Special

Frankfurter Buchmesse 2010






















Wir für EUCH vor Ort!
Jedes Jahr ist es der gleiche Ort und doch berichten wir für Euch jedes Jahr über neue Bücher, neue Leute und interessante Ereignisse auf der Frankfurter Buchmesse. Wir führten für Euch Interviews, bekamen zahllose Büchertipps unserer Verlage und saugten drei Tage lang die Atmosphäre dieser Messe in uns auf.
Wir präsentieren Euch dieses Jahr spannende Lesungsberichte mit Autoren, wie Tom Rachman, Sebastian Fitzek oder Bettina Belitz, aufsehenerregende Gespräche mit Alt-Kanzler Helmut Kohl oder dem zweifelhaften Thilo Sarrazin und natürlich wieder umfassende Interviews mit beispielsweise Jussi Adler Olsen, Michael Peinkofer, Andrea De Carlo, Zoran Dvenkar und Oliver Bottini.
Der Literatur-Nobelpreis ging 2010 übrigens an den spanisch-peruanischer Schriftsteller Mario Vargas Llosa. Als beste internationale Literaturverfilmungen wurden "Pippa Lee" und "Das letzte Schweigen" ausgezeichnet.

Wir wünschen Euch beim Lesen unseres Buchmesseberichts viel Spaß und hoffen, Euch einige interessante Bücher vorschlagen zu können!


Mittwoch, 06. Oktober 2010

Sehr sympathisch: Tom Rachman

Gespräch: Tom Rachman plauderte am Stand der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über sein Debüt-Roman „Die Unperfekten“

von Melanie Frommholz

Mit seinem Roman „Die Unperfekten“ ist dem Journalisten Tom Rachman ein hervorragendes Debüt gelungen. Auf der Frankfurter Buchmesse präsentierte er sein Buch, das nach seinem Siegeszug in Amerika, Australien und Großbritannien nun auch in der deutschen Übersetzung vorliegt. Unter anderem stand Tom Rachman am Stand der Frankfurter Allgemeinen Zeitung der Literaturchefin der F.A.Z. Felicitas von Lovenberg Rede und Antwort. In seiner sympathischen und zurückhaltenden Art berichtete Rachman davon, dass dies seine erste Buchmesse in Frankfurt sei und er von dem Erfolg, den sein Buch hat, immer noch ganz überwältigt ist. Mittlerweile ist „Die Unperfekten“ in 20 Sprachen übersetzt und niemand Geringeres als Brad Pitt hat sich bereits die Filmrechte gesichert. In dem gut halbstündigen Gespräch erzählte der Journalist mit der kanadischen und britischen Staatsbürgerschaft weiter von seinen Anfängen in der schreibenden Zunft. Bereits mit 20 habe er davon geträumt zu schreiben, erzählte Tom Rachman. Doch er habe gewusst, dass es ihm für gute Geschichten noch an Lebenserfahrung und interessanten Begegnungen fehlt. So wurde aus ihm erst einmal ein Journalist, der für die Nachrichtenagentur AP und die Harold Tribune in der Welt umherreiste. Um sein erstes Buch zu schreiben sei er dann nach Paris gezogen, so Tom Rachman. Er wollte sich bewusst etwas isolieren, in einem Land leben, dessen Sprache er nicht so gut beherrschte, damit er sich ganz auf das Schreiben konzentrieren kann. Nachdem das erste Schreibergebnis jedoch eher katastrophal ausfiel, war das mit der Isolation dann keine so tolle Idee mehr, berichtet Rachman schmunzelnd. Doch der Autor blieb dran und so können die Leser rund um den Erdball nun an seinen Geschichten aus einer internationalen Tageszeitung mit Sitz in Rom teilhaben. Tom Rachman berichtete dem interessierten Publikum am F.A.Z.-Stand, dass die Struktur des Buches – jedes Kapitel gehört einer Person, die für die Zeitung arbeitet, oder mit ihr zu tun hat – von Beginn an feststand. Er wollte viele kleine persönliche Geschichten erzählen, die dann insgesamt doch ein Ganzes ergeben, erklärte der Autor. Über sein neues Buch, an dem er gerade arbeitet, wollte Tom Rachman zum Abschluss des Gespräches noch nichts verraten. „Das ist noch geheim!“, lächelte der Autor. Die Leseratten auf der Buchmesse freuen sich nun zunächst über „Die Unperfekten“ und entließen Tom Rachman mit einem herzlichen Applaus.


Filmbesprechung: Mahler auf der Couch (Moviesection.de)

Komponist und Dirigent Gustav Mahler ist außer sich. Durch Zufall hat er erfahren, dass seine junge Frau Alma eine heiße Liebesaffäre mit dem Architekten Walter Gropius hat. Ein Brief, für Alma bestimmt, aber an Mahler adressiert, ist der deutliche Beweis. Rasend vor Eifersucht ist der geniale Musiker nicht mehr in der Lage zu arbeiten und sucht im Sommer 1910 Hilfe bei Sigmund Freud. Freud zwingt Mahler sich mit seiner Ehe auseinanderzusetzen und sich seinen eigenen Fehlern und Versäumnissen zu stellen.... zur Filmkritik



Interessant: Felix Adlon im Interview

„Mahler auf der Couch“-Regisseur Felix Adlon stand auf der ARD-Bühne im Medienpavillon der Frankfurter Buchmesse Bärbel Schäfer Rede und Antwort zu seinem Film über den österreichischen Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler.

von Melanie Frommholz

Mittlerweile ein fester Bestandteil auf der Frankfurter Buchmesse ist der Medienpavillon, in dem es aktuelle bzw. brandneue Filme zu sehen gibt und viele Filmschaffende meist hinterher auf der Bühne der ARD noch Rede und Antwort stehen. Einer der ersten Filme, die interessierte Messebesucher sehen konnten, war der Arthaus-Streifen „Mahler auf der Couch“, der seinen Kinostart im Juli 2010 hatte. Regie führten bei diesem Projekt Percy Adlon und sein Sohn Felix. Felix Adlon war dann auch nach Frankfurt gereist und berichtete dem gespannten Publikum, dass dieser Film ein echtes Familienprojekt gewesen sei. Sein Vater und er zeichnen sich für Regie und Drehbuch verantwortlich und seine Mutter fungierte als Produzentin. „Wir sind alle riesige Mahler-Fans“ gestand Adlon und berichtete weiter, dass sie unbedingt einen Film zu seinem 100. Todestag am 18.05.2011 machen wollten. „Aber eben kein typisches Biopic“, so Felix Adlon weiter. So hatten sein Vater und er nach einem entscheidenden Moment im Leben Gustav Mahlers gesucht, der als Aufhänger für einen Film passen würde. In den Fokus von Vater und Sohn rückte die Liebesaffäre von Mahlers wesentlich jüngerer Frau Alma Schindler mit dem Architekten Walter Gropius. Gustav Mahler öffnete zufällig einen heißen Liebesbrief von Gropius an Alma. Das Fremdgehen seiner Frau und seine damit verbundene Eifersucht warfen den Komponisten derart aus der Bahn, dass er überstützt den Psychoanalytiker Siegmund Freud im holländischen Seebad Leyden aufsuchte und sich beim ihm auf die Couch legte. Felix Adlon berichtete, dass zwar belegt sei, dass Mahler und Freud sich getroffen haben, aber über den Inhalt des Treffens nichts bekannt ist. „Eine Carte blanche“ so Adlon, die dem Regiegespann eine Fülle von Interpretationsmöglichkeiten gab und damit einen guten Rahmen für eine Geschichte über Gustav Mahlers Leben. Bei der weiteren Recherche stießen die Adlons auf zahlreiche Aufzeichnungen von Zeitzeugen, die das Ehepaar Mahler persönlich kannten. „Mahler und Alma waren das bekannteste Paar in Wien“, so Felix Adlon. „Wie heute Brad Pitt und Angelina Joile“. Fakten und dokumentierter Klatsch wurden, so der Regisseur, das Fundament für das Drehbuch zu „Mahler auf der Couch“. Um die Besetzung der Hauptrollen kümmerte sich dann vornehmlich sein Vater, so Felix. Einer glücklichen Fügung gleich konnten drei der Rollen „auf einen Streich“ besetzt werden. Felix Adlon berichtete dem gespannt lauschenden Publikum, dass sich sein Vater in München Johannes Silberschneider in einem Theaterstück ansehen wollte, um zu sehen, ob er Gustav Mahler sein könnte. Dabei fiel ihm nicht nur Barbara Romaner auf, die schließlich äußerst ausdruckstark Mahlers Ehefrau Alma gab, sondern auch der junge Darsteller Friedrich Mücke, der im Film nun als Walter Gropius zu sehen ist.

Alle, die „Mahler auf der Couch“ im Kino verpasst haben, können sich auf 2011 freuen. Dann wird der Film an Mahlers Todestag, dem 18.05, im Fernsehen zu sehen sein.


Beschäftigt: Joel Hill bei unserem Signing

Buchsignierung: Joe Hill ("Teufelszeug")

von Stefanie Rufle

Horror-Autor Joe Hill sorgte am Heyne-Stand für rege Aufmerksamkeit, als er – mit roten Teufelshörnern auf dem Kopf – sein neues Buch „Teufelszeug“ („Horns“) vorstellte. Der Sohn von Horror-Altmeister Stephen King wirkte trotz der Belagerung durch die Presse äußert entspannt und schien keinerlei Berührungsängste mit den Messebesuchern zu haben. Bereitwillig signierte er für Booksection.de seinen Roman – und das auf äußert kreative Art und Weise. Joe Hill – ein sympathischer und witziger Autor ohne Starallüren!

Hier geht's zur Buchkritik von "Teufelszeug"


Donnerstag, 07. Oktober 2010

Filmbesprechung: Hochzeitspolka (Moviesection.de)

Einst war für Frieder Schulz und seine Kumpels von der Cover-Band „Heide Hurricane“ Roch ’n’ Roll das Leben. Die Jungs rockten jeden noch so kleinen Saal. Nun, drei Jahre später, ist Frieder Geschäftsführer einer deutschen Firmenniederlassung in Polen und mit Haus und Verlobter im bürgerlichen Leben angekommen. Der coole Rocker ist auf dem Weg in ein vermeintliches Spießerdasein. Als am Tag vor seiner Hochzeit seine alten Kumpels überraschend vor der Tür stehen und die alten Zeiten wieder aufleben lassen wollen, holt Frieder seine Vergangenheit ein. Jonas, Paul, Manni und Knack scheinen sich kein Stück weiterentwickelt zu haben und passen erst recht nicht in das kleine polnische Dorf, das nun Frieders Zuhause ist. Während Frieders Ex-Kumpel die Braut nicht sonderlich begeistern, versucht dieser zu retten was zu retten ist. Firma inklusive. Die soll nämlich aus Kostengründen in die Ukraine verlagert werden.... zur Filmkritik

Auf der ARD-Bühne im Gespräch

Gespräch auf der ARD-Bühne mit Regisseur Lars Jessen und Schauspieler Lucas Gregorowicz

von Melanie Frommholz

Die „Hochzeitspolka“ wird seit dem 30.09.2010 nicht nur in den Kinos getanzt sondern am 07.10.2010 auch auf der Frankfurter Buchmesse. Regisseur Lars Jessen und „Paul“-Darsteller Lucas Gregorowicz machten auf ihrer Promo-Tour auch Station auf der ARD-Bühne im Medienpavillon.

Ein Ex-Rocker geht als Niederlassungsleiter einer deutschen Firma in die polnische Provinz und bei seiner Hochzeit mit einer Einheimischen tauchen überraschend seine ehemaligen Band-Kollegen aus alten Tagen auf. So könnte man stark verkürzt die Ausgangslage von „Hochzeitspolka“ umreißen. Gleich nach Filmende saßen auch schon Regisseur Lars Jessen und der Schauspieler Lucas Gregorowicz auf der ARD-Bühne, um über den Entstehungsprozess und das deutsch-polnische Verhältnis zu plaudern. Lars Jessen berichtete, dass er sich bis zu diesem Film, für den er auch das Drehbuch mitentwickelt hat, noch nicht mit dem Land Polen beschäftigt hatte. Ihm lag am Herzen mit seinem Film zum einen das Thema Identitätssuche und damit verbunden die persönliche Weiterentwicklung zu behandeln. Zudem wollte er auch die beiderseitigen Vorurteile beleuchten, die immer noch existent sind. Dabei waren die Dreharbeiten selbst schon eine Art Versuchsanordnung, da das Team aus Deutschen und Polen bestand und Mentalitätsunterschiede tagtägliche präsent waren. Ein Bindeglied zwischen den Nationen war der Schauspieler Lucas Gregorowicz, der im Film als „Paul“ zu sehen ist. Der gebürtige Pole wuchs in Deutschland auf und erzählte dem interessierten Publikum, dass der Dreh selbst für ihn eine besondere Erfahrung war, da er ihn wieder für längere Zeit zurück in sein Geburtsland gebracht habe. Er habe hier zum ersten Mal gleichaltrige Polen getroffen, so Gregorowicz, und festgestellt, wie ihn die Jugend in Deutschland doch geprägt habe. „Ich habe das Land von einer neuen Seite kennen gelernt“, erzählte der Schauspieler, der bei den Dreharbeiten auch als Übersetzer fungierte. Jessen und Gregorowicz machten durch ihre interessanten Antworten Lust auf diesen besonderen Heimatfilm und nicht wenige Messebesucher werden sich „Hochzeitspolka“ nach dem Gespräch wohl für den nächsten Kinobesuch vorgemerkt haben.

Lars Jessen hatte viel zu sagen

Interview mit Regisseur Lars Jessen

Wir sind kulturell stehen geblieben und die Polen haben uns überhaupt nicht nötig!

Moviesection.de: Warum gerade das Thema Deutsch-Polnische Verständigung. Das ist ja nicht unbedingt brandaktuell? Gab es einen bestimmten Auslöser?
Lars Jessen: Eigentlich zwei Dinge. Wir wollten etwas machen über „Deutsch-Sein“ in der Gegenwart nach der WM 2006, wo wir plötzlich das lustige bunte Partyvolk geworden waren. Wir haben uns gefragt, was aus uns werden würde, die vielen Gäste wieder abgereist waren. Sind wir seitdem anders? Deswegen wollten wir eine Fallstudie in Form eines Films machen. Über einen Deutschen, der in ein fremdes Land geht, dort heiratet komplett neu anfängt und guckt, was das für ihn bedeutet.

Moviesection.de: Also stand Polen zunächst gar nicht im Vordergrund?
Lars Jessen: Nein, der Grundansatz war die Idee zu der Fallstudie. Hinzu kam dann eine Karikatur in der taz: „Polens neue Kartoffel“, als Katschinski zum neuen Staatspräsidenten gewählt wurde. Dies führte zu einer kleinen Staatskrise zwischen Polen und Deutschland, was wir so interessant fanden, dass wir dachten, dieses Land wollen wir kennen lernen. Der andere, reizvolle Nebeneffekt war, dass wir uns, wie fast alle Westdeutschen, in Polen gar nicht auskannten. Wie unsere Protagonisten wollten wir eine Reise nach Polen antreten, in ein fremdes Land.

Moviesection.de: Es war für Sie und alle Beteiligten dann ja quasi so etwas wie ein Abenteuerurlaub, oder?
Lars Jessen: Ja, das kann man so sagen. Wir sind in Warschau angekommen und kannten nicht mehr als die Witze von Harald Schmidt und Adam Malysz (A. d. R. international sehr erfolgreicher Skispringer). Vier Jahre lang habe ich Polen dann von Nord nach Süd, von Ost nach West durchmessen und habe nun, glaube ich, ein subjektiv-repräsentatives Bild von dem Land, soweit das nach so einer Reise möglich ist...zum kompletten Interview auf Moviesection.de


Andrea De Carlo: Total fesselnd!

Interview mit Andrea De Carlo bei Diogenes

"Durante ist wie ein Speer, der diese Harmonie durchtrennt."

Booksection.de: „Als Durante kam“ hat mir vor allem deshalb so gut gefallen, weil zu Beginn eine wohl vertraute Situation beschrieben wird. Astrid und Pietro sind ein vermeintlich glückliches Paar, das zusammen ein angenehmes und zufriedenes Leben verbringt. Doch dann kommt eine dritte Person – Durante – hinzu und plötzlich haben wir eine hochexplosive Konstellation. Würden Sie sagen, dass „Als Durante kam“ die klassische Dreiecksgeschichte ist?
Andrea De Carlo: Ich würde nicht sagen, dass es eine wirklich klassische Geschichte ist. Durante ist jemand, der uns das Gegensätzliche aufzeigt. Ich wollte nicht mit einem Paar beginnen, das sich offensichtlich am Ende seiner Beziehung befindet, ich wollte nicht, dass sie augenscheinlich unzufrieden mit ihrem Leben sind. Deshalb wählte ich diese friedvolle Situation, in der sich die beiden befinden, ein rundum schönes Leben, das sie zusammen verbringen. Und dann taucht ein Typ wie Durante auf, der mit der Art, wie er ist, das alles in Frage stellt. Er ist wie ein Speer, der diese Harmonie durchtrennt.

Booksection.de: Von dem Moment an, an dem Durante in dem kleinen Ort auftaucht, entstehen Neid und Missgunst unter den Bewohnern. Würden Sie sagen, dass jeder von uns gerne wie Durante wäre, dass er eine Art von Spiegel ist, der uns unsere Träume und Hoffnungen widerspiegelt, der uns zeigt, wer wir eigentlich sein könnten?
Andrea De Carlo: Ja, ich glaube, das ist eine gute Definition. Er handelt wie ein Spiegel, der das Verhalten der Leute reflektiert. Plötzlich sehen sie, was nicht stimmt mit ihnen. Sie wären gerne wie er, denn er ist sehr frei und echt und manchmal auch fast brutal in seiner Ehrlichkeit. Alle fühlen sich sicher in ihren sozialen Netzwerken und dann kommt Durante und zeigte ihnen, wie sich ein freies Leben anfühlen könnte – viele von ihnen können das nicht ertragen.

Booksection.de: Glauben Sie, dass die Probleme, die die Männer im Roman mit Durante haben, typisch für eine spezielle Generation sind, oder ist dieser Konflikt in jeder Generation und jeder Altersstufe zu finden?
Andrea De Carlo: Ich würde sagen, dass wir das in jeder Generation und jedem Alter finden können. Es ist eine sehr animalische Reaktion auf einen Fremden, von dem keiner weiß, woher er kommt und der die Balance durcheinander bringt. Es ist quasi eine Verteidigung des eigenen Territoriums, die männliche Art, den Rivalen loszuwerden....zum kompletten Interview


"Ehrenwort"-Kritik

Lesung mit Ingrid Noll

von Angelika Koch

Ohne großen Aufhebens und sehr bodenständig und sympathisch präsentiert sich eine gut gelaunte Ingrid Noll am Stand der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Niemand käme bei der unscheinbar wirkenden Autorin darauf, dass sie, so die Moderatorin „….die Königin der Boshaftigkeit in der deutschen Literatur ist“. Ingrid Noll, die erst mit knapp 55 Jahren anfing zu schreiben ist sich sicher, dass das daher kommt, dass sie in ihrem Alter genug Erfahrung mit der Boshaftigkeit gemacht habe und dass ein Liebesroman einfach nicht mehr „passen“ würde. Zudem fände sie Charaktere, die sich als graue Mäuse präsentieren und in denen es so richtig brodelt, selbst sehr interessant. Im aktuellen Buch „Ehrenwort“ wäre Ingrid Noll nicht sie selbst, wenn die Kinder des pflegebedürftigen, boshaften, alten Vaters nicht versuchen würden, diesen loszuwerden. Ingrid Noll liest auch ein kurzes Stück aus ihrem Buch. Die Zuschauer sind mucksmäuschenstill und genießen die aufkommende knisternde Stimmung. Irgendwie ist man an Miss Marple erinnert. Alle finden es schade, als die Autorin aufhört, man hätte ihr noch gerne länger zugehört. So reiben sich alle in den Augen, blicken sich um und verlassen nach ein paar weiteren Minuten den Stand mit der erhärteten Meinung, dass die Bücher einer solchen Autorin nahezu ein „Musthave“ sind: Die Autorin also ist eine Bereicherung für die Messe, ihre Bücher eine Aufwertung des heimischen Bücherregals.

Hier geht's zur Kritik von "Ehrenwort"


So nett wie geahnt: Tom Rachman auch!

Interview mit Tom Rachman bei dtv

"In Momenten der Anspannung und des Drucks zeigt man, welche Art von Mensch man ist."

Booksection.de: Nach Ihrem Studium haben Sie als Journalist gearbeitet. Hatten Sie schon immer den Wunsch einen Roman zu schreiben oder ist dieser Wunsch mit der Zeit entstanden?
Tom Rachman: Nein, das war etwas, was ich schon immer tun wollte. Ich bin zum Journalist geworden mit dem Ziel, Autor zu werden und ich hoffte, dass der Journalismus mir die Möglichkeit geben würde, die Welt zu sehen und interessante Menschen kennen zu lernen und dass mir das vielleicht eine Inspiration für Geschichten liefern würde. Es war also schon immer mein Traum und wenn ich „immer“ sage, meine ich so ab Anfang 20, wobei ich davor wiederum eigentlich Filmemacher werden wollte. Doch während ich an der Universität in Toronto Filmwissenschaften studierte, änderte ich meine Meinung dahingehend, dass ich doch lieber schreiben wollte.

Booksection.de: War es nahe liegend, dass Sie über ein Metier schreiben, das Sie selbst sehr gut kennen?
Tom Rachman: Ich hatte zuerst die Charaktere und die Geschichte selbst im Kopf, bevor ich über den Schauplatz nachdachte. Und dann kam mir die Idee, dass der Journalismus und ein Nachrichtenraum ein passender Ort sein könnte, um alles zusammen zu bringen. Und das war dann natürlich ein Schauplatz, den ich von meiner Arbeit her gut kannte, sodass ich darüber präzise schreiben konnte und von dem ich hoffte, dass er auch für die Leser, die nicht in dieser Branche arbeiten, fesselnd genug sein könnte. Die Protagonisten und die Geschichte waren mir am wichtigsten, aber ich wollte durch die Auswahl dieses Schauplatzes ein anderes Element hinzufügen.

Booksection.de: Würden Sie sagen, dass Ihre Charaktere als eine Art Botschafter einer bestimmten Botschaft dienen oder sind sie schlicht und einfach typische „Zeitungsmenschen“?
Tom Rachman: Also ich denke, wenn sie eine bestimmte Botschaft hätten, so wäre diese sehr verwirrend, denn sie geht in viele verschiedene Richtungen und es gibt keine „Einzelbotschaft“, die ich damit vermitteln wollte. Ich würde keine Bücher schreiben wollen, die einen bestimmten Blickwinkel oder etwas in der Art „predigen“. Was ich als Leser an Fiktion mag, ist, dass eine Geschichte, die ihre eigene Vielfalt hat, viel reizvoller und faszinierender ist als eine, die sagt, dass irgendwas so und so und nicht anders ist. Das sollte so komplex sein wie jeder Aspekt eines Menschen oder eines Menschenlebens. ...zum kompletten Interview


Sehr nett: Krimi-Autor Oliver Bottini

Interview mit Oliver Bottini bei Fischer

Thomas Ays und Stefanie Rufle trafen sich am Stand des Fischer-Verlags mit dem äußerst sympathischen Autoren Oliver Bottini, der mit seinen bisher fünf Krimis um die eigenwillige Freiburger Hauptkommissarin Louise Bonì den deutschen Krimilesern wohl bekannt ist. Es entspann sich ein interessantes und sehr aufschlussreiches Gespräch, in dem Oliver Bottini von seiner Beziehung zu seiner faszinierenden Hauptfigur erzählte und seiner Motivation, persönliche Schicksale in die Krimis mit einfließen zu lassen. Und natürlich stand sein neuer Krimi „Das verborgene Netz“, den er auf der Frankfurter Buchmesse vorstellte, im Mittelpunkt des Gesprächs. Da uns dieser eloquente Autor sehr beeindruckt, widmen wir ihm auf Booksection.de ein ausführliches Portrait-Special, in dem, neben dem kompletten Interview, alle fünf Krimis vorgestellt werden. Viel Spaß beim Lesen…

Hier geht's zum Portrait-Special mit Oliver Bottini


Cool: Autor Jörg Harlan Rohleder

Interview mit Jörg Rohleder bei Piper

"Ich komme daher, wo die Fahrspuren einspurig, die Nummernschilder zweistellig und die Telefonnummern dreiziffrig sind – das ist Vorstadt!"

Booksection.de: Wundert es dich ein wenig, dass dir nun eine Frau gegenüber sitzt, die dein Buch gelesen hat?
Jörg Rohleder: Nein, überhaupt nicht. Ich wollte nicht explizit ein Jungsbuch schreiben, aber „Lokalhelden“ ist eben ein Coming-of-Age-Roman aus männlicher Sicht. Wenn ich über das Erwachsenwerden eines männlichen Protagonisten schreibe, dann kommen eben eher Jungsthemen drin vor. Naturgemäß interessieren sich also auch Frauen dafür. (lacht)

Booksection.de: Wen soll dein Buch ansprechen?
Jörg Rohleder: Die Zielgruppe sind Leute, die jetzt jung sind oder Leute, die in den 90er Jahren jung waren und sich jetzt wieder an ihre Jugend erinnern wollen. Ich glaub, das schafft dieses Buch. Ich glaube auch, dass der Ort relativ egal ist. Echterdingen steht stellvertretend für irgendeine Vorstadt – das könnte auch bei Hamburg oder Köln sein. Ich glaube fast, dass jeder diese Jugend in der Vorstadt kennt: Man sitzt im Bus, fährt irgendwo hin, geht auf eine schlechte Party, aber es ist eben die Einzige, die ist... "Lokalhelden" funktioniert universell für die Westdeutsche Jugend. Wie es im Osten lief, kann man wunderbar in "Als wir träumten" nachlesen.

Booksection.de: Würde man MTV gegen YouTube austauschen, könnte „Lokalhelden“ dann auch im neuen Jahrzehnt funktionieren? Oder erzählt „Lokalhelden“ eine Geschichte, die nur auf die Jugend in den 90er Jahren zugeschnitten ist?
Jörg Rohleder: Nein, überhaupt nicht. 17-Jährige werden heute mit den gleichen Problemen konfrontiert wie wir damals. Deshalb habe ich versucht, die Geschichte möglichst universell zu halten. Ich wollte, dass „Lokalhelden“ nicht nur für Leute aus den 90ern und aus dem Großraum Stuttgart interessant ist. Dennoch hat das Buch einen bestimmten Soundtrack und der ist typisch 90er. ...zum kompletten Interview


Wie immer: Markus Heitz & Thomas Ays

Interview mit Markus Heitz

von Thomas Ays

Jedes Jahr treffen sich Erfolgsautor Markus Heitz („Die Zwerge“, „Kinder des Judas“, aktuell: „Collector“ und „Das Angstmacherchen“, ein Bilderbuch) und Thomas Ays auf der Frankfurter Buchmesse um ein Interview zu führen. Nichts Neues also. Naja, irgendwie ja dann doch. Da Booksection.de in Sachen Markus-Heitz-Büchern mehr als nur gut aufgestellt ist, wird es an dieser Stelle ausnahmsweise keine Interviewveröffentlichung geben. Markus Heitz stand uns nämlich für ein kommendes Portrait-Special zur Verfügung, das in einigen Wochen, frisch zum Erscheinen von „Judastöchter“ (Dezember 2010) online gehen wird. Wer nicht solange warten und sowieso nicht ohne Markus Heitz’ Bücher sein kann, dem sei geraten, sich ein oder zwei oder drei seiner Bücher zu schnappen und sich in eine von seinen vielen Welten entführen zu lassen. Es lohnt sich…


Dieses Interview hat viel Spaß gemacht!

Interview mit Zoran Drvenkar bei Ullstein

"Ich kann mir alles erlauben, was ich möchte, weil ich nicht pädagogisch bin."

Booksection.de: Du hast Kinder- und Jungendbücher geschrieben und bist jetzt mit „Sorry“ und „Du“ auf ein völlig anderes Gebiet gewechselt. Ist der Sprung zu toughen Thrillern schwer?
Zoran Drvenkar: Nein, für mich ist das alles das gleiche. Für mich ist Schreiben, Schreiben. Genres mag ich persönlich überhaupt nicht. Das war sehr peinlich, als ich den Krimipreis bekam und alle sagten, ich bin jetzt Krimiautor. Das bin ich nicht. Ein Kinderbuch macht die gleiche Arbeit wie ein Jungend- oder ein Erwachsenenbuch. Nur die Charaktere sind jünger. Ich gehe in jedem Fall gleich an die Romane heran. Zunächst muss ich die Charaktere entdecken, daher existiert der Wechsel zwischen Jungend- und Erwachsenbuch für mich nicht. Es macht mir mehr Spaß Kinder- und Jugendbücher zu schreiben, weil es mir leichter fällt. Das merkt man auch im Buch „Du“. Die jugendlichen Charaktere flutschen wie nichts. Da lässt meine Seele absolut los, das ist mir noch am nahesten. Die anderen Figuren sind so dunkel, an diesen muss ich mehr arbeiten. Die Kinderbücher schreibe ich tatsächlich zu Entspannung (lacht). In die Erwachsenenbücher muss ich mehr Kraft hineinstecken, sie kosten mich mehr Schweiß. Ich schreibe meine Bücher auch nicht für das Publikum. Es ist zum Beispiel ein Kinderbuch, weil der Charakter sieben oder acht Jahre alt ist, aber nicht, weil ich mich damit bewusst an ein junges Publikum wende, sondern weil ich etwas über den Charakter erzählen möchte. Ich hätte auch gerne gehabt, dass „Du“ als Jungendbuch herauskommt. Es sollte zunächst „Die süßen Schlampen“ heißen, weil das meine Hauptcharaktere waren. In der ersten Idee von dem Buch gab es den Reisenden noch gar nicht.

Booksection.de: Diese Figur hätte zu einem Jugendbuch auch nicht gepasst…
Zoran Drvenkar: Genau. Ich traue meinen Lesern aber auch eine Menge zu. Wenn sie 15 oder 16 Jahre alt sind, können sie „Du“ schon lesen. Aber ich habe gemerkt, dass ein dunkler Ton in die Geschichte kam. Der Verlag hielt „Die süßen Schlampen“ letztlich auch nicht für verkäuflich. Ich sollte mir dann einen anderen Titel einfallen lassen und das einzige was mir geistesblitzartig einfiel, war dieses „Du“, weil es die Erzählform ist. Weil es alles umschließt.

Booksection.de: Es ist eine sehr ungewöhnliche Erzählform. Das Springen zwischen den einzelnen Persönlichkeiten ist sehr interessant für den Leser. Zudem springst Du auch zwischen den Zeiten, mal ist es Gegenwart, dann wieder Vergangenheit. Stück für Stück ergibt sich dann daraus die Geschichte. Wie ist die Idee entstanden, immer zwischen den Protagonisten zu wechseln und aus deren Sichtweise zu erzählen?
Zoran Drvenkar: Eigentlich schreibe ich am liebsten simple Bücher. Die Geschichte beginnt, sie endet, alle sind glücklich weil sie zu Ende ist (lacht). Irgendwie, ich weiß nicht warum, verstricke ich mich aber jedes Mal. Ich fange an zu schreiben und denke plötzlich: Geh mal sechs Jahre zurück, wechsle den Charakter oder etwas in der Richtung. Ich weiß nicht warum. Wenn es mir dann auffällt, denke ich: “Nein, warum hast du das schon wieder getan?“ Es ist dann zwar eine runde Geschichte, sie macht Spaß, aber ich würde mir wirklich wünschen, eine stringente Geschichte zu haben (lacht). Ich verliere mich einerseits, aber ich merke auch, dass ich dadurch Spannung aufbaue. Daher mache ich das auch. Es ist auch Ausdruck dafür, wie ich beim Schreiben denke. Ich fange mit einer Passage an, komme zu einer bestimmten Stelle und denke dann: „Mach etwas Neues!“ Ich höre auf die Charaktere und die sind manchmal da und manchmal nicht. Wenn sie nicht da sind, schreibe ich etwas anderes. Das wird dann ein großes Puzzle, und ich bin froh, einigermaßen den Überblick zu behalten....zum kompletten Interview


Freitag, 08. Oktober 2010

Unterhaltsam: Denis Scheck

Eine Institution und ein Wegweiser: Denis Scheck mit „Best of druckfrisch“ auf der ARD-Bühne bei der Frankfurter Buchmesse.

von Melanie Frommholz

Bei über 90.000 jährlichen Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt ist es für Leseratten schon ganz schön schwierig den Überblick zu behalten. Doch zum Glück gibt es ja Denis Scheck und sein ARD-Magazin „druckfrisch“. Mit launigen Reportagen und pfeffrigen Kommentaren gibt er zum Beispiel seine Einschätzung zu den Büchern auf der Spiegel-Besteller-Liste kund. Da rutschte schon so mancher vermeintliche Top-Roman die Rampe runter. Ganz ohne Rampe, aber heiter und kurzweilig wie immer, präsentierte Denis Scheck auf der diesjährigen Buchmesse ein „Best of druckfrisch“ zu unterschiedlichen Sendeterminen auf der ARD-Bühne im Medienpavillon. Das Haus war immer voll, wenn Scheck in seiner unvergleichlichen Art und Weise seine „kleine literaturkritische Familiensendung“ präsentierte.

Zu Beginn räumte er zunächst einmal mit dem Mythos der Bestseller-Liste auf und stellte richtig, dass hier keineswegs die besten Bücher zu finden seien. Grund genug, für ihn und sein Team, so Scheck, im Wechsel lediglich die Top Ten der Roman- und Sachbuchbestseller zu besprechen und den Rest der Sendung den wirklich guten Büchern zu widmen. Lautes Gelächter erntete Denis Scheck für den „Tipp“ aus seinem Doofelregal: “Zu Gast bei prominenten Hunden“, wo man unter anderem auf die Tölen von Bundespräsident Christian Wulf trifft. Auch keine Gnade in Denis Schecks Augen finden die „strunzdummen“ Biss-Bücher von Stephenie Meyer und die 2010 erschienene Ergänzung „Biss zum ersten Sonnenstrahl“. Man sollte dagegen eher zum neuen Roman von Cornelia Funke „Reckless: Steinernes Fleisch“ greifen oder zu Arno Schmidts „Zettel’s Traum“. Oder sich von Heinrich Steifests „Batmans Schönheit“ unterhalten lassen. Ganz besonders legte der bekennende Tolkien-Fan Denis Scheck seinem Publikum das aus dem Nachlass des Autor nun veröffentlichte „Die Legende von Sigurd und Gudrún“ ans Herz. Noch viele weitere abwechslungsreiche Tipps hatte Denis Scheck im Gepäck bevor er die ARD-Bühne für den nächsten Gast räumte. Und wer weiß, vielleicht schreiben ja, wie von Denis Scheck zu Beginn so hoffnungsvoll formuliert, viele der Messebesucher kleine Kärtchen an die ARD und verhelfen „druckfrisch“ damit zu einem Sendeplatz vor 23:00 Uhr.


Jugendbuchautorin Maggie Stiefvater

Interview mit Maggie Stiefvater bei Loewe

"Ich wollte immer Autorin sein."

Booksection.de: Sie hatten ja schon verschiedenen Jobs, beispielsweise als Bedienung. Jetzt sind Sie Autorin – genießen Sie das?
Maggie Stiefvater: Ich wollte immer Autorin sein. Ich erinnere mich, dass ich schon als ich klein war, angefangen hatte Geschichten zu tippen und mein Vater kam herein und fragte mich: „Maggie, was willst du werden, wenn du mal groß bist?“ Und ich sagte: „Ich will eine Schriftstellerin werden“, worauf er antwortete: „Aha, du willst also arm sein!“ Diese Geschichte hasst er jetzt (lacht). Wirklich, ich wollte immer Autorin werden, auch als ich als Bedienung gearbeitet habe oder Kalligraphie unterrichtet oder Hunde trainiert habe, habe ich die ganze Zeit auch geschrieben und hoffte, dass ich eines Tages davon leben könnte.

Booksection.de: Sie spielen auch Instrumente und malen Bilder. Das sind drei unterschiedliche Arbeitsfelder. Gibt es etwas, was diese Bereiche zusammenbringt?
Maggie Stiefvater: Ich denke, das ist alles eine Art von Geschichtenerzählen. Es gibt eine Geschichte mit einem Elefanten: Sieben blinde Menschen stehen um das Tier herum und können es nur ertasten. Der eine sagt: „Das ist ein Löwe, das sagt mir der Schwanz“ und der andere meint es wäre ein Baum, weil er die Beine abtastet und so weiter. Jeder meint, es wäre etwas anderes, aber alle haben dasselbe Tier beschrieben. Ich finde, Musik, Kunst und Schreiben beschreiben alle diesen Elefanten, nur von einer anderen Seite. Bei meinem jetzigen Buch, was nach der Trilogie kommt, war es so, dass ich die Handlung wie einen Film in meinem Kopf hatte und manchmal war es so frustrierend, diese Bilder in Worte zu transformieren. Es wäre sicherlich einfacher gewesen, das zu malen, aber es sollte nun mal ein Buch werden.

Booksection.de: Und die Musik?
Maggie Stiefvater: Ja, die half mir dabei. Letztes Jahr hatten wir die Wahl, entweder ein Haus oder ein Klavier zu kaufen …. Wir haben nun einen wunderbaren Steinway zu Hause (lacht). Und als ich dann also beim Schreiben hängen blieb, ging ich in den anderen Raum und spielte Klavier zwischen den Absätzen, und wenn ich dann zurück ans Schreiben ging, hat mich das wieder auf die Spur gebracht...zum kompletten Interview


Immer wieder nett: Michael Peinkofer

Interview mit Michael Peinkofer bei Piper

"Ich sehe es immer ein wenig wie bei Hitchcock. Du weißt, es wird etwas passieren, aber du weißt nicht, wie es passieren wird."

Booksection.de: Mit „Die Zauberer. Das dunkle Feuer“ schließt Du Deine Zauberer-Trilogie ab. Überwiegt nun Wehmut, dass es zu Ende ist oder doch eher Erleichterung?
Michael Peinkofer: Es ist immer eine Mischung aus beiden. Die Figuren wachsen einem natürlich ans Herz und man tut sich schon schwer loszulassen. Andererseits, solang man eine Trilogie schreibt, begleiten sie einen die ganze Zeit. Nach dem ersten Band, nach dem zweiten Band trägt man sie im Hinterkopf immer noch mit sich herum, weil man ja weiß, dass noch etwas kommt. Wenn es dann wirklich soweit ist, und man den letzten Band schreiben kann, ist trotz diesem Wehmut auch große Erleichterung dabei, weil man weiß, dass man die Figuren nun auch loslassen und etwas Neues beginnen kann. Es überwiegt von daher die Erleichterung.

Booksection.de: Manchmal entwickeln Figuren ja ein Eigenleben, das vom Autor nicht so geplant war. Hat sich im dritten Band noch einmal eine Figur anders entwickelt, als Du sie im ersten Band angelegt hast?
Michael Peinkofer: Im Großen und Ganzen war es vorgezeichnet. Auch durch die „Ork“-Trilogie, die ja später spielt und in der man einigen der Charaktere wieder begegnet. Es war festgelegt, wohin sie sich entwickeln. Nur die Art und Weise, wie es sich entwickelt, da hat sich manches im Laufe des zweiten Bandes entwickelt, was nicht ganz so vorgesehen war. Besonders bei Aldur gab es noch einige Entwicklungen, die am Anfang nicht ganz so vorgesehen waren. Aber es hat dann einfach besser in die Handlung und zu der Figur gepasst. Ich denke, so viel Spontaneität muss man bei aller Handlungsplanung haben.

Booksection.de: Farawyn ist eine spannende Figur in der Trilogie, die auch eine große Entwicklung durchlebt…
Michael Peinkofer: Er ist am Anfang eine Gandalf ähnliche Figur. Man hat das Gefühl, man hat es mit einem von diesen ganz, ganz guten Zauberern zu tun. Als Aldur dies dann die ersten Male anzweifelt, denkt man: Ja, das sagt er nur so, weil er neidisch ist. Oder etwas in dieser Richtung. Aber Farawyn entwickelt sich dann tatsächlich so etwas zwiespältig. Aus dem Rückblick der „Ork“-Trilogie weiß man ja, dass er eine ambivalente Figur ist. Das ist aber eine Entwicklung, die sich auch erst im Laufe der Trilogie herauskristallisiert hat....zum kompletten Interview


Ein neuer Star: Bettina Belitz

Lesung mit Bettina Belitz

Anfang des Jahres 2010 wurde Bettina Belitz´ romantisches Jugendbuch „Splitterherz“ ein voller Erfolg. Als schon bald verkündet wurde, dass die abenteuerlich-romantische Geschichte rund um ihren Herzbuben Colin in die zweite und auch in die dritte Runde gehen würde, war die Freude bei den den vielen Fans groß. Für den Jugendbuchverlag script5 Grund genug, den sehnsüchtig erwarteten zweiten Teil „Scherbenmond“ nun im großen Stil auf der Frankfurter Buchmesse vorzustellen. Da nicht nur die romantische Geschichte rund um Elli und Colin für Aufsehen sorgte, sondern auch das toll gestaltet Cover von „Splitterherz“, gab es in Frankfurt nicht nur einen inhaltlichen Vorgeschmack von Bettina Belitz auf den weiteren Verlauf der Geschichte, sondern auch eine Präsentation des Covers von Illustratorin Franziska Löhr.

Nachdem die Autorin einige vielversprechende Passagen aus ihrem noch unveröffentlichten Manuskript verlas, stellte sie sich den neugierigen Fragen aus dem Publikum, in dem sich zahlreiche weibliche sowie männliche Fans des ersten Teiles tummelten. Eine Zuhörerin wollte von Belitz wissen, wie sie auf die Idee kam, die sagenumwobenen Nachtmahre in ihrem Buch eine große Rolle spielen zu lassen. Belitz berichtet von ihrer Faszination für Träume und gab zu, dass sie selbst eine starke Träumerin sei, die gerne auch beim Frühstück von ihren nächtlichen Abenteuern berichte – nicht immer zur Freude ihrer Familie, wie die sympathische Autorin schmunzelnd anfügte. Außerdem liebe sie das Gemälde „Der Nachtmahr“ des Schweizer Malers Johann Heinrich Füssli, das letztlich auch seinen Teil zu der Entstehung der Thematik beigetragen habe. Einem männlichen Leser war aufgefallen, dass Bettina Belitz auf ihrem „Splitterherz“-Blog den Soundtrack zum Buch veröffentlicht hat. Belitz erzählte darüber, dass es viele Songs geben würde, die für sie als Inspirationsquelle für die Figuren gedient haben. So kam ihr die Idee zu der Figur Colin, als gerade ein Song von Depeche Mode lief.

Neben vielen expliziten Fragen zu „Splitterherz“, war auch das Interesse an den Vorlieben der Autorin groß. Eine Zuhörerin wollte von Bettina Belitz wissen, was für sie ein gutes Buch ausmache. Belitz hatte ihre Antwort sogleich parat und meinte, dass für sie die Identifikation und Nähe zu den Figuren das ausschlaggebende Kriterium sei. „Eine spannende und gute Story alleine reicht nicht aus. Es muss auch etwas Menschliches, etwas Emotionales da sein“, erzählt Belitz. Die nächste Frage zielte auf die Lieblingsbücher von Belitz ab. Als begeisterte und erfahrene Vielleserin fiel der Autorin auch diese Frage nicht schwer. Auf ein Buch allein wollte sie sich jedoch nicht festlegen, weshalb sie ihre drei Topfavoriten nannte: Zu den unangefochtenen Evergreens gehören für Belitz „Ronja Räubertochter“, „Homo Faber“ sowie die „Feuer und Stein“-Saga von Rebecca Gablé. Während ihr an Ronja Räubertochter besonders die liebenswerte Geschichte gefalle, liebe sie an Max Frischs Werk die perfekte und ausgefeilte Sprache. „Das ist ganz große Literatur“, fügte die Autorin begeistert an.

Nachdem die Vorpremiere des Textes sowie des Covers und die Fragerunde beendet waren, signierten Belitz und Illustratorin Löhr noch fleißig Bücher und Autogrammkarten. Die Anwesenden Leseratten und „Splitterherz“-Fans verließen nach gut einer Stunde sichtlich zufrieden den Messebereich, in dem „Scherbenmond“ vorgestellt wurde. So wurde die lange Wartezeit auf den zweiten Band, der Anfang 2011 erscheinen wird, angenehm und aufschlussreich verkürzt.


Unglaublich charismatisch ist Jussi!

Interview mit Jussi Adler-Olsen bei dtv

"Mit Rose, Assad und Carl ist alles möglich. Und eine Frau im Keller ist sowieso immer fantastisch."

Booksection.de: Lass uns über „Schändung“ sprechen. Was auffällt ist, dass Assad eine neue Facette hinzugewonnen hat. Etwas hat sich offensichtlich verändert. Kannst Du uns etwas darüber erzählen?
Jussi Adler-Olsen: Die Entwicklung von Assad erstreckt sich über sämtliche Fälle von ihm und Carl. Es gibt da quasi zwei Linien – die eine von Assad, die andere von Carl. In „Schändung“ erkennen die Leser, dass Assad nicht Watson ist, sondern vielmehr Sherlock Holmes. Carl ist Watson. Die Figur, die neben der eigentlichen Hauptfigur steht, ist in der Literatur oftmals die wirklich clevere. Denken wir nur an Don Quichote und Sancho Panza oder Stan und Laurel. Diese Geschichte hat mich sehr dazu verführt, den Lesern mehr zu verraten, als ich eigentlich sollte. Aber ich musste sie auf die Folter spannen, weil noch so viele Bücher folgen werden. In „Schändung“ haben wir dreidimensionale Figuren wie Carl und Kimmie – wir sind in ihren Köpfen, wissen um ihre Gedanken. Und dann gibt es aber auch die zweidimensionalen Figuren wie Rose und Assad – wie verführerisch war es für mich, sie dreidimensional werden zu lassen. Aber ich darf den Lesern nicht erlauben, in ihren Gedanken zu sein.

Booksection.de: Was dürfen wir im nächsten Fall des Sonderdezernats Q von Assad erwarten?
Jussi Adler-Olsen:Es wird keine sehr große Entwicklung bei ihm stattfinden. Carl wird einige neue mysteriöse Dinge über ihn herausfinden. Aber im vierten Fall dann werden wir erfahren, dass etwas nicht stimmt mit Assads Leben, seinen Gewohnheiten, seinem Familienleben. Aber Ihr werdet Euch gedulden müssen, tut mir leid. (lacht)

Booksection.de: Wie wird Carl auf diese Veränderungen bei Assad reagieren?
Jussi Adler-Olsen:Assad ist für Carl der Katalysator. Carl weiß, dass es ohne Assad niemals funktionieren würde, dass er allein nicht die Energie hätte, diesen Job zu bewältigen. Er versucht deshalb, die Dinge, die er von Assad weiß, ruhen zu lassen. Er sollte möglicherweise mehr Nachforschungen anstellen, doch er behält sein Wissen lieber für sich, weil es für ihn wichtig ist, mit Assad als Assistenten weiterzuarbeiten. Aber ich kann Dir versichern, dass ihn sein Wissen sehr nervös macht. Doch wer im Glashaus sitzt, kann nicht mit Steinen werfen und Carl sitzt in einem Glashaus....zum kompletten Interview


Sebastian Fitzeks Fans waren alle da!

Gespräch mit Sebastian Fitzek auf dem Blauen Sofa

von Angelika Koch

Sein neuester Roman „Der Augensammler“ ist bereits im Juni diesen Jahres erschienen, dennoch ist die Begeisterung seiner Fans ungebrochen, sodass sich die Zuschauer an beiden Intervieworten (am Stand von Droemer/Knaur. und vor dem Blauen Sofa) drängen. Sie alle wollen hören, was ihr Lieblingsautor auch über den neuen Kurzgeschichtenband „P.S. – ich töte dich“, für das der Autor Pate stand und in dem man auch seine eigene Kurzgeschichte findet, zu sagen hat. Fitzek begeistert die Zuschauer in beiden Gesprächen einmal mehr mit seiner gewohnt witzigen, schlagfertigen und charmanten Art. Auf die Frage beispielsweise, dass ja jeder denke, es müsse etwas in der Kindheit von Autoren schief gelaufen sein, wenn sie solche Dinge zu Papier bringen und wo denn bei ihm etwas passiert sei, gibt er lachend zurück: „Wo ist Ihre Macke? Sie geben mir Geld dafür, dass ich Sie ängstige!“ Zudem kenne ja sicherlich jeder jemanden, der „ein Ding am Wandern habe“. Sofort hat Fitzek wieder die Lacher und alle Sympathien auf seiner Seite. Die Sinne sind nun gespitzt und alle weiteren Antworten werden mit Lachsalven und Beifall quittiert. Auf die Frage, ob es nicht bedenklich sei, solche Bücher zu schreiben und/oder zu lesen findet Fitzek, dass man sich eher um die anderen Sorgen machen müsse, denn solche Bücher dienten mit Sicherheit auch als Blitzableiter. Zu „Der Augensammler“ führt der Autor aus, dass ihm die Idee dazu kam, als er sich von seiner Physiotherapeutin behandeln ließ, die behauptet habe, sie könne bei der Behandlung nur durch die Berührung in den Menschen „lesen“. Schmunzelnd meinte Fitzek dazu: „Bei mir ist ihr an vielen Stellen die Luft weg geblieben. Das kann man nun so oder so interpretieren…“ Schlussendlich sei aber dadurch die zentrale Figur der Alina Gregoriev entstanden. Fitzek, der Spezialist für kleine „Schmankerl“, hat sich auch für die Kurzgeschichtensammlung wieder etwas ausgedacht. Der Leser findet vor jeder Geschichte eine Handschriftenprobe des jeweiligen Autors, die dann am Ende des Buches von einer Graphologin interpretiert wurde, woraufhin der ein oder andere Autor mehr für diesen Band zu begeistern war.

Abschließend meinte Fitzek, dass er sicherlich – seine Fangemeinde wird es ihm danken - nie etwas anderes als Thriller schreiben wolle, auch wenn er somit aus dem Interessengebiet renommierter Kritiker ausgeschlossen sei. Man könne allerdings, so meint der Autor, nicht jeden Tag Currywurst essen und somit natürlich auch nicht immer Thriller lesen. Currywurst jedoch, könne genauso gut zubereitet sein wie ein Gourmetessen, bekäme dafür aber natürlich keine Sterne. Wichtig sei für ihn jedoch eine saubere Recherche. Denn, Zitat: „An jeder Lüge ist ein Quäntchen Wahrheit, also muss auch jede fiktive Geschichte gut recherchiert sein, sonst wird sie unglaubwürdig.“ Die Interviews enden mit großem Beifall und echter Begeisterung. Solch gelungene Gespräche tragen mit Sicherheit zum immer größer werdenden Beliebtheitsgrad des Autors bei.


...zur Kritik von "Sturmpfade"

Interview mit Nicole Schuhmacher

"Joseph der Schlosser ist mir auf einem Parkplatz in der Lavendelstadt Sault begegnet."

Booksection.de: Sie haben schon einige Markus Heitz-Fantasybücher als Testleserin vorab gelesen. War er die treibende Kraft hinter Ihrem Debüt?
Nicole Schuhmacher: Markus und ich haben immer wieder Geschriebenes ausgetauscht und quer gelesen. Ohne ihn wäre ich niemals auf den Gedanken gekommen, einen Roman zu veröffentlichen, aber ihm gefielen die Geschichten aus den Thälern so gut, dass er wiederholt nachfragte, ob ich '“Sturmträume“ nicht veröffentlichen wollte. Er war recht hartnäckig, so dass ich schließlich klein beigab und mich an eine Agentur wandte :-).

Booksection.de: Musste es für Sie auch unbedingt das Genre Fantasy sein oder haben Sie auch mit anderen Genres geliebäugelt?
Nicole Schuhmacher: Es hätte nicht zwingend Fantasy sein müssen, hatte sich aber so ergeben, weil es mir damals gerade sehr viel Spaß bereitete, in der Welt von 'Sturmkraft' und 'Sturmpfade' zu schreiben. Grundsätzlich habe ich mich beim Schreiben aber immer in der Military Fiction und Military SF am wohlsten gefühlt.

Booksection.de: Sie haben für Ihr Debüt „Sturmträume“ eine umfangreiche und facettenreiche neue Welt geschafften. Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?
Nicole Schuhmacher: Die Inspiration dafür kam aus ganz vielen und recht unterschiedlichen Quellen. Das allererste Puzzleteil entstand zum Beispiel vor über zwanzig Jahren, als ich eine Collage anfertigen wollte und mir dabei unter anderem ein aus einem Magazin ausgeschnittenes Filmfoto in die Finger fiel. Zwar verwendete ich das Bild letztendlich nicht, aber es war der Ausgangspunkt für die Entstehung der Verjig (die ich ursprünglich in einem Science Fiction - Setting benutzte). Und da ich während des Urlaubs die meiste Zeit dazu finde, Eindrücke zu sammeln und meine Gedanken wandern zu lassen, kam beinahe in jedem Sommer ein weiteres Stückchen zu meiner Welt hinzu: hier regte mich ein Arkade-Spielautomat an, da eine Hafenstadt, dort eine historische Schneiderpuppe, dann wieder ein altes Anime-Filmplakat... Joseph der Schlosser ist mir übrigens auf einem Parkplatz in der Lavendelstadt Sault begegnet :-)...zum kompletten Interview


Jasmin Tabatabai mit Thomas Ays

Gespräch mit Jasmin Tabatabai auf dem Blauen Sofa

von Angelika Koch

Die äußerst sympathische und hübsche Autorin des Buches „Rosenjahre“ weckt das Interesse der Zuschauer zunehmend. Immer mehr Menschen kommen hinzu oder bleiben stehen, während Tabatabai in ihrer ruhigen und nachdenklichen Art von ihrem Leben und dem Buch ihres Lebens erzählt. Von der Moderatorin Annette Riedel auf den Titel des Buches angesprochen erzählt Tabatabai, dass dieser daher stammt, dass ihre Mutter zum einen „Rosemarie“ heißt und zum anderen, dass diese nach wie vor sagt, dass die 20 Jahre, die sie im Iran lebte, die glücklichsten ihres Lebens gewesen seien. Auch die Autorin selbst berichtet, dass sie in diesem Land eine wunderschöne Kindheit verleben durfte. Leider aber habe sich das Land zwischenzeitlich sehr verändert. Heute habe man schon längst vergessen, dass es noch gar nicht so lange her ist, dass der Iran sehr weltoffen und modern und Teheran eine Stadt vergleichbar mit Istanbul war. Die Autorin erzählt weiter, dass ihre Mutter auch mit ihr zusammen die Kapitel, die jeweils fertig waren, gelesen habe. Niemals hätte sie etwas geschrieben, was ihre Mutter verletzt hätte. Allerdings mussten dann beide auch sehr viel lachen. Tabatabai: „Es ist auch viel Komik darin, wenn eine 20-jährige Deutsche nach Persien kommt“. Die Aufnahme in der dort üblicherweise riesigen Familie sei aber unglaublich schön gewesen, wenngleich die immer und allerorts vorhandene Präsenz derselben manchmal für eine deutsche Frau als störend empfunden werden konnte. Allerdings hätte in ihrer Familie Religion nie eine große Rolle gespielt und der Autorin war es hierbei wichtig hervorzuheben, dass auch im Iran in vielen Familien die Religion nicht so dominant ist, wie es bei uns in Deutschland vielleicht geglaubt wird. Da gäbe es laut Tabatabai eben große Unterschiede zwischen Land und Stadt. Viele schmunzelten dann über die Erzählung der Autorin, dass ihr Onkel so lange in Deutschland gelebt hatte, dass er heute noch im Iran Deutsche Volkslieder singt. Auch lebt noch ein Großteil ihrer Familie dort. Auf die Frage der Moderatorin hin, ob sie nicht mehr in den Iran wolle oder dürfe, antwortete die Autorin traurig: „Bei allem, was ich öffentlich über die Regierung dort sage, möchte ich nicht in den Iran reisen, um zu überprüfen, ob man meine Interviews dort auch gesehen hat“. Trotzdem habe sie eine große Sehnsucht nach diesem Land. Sicherlich gab es kaum einen Zuschauer, der dieser sympathischen Frau nicht gewünscht hätte, dass sich dies bald wieder ändern möge.

Hier geht's zur Kritik zu Jasmin Tabatabais Buch "Rosenjahre".


Sarrazin sorgte (erneut) für Aufsehen

Gespräch mit Thilo Sarrazin auf dem Blauen Sofa

von Angelika Koch

Die riesige Übergangshalle, in der sich das Blaue Sofa befindet, füllt sich unaufhörlich mit Menschen aller Nationen. Schweißverklebt, jedoch nicht minder neugierig auf die Ausführungen eines Herrn, dessen Ansichten derzeit äußerst kontrovers in Deutschland diskutiert werden, stehen die Menschen dicht an dicht und schieben die um Freiraum kämpfenden Fernsehreporter hin und her. Die Moderatorin, die sich im Laufe des Gespräches als weitaus eloquenter und rhetorisch überlegen herausstellt, eröffnet das Interview mit der Bemerkung, dass Herr Sarrazin, wie hier unschwer zu sehen sei, mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ für viel Erregung und Aufregung gesorgt habe. Die darauf gegebene Antwort, Zitat: „Gegen falschen Beifall kann man sich genauso wenig wehren wie gegen falsche Kritik“, bleibt leider nicht der einzige rhetorische und inhaltliche Tiefschlag des Interviewpartners. Herr Sarrazin macht nicht den Eindruck, als hätte er große Lust auf dieses Gespräch und bei der Brisanz der von ihm selbst aufgeworfenen Diskussionen, hätte der Zuschauer doch wenigstens ein bisschen mehr Enthusiasmus und vielleicht auch ein zumindest im Ansatz charmantes Auftreten erwarten dürfen. Aber Herr Sarrazin ergießt sich gerne in hanebüchenen Schlussfolgerungen aus zuvor noch glaubhaft dargestellten und – wie keiner abstreitet – tatsächlich vorhandenen Missständen. Wenn jemand, der eigentlich ernst genommen werden will, auf die Frage der globalen Erwärmung und Klimakatastrophe nichts anderes als folgenden Satz zu sagen weiß, Zitat: „Wir sind verantwortlich für uns und unsere Nachkommen, alles andere kann uns egal sein“, und der meint, dass Erzieherinnen deswegen keinen akademischen Abschluss machen sollten, weil sie dann ihre Fähigkeiten damit „vergeuden“ würden Hartz IV Kinder zu erziehen, statt eigene, dann ist es nicht verwunderlich, wenn die Zuschauer immer wieder entsetzte, amüsierte und teilweise traurige Blicke austauschen. Die von ihm dargestellten Gedankengänge bleiben dem anscheinend mit mehr gesundem Menschenverstand ausgestatteten Ottonormalverbraucher wohl eher verschlossen. Man fragt sich im Laufe des Gesprächs mehrfach, wie ein ehemaliger Banker tatsächlich meinen kann, auf all diese grundlegenden Fragen als einziger alleingültige Antworten zu wissen. Schlussendlich ist die Reaktion am Ende des Interviews stellvertretend kontrovers – von frenetischem Beifall über Schulterzucken bis hin zu Buhrufen und Pfiffen ist alles vorhanden. Einzig bleibt einem der Gedanke, dass wir es ja doch einer offensichtlich gut funktionierenden Demokratie zu verdanken haben, dass auch Menschen wie diese ihre Meinung öffentlich kundtun dürfen. Und das wiederum beruhigt den von dannen ziehenden nachdenklichen Zuschauer. Was aber den ein oder anderen in dieser Nacht nicht so gut schlafen lassen wird, ist die berechtigte Sorge, dass die ohnehin schon mancherorts angespannte Situation in Deutschland durch solch unüberlegte und flache Argumentation nur noch angeheizt wird. Das wiederum beunruhigt die Menschen, die noch einen Funken politische Weitsicht haben mit Recht.


Helmut Kohl wirkte sehr erschöpft

Überraschender Besuch des Altbundeskanzlers Helmut Kohl am Stand des Verlages Droemer/Knaur.

von Angelika Koch

Große Aufregung auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Völlig überraschend hat sich Altbundeskanzler Helmut Kohl angekündigt. Hektisch werden auf dem Stand seines Verlages Droemer Knaur die Bücher ausgetauscht. Von allen Seiten betrachtet der Messebesucher nun das Konterfei des Kanzlers der deutschen Einheit auf den eilends platzierten Titelbildern seiner drei Bücher „Erinnerungen“ und wartet geduldig fast eine geschlagene Stunde, bis sich etwas tut. Bodyguards positionieren sich und von weitem ist schon Beifall zu hören. Während noch im Jahr 2000 ein vor Kraft und Elan strotzender Mann auf der Buchmesse zu sehen gewesen war, ist dies nun, 10 Jahre später, ein insgesamt trauriger Anblick. Ob man in den 80er und 90er Jahren unbedingt ein Anhänger Kohls war oder nicht und ob der ein oder andere damals nicht lieber weiterhin Helmut Schmidt im Amt gesehen hätte, das alles ist nun relativiert, denn man kann mit den im Rollstuhl sitzenden und deutlich geschwächten Mann, der trotz Mikrophon kaum zu verstehen ist, einfach nur Mitleid haben. Nach mehreren Minuten, in denen zu hoffen war, dass man noch etwas von dem, was Helmut Kohl sagte, zu Papier bringen könne, außer den Aussagen, dass er mit dem Zustand Europas gänzlich unzufrieden sei und derzeit an seinem vierten Buch schreibe, gibt der ein oder andere auf und verlässt den Stand. Irgendwie möchte so mancher nicht mehr Zeuge der peinlichen „Vorführung“ sein und verzichtet dann doch lieber zugunsten der Pietät auf einen spektakulären Bericht.


Sympathisch: Thomas Thiemeyer

Interview mit Thomas Thiemeyer

"Nichts ist schlimmer, als wenn alles erklärbar wäre."

Booksection.de: Mir ist aufgefallen, dass der Hauptpart in Deinen Thrillern immer von einer Frau übernommen wird. Natürlich kommen auch starke Männer vor, aber es ist doch die starke Frau, die die Hauptrolle spielt.
Thomas Thiemeyer: Ja, das stimmt.

Booksection.de: Was ist der Grund dafür, dass Du eine Frau in den Mittelpunkt stellst?
Thomas Thiemeyer: Ich glaube, das hat damit zu tun, dass ich Frauen als Romanfiguren interessanter finde als Männer. Ihnen steht ein breiteres Spektrum an Emotionen zur Verfügung. Einer Frau nimmt man eher ab, schwach zu sein, verzweifelt und am Boden zerstört. Aber man nimmt ihr auch ab, dass sie über sich hinaus wächst und enorm stark wird. Das ist bei Männern schwierig. Bei „Reptilia“ hatte ich einen männlichen Protagonisten und mir erlaubt, ihn anfangs als Softi darzustellen. Er ist ein Zweifler, ein Grübler, der sich nicht wohl fühlt in der Situation. Hinterher habe ich gemerkt, das ist bei vielen nicht gut angekommen. Es kamen Rückmeldungen wie: „Was für ein Waschlappen. Wir hätten uns einen Indiana Jones gewünscht, der sich durch alles durchhackt.“ Genau das wollte ich aber vermeiden.

Booksection.de: Es ging Dir also mehr um die emotionale Ebene…
Thomas Thiemeyer: Um das komplette Spektrum der Emotionen, genau. es ist wie bei einem Gemälde, bei dem man nicht die volle Palette der Farben zur Verfügung hat. ...zum kompletten Interview


Nach vielen Interviews, Gesprächen, Fragen, Antworten, Pressekonferenzen, Buch -und Verlagspräsentationen haben wir uns Freitagabend wieder von Frankfurt verabschiedet und sind mit viel Arbeit im Gepäck zurück in die Redaktion gefahren.

Wir hoffen, wir konnten Euch umfassend und eindrücklich informieren.

Eure Booksection-Buchmessler
Kathrin, Melli, Steffi, Angelika & Tom


Booksection.de-Exclusiv-Verlage

Auf der Buchmesse 2010 traf sich Booksection.de mit folgenden Verlagen, die ihre kommenden Top-Titel präsentierten, die nun bei uns fest eingeplant sind. Unsere Leser dürfen also gespannt sein!



© Text & Bildmaterial: Booksection.de

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