritik von "Der Himmel neben dem Louvre"



"Wenn du verstanden hast, wie es funktioniert, wirst du sehr schwer etwas verändern können."

Mit Markus Heitz sprachen wir dieses Jahr über seine "Zwerge", das politisch-motivierte "Kommando Flächenbrand" und natürlich über "Exkarnation - Seelensterben"

Booksection.de: Wenn man Deine Bibliographie verfolgt, scheint es mit der Zeit immer mehr, statt weniger zu werden. Noch immer giltst Du als Vielschreiber und das bei mehreren Verlagen und in vielen Bereichen...
Markus Heitz: Meine Ideen werden nicht weniger. Das eine hängt ja mit dem anderen zusammen. Solange ich Ideen habe, die ich schreiben will, Geschichten, die ich erzählen will, wäre ich ja blöd, wenn ich es jetzt langsamer angehen würde. Und außerdem gibt es ja noch den Grufti-Aspekt: Man denkt an Tod und Vergänglichkeit und weiß nie, WANN es vorbei sein wird. Es gibt da noch so viele Ideen, die ich noch raushauen möchte, bevor es mich erwischt.

Booksection.de: Wie viel davon ist Leidenschaft, wie viel Disziplin?
Markus Heitz: Leidenschaft ist der überwiegende Teil. Es gibt Tage, an denen das Schreiben sehr viel Disziplin erfordert, vor allem dann, wenn es ums Überarbeiten geht. Wenn Du zum dritten, vierten Mal den gleichen Text liest, ist halt gar nichts mehr überraschend. Das ist wahrscheinlich wie bei einem Regisseur im Schneideraum. Der denkt dann auch irgendwann: „Boah, wenn ich die Szene noch ein Mal sehe...!“
Beim ersten Durchgang, in denen ich die Welten und die Handlung entwerfe: Das ist 100% Leidenschaft. Es hat dann mit Disziplin recht wenig zu tun, weil es raus will, ohne Chance, irgendetwas aufzuhalten.

Booksection.de: Im August erschien die Fortsetzung zu „Exkarnation“. „Seelensterben“ wurde rasant und spannend. Ähnlich wie bei den gerade erfolgreichen Marvel-Filmen kreuzt auch Du immer wieder altbekannte Figuren aus Deinen vergangenen Büchern. Wie schwer kannst Du Dich von ihnen trennen?
Markus Heitz: Ich finde leider viele Figuren einfach zu cool, um sie sterben zu lassen. Das soll aber nicht heißen, dass es nicht doch eine Hauptfigur erwischen könnte.

Booksection.de: Ist Dir da eine Figur besonders ans Herz gewachsen?
Markus Heitz: Korff gehört da mit dazu...

Booksection.de: ...wobei der noch nicht ganz so alt ist in Deinen Büchern...
Markus Heitz: Ja, aber ich mag den Ansatz sehr gerne. Und Ares Löwenstein, weil er halt so gar nichts Besonderes kann. Sia mag ich auch sehr. Sie hat, weil sie schon so lange im Geschäft ist, einen kleinen Bonus.

Booksection.de: Nach „Kommando Flächenbrand“: Du solltest einen Polit-Thriller schreiben. Schon mal daran gedacht?
Markus Heitz: Ja, aber mir fehlt die Zeit (lacht). Es ist kein Problem an Infos zu kommen, Verflechtungen zu zeigen, was frustrierend und deprimierend ist im Grunde, wenn man motiviert startet, um etwas zu verändern und sehr schnell merkst: Die Maschinerie läuft und wenn Du da rein greifst, fräst es Dir einfach die Hand weg. Ich glaube aber, die meisten Menschen wissen das aber. Wenn du verstanden hast, wie es funktioniert, wirst du sehr schwer etwas verändern können. Das hat mich in der Zeit als Journalist schon aufgeregt. Bei einer Studie kam heraus, dass die Jugend von heute so motiviert ist wie selten, sich engagieren möchte, sich beteiligen möchte - aber eben nicht in etablierten Parteien. Ich behaupte: Die Jugendlichen haben begriffen, dass sie in den etablierten Parteien nur dann mitspielen können, wenn sie sich da eingliedern. Oder sie haben null Chance. Jetzt aber die spannende Frage: Wie verändere ich was, ohne in einer Partei zu sein?

Booksection.de: Es scheint, als gehen Dir die Spielchen unserer Politiker mächtig auf den Zeiger. Wie wütend bist Du?
Markus Heitz: Ja sehr. Weil alle Politiker wissen wie es läuft und sich scheinbar damit arrangierten. 2008 ging es mit den Flüchtlingen los. Da hatten wir aber das „Glück“ (Zynismus!), dass sie nicht bis zu uns kamen. Man dachte sich, dass es sich schon irgendwie regeln wird. 2012 wurde das erste Mal darüber gesprochen, in Syrien nicht vielleicht doch militärischen einzugreifen. Abgelehnt. Kaum kommen die Verzweifelten zu uns, will man auf einmal danach streben, in Syrien für den Frieden zu sorgen. Und das ist das aller zynischste! Es wird immer erst reagiert, wenn es einen selbst betrifft. Das macht mich wirklich wütend. Sicherlich kann man nicht überall die Brände löschen, sich aber wissend zurücklehnen, Waffen und Panzer zu verkaufen, in der Hoffnung, dass es schneller geht... was soll man dazu noch sagen? Um noch einmal zynisch zu werden: Schade, dass keiner der Flüchtlinge irgendeine Bank besitzt, die ins Wanken gerät. Ich wäre sicher, Brüssel würde sich was einfallen lassen.

Booksection.de: Fällt Dir das Erschließen eines neuen Genres eigentlich leicht?
Markus Heitz: Ich suche mir nur das heraus, was mir leicht fällt zu schreiben. Wenn ich merke, dass es mir zu schwer fällt und ich nicht reinkomme, würde ich es lassen. Beispiel: Angenommen, man schlägt mir vor, einen Liebesroman zu schreiben, also so eine richtige Schnulze, wäre das schwierig, weil ich es mir nicht vorstellen kann. Ohne einen Ansatz, den ich lustig finde, würde das nicht funktionieren.
Wenn mich aber was aufregt und ich etwas herausfinden will, dann schreibe ich darüber. Da kommt mir meine journalistische Tätigkeit sehr zugute. Da gehört wieder die Leidenschaft dazu herauszufinden, wie Dinge funktionieren.

Booksection.de: Du hast im Februar diesen Jahres den fünften Band der „Zwerge“ veröffentlicht. Sieben Jahre nach Band 4...
Markus Heitz: Ja, sieben Zwerge sozusagen.

Booksection.de: Wie schwer oder leicht war es denn eigentlich, zu den Kleinen zurückzukehren?
Markus Heitz: In der Tat etwas schwerer, weil ich noch im Albae-Modus war. Ich hatte mich sehr auf diese Welt eingespielt. Im letzten Albae-Band gab es aber schon Andeutungen, wie es mit den Zwergen weitergeht. Danach ging es wieder, weil ich mich auch darauf gefreut habe zurückzukehren und aus deren Perspektive zu erzählen.

Booksection.de: Dabei ist der fünfte Zwerge-Band deutlich rasanter und auch ernster geworden...
Markus Heitz: ...was natürlich auch den Begebenheiten im Geborgenen Land geschuldet ist. Es war schon etwas härter, was die Bewohner und Helden einstecken mussten. Sollte es einen sechsten Band geben, könnte ich mir vorstellen, dass es da wieder entspannter und lustiger zugeht.

Booksection.de: So? „Die Zwerge 6“?
Markus Heitz: Ich schließe nichts mehr aus in meiner schriftstellerischen Karriere. Den Fehler habe ich ein Mal gemacht.

Booksection.de: Haben die Fans auf den fünften Band gewartet?
Markus Heitz: Die Zwerge waren ja eigentlich nie wirklich weg – es gab ja die Albae, und mit dem letzten Albae-Band habe ich ja so eine kleine Brücke zu den Zwergen geschlagen, und dennoch haben die Zwerge-Fans tatsächlich tapfer gewartet. „Der Triumph der Zwerge“ war aus dem Stand erfolgreicher als der letzte Albae-Band. Es gibt eben noch immer ungemein viele Zwerge-Fans. Wenn man sich überlegt, dass der erste Band im Jahr 2003 erschien und welche Treue die Fans tatsächlich zu den Figuren, diesen Romanen haben. Da staunt man schon nicht schlecht. Und ich freue mich sehr darüber! Danke an die Fans.

Booksection.de: Setzt Dich das eigentlich irgendwie unter Druck?
Markus Heitz: Nein.

Booksection.de: Du schreibst erst mal für Dich...
Markus Heitz: Alles, was ich schreibe, möchte ich auch lesen. Ich denke nicht daran, wie es wohl beim Lektor, beim Leser oder beim Verlag ankommt. Ich blende das tatsächlich aus, weil es im Endeffekt niemandem irgendetwas bringt. Wenn ich versuche, strategisch ranzugehen und mir Fragen stellte wie „Was wollen die Fans?“, würde das für mich nicht funktionieren.

Booksection.de: Als nächstes lesen wir von Markus Heitz?
Markus Heitz: Im November kommt „Aera - Die Rückkehr der Götter“. Das gab es bisher ja nur als E-Serial und weil das gedruckte Buch noch immer am beliebtesten bei den Fans ist, erscheint es nun als „richtiges Buch“. Im Januar 2016 kommt „Drachengift“, der dritte Teil nach „Die Mächte des Feuers“ und „Drachenkaiser“. Im Herbst 2016 plane ich ein neues Fantasy-Projekt: andere Welt, anderes Setting. Alles neu.

Booksection.de: Wir sind gespannt. Vielen Dank, Markus!


Der Triumph der Zwerge

Der Krieg um das Geborgene Land scheint vorüber. Frieden kehrt ein und die Völker festigen ihre Freundschaft, um geeint jeder Gefahr zu trotzen. Doch die Elben schmieden in ihren alten Reichen einen bedrohlichen Bund. Und im Grauen Gebirge wird ein Menschenkind aus dem Jenseitigen Land gefunden, das die Sprache der Albae spricht. Auf wundersame Weise gewinnt das Mädchen die Gunst vieler Bewohner des Geborgenen Landes, während die Zwerge dem Neuankömmling misstrauisch gegenüberstehen. Als ein übermächtiger Feind im Gebirge gesichtet wird, stellt sich heraus, dass das Mädchen ein Geheimnis hat, das die Zukunft des Volkes der Zwerge verändern wird. Wird eine letzte Schlacht geschlagen werden müssen? Und handelt es sich bei dem zurückgekehrten Tungdil tatsächlich um den legendären Helden der Axtschwinger? Hier geht's zur Kritik von "Der Triumph der Zwerge"


Exkarnation - Seelensterben

Eine Seelenwanderin auf der erbitterten Jagd nach einem skrupellosen Entführer, eine uralte Vampirin auf einer Rettungsmission, die sie an Orte führt, von denen es kaum ein Entkommen gibt und ein Mann ohne Gedächtnis, der versucht, die Schuldigen zu finden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich ihre Wege kreuzen...Hier geht's zur Kritik von "Exkarnation - Seelensterben"





Kommando Flächenbrand

Was hält uns, wenn das eigene Leben in Gefahr ist? Nichts.
Der internationale Bestsellerautor Markus Heitz nimmt sich in vier politischen Erzählungen gesellschaftlichen Themen sowie der aktuellen Flüchtlingsproblematik an und bringt den Leser in gewohnt unterhaltsamer, aber auch sozialkritischer Form zum Nachdenken. Als die ersten Geschichten entstanden, schrieb er noch von Fiktion - inzwischen hat ihn und unsere Gesellschaft die Realität eingeholt. Egal wie brutal und überspitzt Heitz erzählt, so ist das Leben und oft auch der Mitmensch neben uns im Handeln und Denken ungleich brutaler. Hier geht's zur Kritik von "Kommando Flächenbrand"



"Es schärft den Blick."

Die äußerst erfolgreiche und authentisch agierende Schauspielerin Andrea Sawatzki traf sich mit uns, um über ihr aktuelles Buch "Der Blick fremder Augen" zu sprechen.

Booksection.de: 2013 erschien Ihr Debütroman „Ein allzu braves Mädchen”. Damit sind Sie als Autorin, im Gegensatz zur Schauspielerei, noch relativ neu im Geschäft. Was ist in Ihren Augen der wesentliche Unterschied zwischen diesen beiden Berufen?
Andrea Sawatzki: Indem man natürlich als Schauspielerin seinen Körper, seine Stimme braucht, während beim Schreiben alles im Kopf und damit für den Betrachter unsichtbar ist. Aber ich muss sagen, dass das Schreiben insofern mit der Schauspielerei zu tun hat, dass man sehr viel beobachten muss, um den Figuren Leben und Inhalt zu geben. Da ich das als Schauspielerin auch machen muss, um Figuren zu kreieren, nähern sich diese beiden Berufe in gewisser Weise an.

Booksection.de: War für Sie irgendwann der Moment da, wo Sie das Bücherschreiben als eine Art Ruheinsel zum Filmedrehen empfunden haben?
Andrea Sawatzki: Nein, die Schauspielerei ist nach wie vor mein Liebstes, davon brauche ich mich nicht zu erholen. (lacht) Ich habe schon immer sehr gerne geschrieben aber eben nur für mich. Ich hätte mir aber nicht zugetraut, ein Buch zu schreiben, so weit hatte ich gar nicht gedacht. Ich setze mich seit etwa zehn Jahren mit dem Thema Kindheitsmisshandlung auseinander und das Wissen, was ich mir durch Gespräche mit Therapeuten und Psychologen angeeignet hatte, habe ich auf eine fiktive Figur übertragen und für mich aufgeschrieben. Vor etwa drei Jahren habe ich versucht, daraus, mit einer fiktiven Hauptperson, ein Buch zu schreiben. Das ist entstanden, ohne dass ich wirklich daran glaubte, dass es klappen könnte.

Booksection.de: Empfanden Sie den Erwartungsdruck als besonders groß, als Schauspielerin, die in Deutschland Rang und Namen hat, einen Roman zu veröffentlichen?
Andrea Sawatzki: Die Sorge hatte ich nicht unbedingt und selbst wenn, können wir Schauspieler ja gut mit Kritik umgehen. Wobei es immer wieder vorkommt, dass uns jemand nicht mag. Da muss man separieren, ob das Menschen sind, die uns als Menschen nicht mögen oder unsere Arbeit.

Booksection.de: In welchem der beiden Bereiche treffen negative Kritiken Sie härter?
Andrea Sawatzki: Im Grunde ist das das gleiche, ich bin aber nicht unbedingt ein Kritikenleser. (lacht) Ich freue mich, wenn meine Freunde mir Kritiken zum lesen geben, die sind dann meistens gut, und wenn ich zufälligerweise mal auf etwas Negatives stoße, lese ich das und versuche dann, es schnell wieder zu vergessen.

Booksection.de: In welchem der beiden Berufe hat man es Ihrer Erfahrung nach schwerer, sich als Frau zu behaupten?
Andrea Sawatzki: Es gibt natürlich mehr Rollen für Männer in der Schauspielerei. Wahrscheinlich hat man es da als Frau schwerer, das könnte schon sein. Beim Schreiben hingegen hält sich das die Waage.

Booksection.de: „Tief durchatmen, die Familie kommt“ wurde ja gerade vom ZDF mit Ihnen in der Rolle der Gundula Bundschuh verfilmt. War es für Sie schwierig, einen von Ihnen geschaffenen Charakter auch selbst zu verkörpern?
Andrea Sawatzki: Nein, gar nicht. Man macht sich ja immer Gedanken zu den Figuren, die man spielt und so war das auch bei Gundula. Ich habe das Drehbuch ja nicht geschrieben, sondern nur den Roman, das Drehbuch hat Mathias Klaschka verfasst. Die Figuren weichen alle etwas vom Original ab, so dass ich da ganz fremd rangegangen bin, wie ich an jede Rolle erst mal rangehe.

Booksection.de: Waren Sie mit dem Ergebnis am Ende zufrieden, war es so, wie Sie es sich im Buch vorgestellt hatten?
Andrea Sawatzki: Ich war sehr positiv überrascht, dass dieser Film wirklich eine sehr schwarze Komödie geworden ist. Es ist nicht unbedingt harmonisch, was, wie ich finde, eine spannende Komödie ausmacht. Wenn es eine Katastrophe als Boden gibt, etwas, wogegen die Menschen ankämpfen müssen, etwas lebensbedrohliches, die Existenz bedrohendes, daraus kann man die besten Komödien machen. So ist das am Ende dann auch geworden – ich bin gespannt, wie es ankommt, am 21.12. ist die Erstausstrahlung.

Booksection.de: Wie nahe ist Ihnen denn Gundula Bundschuh?
Andrea Sawatzki: Die ist mir so nah wie alle Figuren, die ich schreibe. Ich mache da keine Unterschiede, die sind mir alle ans Herz gewachsen, da ist keiner wichtiger als der andere.

Booksection.de: Ihre Darstellung in „Vom Atmen unter Wasser“ war unglaublich intensiv und nachhaltig beeindruckend, man hatte den Eindruck, dass das irgendwie tiefer ging, als bei anderen Rollen. War es schwierig, das umzusetzen oder war das für Sie wie jede andere Rolle auch?
Andrea Sawatzki: Das war ein sehr intensiver Film, der sich wirklich auch sehr mutig mit dem Verlust eines Kindes auseinandergesetzt hat. Insofern konnte ich da auch tiefer gehen, als man es sonst gewöhnlich im Fernsehen kann. Da ich ein Mensch bin, der sowieso einen Hang zur Düsternis hat, weil ich mich schon immer dafür interessiere, was hinter der Fassade der Menschen schlummert, hat das großen Spaß gemacht und es war nicht schwer, da abzutauchen in diese Depression. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, wie das ist.

Booksection.de: Es war auf jeden Fall von Ihnen brillant gespielt.
Andrea Sawatzki: Danke!

Booksection.de: Könnten Sie sich auch vorstellen, in einem Ihrer Krimis die Hauptrolle zu spielen?
Andrea Sawatzki: Es wäre sehr schön. Es gibt ja in „Der Blick fremder Augen“ die Kommissarin Melanie Fallersleben, die auch etwa mein Alter hat. Die Filmrechte sind bereits an Regina Ziegler vergeben, die auch die Komödien verfilmt, bzw. verfilmen möchte, die zweite ist ja noch nicht verfilmt. Da wäre die Melanie Fallersleben schon mein Traum.

Booksection.de: Eine sehr interessante Figur, bei der spürbar ist, dass da noch jede Menge Potential schlummert.
Andrea Sawatzki: Danke! (lacht)

Booksection.de: Wird es weitere Fälle mit Melanie Fallersleben geben?
Andrea Sawatzki: Ja, ich denke schon.

Booksection.de: Wird es auch eine Fortsetzung über die Geschicke der Familie Bundschuh geben?
Andrea Sawatzki: Ja, ich muss jetzt den dritten Teil für den Piper-Verlag schreiben und möchte da schon noch weitergehen. Wenn die Quote bei „Tief durchatmen, die Familie kommt“ stimmt, würde das ZDF auch den zweiten Teil „Von Erholung war nie die Rede“ verfilmen wollen, dazu gibt es auch schon ein Drehbuch. Und wenn das wiederum klappt, dann könnte man immer weiterdrehen. (lacht)

Booksection.de: Vermissen Sie manchmal die Rolle der Charlotte Sänger, die Sie ja immerhin acht Jahre lang für den Frankfurter „Tatort“ verkörpert haben?
Andrea Sawatzki: Vermissen ist vielleicht zu viel gesagt, aber ich habe sie sehr gern gespielt. Die ist mir sehr ans Herz gewachsen.

Booksection.de: Ja, sie fehlt ein bisschen, zumal der Frankfurter „Tatort“ seither ja nicht mehr sonderlich erfolgreich ist.
Andrea Sawatzki: Ich habe ihn seither gar nicht mehr gesehen.

Booksection.de: Joachim Krol war als doch auch gestörter Charakter wirklich großartig, aber irgendwie kam er nicht wirklich an. Seither funktioniert der Frankfurter „Tatort“ nicht mehr. Sie müssen einfach wieder kommen!
Andrea Sawatzki: (lacht) Die Plätze sind jetzt besetzt, mittlerweile ist ja auch wieder ein neues Team – Wolfram Koch und Margarita Broich.

Booksection.de: Schauen Sie selber den „Tatort“?
Andrea Sawatzki: Eher nicht, weil das genau die Zeit ist, in der wir versuchen, unsere Kinder ins Bett zu bringen. (lacht)

Booksection.de: Welche Bücher lesen Sie persönlich am liebsten?
Andrea Sawatzki: Wenig Krimis, muss ich sagen, ich lese gerne Tana French, ihre Krimis sind fantastisch. Ansonsten mag ich gerne Stewart O’Nan, „Engel im Schnee“, das ist eigentlich mein Lieblingsbuch, Hermann Koch „Sommerhaus mit Swimmingpool“ und „Angerichtet“. Ansonsten aber auch gerne mal Klassiker, Fallada mag ich sehr gern, Edgar Allan Poe finde ich fantastisch, Hemmingway mag ich gern, Camus… Eher die älteren.

Booksection.de: Sie haben ja selber Kinder. Wie sehen Sie selbst die Zukunft des Buches bei unseren Kindern und Jugendlichen?
Andrea Sawatzki: Unsere eigenen Kinder lesen leider sehr wenig. Ich bin da aber trotzdem optimistisch. Ich selber habe auch zeitweise weniger gelesen und dann wieder mehr. Ich halte mich immer an den Regisseur Luc Bondy, der bis zu seinem 22. Lebensjahr nie gelesen hat. Sein Vater wollte das immer von ihm, er hat sich aber geweigert und kein einziges Buch gelesen - jetzt ist er der belesenste Regisseur Europas. Manchmal kommt das auch später, und daran glaube ich, ich glaube, man kann einfach nicht ohne Bücher… ich hoffe, man kann nicht ohne Bücher sein.

Booksection.de: Viele sehen ja die Zukunft im E-Book und sagen voraus, das gebundene Buch habe keine Zukunft mehr.
Andrea Sawatzki: Gerade heute habe ich gelesen, dass der Trend wieder rückläufig sei, der Buchverkauf ist wieder etwas höher und der E-Book-Verkauf geht zurück. Ich bin auch kein E-Book-Fan, ich habe selber keines.

Booksection.de: Verändert das Schreiben das Tun als Schauspielerin?
Andrea Sawatzki: Ich glaube, es schärft den Blick. Wenn man schreibt, muss man präziser sein und ich glaube, das tut auch der Schauspielerei ganz gut. Man wird präziser und nicht mehr so oberflächlich. Es ist in jedem Fall eine gute Übung.

Booksection.de: Frau Sawatzki, vielen Dank für das interessante Gespräch!

Der Blick fremder Augen

Grausam inszenierte Morde sind es, die Kommissarin Melanie Fallersleben und ihren Kollegen Steffen Müller beschäftigen, Morde, die vom Muster her ähnlich sind, aber doch zunächst keine Verbindungspunkte aufweisen. Das erste Opfer ist eine reiche Immobilienbesitzerin, die mit durchtrennter Kehle aufgefunden wurde, ein Motiv für den brutalen Mord suchen die Ermittler allerdings zunächst ohne Erfolg. Doch Melanie ist es gewohnt, bei ihren Ermittlungen stets auch die dunkelsten Abgründe der menschlichen Seele zu betreten – Abgründe, die ihr selber nicht fremd sind. Doch hier hat sie das Gefühl, einfach nicht weiterzukommen, fast scheint es ihr, als würde sie die Essenz dieses Falles nicht richtig greifen können.
Denn noch ahnt Fallersleben nicht, welch gequälte Seele hinter diesen Taten steckt und welche Beweggründe sie dazu treiben, immer weiter zu morden. Doch dann treffen erste versteckte Botschaften an die Ermittlerin ein, Botschaften, die derart verstörend sind, dass selbst die erfahrene Kommissarin mit in den dunklen Abgrund gerissen zu werden droht…Hier geht's zur Kritik von "Der Blick fremder Augen"



„Ich wollte gerne den Gedanken vermitteln, dass das Leben immer ein Abenteuer ist, das nie aufhört.“

Emma Hooper sprach mit uns über Ihr Romandebüt „Etta und Otto und Russell und James“, das Abenteuer des Älterwerdens und warum jedes Buch einen sprechenden Kojoten haben sollte.

Booksection.de: Ihr erster Roman „Etta und Otto und Russel und James“ ist ein großer Erfolg. Was hat sich dadurch für Sie verändert?
Emma Hooper: Auf der einen Seite hat sich viel verändert, auf der anderen Seite wenig. Ich habe schon immer geschrieben. Dies ist zwar mein erster Roman, der veröffentlicht wurde, aber ich habe schon davor geschrieben, auch Kurzgeschichten, Gedichte und Romane. Das hat sich also nicht geändert. Aber jetzt, plötzlich, reise ich in der Welt herum und es ist sehr aufregend, etwas geschaffen zu haben, über das andere nachdenken und reden. Klar ist es toll, wenn einem die Menschen auf den Rücken klopfen, aber man lernt auch selbst so viel, zum Beispiel letzte Woche war ein Mann sich sicher, dass die Brücke, von der im Buch die Rede ist, die und die bestimmte Brücke sei. Und ich dachte „Wow, ja, das wusste ich gar nicht!“ Ja, man lernt wirklich selbst viel … (lacht).

Booksection.de: Gibt es aus unterschiedlichen Ländern auch unterschiedliche Reaktionen auf Ihr Buch?
Emma Hooper: Es gibt auf jeden Fall generell viele verschiedene Reaktionen, aber interessanterweise sind sie nicht unbedingt von Land zu Land unterschiedlich.

Booksection.de: Ist es vielleicht so, dass die Leser je nach Generation anders reagieren, dass ältere anders reagieren als jüngere?
Emma Hooper: Junge Leute sehen in den Figuren ihre Familienmitglieder, können sie zuordnen, erkennen da vielleicht ihre Mutter, dort ihre Großmutter, sehen ihre Familiengeschichte. Ältere wiederum erkennen sich in den Figuren selbst. Aber ich glaube, die Reaktion in Kanada war anders, denn es ist ein kanadisches Buch. Die Leser erkennen die Plätze, die Dinge und viele sind auch davon überzeugt, irgendwie mit mir verwandt zu sein oder sie kennen die Mutter von jemandem, der mit meiner Mutter in die Schule gegangen ist (lacht). Nein, was aber für mich interessant ist, ist, dass Länder wie Deutschland, England, Finnland alle durchweg positiv auf mein Buch reagiert haben. Das finde ich großartig.

Booksection.de: Alle Hauptfiguren im Buch sind irgendwie auf einer Reise zu sich selbst. Gab es während des Schreibens auch für Sie eine innere Reise?
Emma Hooper: Einen Roman zu schreiben braucht viel Zeit und man muss selbst psychologische Tricks anwenden, um bis zum Schluss durchzuhalten. Da hat man Zeiten, in denen man denkt, dass das alles zu lange geht, dass man zum Ende kommen muss und selbst nicht weiß, was nun eigentlich der Kern ist und dann wieder läuft alles fantastisch und man gleitet so dahin von einer Sache zur nächsten, nur um dann bald wieder zu denken, dass das alles doch nichts wird und dass jeder dieses Buch hassen wird. Ja, man geht definitiv durch das Buch auf eine Reise. Und man diskutiert auch mit seinen Nächsten viel darüber. Ich habe ja schon ein zweites Buch geschrieben.

Booksection.de: Dann können wir uns ja bald wieder für ein Interview treffen…
Emma Hooper: Ja, gerne, es wird auch schon bald veröffentlicht. Und auch bei diesem Buch hatte ich den Gedanken, alles hinzuschmeißen, aber dann wusste ich ja, dass ich das alles ja schon beim ersten Buch erlebt hatte und ich wusste, dass ich das Dunkel hinter mir lassen und am Ende alles gut werden würde.

Booksection.de: Durch Rückblenden erzählen Sie geschickt aus den Leben Ihrer Figuren. Wie sie zu dem wurden, was sie heute sind. War es für Sie schwierig, das Heute mit dem Damals stimmig zu verweben?
Emma Hooper: Das Problem, das ich hatte, war, dass ich an der Universität gearbeitet und Musik gemacht hatte, während ich das Buch schrieb. In dieser Zeit war ich wirklich sehr beschäftigt. Das hatte zur Folge, dass ich durchaus mal zwei Wochen nicht geschrieben habe und wenn ich mich dann wieder hingesetzt habe, wusste ich nicht mehr, was überhaupt passiert war. Ich wusste nicht mehr, wo ich bin und war total durcheinander. Ich finde es aber trotzdem einfacher, so zu schreiben, mal hin und zurück und nicht immer nur strickt geradeaus.

Booksection.de: Also erzählen Sie die Geschichte erst mal für sich selbst?
Emma Hooper: Ja genau, eigentlich sollte man ja für das Publikum schreiben, aber das erste Publikum bin eben ich. Aber man sollte auch ganz bestimmt der erste Leser des eigenen Buches sein und dann kann man es anderen präsentieren.

Booksection.de: Diese Rückblenden – haben Sie die schon vor dem Schreiben im Kopf oder entstehen sie im Buch, beim Schreiben?
Emma Hooper: Sie wachsen aus dem Buch, aus der Geschichte, heraus. Ich plane nicht viel beim Schreiben und ich bin selbst gespannt darauf, was als nächstes passieren wird. Plötzlich finde ich mich mitten auf einem See wieder und weiß nicht, wie ich dahin gekommen bin (lacht). Mir macht es viel Spaß so zu schreiben. Beim Lesen weiß man ja auch nicht, was als nächstes kommt.

Booksection.de: Warum haben Sie nicht über Menschen in Ihrem Alter geschrieben, sondern über die Generation Ihrer Großeltern?
Emma Hooper: Das ist eine gute Frage. Ich glaube, ich wollte über diese langen Leben schreiben, darüber, wie es war als sie jung waren, dann älter wurden …. um diese Geschichte zu erzählen, muss das von Menschen erlebt werden, die jetzt in diesem Alter sind, damit ich das ganze Lebensspektrum abdecken kann.

Booksection.de: Gibt es für Sie in diesem Buch zentrale Botschaften, die Sie vermitteln wollen? Das Buch erzählt so viel über Liebe und Freundschaft und auch über das Älterwerden. Ist es für Sie besonders wichtig, dem Leser etwas über das Älterwerden zu erzählen?
Emma Hooper: Ja, ich wollte gerne den Gedanken vermitteln, dass das Leben immer ein Abenteuer ist, das nie aufhört. Für junge Leute ist alles ein Abenteuer, aber sie denken, dass es mit dem Altwerden aufhört. Es war mir wichtig, von alten Leuten zu erzählen, die eben nicht nur zurückblicken, sondern nach vorne und auf das, was sie jetzt gerade machen. Wenn man keine Abenteuer mehr erlebt, hat man keine Hoffnung mehr. Wenn man aber mit 83 morgens aufwacht und darüber nachdenkt, was man heute macht und was der Tag einem bringen wird, dann hat man Hoffnung und man schaut nach vorne.

Booksection.de: Nachdem ich das Buch gelesen hatte, habe ich selbst viel über das Älterwerden nachgedacht und darüber, was ich mir für diese Lebensphase wünschen würde. Was bedeutet Älterwerden für Sie persönlich?
Emma Hooper: Es bedeutet nicht aufzuhören, das ist wirklich wichtig. Man hat ja während seines Lebens viele Meilensteine … heiraten, Kinder bekommen, Haus bauen und so weiter. Aber diese Meilensteine sind auch nicht alles. Für mich ist es wichtig, immer neue Ziele zu haben, immer weiterzumachen, immer offen zu sein für Neues. Ich ziehe jetzt nach England und viele fragen mich, ob ich da für immer bleibe. Das weiß ich doch jetzt noch nicht! Vielleicht gehe ich zurück nach Kanada, vielleicht ziehe ich nach Frankreich oder Australien. Ich halte mir gerne alle Türen offen. Nichts ist unveränderlich.

Booksection.de: …es gibt immer viele Möglichkeiten …
Emma Hooper: … ja, genau und man muss keine Angst vor dem Älterwerden haben. Das Leben geht einfach weiter.

Booksection.de: Ich habe mich gefragt, warum sich Etta zu Fuß auf den Weg macht?
Emma Hooper: Zum einen war es eine spontane Idee loszugehen und zum anderen wollte ich, dass sie den langsamsten Weg geht. Der Weg ist das Ziel, das passt hier gut und weil es eine lange Reise ist, findet sie sich selbst auf dieser Reise, sie musste ja viel Zeit mit sich selbst verbringen und mir ihrem Land auch.

Booksection.de: … na ja, aber 3000 Kilometer sind ein ganz schön langer Weg.
Emma Hooper: (lacht) … ja, ich wollte aber trotzdem eine sehr langsame Fortbewegungsmethode. Ein anderer Grund ist, dass ja ihr Mann diese Reise auch schon gemacht hatte, dass sie aber ihren eigenen Weg finden musste. Sie ist ja jetzt älter und hat sich – für ihn – selbst verloren. Sie geht diesen Weg, um sich selbst zu finden, sie geht denselben Weg auf ihre eigene Art und Weise. Außerdem (lacht) trifft man auf diesem Weg auf die Rocky Mountains und die sind sehr lang und sehr groß und sehr kalt ….

Booksection.de: Ettas Weg hatte für mich etwas von der Geschichte von Forrest Gump. Die Menschen fangen an, in ihr ein Symbol zu sehen für eigene Wünsche und Sehnsüchte. Braucht es Ihrer Meinung nach einen Anstoß von außen, um sich innerlich auf die Reise zu machen?
Emma Hooper: Ja, es ist genau wie Sie es sagen. Man braucht oft den Anstoß. Es ist nicht unbedingt so, dass man morgens aufwacht und denkt: Ja, heute tue ich es! Es sind oft die kleinen Dinge im Leben, die etwas bewirken. Manchmal ist dieser Anstoß sehr direkt, manchmal eher nicht.

Booksection.de: Gab es einen Anstoß von außen, einen Impuls, der Sie dazu gebracht hat „Etta und Otto und Russel und James“ zu schreiben?
Emma Hooper: Das ist eine gute Frage. Ja, ich glaube, so war es. Das Allererste, worüber ich etwas in diesem Roman gelernt habe, ist die Geschichte meiner eigenen Familie, meines Großvaters. Wie im Buch fing er seine Reise an. Er fing sie an, als er gerade mal 17 war und bekam dabei weiße Haare und vor Jahren dachte ich schon, dass das einfach verrückt ist und dass das ein gutes Thema wäre und dann fing ich an dieser Stelle an zu schreiben und da fing dann auch die Geschichte des Buches an.

Booksection.de: Mögen Sie Etta als Hauptcharakter vielleicht am meisten?
Emma Hooper: (lacht): Ich habe keinen, den ich am meisten mag, das ist wie bei Kindern. Man sagt ja, dass in jedem Protagonisten ein Stück des Autors steckt und dass man als Autor wahrscheinlich den am liebsten mag, der das meiste von einem selbst wiedergibt. Ich mag sie alle, aber an Etta bewundere ich ihren Ehrgeiz, ihren Willen, dass sie einfach aufsteht und etwas tut. Aber ich mag auch all die kleinen Charaktere. Es wäre schwierig, sich da zu entscheiden. Das ist sicherlich etwas anderes, ob man ein Buch liest oder schreibt. Gelesen hat man es in vielleicht einer Woche, zum Schreiben braucht man unter Umständen zwei Jahre und man verbringt mit den Charakteren sehr viel mehr Zeit.

Booksection.de: .. und da werden sie fast zur Familie?
Emma Hooper: … ja, genau. Sie sind tatsächlich eine Familie. Man liebt es sie aufzuziehen, zu entwickeln, ihnen die Welt zu zeigen und man hofft, dass die Menschen sie mögen werden. Für Leser ist es sicherlich einfacher, zu entscheiden, wen sie am meisten mögen. Für einen Autor wäre das viel schwieriger.

Booksection.de: Es gibt diese märchenhaften Teil in „Etta und Otto und Russel und James“, der besonders in dem sprechenden Kojoten James zum Ausdruck kommt? Warum einen sprechenden Kojoten?
Emma Hooper: Ich glaube, jeder Roman braucht einen sprechenden Kojoten (lacht). Nein, aber dieser Roman braucht unbedingt einen Kojoten, als Begleitung, Etta braucht jemanden, der mit ihr geht. Es wäre für sie und den Leser zu langweilig, wenn sie alleine gehen würde. Trotzdem wollte ich, dass sie für eine Weile nicht mit anderen Menschen zusammen ist und ich habe mich für einen Kojoten entschieden, weil es in Kanada davon viele gibt. Er ist nicht so furchteinflößend wie ein Wolf, aber auch nicht so liebenswert wie ein Hund. Ein Kojote ist etwas dazwischen, er ist ein bisschen furchteinflößend aber auch ein bisschen beruhigend.

Booksection.de: Ist er eine Art Symbol für die Natur im Allgemeinen?
Emma Hooper: Ja genau, das stimmt und er ist in der Natur wie ein Führer, ich mag ihn sehr.

Booksection.de: Ja, ich mag ihn auch, er ist ein sehr spezieller Charakter. Manchmal überlegt man auch, ob er überhaupt existiert oder nur in Ettas Gedanken und man findet keine Antwort, aber man braucht auch keine.
Emma Hooper: … ja, das stimmt, man braucht keine Antwort. Einmal verliert Etta ihn im Buch ja auch für eine Weile und als er wieder da ist, sagt sie ihm, dass sie Angst hatte, ihn verärgert zu haben. Aber ihm macht das nichts aus.

Booksection.de: In Ihrem Roman kann man viel zwischen den Zeilen lesen. Wie wichtig war es Ihnen, dass der Leser auch seine eigene Interpretation der Geschichte findet?
Emma Hooper: Das war sehr wichtig für mich. Ich wollte definitiv ein paar Dinge offen lassen. Ich glaube, für den Leser ist es viel interessanter, wenn er in die Geschichte mit einbezogen wird, wenn er selbst Entscheidungen treffen muss. Ich wollte dem Leser nicht alles vorkauen. So ist das richtige Leben doch auch. Man weiß nie, was jetzt die Wahrheit ist, auch die eigene Erinnerung betrügt einen oft

Booksection.de: Sie schreiben nicht nur, Sie machen auch Musik. Wie wichtig ist Ihnen der Rhythmus auch beim Erzählen einer Geschichte? Gibt es deswegen den vielen freien Platz zwischen den Kapiteln gegen Ende der Geschichte? Für die eigenen Gedanken? Und damit der Rhythmus stimmt?
Emma Hooper: Ja, Rhythmus ist wirklich sehr wichtig für mich. Es macht einen Unterschied, wie der Leser es liest, wie sehr er involviert ist oder nicht. Damit wollte ich ein bisschen spielen. Der eine wird die Seiten, auf denen nur ein Satz steht, ganz schnell umblättern, der andere wird eher langsamer werden, tief durchatmen und es ruhig angehen lassen. Das war der Zweck der Sache. Ich glaube aber nicht, dass das mit meinem Background als Musikerin zu tun hat, das ist ja mein anderer Job ….

Booksection.de: Machen sie das zur selben Zeit?
Emma Hooper: Nein, nicht genau zur selben Zeit (lacht). Ja, ich hatte schon viele Jahre als Musikerin gearbeitet, bevor ich anfing zu schreiben. Schreiben hat aber auch viele musikalische Elemente.

Booksection.de: Arbeiten Sie schon an etwas Neuem und würden Sie uns darüber etwas erzählen?
Emma Hooper: Ja, ich schreibe an einem neuen Buch und bin auch schon fast fertig. Es ist ein Buch über Neufundland, was im äußersten Osten von Kanada liegt. Da ist es sehr windig, neblig und nass und es gibt Meerjungfrauen (lacht) …

Booksection.de: Wissen Sie, wann es in Deutschland veröffentlicht wird?
Emma Hooper: Nein, das weiß ich nicht genau, ich denke vielleicht nächstes Jahr.

Booksection.de. Liebe Emma Hooper vielen Dank für Ihre Zeit.
Emma Hooper: Ich danke Ihnen!

Etta und Otto und Russell und James

Etta ist 83 Jahre alt, als sie beschließt, ihre Heimat zu verlassen und an die Küste zu reisen. Zu Fuß und mit leichtem Gepäck. Immer nach Osten. Etta will endlich das Meer sehen. Zurück bleibt ihr Ehemann Otto, der nun das erste Mal seit vielen Jahren auf sich gestellt, erst einmal lernen muss, sich selbst zu versorgen. Otto ist in Sorge um seine Frau, doch er weiß wie wichtig ihr dieser Weg ist, und so lässt er sie ziehen. Auch Russell bleibt zunächst zurück. Der gute Freund von Etta und Otto beschließt allerdings Etta zu suchen, obwohl er eigentlich gar nicht von daheim weg will und noch nie weit gereist ist. Dabei müsste er sich um seine gute Freundin gar keine Sorgen machen, denn schon bald bekommt Etta Gesellschaft von dem Kojoten James, der nicht mehr von ihrer Seite weicht. Ettas Reise ist nicht nur eine zum Meer, sondern auch eine in ihre Erinnerungen. Und je weiter ihre Füße sie von daheim weg tragen, desto weiter reist sie auch in ihre Vergangenheit…Hier geht's zur Kritik von "Etta und Otto und Russell und James"



"Das einzige Kriterium, das für mich wichtig ist, ist die Stärke der Faszination und die Größe des Resonanzraums in mir selber für ein bestimmtes Thema."

Pianist und Schriftsteller Yorck Kronenberg sprach mit uns über seinen Roman "Tage der Nacht"

Booksection.de: In „Tage der Nacht“ beschreiben Sie, wie ein Mann durch ein traumatisches Erlebnis, den Überfall durch maskierte Täter, wieder in die längst verdrängten Ereignisse aus seiner Kindheit zurück katapultiert wird. Glauben Sie, dass tief verdrängte Traumata manchmal einen Auslöser benötigen, um endlich an die Oberfläche zu drängen?
Yorck Kronenberg: Ich bin mir nicht sicher, ob dieses Ereignis aus der Kindheit wirklich verdrängt war in dem Sinne, dass die Hauptfigur sich dessen nicht bewusst war. Bestimmt war sie sich dessen bewusst, was damals passiert ist, hat sich aber der emotionalen Tiefe und Dringlichkeit nicht in dem Maße ausgesetzt, wie dann eben nach diesem Einbruch. Ich habe letztens mit einer 81jährigen Entwicklungshelferin gesprochen, die wieder den Ort ihres Lebens, Nepal, besucht hat und genau zur Zeit des Erdbebens in Nepal war. Sie wohnt in Berlin und hat mir erzählt, wenn jetzt draußen ein Laster vorbeifährt, dann fühlt sie sich an die Bombennächte des Zweiten Weltkriegs erinnert, wenn die Wände gewackelt haben. Und natürlich hat diese Frau ihr ganzes Leben über diese Erinnerung gehabt, aber nach diesem Erdbeben, wo unter ihr der Boden gewackelt hat, ist die ganze Emotionalität wieder da. Genau diese emotionale Aufladung ist es, worum es in „Tage der Nacht“ geht.

Booksection.de: Beim Protagonisten geht es ja stark um die Schuldfrage, die Schuld, die er bis heute wegen der Verhaftung seines Vaters empfindet, hat er bis heute weggedrängt. Dabei kann man einem Kind ja gar nicht die Schuld für ein solches Ereignis geben. Und dann ist da die neue Schuld, die er sich gibt, weil es ihm nicht möglich war, seine Frau vor den Einbrechern zu beschützen. Ist hier ein Zusammenhang zu sehen?
Yorck Kronenberg: Auf jeden Fall, da ist der zentrale Zusammenhang dieser Erinnerung begründet. Und wenn Sie Schuld sagen, dann empfindet die der Protagonist tatsächlich, auch wenn man von außen gesehen nicht den Zeigefinger heben und sagen könnte, dass hier ein schuldhaftes Verhalten vorliegt. Man weiß einfach nicht, was ein Junge zu der Zeit wissen konnte und wie bewusst er sich dessen war. Wahrscheinlich hätte er sich diese Frage nicht selber beantworten können und konnte sie sich auch sein Leben lang nicht beantworten. Das ist genau diese Ambivalenz, um die es geht. Die Figur, der gegenüber er damals Schuld auf sich geladen hat, der Vater, ist ja selber eine ganz ambivalente Figur, die selbst Schuld auf sich lädt, die aber im politischen Zusammenhang die einzige schuldlose Figur ist. Darin ist eine Ambivalenz enthalten, die eigentlich nicht aufzulösen ist.

Booksection.de: Wir alle sind ja als Kriegskinder oder auch Kriegsenkel nachweislich ebenfalls traumatisiert von dem, was unsere Vorfahren im Zweiten Weltkrieg und manche von ihnen sogar bereits im Ersten Weltkrieg erleben mussten. Haben Sie sich im Vorfeld auch mit diesem Thema beschäftigt?
Yorck Kronenberg: Ich habe mal von einem Mediziner gehört, wenn man Ratten in einen Zustand des Stresses versetzt, während sie mit der Brutpflege beschäftigt sind, dass dieses Stressverhalten über Generationen weitergegeben wird, obwohl die nachfolgenden Generationen völlig in Ruhe gelassen werden. Ich glaube, dass so etwas bei Menschen tatsächlich auch eine Rolle spielt und dass Einschnitte wie der Zweite Weltkrieg oder auch Konflikte, die wir jetzt im Moment erleben, über Generationen hinweg Auswirkungen haben, egal ob in den Familien darüber geredet wird oder nicht. Das ist eine Lebensstimmung, die sich irgendwie transportiert und die das kollektive Bewusstsein verändert, davon bin ich fest überzeugt.

Booksection.de: Würden Sie also sagen, dass wir alle eine gewisse Schuld in uns tragen, die gar nicht unsere Schuld ist, sondern die wir quasi ererbt haben?
Yorck Kronenberg: Das würde ich selber so nicht formulieren, nein. Ich glaube, dass auf der Ebene, über die wir gerade gesprochen haben, ein Empfinden der Verunsicherung oder gar Traumatisierung da ist. Wenn wir in der Schule über das Dritte Reich aufgeklärt wurden und von den unglaublichen Verbrechen gehört haben, dann hat sich doch jeder normale Mensch mit den Opfern identifiziert und nicht mit den Tätern, obwohl wir völlig zu Recht dem Volk der Täter zugeordnet werden. Aber ein gesunder Mensch identifiziert sich doch auf emotionaler Ebene mit dem, dem Leid zugefügt wird, weshalb wir alle auch in einer emotionalen Ambivalenz gefangen sind. Auf politischer Ebene würde ich Ihnen absolut Recht geben und sagen, dass es wichtig ist, dass Deutschland sich verantwortlich fühlt, egal ob die Leute, die daran beteiligt waren, am Leben sind oder nicht.

Booksection.de: Anton sagt im Buch einmal, er fühle sich wie ein Glasmensch, der nie wirklich menschliche Nähe zugelassen habe. Sind Sie der Meinung, dass das Verdrängen alter Schuld uns daran hindert, wirklich zu leben und echte Bindungen einzugehen?
Yorck Kronenberg: Ich bin mir nicht sicher, ob das in diesem Zusammenhang und auch im Zusammenhang meines Textes so monokausal auf die Schuld zurückgeführt werden kann. Ich glaube, dass der Junge, der Anton gewesen ist, in einer Situation aufwuchs, in der die Menschen, mit denen er verbunden war, einander emotional ausgeschlossen haben. Die Liebe, die das Kind zum Vater empfindet, schließt die Liebe zur Mutter aus und die Liebe zur Mutter schließt die zum Vater aus, weil diese beiden Pole gegeneinander arbeiten. Die Integration in die Gesellschaft, in die Schule und die Identifikation mit dem Lehrer schließt die Identifikation mit der Familie aus. So sind da unterschiedliche Ebenen, die sich gegenseitig ausschließen und gegeneinander arbeiten. Das ist eine Situation, die diesen Jungen sicherlich stark auf sich selber zurückwirft, die ihm kein solides Fundament gibt. Ich glaube, dass das nicht in erster Linie mit der Schuld zusammenhängt, sondern dass die Schuld eher eine Folge dessen ist.

Booksection.de: Woraus dann eine emotionale Vereinsamung resultierte, die bei ihm ja ganz klar spürbar ist?
Yorck Kronenberg: Ja, so würde ich das auch sagen.

Booksection.de: Anton stellt sich schließlich all dem, indem er sich aufmacht zu einer einsamen Wanderung entlang der nächtlichen Küste. Soll diese Wanderung das Sinnbild der Läuterung sein, die sich in ihm vollzieht?
Yorck Kronenberg: Letztlich ja. Für mich war während des Schreibens das Gehen ein schönes Bild für Denken, die körperliche Bewegung als Ausdruck für die Denkbewegung. Das Voranschreiten an der Küste als dramaturgisches Voranschreiten des Romans selber. Die Hauptfigur konnte sich natürlich zu keinem Zeitpunkt sicher sein, dass das auf eine Läuterung zugehen wird. Eigentlich kann man sich auch am Ende des Romans dessen nicht sicher sein, aber es ist ein deutliches Signal dafür, dass sich hier eine Tür auftut, durch die die Figur und letztlich auch der Leser hindurchgehen müssen.

Booksection.de: Was waren Ihre Motive, Antons Erlebnisse in der Gegenwart an der englischen Küste und nicht in seiner Heimat Deutschland geschehen zu lassen?
Yorck Kronenberg: Ich hatte mir einen Ort vorgestellt, wo ein emeritierter Professor seinen Lebensabend zubringen könnte. Dass das im Ausland sein würde, ist in diesem Zusammenhang sicher kein Zufall, dass ein Kanal zwischen Deutschland und England liegt, ist sicherlich auch der Symbolik geschuldet, die dieser Kanal einst verkörperte. Das Ferienhaus, das immer mehr zum Mittelpunkt des Lebens wird, war dabei auch eine ganz realistische Vorstellung.

Booksection.de: Anton, der ja von drei Personen überfallen wurde, denkt an die Ereignisse in seiner Kindheit zurück, als sein Vater ebenfalls von drei Männern verhaftet wurde. Was bedeutet diese Symbolik für Ihren Roman?
Yorck Kronenberg: Das ist eine gewisse Spiegelwirkung, die sich da einstellt. Tatsächlich wurde mir von einem Mann dieser Generation Ähnliches erzählt, der zwei Erlebnisse hatte, die diesen beiden Polen meines Romans ähneln. Das ging in meinem Kopf sofort eine Einheit ein und ich dachte mir, das müsse einfach zusammengedacht werden.

Booksection.de: Sie sind vielfach ausgezeichneter Pianist, studierter Komponist und Schriftsteller. Sehen Sie sich eher als Pianist, der Bücher schreibt oder als Schriftsteller, der Klavier spielt?
Yorck Kronenberg: Das werde ich immer gefragt! (lacht) Das letzte Mal vor etwa einer halben Stunde. Eigentlich sind diese beiden Tätigkeiten in meinem Kopf, obwohl sie sich beeinflussen, während ich sie ausübe, dann doch ganz unabhängig voneinander. Wenn ich ein Buch schreibe und während ich hier mit Ihnen rede, fühle ich mich ausschließlich als Schriftsteller. Wenn ich auf der Bühne bin und einen Klavierabend spiele, habe ich keinen Gedanken daran, dass ich mal irgendwann ein Buch geschrieben habe. Ich glaube, anders geht es auch gar nicht, als Pianist muss ich mich wahnsinnig konzentrieren, da ist für nichts anderes Platz. Selbst wenn ich abends ein Konzert habe, kann ich den Tag zum Schreiben vergessen. Ich muss den Kopf wirklich völlig freihaben, und das gilt für beide Tätigkeiten gleichermaßen. Ich habe das Glück, dass sich das zeitlich immer gut einrichten lässt.

Booksection.de: Dann sind diese beiden Tätigkeiten also gut für Sie miteinander vereinbar?
Yorck Kronenberg: Für mich ist die Schriftstellerei sehr wichtig, weil ich da im eigenen Auftrag handle, das hat für mich einen sehr hohen Stellenwert. Die Musik anderer Leute zu spielen hat etwas sehr Befreiendes für mich, da bin ich nicht so sehr für das verantwortlich, was ich da tue, wie wenn ich einen eigenen Text schreibe. Da kann man in gewissem Sinne etwas ausagieren, sich abreagieren, was sehr befreiend ist. Ich möchte beides nicht missen und glaube, dass es mir dabei hilft, eine schöne Balance zu halten.

Booksection.de: Sind ein Stück zu komponieren und ein Buch zu schreiben zwei gänzlich verschiedene Dinge oder gibt es da Ähnlichkeiten?
Yorck Kronenberg: Da gibt es schon gewisse Parallelen. Ich dachte schon während des Kompositionsstudiums, dass vieles von dem, mit dem ich mich da auseinandersetze, auf mein literarisches Schreiben hinausläuft. Schon während des Studiums wurde mir klar, dass ich Komponist nicht zu meinem Beruf machen wollte, trotzdem hat es mir unglaublich viel gegeben. Das sind beides Künste, in denen man Zeit strukturiert, wo Motive eine Rolle spielen. In gewisser Weise ist Musik die abstrakteste, reinste Form, künstlerisch Zeit zu strukturieren. Ich glaube, dass das mein Schreiben und mein Denken übers Schreiben sicherlich beeinflusst hat.

Booksection.de: Welche Themen sind es, die Sie dazu bewegen, Bücher zu schreiben?
Yorck Kronenberg: Das könnte ich inhaltlich nicht auf einen bestimmten Nenner bringen. Es gibt Themen, bei denen man sofort spürt: Das ist mein Thema, das beschäftigt mich und da möchte ich jetzt ran. Bei mir sind das oft nur einzelne Situationen, einzelne Szenen, die einen Impuls geben, der sich dann unter Umständen zu einem ganzen Roman auswächst. Wenn das der Fall ist, ist für mich oft nur eine Ausgangssituation von solcher Faszination, dass ich spüre, dass ich das wirklich machen will. Da zensiere ich mich nicht und denke auch nicht darüber nach, ob das marktgängig ist. Das einzige Kriterium, das für mich wichtig ist, ist die Stärke der Faszination und die Größe des Resonanzraums in mir selber für ein bestimmtes Thema. Bei diesem Roman war es auch eine Situation, die mich spüren ließ, dass das genau das Thema ist, mit dem ich mich auseinandersetzen muss.

Booksection.de: Herr Kronenberg, vielen Dank für dieses inspirierende Gespräch!

Tage der Nacht

Zusammen mit seiner zweiten Frau Franziska verbringt der pensionierte Literaturwissenschaftler Anton den Großteil seiner Tage in seinem Haus an der Küste Englands, die Wohnung in Frankfurt nutzen die beiden kaum noch. Doch seitdem Anton und Franziska Opfer eines Überfalls wurden, fühlt er sich in dem Haus an der Küste nicht mehr richtig wohl. Das Gefühl der eignen Ohnmacht, als die maskierten Täter seine Frau aus dem Zimmer führten und er halbnackt in einem Sessel sitzend zusehen musste, plagt ihn noch Wochen nach dem Überfall. Obwohl Franziska nichts zugestoßen ist und auch nur wenig gestohlen wurde, findet Anton nicht mehr zu seinem eigenen Selbst zurück, zu dem, der er vor dem Überfall gewesen war.
Zunehmend beschleichen ihn Erinnerungen aus seiner Kindheit, Erinnerungen, die er all die Jahre weggedrängt hatte. Es muss ein Zusammenhang bestehen zwischen jenen drei Maskierten, die in sein Haus eingedrungen sind und jenem schrecklichen Tag, an dem drei Unbekannte seinen Vater abführten, den er danach nie wieder sah. Sein Vater, ein arbeitsloser Geigenspieler, verabscheute den Nationalsozialismus und litt zunehmend darunter, dass dieses Regime von allen in seiner Umgebung gefeiert wurde. Die Schuldgefühle, die Anton seither plagen, vermischen sich mit den Ereignissen in der jüngsten Vergangenheit, und eines Nachts verlässt Anton das Haus und wandert an der Küste entlang, um sich den eigenen Dämonen zu stellen… Hier geht's zur Kritik von "Tage der Nacht"



"Meine Figuren basieren nicht auf mir, im Gegenteil, ich versuche sie immer so weit wie möglich von mir weg zu erschaffen."

Mit Booksection.de im Interview: Die amerikanische Autorin Jennifer Estep zu ihrem Auftakt der Reihe "Black Blade"

Booksection.de: Gerade ist der erste Band Deiner „Black Blade“-Reihe bei Piper erschienen. Was bedeutet für Dich das Genre Fantasy?
Jennifer Estep: Für mich ist das Fantasy-Genre ein Bereich, in dem alle Figuren mit Superkräften und ihren Gaben ihren Platz finden. Ich bevorzuge die Urban-Fantasy, die meistens die Einzel-Erzählervariante bedeutet und in einer modernen Welt und einer ebensolchen Stadt angesiedelt ist.

Booksection.de: Es scheint, als haben die äußerst erfolgreichen Bücher und die großartige TV-Serie „Game of Thrones“ das Genre maßgeblich beeinflusst.
Jennifer Estep: „Game of Thrones“ oder auch „The Walking Dead“ beeinflussen das Fantasy-Genre dahingehend, dass sich die Fans dieser Serien nun umschauen und sich fragen: Was gibt es noch? Ich glaube, dass es deshalb auch immer prominenter werden wird.

Booksection.de: Magst Du denn diese Produktionen?
Jennifer Estep: „The Walking Dead“ ist eindeutig zu blutig für mich und „Game of Thrones“ kenne ich nur einige Folgen und keine Bücher. Zudem sind Zombies nicht meine Lieblings-Figuren in diesem Genres. Ich mag mehr die Märchen-Variante, wie zum Beispiel „Once upon a Time“ oder „Grimm“. Zudem bin ich ein großer Fan von Superhelden-Filmen, wie den Marvel-Movies.

Booksection.de: Gibt es einen Lieblings-Superhelden?
Jennifer Estep: Ich mochte „The Return of the First Avenger“ wirklich sehr. Das war einfach ein toller Film! Ich lese hierzu auch die Comics total gerne. Generell mag ich die Marvel-Filme mehr, als andere, weil sie einfach mehr Spaß machen. „Guardians of the Galaxy“ zum Beispiel fand ich sehr lustig. DC-Comics ist dagegen sehr ernst und düster.

Booksection.de: Lila Merriweather in Deinem ersten Band der „Black Blade“-Reihe ist eine sehr einsame und zurückgezogen lebende Jugendliche. Ein wenig, wie Deine Heldin Deiner „Elemental Assassin“-Reihe. Was macht die Faszination dieser Art junger Frau für Dich aus?
Jennifer Estep: Ich wollte unbedingt eine etwas ältere Hauptfigur kreieren und da Lila ja auch eine Diebin ist, gab mir das die Möglichkeit sie tougher und härter zu machen. Gwen Frost aus meiner „Frost“-Reihe hat ja zu Beginn der Geschichte keine Ahnung wer sie ist und was sie kann. In „Black Blade“ kennt sich Lila aus. Sie weiß, wer sie ist, was sie kann und welcher Welt sie lebt. Und ich wollte auch wirklich eine düstere Figur erschaffen, die mit anderen Problemen klarkommen muss.

Booksection.de: Sind da Parallelen zwischen Dir und Lila zu finden?
Jennifer Estep: (lacht) Außer der Vorliebe für gebratenen Speck nicht. Meine Figuren basieren nicht auf mir, im Gegenteil, ich versuche sie immer so weit wie möglich von mir weg zu erschaffen. Ich denke eher an charakterliche Gegebenheiten, Hobbies, Arbeit usw. und wie sie sich in verschiedenen Situationen verhalten.

Booksection.de: Lass uns über Devon reden. Er ist Dir ja wirklich sehr gelungen. Gab es da ein Vorbild in einem Kopf?
Jennifer Estep: Nein. In vielen amerikanischen Jugendfantasybüchern gibt es ein Liebes-Dreieck, was meistens aus einem Mädchen und zwei Jungs besteht. Ich wollte das auf keinen Fall auch in meinem Buch, weil ich einfach kein Fan davon bin. Da Lila eine Art Anti-Held ist brauchte ich einen wirklich guten Typen für sie. Er ist irgendwie wie ein Ritter, stark, loyal und viele weitere gute Qualitäten – okay: Und er ist auch echt supersüß. (lacht)

Booksection.de: Bis jetzt sind drei Bücher angekündigt. Kommen noch mehr?
Jennifer Estep: Bisher soll es nur eine Trilogie werden – ich sage aber nie nie. Vielleicht kommen auch noch mehr. Es kommt ein bisschen darauf an, welche anderen Geschichten ich schreiben will und ob ich weitere gute Ideen für die Reihe habe.

Booksection.de: Es scheint, als ob du 24 Stunden täglich schreibst. Was ist das Schreiben für Dich genau? Leidenschaft? Nur ein Job?
Jennifer Estep: Ein bisschen von beidem. Das Schreiben ist mein Fulltimejob und da niemand die Bücher für mich schreibt, muss ich viel arbeiten. Ich muss ja auch Rechnungen bezahlen. In den USA ist es sowieso so, dass, um eine Fanbase aufzubauen, Du mehrere Reihen parallel schreiben musst. Meistens ist es dann so, dass die Fans an Mitternacht Dein gerade erschienenes Buch runterladen und Dich am nächsten Morgen fragen, wann das nächstes erscheint.

Booksection.de: Bedeutet das auch viel Druck?
Jennifer Estep: Ja auf jeden Fall, weil man ja auch mit jedem Buch besser werden und seinen Fans etwas bieten will. Und neben dem Schreiben gibt es ja noch unzählige andere Tätigkeiten: Emails beantworten, Marketing, die sozialen Netzwerke,... Ich arbeite zwischen 40 und 60 Stunden die Woche.

Booksection.de: Welche Art Geschichte magst Du am liebsten?
Jennifer Estep: Es muss Spaß machen! Action, Magic, Abenteuer. Deswegen mag ich die Urban-Fantasy so, weil es eben viele verschiedene Bereiche vereint. Während des Studiums musste ich viel ernsthafte Literatur lesen und das ist doch echt deprimierend. Davon haben wir doch im realen Leben genug. Ich will die Menschen eher in andere Welten entführen und sie aus ihrem Alltag reißen.

Booksection.de: Wie schreibst Du? In einem dunklen Keller mit tropfenden Kerzen?
Jennifer Estep: (lacht) Es ist leider langweiliger. Ich habe ein ganz normales Büro und höre auch keine Musik beim Schreiben. Ich höre immer wieder von Kollegen, dass es beim Schreiben helfen soll, bei mir hilft das nicht. Ich brauche Ruhe! Ich sitze einfach nur da und bin gespannt wohin die Geschichte mich führt.

Booksection.de: Was ist der Stand bei Deiner „Elemental Assassin“-Reihe?
Jennifer Estep: Ich schreibe gerade an Buch 15! In Deutschland erscheint der fünfte Band im März 2016. In den USA ist diese Reihe meine erfolgreichste und deshalb geht sie weiter und weiter und weiter. In Deutschland ist es nicht so. Es ist total interessant, die Unterschiede zu sehen.

Black Blade - Das eisige Feuer der Magie

Die 17jährige Lila Merriweather verfügt über außergewöhnliche Talente. Sobald sie einem Menschen in die Augen blickt, kann sie in dessen Seele lesen. Zudem beherrscht die Waise sogenannte Übertragungsmagie - jede auf sie gerichtete Magie macht sie stärker. Doch Lila hält ihre magischen Fähigkeiten geheim, denn sie hat einen nicht ganz ungefährlichen Nebenjob: Sie ist eine begnadete Auftragsdiebin. Das Leben der freiheitsliebenden jungen Frau gerät allerdings aus den Fugen, als sie eines Tages den Sohn eines mächtigen magischen Familienclans vor einem Anschlag rettet und prompt als dessen neue Leibwächterin engagiert wird. Zwar nicht ganz freiwillig muss sich Lila plötzlich in der magischen Schickeria der Stadt zurechtfinden, wo Geheimnisse und Gefahren an jeder Ecke auf sie warten... Hier geht's zur Kritik von "Black Blade"



"Es ist unfassbar mit welcher Perfidie und Grausamkeit damals diese Vernichtungsmaschinerie angeworfen wurde."

Hanni Münzer sprach mit Booksection.de über ihren Roman "Honigtot"

Booksection.de: In „Honigtot“ greifen Sie ein in unserer Zeit immer häufiger diskutiertes Thema auf, nämlich wie die Schuld oder auch traumatische Erlebnisse unserer Vorfahren direkten oder indirekten Einfluss auch auf unser eigenes Leben haben. Welchen Bezug hat dieses Thema zu Ihrem Leben?
Hanni Münzer: Als junger Mensch macht man sich noch nicht die ganz großen Gedanken, welche Auswirkungen es auf unsere Seele hat. Doch durch unsere Familiengeschichte wurde ich sehr früh für das Kriegsthema sensibilisiert. Die Erfahrungen des Krieges haben meine Familie geprägt, meine Großmutter und auch meine Urgroßmutter entstammten einem Roma-Clan und gerade in Bergen-Belsen wurden viele Roma und Sinti ermordet. Mein Urgroßvater und mein Großvater waren beide in der SPD, weshalb sie zu Beginn der NS-Zeit schon nicht so gut gelitten waren. In ihrem Betrieb hatten sie einen jüdischen Fahrer, den sie während des Krieges versteckt hielten, wodurch er das Dritte Reich überlebte. Und dieser jüdische Mitarbeiter hat im Nachkriegsjahr 1946, das geprägt war von schlimmer Kälte und Hunger, wiederum unsere Familie gerettet, weil er Nahrungsmittel beziehen konnte. Diese Geschichten erzählt man sich in unserer Familie von der väterlichen Seite, und mütterlicherseits war unsere Familie vom Schicksal der Sudetendeutschen betroffen, sie wurden damals von jetzt auf sofort aus dem Haus gejagt. Mein Großvater hat seine fünf Kinder auf einem Leiterwagen bis in die Oberpfalz gezogen, wo sie viele Jahre in einem Flüchtlingslager gelebt haben. Aktuell erleben wir leider gerade eine ähnliche Situation, in der ebenfalls viele Menschen aus ihrer Heimat vertrieben werden und hier bei uns ein neues Zuhause suchen.

Booksection.de: Und gerade deshalb sind Bücher wie „Honigtot“ im Moment ja auch so wichtig, denn von dem Thema sind wir alle in irgendeiner Form betroffen. In Büchern wie „Kriegskinder“ oder „Kriegsenkel“ wird diese Thema intensiv vom psychologischen Ansatz her beleuchtet und auch die Traumaforschung weiß mittlerweile, dass Traumata in den Genen weitergegeben werden. Wie intensiv haben Sie sich in Vorbereitung auf Ihren Roman mit solchen Forschungen beschäftigt?
Hanni Münzer: Sehr intensiv, vor allem, weil auch mein Vater davon betroffen war. Er wurde 1941, also in den letzten Kriegsjahren, geboren und hat das alles als Kind noch förmlich aufgesogen. Sein Vater war ein harter, herrischer Mann und mein Vater hat nie gelernt, Gefühle zu zeigen. Seine Mutter ist früh gestorben, er hatte drei ältere Brüder und er hatte Zeit seines Lebens Schwierigkeiten, Nähe zuzulassen. Er war schon ein toller Vater und immer für uns da, aber meine Schwester und ich können uns nicht erinnern, dass er uns je in den Arm genommen hätte. Irgendwann fragte ich mich, warum das so ist und das brachte mit zur Überlegung, dass das alles irgendwo seine Ursache haben muss. Ich fing an, mich näher damit zu beschäftigen, ob es dafür eine Art Grundschuld gibt, wie eine Erbsünde, und diese Schuld wiederum wie eine Saat ist, die wir in uns tragen, obwohl wir als neue Generation ja eigentlich gar keine Schuld an den Ereignissen von damals haben. Was wir allerdings haben ist Verantwortung.

Booksection.de: Aber vielleicht ist es ja auch so, dass wir uns durch das Beschäftigen mit dieser Schuld nach und nach von ihr befreien können. Oft ist zu beobachten, dass vor allem die Frauenlinie einer Familie über Generationen hinweg Traumata weitergibt. In Ihrem Roman ist es Felicity, die diese Kette schließlich durchbricht. Glauben Sie, dass unsere heutige Generation eher in der Lage ist, die Dinge anzusprechen und damit das unheilvolle Schweigen zu beenden?
Hanni Münzer: Ich glaube schon, dass das möglich ist. „Honigtot“ habe ich für meine damals siebzehnjährige Tochter geschrieben, um sie für dieses Thema zu sensibilisieren, weil viele junge Menschen heute andere Prioritäten haben. Sie wachsen in einer digitalen Welt auf, in der der Fokus mehr auf Spaß liegt. Derzeit sind Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg und Terror und vielleicht liegt der Sinn in diesem ganzen Irrsinn darin, dass diese jungen Leute sehen, wie viel Leid es auf der Welt gibt, um daraus zu lernen. Dass sie sich sagen: Das könnte mir genauso geschehen und dann brauche ich Hilfe. Darum stört es mich auch, dass immer von der „Flüchtlingskrise“ gesprochen wird. Meiner Meinung nach sollte es eher als „Flüchtlingsherausforderung“ bezeichnet werden.

Booksection.de: Wie kamen Sie auf die Idee, Adolf Eichmann und Alois Brunner zu der fiktiven Person Albrecht Brunnmann verschmelzen zu lassen?
Hanni Münzer: Ich konnte nicht diesen Namen benutzen, wollte aber gewissermaßen Brunnmann an diese Figuren anlehnen, denn Eichmann und sein Assistent Brunner standen für die Logistik des Krieges, für die Effizienz, die nötig war, um sechs Millionen Menschen fabrikmäßig umzubringen. Es ist unfassbar mit welcher Perfidie und Grausamkeit damals diese Vernichtungsmaschinerie angeworfen wurde.

Booksection.de: Von Männern wie Goebbels wird ja immer wieder erzählt, sie seine treusorgende Ehemänner und liebende Väter gewesen. Ist es gerade diese Spaltung in zwei völlig unterschiedlich erscheinende Personen, die es deren Nachfahren so schwer macht, sich mit deren Schuld auseinanderzusetzen?
Hanni Münzer: Es ist so schwierig, es überhaupt zu verstehen, denn dann muss man sich damit auseinandersetzen, dass eine solche Bestie ja auch irgendwo in einem selbst schlummert. Es war ja die Propaganda, die Juden, Sinti, Roma, Homosexuelle oder Zeugen Jehovas zu „Untermenschen“ erklärt hat, wodurch sie quasi entmenschlicht wurden. Alles, was ihre Würde ausmachte, wurde ihnen in den Konzentrationslagern systematisch genommen. Man hat sie zu dem gemacht, was man in ihnen sehen wollte. Aber wirklich verstehen kann man das alles nicht, denn es war eine Zeit der Anarchie, und wenn man für sein Tun nicht bestraft wird, kommen bestialische Urinstinkte durch. Natürlich stimmt es nachdenklich, wie weit man sich in eine solche Ideologie hineinsteigern kann. Meiner Meinung nach ersetzen Ideologien das vernunftgesteuerte Denken.

Booksection.de: In Ihrem Nachwort schreiben Sie, dass die Idee zum Roman erstmalig zu reifen begann, nachdem Sie Hitlers Patenkind, Egon Hanfstaengl, in München kennen gelernt hatten. Wie viel Recherche war notwendig, bis Sie sich dann tatsächlich ans Schreiben von „Honigtot“ machen konnten?
Hanni Münzer: Schon sehr viel, auch recherchiert man immer zu viel, weil man nicht weiß, wie viel man davon dann verwerten kann. Egon Hanfstaengl habe ich durch reinen Zufall über seine Verlobte kennengelernt und das war der letzte Anstoß für mich, diese Geschichte zu schreiben.

Booksection.de: War es für Sie nicht ein eigenartiges Gefühl, sich mit einem Mann zu unterhalten, der als kleines Kind auf Adolf Hitlers Schoß saß und diesen als seinen netten Onkel ansah?
Hanni Münzer: Es war natürlich schon strange, weil ich auch gar nicht darauf vorbereitet war. Ich kam in diese Villa Tiefland rein und das erste was ich sah, war ein langer Tisch, auf dem lauter Gegenstände mit Hakenkreuzen standen. Da bin ich erst einmal erschrocken. Hanfstaengl hatte das alles von seinem Vater geerbt. Er wollte damals ein Buch über Hitler schreiben, das dann aber doch nicht zustande kam. Unter diesen Devotionalien waren auch Partituren, die Hanfstaengls Vater eigens für Hitler komponiert hatte oder auch von Hitler handschriftlich korrigierte Redemanuskripte. Das alles durfte ich mir ansehen, während ich stundenlang Hanfstaengl Löcher in den Bauch gefragt habe.

Booksection.de: Verändert man sich innerlich, wenn man sich so intensiv mit diesen Grausamkeiten beschäftigt?
Hanni Münzer: Natürlich macht das etwas mit einem. Ich hatte viele Albträume und bin, wie vermutlich viele Autoren, die sich mit dem Thema beschäftigen, fast schon in dieser grausamen Welt versunken. Der Albtraum Elisabeths, in dem sie versucht, einem Labyrinth aus schwarzem Eis zu entkommen, ist in Wirklichkeit mein eigener Albtraum. Ich habe mich auch sehr intensiv mit dem polnischen Widerstand und vor allem mit den Frauen, die dort aktiv waren beschäftigt. Es ist beeindruckend, wie diese einfachen Frauen ihr Leben riskiert haben, um gegen das Regime zu kämpfen. Das hat mich am meisten berührt, gerade die Biographien von all diesen Menschen, die nie in die Öffentlichkeit gelangt sind, die quasi von der Geschichtsschreibung vergessen wurden.

Booksection.de: Stehen für Sie weitere Romane zu diesem speziellen Thema auf der To-Do-Liste?
Hanni Münzer:
Ja, momentan stecke ich gerade in der Recherche zu „Marlene“. Ich möchte die Geschichte der Widerstandskämpferin aus „Honigtot“ ab 1944 weiterspinnen. Das Buch endet mit dem schweren Bombenangriff auf München, und daran knüpfe ich in meinem neuen Roman unmittelbar an. Marlenes Geschichte wird im September 2016 erscheinen.

Booksection.de: Vielen Dank, Frau Münzer, für das informative Gespräch.


Honigtot

Noch nie hatte die junge Amerikanerin Felicity ein einfaches Verhältnis zu ihrer Mutter Martha, auf deren Bezeugungen von Mutterliebe sie bis heute vergeblich hofft. Doch als Martha eines Tages spurlos verschwindet und Felicitys Vater deshalb völlig ratlos ist, macht sie sich auf die Suche nach ihrer Mutter. Die Spur führt nach Rom, wo sie tatsächlich eine sehr verwirrte Martha vorfindet, die Aufzeichnungen ihrer längst verstorbenen Mutter Maria gefunden hat, mit denen sie aber nichts anfangen kann.
Felicity lässt sich Marias Tagebuch übersetzen und stößt bei der Lektüre auf ein dunkles Familiengeheimnis, das direkt mit einem der dunkelsten Kapitel unserer Vergangenheit verbunden ist. Die Aufzeichnungen befassen sich mit dem dramatischen Schicksal von Felictiys Urgroßmutter Elisabeth Malpran, die während der beginnenden Schrecknisse des Dritten Reiches eine berühmte Opernsängerin war. Doch ihr, ihrem Mann Gustav und den beiden Kindern Deborah und Wolfgang war nur ein kurzes gemeinsames Glück beschert, das mit den Anfängen des Naziterrors in Deutschland ein jähes Ende fand. Immer deutlicher wird Felictiy bewusst, dass ein Sog aus Eifersucht, Hass und Sühne nicht nur das Leben von Elisabeth und Deborah zerstörte, sondern auch bis heute einen Schatten auf ihr eigenes Leben wirft… Hier geht's zur Kritik von "Honigtot"



„Ich finde Freiheit eigentlich nur in den Geschichten.“

Gesa Schwartz sprach mit uns über ihr aktuelles Buch „Nacht ohne Sterne“, den kreativen Schreibprozess und ihre Motivation zu Schreiben.

Booksection.de: Nach zwei Trilogien (Anm. d. Redaktion „Grim“ und „Schattenwelt“) ist „Nacht ohne Sterne“ Dein erster Einzelroman. Hast Du das als schwierige Begrenzung empfunden?
Gesa Schwartz: Nein, eigentlich nicht. Der Plot ergibt sich bei mir immer aus der Geschichte heraus. Ich beginne immer mit einem Bild, das ich habe. Also jetzt nicht visionsmäßig, oder so (lacht). Aber eben ein Bild, das mir einfällt. So war das bei „Nacht ohne Sterne“ auch. Von dem ausgehend überlege ich mir dann, wie es weiter geht. Was die nächsten Bilder sind. Da habe ich schon geahnt, dass es diesmal keine Trilogie oder eine Reihe wird. Tatsächlich gewusst habe ich es aber erst, als ich die letzte Szene geschrieben habe. Dann haben mir die Figuren gesagt: Unsere Geschichte ist zumindest an diesem Punkt erzählt.

Booksection.de: Was war dieses erste Bild, wenn ich fragen darf?
Gesa Schwartz: Das darfst Du fragen, ich antworte aber lieber nicht (lacht). Nicht weil ich gemein sein will, sondern weil das viel vorweg nimmt. Für mich ist das erste Bild immer so etwas wie das Herz der Geschichte, so wie der Titel auch. „Nacht ohne Sterne“ hat ja im Buch eine Bedeutung. Und wenn ich jetzt erzählen würde, was das für mich bedeutet, würde ich schon ganz viel vorweg nehmen. Nicht nur denen, die das Buch noch nicht gelesen haben, sondern auch für jene, die das Buch schon gelesen haben und denken: Ne, ich habe mir darunter etwas anderes vorgestellt. Jeder soll sich ja seine eigenen Gedanken machen. Ich finde eine Geschichte fängt dann erst an zu leben, wenn sie beim Leser ankommt und er sich selber Gedanken macht. Und überlegt, was er so alles hineinlegen kann in die Figuren.   

Booksection.de: Mir ging es so, dass ich beim Lesen sehr schnell in der Gesichte war und auch in der Welt, in der sie spielt. Entwickelst Du den Kosmos einer Geschichte getrennt von den Figuren oder eher alles zusammen?
Gesa Schwartz: Ich plotte ziemlich genau, bevor ich die erste Zeile schreibe. Schließlich habe ich auch Abgabefristen und muss Verträge erfüllen (lacht). Früher habe ich einfach drauf los geschrieben. Mein allererstes Buch hat viele Seiten und daran habe ich drei Jahre geschrieben. Aber das habe ich nur für mich geschrieben, ohne die Intention einer Veröffentlichung. Wenn man mit Abgabetermin schreibt, muss man schon ungefähr wissen, wie lange man benötigt. Wie lange die Kapitel werden und so weiter. Aber die Figuren entwickeln sich natürlich. Ich könnte jetzt zum Beispiel bei Vidar nicht sagen: So, nun ist er aufgetaucht und er ist so und so und so. Das habe ich bei anderen Geschichten schon versucht, aber es funktioniert nicht. Das äußerte sich dann so, dass ich den Figuren vorher einen Namen gegeben, sie aber nicht mit mir geredet haben. Die Geschichte war quasi tot und hat nicht angefangen zu leben. Daher haben meine Figuren auch erst mal keinen Namen. Bis sie mir ihren Namen sagen. 

Booksection.de: Deine Figuren haben also ein großes Eigenleben?
Gesa Schwartz: Ja, auf jeden Fall!

Booksection.de: Sie erleben ihre Geschichte und Du bist der Zuschauer?
Gesa Schwartz: Ich bin eher Mitreisender, weil ich IN meinen Figuren bin. Wie ein kleines Männchen in ihrem Kopf oder ihrem Herzen, je nach dem was sie erleben. Ich bin hautnah dabei.
 
Booksection.de: Gleich Dein erstes Buch „Grim – Das Siegel des Feuers“ wurde ein großer Erfolg und erhielt den Deutschen Phantastikpreis für das beste Romandebüt. Hat sich das Schreiben für Dich danach verändert? Hast Du Druck empfunden?
Gesa Schwartz: Ich habe es tatsächlich eher als Druck empfunden. Wobei das nicht so negativ gemeint ist, wie es jetzt vielleicht klingt. Aber eine Befreiung war es für mich nicht – Freiheit klingt so groß – aber ich finde Freiheit eigentlich nur in den Geschichten. Ich finde die Öffentlichkeit toll, meine Leser kennen zu lernen oder wie gerade Interviews zu führen. Das macht mir Spaß. Aber am liebsten schreibe ich. Ich erzähle Geschichten für die Geschichten. Und ich veröffentliche Geschichten für die Geschichten. Nicht um damit Erfolg zu haben. Natürlich freue ich mich, wenn ich Erfolg habe. Oder wenn ich Leser berühren kann. Aber ich schreiben die Geschichten für mich und für die Geschichte. Das ist meine Motivation. Dabei muss ich aufpassen, dass ich mich von außen nicht zu stark beeinflussen lasse. Ich lese zum Beispiel keine Rezension, wenn ich im Schreibprozess bin. Außer jene, die ich zugeschickt bekommen. Aber das sind häufig ja auch die positiven (lacht). Ich bekomme wenig Mails mit dem Inhalt: Hier der Link. Bewertung ein Stern (lacht).
Während dem Schreiben bin ich verletzlich und auch die Geschichte an der ich arbeite. Aber, um ein Fazit zu ziehen, natürlich ist so ein Preis toll. Die Tatsache, dass etwas was ich über viele Jahre in meinem Kopf hatte, so ein Feedback bekommt ist einfach wunderbar. Es ist schon ein Ziel von mir die Welt ein Stück weit zu poetisieren, das Wunderbare, das es gibt in der Welt, sichtbar zu machen. Wenn mir das mit meinen Geschichten gelingt, finde ich das toll. Aber wenn nur das meine Motivation wäre, würde ich wahrscheinlich nicht weiterschreiben.

Booksection.de: In der Kurzbiographie auf Deiner Homepage schreibst Du, dass Du Dich gerade für dieses erste Buch auf die Spuren alter Geschichtenerzähler in Europa begeben hast. Musst Du unterwegs sein, um Dinge zu erfahren, oder kannst Du auf solch eine Reise auch vom heimischen Schreibtisch aus gehen?
Gesa Schwartz: Beides. Ich liebe das Reisen. Obwohl ich reisekrank bin. Absurd eigentlich. Ich kann nur ganz schlecht fliegen, weil ich ein Gleichgewichtsproblem habe. Der Flug nach New York für „Nacht ohne Sterne“ war nicht so schön. Vor allem das Starten und Landen ist schlimm. Aber das Reisen an sich liebe ich. Es ist toll unterwegs zu sein. Menschen kennen zu lernen. Andere Orte kennen zu lernen. Es ist mir wichtig auf Recherchetour zu gehen. Für „Grim“ war ich in Paris. Ich weiß noch, als ich vor den Turm Saint-Jacques, wo Grim ja lebt, saß und noch nicht so genau wusste, wo er leben würde. Nur, dass es eine Kirche sein muss. Nun war dies aber ein Turm und keine Kirche. Auf einmal viel mir auf, das keine der Tauben, die ja eigentlich überall sind in Paris, auf dem Turm saß. Alle auf dem Rasen davor. Und alle haben seltsam unzufrieden geguckt (lacht). Und da habe ich mir dann gedacht, wenn dort ein Gargoyle wohnt, hat er natürlich einen Zauber über seinen Turm gelegt, das keine von den verfluchten Tauben es wagt, sich auf den Turm zu setzten (lacht). Damit war klar, wo Grim wohnt. Bei der weiteren Recherche hat sich dann herausgestellt, dass der Turm früher einmal Teil einer Kirche war.
Das Reisen inspiriert mich immer. Leider konnte ich von New York gar nicht so viel in die Geschichte aufnehmen. Als Jugendbuch hat es einfach nicht so viele Seiten wie zum Beispiel „Grim“, das eher ein Buch für Erwachsene ist.

Booksection.de: Also hast Du Dich diesmal bewusst für diese Zielgruppe entschieden? Oder schaust Du eher am Ende, wo könnte die Geschichte reinpassen?
Gesa Schwartz: Genau. Genres sind natürlich wichtig, gerade für Buchhändler oder die Vermarktung. Wenn man jetzt in eine Buchhandlung kommt und Gesa Schwartz sucht, dann eher nicht bei den Liebesromanen. Für mich als Schriftstellerin ist das Genre aber nicht so wichtig. Ich gehe mehr nach dem Herz der Geschichte. Und das ist bei mir eben eindeutig die Phantastik. Unsere Welt und was es daneben noch so gibt.

Booksection.de: „In „Nacht ohne Sterne“ ist das schön verwoben finde ich. Das Portal zur anderen Welt in der Wohnung…
Gesa Schwartz: Dankeschön. Diese Verbindung der Welten ist mir auch immer wichtig. Wenn ich eine Agenda für eine Geschichte habe, gehört das ganz oben mit dazu. Michael Ende ist zum Beispiel einer von meinen Herzautoren. Er prägt eine Säule meines Schreibens. Nicht nur seine Geschichten, sondern auch seine philosophischen Gedanken. Die Zivilisationswüste, die uns umgibt.

Es ist einfach wichtig, dass wir mehr sehen, als unsere Augen uns zeigen. Das versuche ich auch durch meine Geschichten zu vermitteln. Den Schleier zu heben, der ein Stück weit über unserer Welt liegt.

Booksection.de: Liest Du auch die Geschichten anderer Fantasyautoren? Oder beeinflusst Dich das zu sehr?
Gesa Schwartz: Es beeinflusst mich schon. Aber nicht nur bei Fantasy-Autoren. Ich lesen super gerne Bukowski (Anm. d. Redaktion: Henry Charles Bukowski, amerikanischer Dichter und Schriftsteller). Obwohl er natürlich ganz anders schreibt als ich. Ich liebe ihn. Er ist großartig, aber wenn ich nun eine Woche nur Bukowski lese, könnte ich nicht ein Buch wie „Nacht ohne Sterne“ schreiben (lacht). Er hat sozusagen seinen eigenen starken Atem und ich bemühe mich immer meiner Stimme zu folgen. Gerade wenn ich zu Beginn eines neues Projekts ganz tief drin bin im kreativen Prozess, versuche ich zu vermeiden einen anderen Autoren zu lesen, der eine ganz eigenen starke Stimmt hat. Da lese ich dann eher Sachbücher. Oder Dinge für die Recherche. Ein anderes Problem, das ihr bestimmt auch kennt, ist die Zeit. Ich habe einfach nicht die Zeit alles zu lesen, was mit interessiert.

Booksection.de: Absolut! Manchmal möchte man sich klonen…
Gesa Schwartz: Ja, genau!

Booksection.de: Seit dem „Herr der Ringe“-Revival erlebt die Phantastik ja eine Hochphase. Viele Autoren werden verlegt. Macht man sich da Gedanken über die Einzigartigkeit der eigenen Geschichte?
Gesa Schwartz: Das ist immer schwierig. Goethe hat, glaube ich, sinngemäß einmal gesagt: Es wurde alles schon einmal gedacht, es kommt nur darauf an es noch einmal zu denken. Darum geht es, glaube ich. Nichtsdestotrotz ist es natürlich schon blöd, wenn man gerade eine Idee hat und dann im Buchladen sieht: Okay, gibt’s schon. Aber ich denke nicht viel über die Vermarktung einer Geschichte nach. Daher fühle ich mich bei cbt auch so gut aufgehoben. Ich habe dort ein tolles Team, die das im Blick haben. So kann ich mich auf den kreativen Prozess konzentrieren. Überhaupt sind so viele Menschen außer mir noch an der Entstehung meiner Bücher beteiligt. Sei es nun die Gestaltung des Covers oder auch der Druck. Zum Beispiel, dass der Umschlag bei „Nacht ohne Sterne“ so schön glitzert. Es steckt so viel Liebe in dem Buch, nicht nur meine.

Booksection.de: Gerade ein Cover ist ja heutzutage ungemein wichtig für ein Buch.
Gesa Schwartz: Ein gutes Cover ist einfach das visuelle Tor in die Geschichte. Genau wie der Titel auch.

Booksection.de: In „Nacht ohne Sterne“ steht ein uralter Konflikt im Mittelpunkt der Geschehnisse und die Botschaft ist, dass es nicht immer nur eine Schwarz-Weiß-Lösung geben muss. Ist es Dir wichtig solche Botschaften zu geben oder möchtest Du gar keine „Botschaft“ geben?
Gesa Schwartz: Ich habe Leitmotive. Botschaften finde ich schwierig. Das erinnert mich immer ein wenig an Schullektüre (lacht).

Booksection.de: … die moralische Brechstange…
Gesa Schwartz: Genau das finde ich schwierig. Aber ich habe schon bestimmte Punkte, die sich in all meinen Geschichten wiederfinden. Realität und fantastische Welt zum Beispiel. Das ich sage, es gibt nicht nur eine Welt, nicht nur eine Wirklichkeit. Wir alle haben verschiedene Wirklichkeiten. Und es gibt Wunder in der Welt. Das muss ja nicht immer ein kleiner grüner Kobold sein. Aber es gibt so viel mehr, als man auf den ersten Blick sieht.

Die Botschaft möchte ich den Lesern selbst überlassen. Es gibt Leser, die lesen meine Geschichten einfach so, zur Unterhaltung. Sie sehen in „Nacht ohne Sterne“ eben eine nette Liebesgeschichte mit Abenteuer und Elfen in New York. Das ist völlig in Ordnung. Ich will ja unterhalten. Andere gehen mehr in die Tiefe und sehen philosophische Kontexte. Das finde ich auch toll. Aber das will ich dem Leser überlassen.

Booksection.de: Eine Welt zu erschaffen, ist das für Dich immer wirklich etwas Neues. Oder ist es für Dich eher ein Verrücken unserer Welt?
Gesa Schwartz: Das kommt immer darauf an. Bei „Nacht ohne Sterne“ hatte ich zum Beispiel gleich ein Bild von meiner Hauptfigur Naya. Das ominöse Bild (lacht). Ich wusste gleich, wer sie ist und sie hat mich mitgenommen in die fantastische Welt. Sie wusste mehr als ich am Anfang und hat mich dann mit ihren Augen sehen lassen. Die Welt hat sich sozusagen vor meinen Augen entwickelt. Ich habe es nicht konstruiert, sondern erlebt. Das ist aber nicht immer so. Oft überlege ich mir vorher wie die Welt funktioniert. Gerade bei meinen erwachseneren Büchern. Bei einer Trilogie wie „Schattenwelt“, die stark auf philosophischen Grundgedanken aufbaut, muss ich mir schon vorher überlegen, wo es hingeht. Da kann ich nicht einfach „reinspringen“. Am schönsten ist es aber tatsächlich, wenn sich die Welt um mich herum von selbst erbaut.

Booksection.de: Auch wenn Naya die Hauptfigur ist, sind auch Jaron und Vidar elementare Charaktere in der Geschichte. Hast Du einen Liebling?
Gesa Schwartz: Ja! (lacht). Aber das wäre sehr ungerecht, wenn ich das jetzt sagen würde. Und es wechselt auch. Es besteht ein Vertrauensverhältnis zwischen meinen Figuren und mir, der „Schöpferin“ (lacht und zeigt Anführungszeichen). Im Grunde sind alle Figuren ein Teil von mir oder ich von ihnen. Ich empfinde mich oft als ein Mosaik, das zerbrochen ist. In manchen Figuren steckt mehr von mir, in anderen weniger.

Booksection.de: Ich mochte in „Nacht ohne Sterne“ besonders die Feen, allen voran Rosa. Ich hätte mir noch mehr „Rosa“ gewünscht?
Gesa Schwartz: Rosa mochte ich auch total gerne. Sie hat sich richtig in die Geschichte gedrängt und war gar nicht geplant. Aber plötzlich war sie da und ich hätte gerne noch mehr von ihr erzählt. Aber sie ist eben nur eine Nebenfigur. Und ich wollte ja eine andere Geschichte erzählen. Aber wer weiß, vielleicht kommt sie noch einmal wieder.

Booksection.de: Aber eine Fortsetzung ist jetzt nicht geplant?
Gesa Schwartz: Nein, „Nacht ohne Sterne“ ist ein Einzelband und in sich abgeschlossen. Natürlich kann es sein, dass Figuren wie Rosa noch einmal bei mir anklopfen und sagen: Hallo! Ich möchte eine eigene Geschichte. Und wenn sie dann mit dem nötigen Schwung kommt und meine Tür zum Schreibzimmer eintritt, kann ich mich natürlich nicht wehren (lacht).

Booksection.de: Arbeitest Du aktuell an etwas Neuem und wenn ja kannst Du uns schon etwas darüber erzählen?
Gesa Schwartz: Ja, ich arbeite an etwas Neuem, darf aber noch nichts erzählen. Aber es kommt einiges.  

Booksection.de: Gesa, schön, das wir Dich treffen konnten. Vielen Dank für das nette Gespräch!
Gesa Schwartz: Mich hat es auch sehr gefreut!

Nacht ohne Sterne

Die sechzehnjährige Naya ist ein Kind zweier Welten. Mit einer Elfe als Mutter und einem Menschen als Vater gehört sie weder ganz auf die eine Seite, noch auf die andere und fühlt sich eher immer zwischen allen Stühlen. Auch die Magie der Elfen scheint ihr nicht inne zu wohnen, obwohl sie sie spüren kann. Eines Tages gerät Naya zwischen die Fronten des bereits seit Jahrhunderten herrschenden Krieges zwischen den Lichtelfen Valdurins und den dunklen Bharassar, der verborgen vor den Augen der Menschen in den Straßen von New York schwelt.
An der Seite ihres besten Freundes Jaron, einem Lichtelf, muss sie lernen, den dunklen Schatten zu trotzen. Doch dann lernt sie den geheimnisvollen Dunkelelf Vidar kennen und Naya muss erkennen, dass Jaron ihr nicht immer die ganze Wahrheit erzählt hat. Doch kann sie Vidar wirklich trauen? Schon bald steht Nayas Welt völlig Kopf, während sich der Ring aus Feinden immer enger um sie zieht… Hier geht's zur Kritik von "Nacht ohne Sterne"


Der Profi auf der Buchmesse

Es dürfte in Deutschland wenige Menschen einiger Generationen geben, die Thomas Gottschalk nicht kennen. Der ehemalige Showmaster von „Wetten, dass..?“ hat bei Heyne im April seine Autobiographie mit dem Titel „Herbstblond“ veröffentlicht und sich auch auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse eingefunden – aber nur kurz. Zumindest für die Presse war die halbstündige Pressekonferenz eher ein Abfrühstücken sämtlicher (mehr oder weniger niveauvoll) gestellter Fragen, die Gottschalk aber nicht aus der Ruhe bringen konnten. Auf die Flüchtlingsproblematik ging er gar nicht erst ein, er erzählte von seinem ersten Buch und dass er wahnsinnig gerne lese und dass er alles an „Herbstblond“ selbst geschrieben habe. Er habe außerdem nicht vor, den Samstagabend zurückzuerobern, da er schlicht und ergreifend nichts mehr beweisen müsse. Man nimmt es ihm ab und auch während dieser Pressekonferenz war wieder deutlich spürbar, was für ein professioneller Promi vor einem sitzt. Doch auch  unnahbar ist er, der Herr Gottschalk. Er hat selbst die ARD- und ZDF-Journalisten im Griff, die eingefleischt und deutlich stolz auf sich und ihre Personality sind. Das zu verfolgen war fast noch unterhaltsamer, als die Pressekonferenz an sich. Nach 20 Minuten beendete der Heyne-Chef Ulrich Genzler die Session, die weder gut besucht, noch ein Highlight der diesjährigen Messe war. Es kommt zu dieser Zeit und an diesem Ort in Hessen auf andere Dinge – und vor allem auf andere Leute – an.


„Alles war so echt.“

Autorin Victoria Schwartz erzählt auf der ARD-Bühne über ihr aktuelles Buch „Wie meine Internet-Liebe zum Albtraum wurde: Das Phänomen Realfakes“ und wie schnell man sich heutzutage in einen Menschen verlieben kann, der gar nicht real existiert.

Die große Liebe scheint heutzutage nur einen Mouse-Klick entfernt. Immer mehr Menschen suchen sie auch im Internet. Dabei muss es nicht immer eine explizierte Flirtplattform sein, wo man sich kennenlernt. Auch via Twitter und Facebook können heutzutage Freundschaften entstehen, aus denen dann eventuell auch mehr wird. Doch das virtuelle Zusammenrücken der Welt hat auch seine Schattenseiten. Betrüger aller Art nutzen die vielen Möglichkeiten sich eine falsche Internet-Identität zu schaffen, um andere emotional oder finanziell zu betrügen.

„Ich dachte, mir würde das nie im Leben passieren“ erzählte Victoria Schwartz am 16.10.2015 auf der ARD-Bühne der Frankfurter Buchmesse der Moderatorin Evelyn Fischer und dem interessierten Publikum, das sich bereits um 11:00 Uhr dort eingefunden hatte. Als Kommunikationsdesignerin und Internet-Userin der ersten Stunde war sich Schwartz sicher, dass sie einen Fake-Account erkennen würde, wenn sie einen vor sich hat. Doch dann war alles so real und echt, dass sie es eben doch nicht bemerkte. Via Twitter und Facebook hatte sie „Kai“ kennen gelernt und sich über viele E-Mails und Telefonate in ihn verliebt. Aber er lebte im Ausland, ein persönliches Kennenlernen war daher schwierig. Nachdem nach vier Monaten Kontakt das erste Treffen platzte und sie ihn auch im 10. Monat der „Beziehung“ noch immer nicht gesehen hatte, wurde sie zwar misstrauisch, doch die emotionale Abhängigkeit war da bereits zu groß. Außerdem hatte Kai für alle Fragen immer die perfekten und scheinbar logischen Antworten und Ausreden parat. Victoria Schwartz erzählte, dass sie zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr objektiv urteilen konnte. „Meine Gefühle hatte mich blind gemacht“ so die Autorin.

Anschaulich berichtet Victoria Schwartz, wie sie sich immer tiefer emotional in die Beziehung zu Kai verstrickte und es erst durch die Nachforschungen einer guten Freundin schaffte hinter dessen Fassade zu blicken. Wie sich herausstellte gab es „Kai“ nämlich gar nicht. Aller 3.000 Facebook-Bilder, Tweets und Likes von Freunden und Familie zum Trotz. Er entpuppte sich sogar als „Sie“. Hinter dem Account steckte eine Psychologieprofessorin, der Victoria Schwartz schließlich mit Hilfe eines Journalisten auf die Spur kam.

Victoria Schwartz bezeichnet es im Nachhinein als Glück, dass sie nicht an einen sogenannten „Scammer“ geraten war, also jemand der gezielt Geld von seinen Opfer erschleichen will und dazu das Internet nutzt. Dennoch war die psychische und emotionale Verletzung groß. Heute unterstützt Victoria Schwartz Menschen, die Opfer eines solchen Liebes-Betrugs im Internet wurden. Ihr Rat: Wenn man sich im Internet verliebt, sollte man so schnell wie möglich den Reality-Check machen und sehen, wer sich hinter der Online-Identität verbirgt.

Das Buch „Wie meine Internet-Liebe zum Albtraum wurde: Das Phänomen Realfakes“ erscheint am 19.10.2015.


„Hätte ich etwas zu verbergen gehabt, wäre ich doch nicht in die Politik gegangen!“

Er hat es getan. Am 13.10. 2015 gab der Rechtsanwalt und Politiker Gregor Gysi den Fraktionsvorsitz für seine Partei DIE LINKE ab. Zukünftig wird die Bundestagsfaktion von einer Doppelspitze bestehend aus Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch angeführt. Doch wer glaubt, um den Top-Rhetoriker und Polit-Entertainer würde es nun leise werde, der sieht sich getäuscht. Gysi wäre nicht Gysi, wenn er nicht andere Möglichkeiten finden würde im Rampenlicht zu bleiben.

Bereits am 17.10.2015 stellte Gregor Gysi auf der Frankfurter Buchmesse mit „Ausstieg links? – Eine Bilanz“ sein neues Buch vor. Die „Hütte“ war voll, denn Gysi ist nicht nur ein Grant für humorvolle und sprachlich geschliffene Beiträge im Deutschen Bundestag, sondern auch in seinen Interviews. Moderator Thomas Kreutzmann nutzt denn auch gleich die Anmoderation zu einem etwas längeren Monolog, den er mit den Worten „später komme ich wahrscheinlich eh nicht mehr zu Wort“ launig einleitete. Und so kam es dann auch. Gregor Gysi nutzte die gebotene Bühne, nicht nur um über sein Buch zu sprechen, sondern um auch seinen beiden Nachfolgern an der Fraktionsspitze etwas ins Stammbuch zu schreiben. Wenn man in die Politik geht, muss man nicht nur bereit sein Opposition zu machen, sondern sich auch an der Regierung zu beteiligen, teilte er einen Seitenhieb insbesondere gegen Sahra Wagenknecht aus. „Man darf sich in der Regierung aber nicht verbiegen“, so Gysi. „Aber“, so der Politiker weiter, „unsere Wähler wollen, dass wir mitregieren“. Mit Witz und Ironie hielt Gregor Gysi die anwesenden Messebesucher auch im Folgenden ordentlich bei Laune. Ob er nun Anekdoten aus der ein oder anderen Bundestagsdebatte zum Besten gab oder zu den Vorwürfen Stellung nahm, er habe als Anwalt in der DDR seine Mandanten an die Stasi verraten, Gysi war immer Herr der Lage auf der Bühne. Großen Anklang beim Publikum fanden seine Statements dazu, dass Politiker doch bitte verständlicher reden sollten. „Ich will, dass mich die Menschen verstehen!“, so Gregor Gysi. Auch bei den Gesetzestexten seien wir meilenweit entfernt davon, diese verständlich zu formulieren, so der Politiker, der gleich nachschob, dass ihm dies aber wenigstens sein Einkommen als Anwalt sichere. Auch für diesen Ausspruch waren ihm die Lacher wieder sicher.

Demokratie, Freiheitlichkeit und Rechtstaatlichkeit seien die Grundwerte, für die er immer wieder eintritt, so Gregor Gysi. Dafür will er sich auch zukünftig stark machen. Angesprochen auf seine Verdienste um die DIE LINKE bekennt er selbstbewusst, dass er sich durchaus auf seine Fahne schreibt, bei der erfolgreichen Vereinigung der Ost- und der West-LINKEN maßgeblich mitgestaltet zu haben. Wer hätte nach der Wende gedacht, dass dies so gelingen würde, meinte Gregor Gysi. Ambitionierten Nachwuchspolitikern gab er noch mit auf den Weg: „Lernt eine Sprache zu sprechen, die die Menschen verstehen. Nur so gewinnt ihr Zuhörer.“ Wir haben Gregor Gysi auch diesmal wieder gerne zugehört. Denn egal wie man zu seinen Ansichten und Einstellungen steht, dieser Mann hat etwas zu sagen und er tut es ungemein unterhaltsam!


Enie van de Meiklokjes war der Star der diesjährigen Buchmesse - dachte sie zumindest

„Enie van de Meiklokjes ist mit der Fernsehsendung „HANDMADE mit Enie“ auf sixx der Star in der Do-it-yourself-Welt.“, lautet ein Auszug, der das „Buch“ der Moderatorin bewerben soll. Dabei ist vor allem das Wörtchen „STAR“ zu betonen, denn so fühlt ich Enie wohl, wie wir vor, während und nach unserem Foto auf der Buchmesse am eigenen Leib erfahren mussten. Unser Redakteur und Photograph Timothy Scherer war bis zu jenem Moment ein bisher kleiner Fan von Enie – jetzt nicht mehr. Unnahbar, arrogant und mit einem Starpotential ausgestattet, bei dem man sich tatsächlich fragt: „Ja, auf was bildet sie sich eigentlich etwas ein?“ bleibt man etwas ratlos und auch enttäuscht zurück. Aber das ist eben das Risiko, wenn man „Promis“ auf der Buchmesse trifft. Sie sind eben nicht alle so, wie im Fernsehen, wie wir an diesem unschönen Beispiel wieder einmal erleben mussten.


„Nichts ist langweiliger als eindimensionale Romanfiguren“ (Oliver Bottini)

Der Krimiautor Oliver Bottini ist ein allzeit gern gesehener Gast auf der Frankfurter Buchmesse. 2015 stellte er unter anderem die Verfilmung des zweiten Louise Bonì-Krimis „Begierde - Jäger in der Nacht“ vor.

Krimizeit auf der ARD-Bühne der Frankfurter Buchmesse. Am 16.10.2015 stellten WDR Produzent Götz Bolten, Krimiautor Oliver Bottini und Schauspielerin Melika Foroutan die zweite TV-Verfilmung eines Louise Bonì-Krimis vor. Der Ausstrahlungstermin steht noch nicht genau fest. Wahrscheinlich wird der Krimi aber Anfang 2016 im Fernsehen zu sehen sein.

Louise Bonì - eine Kommissarin am Abgrund - erschaffen von Krimiautor Oliver Bottini, schaffte erstmalig im Februar 2015 den Sprung in die Fernsehabendunterhaltung. Mit großem Erfolg. Hauptdarstellerin Melika Foroutan erzählte Moderator Philipp Engel wie dankbar sie für diese facettenreiche Figur ist, die für sie als Schauspielerin eine tolle Herausforderung bedeutet. Nicht so sehr im Vordergrund steht dabei für sie, ob sie dafür dann später ausgezeichnet wird. Über die Nominierung als beste Darstellerin beim Hessischen Filmpreis freut sie sich natürlich dennoch. „In erster Linie zählt für mich aber gute Arbeit zu leiten“ erzählt die Schauspielerin und freute sich, dass sie diesmal auch ein Mitspracherecht beim Drehbuch hatte. Mit dem Drehbuch zeigte sich auch Autor Oliver Bottini sehr zufrieden. Die Zusammenarbeit mit dem WDR und der Drehbuchautorin war erneut sehr konstruktiv, so Bottini und er habe als Autor ebenfalls seinen Anteil leisten können. „Aber“ so Bottini weiter „ich schreibe die Krimis und bin nicht der Filmexperte“.

Grundlage für die zweite TV-Verfilmung ist Bottinis vierter Krimi mit Louise Bonì als Ermittlerin. Ein sehr düsterer Film, wie der Moderator betont. Im Zentrum steht das Thema Gewalt gegen Frauen in all ihren Facetten. Für Oliver Bottini ein wichtiges Thema, der die Verfilmung sehr gelungen und nicht zu düster findet. Es wird Zeit, dass wir auch im deutschen Fernsehen qualitativ hochwertige Krimiunterhaltung bekommen und dieses Feld nicht nur den Dänen oder Schweden überlassen, so der Autor.


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