Special

Frankfurter Buchmesse 2009


The same procedure as every year!
Jedes Jahr machen sich einige Booksection.de-Redakteure auf ins hessische Frankfurt, um für Euch vor Ort zu berichten, Interviews zu führen, Büchertipps zu bekommen und die Atmosphäre dieser Messe in sich aufzunehmen.
2009 war die Wirtschaftskrise auch auf der Buchmesse spürbar. Viele bekannte und beliebte Autoren waren entweder überhaupt nicht auf der Messe (oder nur privat) oder „nur“ an den Publikumstagen Samstag und Sonntag vor Ort. Dagegen waren einige Schauspieler auf der Messe und zogen fankultartig massenweise „Fachbesucher“ auf die Stände der Verlage. Til Schweiger beispielsweise löste einen wahren Ansturm aus – und das, obwohl er selbst sagt, die Hauptarbeit an seinem vorgestellten Buch „Keinohrhase und Zweiohrküken“ habe ohnehin Klaus Baumgart und nicht der Schauspieler Til Schweiger getan. Der Geist der Buchmesse ging somit am Messestand der Verlagsgruppe Lübbe zeitweise vollständig verloren.
Unsere fleißigen Redakteure führten für Euch dennoch spannende Gespräche mit Autoren, die wir Euch in diesem Bericht präsentieren.

Viel Spaß!


Mittwoch, 14. Oktober 2009

Am Mittwoch machten sich unsere beiden Redakteurinnen Melli und Gabi auf, um vom diesjährigen Gastland China zu berichten.

Im Vorfeld der Buchmesse gab es etliche Irritationen, ausgelöst durch das Gastland China. Man konnte unter anderem folgende Schlagzeilen in der einschlägigen Presse entdecken: „Ein-, aus-, verladen – Chinesische Dissidenten kommen zum Buchmesse-Symposium“, „Bücher sind kein Transrapid - warum sich die Frankfurter Buchmesse nicht aus wirtschaftlichen Gründen den Chinesen beugen darf…“ (Süddeutsche Zeitung vom 12./13.9.2009). In der Badischen Zeitung vom 12.09.2009 war zu lesen: „Keine schnellen Urteile: China sollte sich trotz schlechtem Umgang mit Kritikern auf der Buchmesse präsentieren dürfen…“. Wir konnten uns vor Ort für Euch einen eigenen kleinen Eindruck von der Stimmung auf der Buchmesse machen. Neben den Verlagen, die auf dem ganzen Messegelände verteilt waren, präsentierte sich das Land China in einer eigenen Messehalle in einem schlichten und übersichtlichen Mix aus Braun- und Blautönen. Auf wunderbare Weise wurde der Besucher in die uralte Kultur und die Entwicklung der chinesischen Schrift eingeführt und konnte sich über die Technik des Buchdrucks einen Eindruck verschaffen. In der Mitte der Halle dominierte ein Gesprächsforum, wo unter anderem der bekannte Übersetzer chinesischer Literatur, Wolfgang Kubin in der Diskussion mit chinesischen Autoren zu erleben war. Es herrschte eine entspannte bis heitere Atmosphäre und an vielen Stellen in der Halle sah man kleine Grüppchen verschiedener Nationen im interkulturellen Austausch miteinander. Wollte man sich einen Eindruck von der zeitgenössischen Literatur- und Verlagsszene machen, musste man sich in das Gewühl der anderen Messehallen wagen. China war in diesem Jahr an zahlreichen nationalen wie internationalen Messeständen ein Thema. Neben den ganz großen Verlagen trafen wir auch auf kleine Verlage, wie den von Frau Regina Berlinghof, die seit Jahren mit ihrem Programm, welches auch die Übersetzungen traditioneller chinesischer Texte umfasst, zum festen Bestandteil der Frankfurter Buchmesse gehört.


Bericht über "Tatort"

Wer am ersten Fachbesucher-Tag der Buchmesse Frankfurter 2009 schon früh dran war, kam in den Genuss der Premiere des Tatort „... es wird Trauer sein und Schmerz“ mit Charlotte Lindholm alias Maria Furtwängler, der erst am 15.11.2009 ausgestrahlt wird. Auf der ARD-Fernsehbühne sprachen später die Drehbuchautorin Astrid Paprotta und die Produzentin Dagmar Rosenbauer über den Film, der die Gaffermentalität thematisiert. Für die Krimiautorin Paprotta („Die ungeschminkte Wahrheit“) war es ihr erstes Drehbuch überhaupt und sie berichtete dem interessierten Publikum, dass das Rampenlicht nicht so ihr Fall sei. Sie arbeite gerne in Hintergrund, so die Autorin, habe aber nun Blut geleckt und die nächste Arbeit für den „Tatort“ sein schon in Planung. Die Zusammenarbeit mit dem gesamten Team aber auch insbesondere mit Maria Furtwängler beschrieb Astrid Paprotta als angenehm und eine insgesamt sehr positive erste Drehbucherfahrung. Zusammen mit Dagmar Rosenbauer weckte sie bei den Besuchern der Buchmesse die Vorfreude auf einen neuen spannenden Fall von Charlotte Lindholm.


Interview mit Volker Klöpsch

Volker Klöpsch im Interview mit Gabi.

Ebenfalls am Mittwoch führten Gabi und Melli mit Übersetzer Volker Klöpsch ein Interview zu seinem Buch "Die Kunst des Krieges".

"Einen Text „zu knacken“ ist einfach spannend."

Booksection: Was war der Anlass für Sie sich an die Übersetzung „Sunzi -Die Kunst des Krieges“ zu wagen?
Volker Klöpsch: Ehrlich gesagt, war es eine Anfrage des Verlages. Das macht es für den Übersetzer einfacher, als wenn er mit einem Text hausieren gehen muss. Es war sehr schwer, als es noch keine Buchmesse gab, etwas mit dem Thema „chinesische Texte“ an den Verlag zu bringen. In diesem Fall war es aber in der Tat das Interesse des Verlages, den Text neu zu übersetzen.

Booksection: Sie beschäftigen sich mit chinesischer Poesie und deren Übersetzung. Warum jetzt die Auseinandersetzung mit einem so martialischen Thema?
Volker Klöpsch: Man könnte sagen es ist eine Auftragsarbeit gewesen. Ich habe auch etwas gezögert es anzunehmen, weil sonst meine Interessen in der Tat eher bei der Literatur und bei der Poesie sind. Aber als ich mich dann in den Text eingelesen habe und festgestellt habe, wie schlecht die bisherigen Übersetzungen sind und was zu diesem Thema so alles zwischen Buchdeckel gepresst wird, habe ich doch sehr schnell erkannt, dass es notwenig ist eine neue Übersetzung vorzulegen. Da Sie mit dem Text auch ein wenig vertraut sind, werden Sie mir hier vermutlich zustimmen.

...zum kompletten Interview mit Volker Klöpsch...


Interview mit Jussi Adler-Olsen

...zur Buchkritik von "Erbarmen"

Am Nachmittag hatte Steffi die Möglichkeit, mit dem dänischen Autor Jussi Adler-Olsen über "Erbarmen" zu sprechen.

"Aus jahrelangen Qualen resultieren nicht zwingend Geisteskranke."

Booksection: Dein Ermittler Carl Morck ist ja fast so etwas wie ein Anti-Held. Sollte er ein Gegenstück bilden zu den vielen düsteren und unbequemen Ermittlern, die wir sonst oft aus den skandinavischen Krimis kennen?
Jussi Adler-Olsen: Ja, ich würde ihn auch als Anti-Held bezeichnen. Ob er ein Gegenstück ist, kann ich nicht sagen, weil ich nie skandinavische Thriller oder Krimis gelesen habe. Ich habe weder Stieg Larsson, noch einen anderen skandinavischen Autor gelesen, das kann ich also nicht beurteilen. Ich habe aber viel über den Geist und die Atmosphäre dieser Bücher gehört. Ich schreibe Thriller und Krimis, aber ich lese sie nicht - ich wollte nicht zu sehr von der Sprache und dem Thema beeinflusst werden. Carl Morck ist so etwas wie der Schatten an der Wand, der Schatten, der die Wahrheit erzählt. Aber ich würde ihn nicht als Gegenstück bezeichnen, denn über jede Art von Protagonisten wurde schon einmal geschrieben. Für mich ist es wichtig, ganz spezielle Figuren zu schaffen, über die ich persönlich noch nie irgendwo gelesen habe und die in Schauplätzen erscheinen, die neu und besonders sind. Schauplätze sind sehr wichtig für mich.

Booksection: Der Schauplatz, an den Carl Morck verbannt wird, ist ja wirklich besonders.
Jussi Adler-Olsen: Ja, das ist er. Soll ich erklären, wie dieser Schauplatz und die Idee zu der Geschichte auftauchten?

Booksection: Ja, gerne.
Jussi Adler-Olsen: Ich habe drei politische Thriller geschrieben, die auf der ganzen Welt veröffentlicht wurden. Nicht in Amerika, aber in Südamerika, und ein Produzent kam auf mich zu und sagte: „Sie schreiben gute Bücher, könnten Sie sich nicht vorstellen, Drehbücher für TV-Produktionen zu schreiben?“ Ich gab ihm zur Antwort, dass ich mich natürlich sehr geehrt fühle, es aber vorziehe, Geschichten zu schreiben, die nicht die spezifische Polizeiarbeit beschreiben, nicht an spezifische geschichtliche Zeiträume oder spezielle Länder gebunden sind. Dieser Produzent prophezeite mir, dass ich in ein paar Jahren „angekrochen“ kommen würde. Dies war nicht der Fall! Dann las jemand meinen Thriller „Washington Dekretet“ und fragte mich, ob ich nicht noch mehr solche Geschichten habe. So entstand bei mir die Idee zu „Erbarmen“.

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Interview mit Gerhard Gemke

...zur Buchkritik "Der falsche Orden"

Parallel sprach Melli mit Schriftsteller Gerhard Gemke über "Bresel".

"Es ergibt sich manchmal beim Schreiben, dass man von Hölzchen auf Stöckchen kommt."

Booksection: Hauptberuflich machen Sie Musik bzw. unterrichten Klavier. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Gehard Gemke: Natürlich kommt jetzt die Antwort: Geschrieben habe ich schon immer (lacht). Das stimmt aber tatsächlich. Ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, wo viele Leute Kabarett gemacht und selber geschrieben haben, oder Musiker waren, die mit eigenen Sachen auf die Bühne gingen. Das hat sich häufig vermischt. Ich habe dann selbst auch Lied- und Kabarett-Texte geschrieben. Hauptberuflich bin ich aber zunächst Musiker geworden, habe Musik studiert und bin jetzt am Theater und an der Musikschule gelandet. Irgendwann hat es mich dann noch mal gepackt, und als meine Kinder so um acht, neun Jahre alt waren, habe ich mich wieder auf das Schreiben gestürzt.

Booksection: Was sind Ihre Inspirationsquellen für Bresel?
Gehard Gemke: Bresel hat sich entwickelt. Ich fand zuerst die leicht spießigen, skurrilen und schrägen Figuren spannend. Das ist so ein bisschen auch meine Sicht auf die Welt und die Zweibeiner, da tut ein wenig ironische Distanz häufig gut. Und wenn man das Gefühl hat: Doch, das könnte so gewesen sein, darf man die Ernsthaftigkeit ruhig etwas brechen und überzeichnen. So wünsche ich mir, dass es bei den Lesern ankommt bzw. sie sich auch so wieder finden. Dieser Aspekt hat mich sehr gereizt, und der Rest hat sich beim Schreiben fast von selbst ergeben.

...zum kompletten Interview mit Gerhard Gemke...


Interview mit Hilke Lorenz

...zur Kritik von "Heimat aus dem Koffer"

Anschließend sprach Steffi mit der Schriftstellerin Hilke Lorenz über "Heimat aus dem Koffer".

"Deutsche durften keine Opfer sein."

Booksection: Welche Motivation hatten Sie, dieses Buch zu schreiben, wie entstand die Idee zu einem solchen Projekt?
Hilke Lorenz: Als ich vor sechs Jahren „Kriegskinder“ geschrieben habe, habe ich mich schon damit beschäftigt, wie sich Krieg mit all seinen Auswüchsen, also mit Gewalterfahrung, Heimatverlust, verunsicherten Eltern, Angst, auf das Leben von Kindern und Erwachsenen auswirkt. Als ich dann im zweiten Schritt intensiv mit dem Komplex Flucht und Vertreibung beschäftigt habe, war mir klar, dass man das als Angehörige der nächsten Generation das nicht einfach so beschreiben kann und habe mich gefragt, wie ich selber als Kind von Vertriebenen in meinem Leben und meiner Sozialisation gemerkt habe, dass ich keine Schwäbin bin. Als ich mich auf diese Spurensuche begeben und in meiner eigenen Erinnerung gekramt habe, ist mir natürlich ganz viel aufgefallen, was ich im Moment des Erlebens nicht richtig registriert habe. Ich war ein Paradebeispiel:
Mich hat lange Jahre nicht interessiert, was meine Eltern über die Heimat erzählt haben, eine Heimat, die in irgendeiner Ecke der Welt stattgefunden hat, die für mich als Kind nicht richtig zu orten war.
Dann habe ich festgestellt, dass es ein gesellschaftliches Tabu gab, ein politisches Tabu, über Heimat zu reden, ich nenne das auch „Sperrzone des Erzählens – Tabuzone Kindheit“, weil das nicht in die politische Landschaft gepasst hat. Mir wurde klar, dass es um das Seelenheil einer Generation geht, die jetzt in ein Alter kommt, in dem dieses Thema wieder eine enorme Bedeutung im Leben einnimmt. Das ist ein biographischer Abschnitt, den man nicht einfach auszieht wie ein Stück Kleidung. Der bleibt!

Booksection: Glauben Sie, dass wir als nachfolgende Generation diesen Schmerz bewusst oder unbewusst weiter in uns tragen, dass wir spüren, dass ein Stück Heimat fehlt?
Hilke Lorenz: Ich habe in meinem Buch immer zwei Protagonisten einer Familie zu Wort kommen lassen, weil mich genau die Frage interessiert hat, wie es in der nächsten Generation ist. Ich glaube, es ist wie bei allen furchtbaren Einschnitten im Leben - und Heimatverlust unter Gewalt, der unfreiwillig ist, ist sicher einer der schlimmsten Einschnitte im Leben. Da gibt es die glücklichen Weichenstellungen, die ja auch in meinem Buch Erwähnung finden, wo man das Ostpreußentum und die willensstarken Frauen dort als Bereicherung empfinden kann. Man kann sich auf solchen Wurzeln besinnen, indem man sagt: „Ich bin auch eine starke Frau, die im Leben steht.“ Es gibt aber auch Menschen, denen eine solch krude Familienkonstellation auferlegt ist, dass sie wie in einer Zeitschleife leben. Im Buch ist ein Beispiel dafür die Familie, in der immer von Heimat und von „uns“ geredet wird und die Tochter, die mit am Tisch sitzt, denkt: „Das bin nicht ich, sie reden von ihrem Zuhause und ich gehöre gar nicht dazu.“ Sie hat keine Chance, in das Leben ihrer Mutter und Tante hineinzukommen. Das sind die Extreme, die es gibt. Ich persönlich würde nicht sagen, dass ich das als Defizit erlebe, sondern eher als andere Form der Sozialisation. Jetzt, wo ich dort war, finde ich es eher spannend, dass es dort noch eine Landschaft mit ihren kulturellen Prägungen gibt, die ich mir genauer anschauen könnte.
Deshalb bin ich kein Beispiel für ein Trauma. Aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass eine Verunsicherung und Angst, die Frauen ja immer hatten, sich auch in einer Grundalarmiertheit bei mir zeigt. Meine Mutter und meine Großmutter waren zusammen mit einem Leiterwagen unterwegs und vielleicht achte ich dadurch auch mehr darauf, ob irgendwo eine Gefahr lauern könnte. Aber das habe ich im Griff, es ist nichts, was mich bewegungsunfähig machen würde.

...zum kompletten Interview mit Hilke Lorenz...


Donnerstag, 15. Oktober 2009
Am Donnerstag war unser allgemeiner Interview-Tag.

Jan Josef Liefers im Interview

Bericht über "Soundtrack meiner Kindheit"

Am 13.10.2009 erschienen von Jan Josef Liefers unter dem Titel „Soundtrack meiner Kindheit“ Betrachtungen zu seiner Kindheit und Jugend in der DDR. Nicht nur wegen des zeitlichen Zusammenhangs bot da die Frankfurter Buchmesse 2009 eine wunderbare Plattform, um das Buch persönlich vorzustellen. Liefers wurde von den zahlreichen Besuchern, die sich morgens an der ARD-Fernsehbühne im Film- und Medien-Pavillon versammelt hatten, mit einem warmen Applaus empfangen. Der Schauspieler und Musiker klärte in einer launigen Art und Weise zunächst die überwiegend anwesenden „Wessis“ auf, dass er gebürtiger Dresdner sei und es ihm jedoch oft passiere, dass er für einen „Wessi“ gehalten werde. Sein Schauspiel-Kollege Axel Prahl gehe dagegen, obwohl gebürtig aus Eutin, einwandfrei als „Ossi“ durch, berichtete Liefers mit einem Schmunzeln. Warum das so sei, sei ihm nach wie vor ein Rätsel, so Liefers lachend. Neben der Arbeit als Schauspieler ist die Musik für Jan Josef Liefers die zweite große Leidenschaft. Das blieb auch den Buchmesse-Besuchern an diesem Tag nicht verborgen, denn Jan Josef Liefers erzählte von den Liedern, die ihn früh begeisterten und wie schwer es in der damaligen DDR gewesen sei, kritische Texte durch die Zensur zu bekommen. Liefers berichtete dem aufmerksam lauschenden Publikum, dass die Musiker damals so genannte „grüne Elefanten“ in ihre Liedertexte eingebaut hätten. „Grüne Elefanten“ waren Zeilen, die so offensichtlich antikommunistisch formuliert waren, dass die Zensur sie einfach streichen musste. Auf diese Weise war die Chance groß, tatsächlich wichtige Botschaften unbemerkt doch genehmigt zu bekommen. Jan Josef Liefers nutzte die halbe Stunde Gesprächszeit, um dem Publikum, welches sich an der ARD-Fernsehbühne versammelt hatte, Lust auf sein Buch zu machen, in dem er weiter von seiner Kindheit in Dresden und den Widrigkeiten aber auch Glücksmomenten dieser Zeit erzählte. Im Anschluss an das Gespräch nahm sich Jan Josef Liefers dann noch Zeit für seine Fans und signierte fleißig Bücher und Autogrammkarten.


Interview mit Anthony McCarten

...zur Kritik von "Hand aufs Herz"

Um 13:00 Uhr trafen sich Kathrin und Steffi mit Anthony McCarten zum Interview über sein neues Buch "Hand aufs Herz".

„Als Autor halte ich zwei Hände an die Tatstatur – und das jeden Tag. Das ist auch ein extremer Durchhaltewettbewerb.“

Booksection: Haben Sie ihren typischen Leser vor Augen, während Sie an einem Roman schreiben?
Anthony McCarten: Ich weiß, dass die meisten meiner Leser Frauen sind. Das wurde mir von meinem Verleger gesagt. Dennoch schreibe ich meine Bücher nicht für bestimmte Personen, sondern nur nach meinem eigenen Geschmack und über Themen, die mich selbst interessieren. Ich glaube die Liebesgeschichten in meinen Romanen sprechen im Allgemeinen eher Frauen anstatt Männer an. Es gibt in meinen Romanen eben keine Menschen, die mit dem Auto durch die Gegen fahren und Atombomben aus dem Fenster werfen – oder so ähnlich. (lacht) Frauen sind eher an emotionalen Geschichten interessiert, auf jeden Fall mehr als Männer, und solche Geschichten lassen sich in meinen Büchern durchaus sehr häufig finden.

Booksection: Lesen sie die Besprechungen Ihrer Romane in der Presse?
Anthony McCarten: Ich versuche es zu umgehen, aber es gelingt mir nicht immer. Es ist sehr schwierig. Wenn ich zum Beispiel auf einer Party bin und jemand erzählt mir, dass er gerade mein Buch gelesen hat, dann ist es sehr schwierig für mich, nicht nachzufragen, wie ihm das Buch denn gefallen hat.

...zum kompletten Interview mit Anthony McCarten...



Günter Wallraff im Talk mit der ARD

Bericht über Günter Wallraff

Eines von vielen Highlights auf der ARD-Fernsehbühne war am Donnerstag, den 15.10.2009, sicherlich das Gespräch mit dem Autor Günter Wallraff zu dessen neuem Buch „Aus der schönen neuen Welt“. Wallraff, bekannt für seine spektakulären und erschütternden Undercover-Recherchen, war wieder unterwegs. Diesmal wagte er sich unter anderem als Farbiger in den Osten Deutschlands, lebte als Obdachloser und arbeitete in einem Call-Center. Das Protokoll seiner Erlebnisse trägt nicht zufällig einen Titel, der an Aldous Huxleys Buch „Schöne neue Welt“ erinnert, so Wallraff. Vieles was für Huxley noch Utopie war, sei für uns schon traurige Wirklichkeit, erläuterte der Autor. Das Aufdecken und Bekanntmachen von Missständen in unserer Gesellschaft sei ihm daher nach wie vor ein wichtiges Anliegen, so Wallraff weiter. Auf die Frage, welche der Rollen in die er für das Buch geschlüpft sei, ihm am meisten zugesetzt hätte, antwortete Günter Wallraff, dass er die Arbeit im Call-Center als am unerträglichsten empfunden habe. Er berichtete, dass es in der Branche ungeheuer hohe Krankenstände gäbe, Vorgesetzte Koks schnupften um gut drauf zu sein und man als Mitarbeiter einer richtigen Gehirnwäsche unterzogen werde. Erfreuliches Resultat seiner unermüdlichen Arbeit sei unter anderem aber, dass sich ihm jetzt auch immer mehr Herren aus den Cheftagen dieses Landes anvertrauen würden. Wallraff berichtete dem gespannt lauschenden Publikum, dass auch hier Mobbing mittlerweile an der Tagesordnung sei - mit teilweise dramatischen Folgen für die Betroffenen. Günter Wallraff zeigte in seiner halben Stunde auf der ARD-Fernsehbühne eindrücklich, warum es sich lohnt seine Bücher zu lesen. Für diesen Mann ist eigenes Engagement nicht bloß eine leere Worthülse. Booksection zieht den Hut vor so viel persönlichem Einsatz.


Interview mit Friedrich Schorb

...zur Buchkritik "Dick, doof und arm?"

Gegen 14:30 Uhr trafen sich Jane und Kathrin mit Sachbuchautor Friedrich Schorb zum Interview über sein neues Buch "Dick, doof und arm: Die große Lüge vom Übergewicht und wer von ihr profitiert".

"Niemand sollte gezwungen werden etwas Bestimmtes zu essen."

Booksection: Sie gehören offensichtlich nicht zur Gruppe der Betroffenen. Wie kamen Sie dazu, sich dennoch mit dem Thema ´Übergewicht´ auseinanderzusetzen?
Friedrich Schorb: Es war eher eine wissenschaftliche Auseinandersetzung. Zunächst schrieb ich meine Magisterarbeit zu dem Thema und dann brachte ich mit meinem Doktorvater Henning Schmidt-Semisch den Sammelband „Kreuzzug gegen Fette. Sozialwissenschaftliche Aspekte des gesellschaftlichen Umgangs mit Übergewicht und Adipositas“ heraus. Danach durfte ich einen Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung schreiben. Das Thema stieß auf großes Interesse und somit hat sich das Buch dann angeboten.

Booksection: Sind Sie direkt mit den Menschen in Kontakt getreten oder haben Sie eher am Schreibtisch recherchiert?
Friedrich Schorb: "Dick Doof und Arm" ist ein Buch, bei dem nur Literatur gewälzt wurde. Es gibt Zitate, aber keine Interviews und es geht auch nicht so sehr darum wie die Befindlichkeit von übergewichtigen Menschen ist. In erster Linie geht es darum, wie das Thema in den Medien dargestellt wird und was daran meiner Ansicht nach falsch ist.

...zum kompletten Interview mit Friedrich Schorb...


Eckart v. Hirschhausen hat einen "Lauf"

Bericht über Dr. med. Eckart von Hirschhausen

Er ist Neurologe, Wissenschaftsjournalist, Kabarettist und so nebenbei auch noch erfolgreicher Buchautor: Dr. med. Eckart von Hirschhausen hat derzeit das, was man landläufig als „Lauf“ bezeichnet. Warum dieser Mann Hallen füllt und für so manches Fernsehformat als Moderator die erste Wahl ist, zeigte er am 15.10.2009 auch im Film- und Medien-Pavillon der Frankfurter Buchmesse. Kaum auf der ARD-Fernsehbühne angekommen und Platz genommen, hatte er die zahlreichen Zuschauer, die sich dort versammelt hatten, schon in der Tasche. Es sei schon ein lustiges Gefühl, so von Hirschhausen, wenn man im Zug Leute sitzen sehe, die gerade das eigene Buch lesen. Das wunderbarste Kompliment machen ihm diese Leute dann, wenn sie beim Lesen lachen, so von Hirschhausen. Auf die Frage, woher er die Zeit habe, neben Fernsehmoderationen und Kabarett-Tour noch ein Buch zu schreiben, verriet Eckart von Hirschhausen, dass er sich immer Notizen mache und auch viel von dem verwerte, was er auf der Bühne improvisiere. Er mache den Weg sozusagen umgekehrt: Erst auf der Bühne probieren, wie es ankommt und dann aufschreiben und veröffentlichen. Tragisch sei zuweilen nur, dass er seine Notizen oft später nicht mehr lesen könne, so von Hirschhausen schmunzelnd. Zu Hause habe er schon eine ganze Kiste mit solchen unleserlichen Aufschrieben. Schließlich habe er ja schon im Medizinstudium gelernt unleserlich zu schreiben. Auf seine charmante und unterhaltende Art machte Dr. Eckart von Hirschhausen im weiteren Verlauf des Gesprächs deutlich, dass es ihm ein großes Anliegen sei, Deutschland auf kabarettistischem Weg ein Stück glücklicher und damit gesünder zu machen. Nicht zuletzt auch mit seiner Stiftung „Humor hilft heilen“, die Clowns in Krankenhäuser und Altenheime bringt. Die Besucher, die den Weg zu seinem Auftritt in den Film- und Medien-Pavillon der Frankfurter Buchmesse gemacht haben, konnten sich von der erfrischenden Art seiner Philosophien gleich vor Ort überzeugen und gingen danach sichtlich vergnügt ihrer Wege.


Interview mit Markus Heitz

...zur Buchkritik von "Drachenkaiser"

Anschließend unterhielten sich Tom und Steffi mit Fantasyautor Markus Heitz über seinen "Drachenkaiser".

"Ich bin ein Einzelkämpfer."

Booksection: Wir haben uns sehr über „Die Mächte des Feuers“ gefreut und darüber, dass Du uns nun mit „Drachenkaiser“ die Fortsetzung dazu in die Buchläden bringst. Du beherrschst auch hier wieder die verschiedenen Handlungsstränge und führst auch alle Figuren wieder glaubhaft zusammen. Wie gehst Du hier vor?
Markus Heitz: Als eigentlich alle mit dem nächsten „Zwerge“-Band gerechnet haben, erschien 2006 der erste Band „Die Mächte des Feuers“. Mit Absicht. Es sollte eben was anderes sein. Genauso lief es dieses Jahr. „Drachenkaiser“ kam, als alle den nächsten Band der „Albae“ erwarteten. Das ist mir extrem wichtig, weil es ein Universum ist, in dem zwar Drachen vorkommen, es aber definitiv etwas anderes ist.
Verschiedene Erzählstränge sind mir genauso wichtig. Klar könnte ich auch nur eine Geschichte erzählen, wäre mir persönlich aber ein bisschen zu fade. Ich liebe es, den Leser auf verschiedene Fährten zu führen oder rumgrübeln zu lassen, welche Rolle welche Figur spielt. Dabei gehe ich ganz unterschiedlich vor. Manchmal schreibe ich die Erzählstränge einzeln, chronologisch, manchmal aber auch ganz direkt. In „Drachenkaiser“ habe ich sie der Reihenfolge nach aufgestellt.

Booksection: In „Drachenkaiser“ kommen nun viel weniger Drachen vor, als noch in „Die Mächte des Feuers“. Sowohl Ddraig, als auch Vouivre sind erneut großartig gezeichnet und führen wunderbare Dialoge miteinander. Das scheint Dir besonders Spaß gemacht zu haben.
Markus Heitz: Das macht immer unheimlich viel Spaß! Das ist genauso, wie in die Innenwelt von Nie-Lung zu schalten, als man ihn als Leser mehr oder weniger das erste Mal sieht. Als er eben noch im Käfig liegt und gedanklich alles kommentiert, was um ihn herum passiert, um zu zeigen, wie viel besser er als die Menschen ist. Das macht unglaublich viel Laune.

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Interview mit Isabel Abedi

...zur Buchkritik von "Lucian"

Im Anschluss stand das Interview mit der Kinder -und Jugendbuchautorin Isabel Abedi auf dem Programm. Tom und Steffi sprachen mit ihr über ihr neues Jugendbuch "Lucian".

"...und das Unglück bricht in einen perfekten Tag und eine perfekte Konstellation hinein."

Booksection: In „Lucian“ wird erneut ein Mutter-Tochter-Konflikt thematisiert...
Isabel Abedi: Ja, ich mag das Thema. Und ich glaube auch, dass das etwas ist, was zu der Sinnfrage von Jugend gehört: die Auseinandersetzung mit der Mutter, wobei ichden Konflikt in „Whisper“ viel klassischer fand. Cat ist ja keine “normale” Mutter, die einfach, wie in anderen Büchern, Schwierigkeiten mit ihren Kindern hat. Ich habe immer das Gefühl, dass in meinen Romanen die Mütter die “Speziellen” und die Kinder die “Normalen” sind. Bei „Lucian“ war es so, dass die Beziehung zwischen Mutter und Tochter für mich ganz lange der größte innerliche Schwerpunkt war. Ich habe ganz lange gebraucht, auch mithilfe meiner Lektorin, mich von diesem Punkt zu lösen und mich beim Planen des Romans auf den Liebesteil und auf Lucian zu konzentrieren. Janne, Spatz und Rebecca sind eine absolut glückliche Familie und das Unglück bricht in einen perfekten Tag und eine perfekte Konstellation hinein. An diesem Punkt habe ich von einer Mutter erzählt, die ihr Kind beschützen will und aus diesem Grund eigentlich genau das Falsche tut. Das war ein großer Reiz für mich, das zu erzählen. Da kann man auch nicht anders, als privat zu werden. Ich weiß, wie stark Mutterliebe ist und wie gefährlich es ist, zu denken, dass ich mein Kind vor allem Schlimmen bewahren kann. In „Lucian“ wird es ja klar, dass das nicht geht.

Booksection: „Lucian“ strahlt aus, ein Kraftakt gewesen zu sein…
Isabel Abedi: Deswegen hat mich Deine Rezension auch so berührt. Denn: Das war so. „Lucian“ ist das Buch, was mich am meisten Kraft gekostet hat. Das hat auch meine Lektorin gemerkt, die mich sehr stark begleitet hat und auch sehr viel stärker hinter die Kulissen geblickt hat.Sie hat mir an bestimmten Punkten, an denen ich erschöpft war und nicht weiter konnte, Kraft gegeben. Da gibt es für mich ein Paradebeispiel: In der Szene, als Rebecca in der Praxis ihrer Mutter etwas Entscheidendes entdeckt und auch sonst alles aus dem Ruder läuft - an diesem Punkt hat sie ja schon eine ganze Weile gelitten. In der ersten Fassung verlässt sie die Praxis und es geht ihr dreckig und sie kann nicht mehr. Das war dann eine Stelle, an der meine Lektorin gesagt hat, dass es eben nicht reicht, dass sie verzweifelt ist. Sie muss irgendwas tun. Verzweifelt ist sie schon zu oft gewesen. Dann musste ich überlegen: Was macht jemand, der einfach nicht mehr kann? Das was sie dann tut, ist zwar lustig geschrieben, war es aber überhaupt nicht. Man muss an dieser Stelle tief in einen Menschen hineingehen und die Gefühle mitmachen. Es gab einfach Szenen, da hab’ ich während des Schreibens geweint und es gab vor allem Tage, da hatte ich nicht die Kraft, mich damit zu beschäftigen.

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Interview mit Thomas Glavinic

Thomas Glavinic im Interview mit uns.

Parallel dazu sprachen Kathrin und Melli mit Schriftsteller Thomas Glavinic über "Das Leben der Wünsche".

"Wenn ich es erklären könnte, würde ich gar keine Romane schreiben."

Booksection: „Die Arbeit der Nacht“ ist vor „Das Leben der Wünsche“ erschienen. Es liegt im ersten Moment aber nahe, dass die Geschichten vielleicht anders herum gehören. Sehen Sie das auch so?
Thomas Glavinic: Ich würde sagen, dass es keine Reihenfolge gibt, weil eine Reihenfolge nicht notwendig ist. Es ist nicht wichtig, welches Buch man zuerst liest, weil beide Werke auch vollkommen unabhängig voneinander gelesen werden können. In gewisser Weise gehören sie natürlich zusammen, aber das war es leider auch schon mit meinem Verständnis, was die Chronologie der Bücher betrifft.

Booksection: Welche der beiden Geschichten war zuerst in Ihrem Kopf präsent?
Thomas Glavinic: Auf jeden Fall die aus „Die Arbeit der Nacht“. Während der Arbeit schrieb ich hundert Seiten über ein neues Motiv, das in „Die Arbeit der Nacht“ nicht hineinpasste. Letztlich habe ich diesen Teil raus genommen und zur Seite gelegt, weil ich mir dachte, dass diese Geschichte eher an „Die Arbeit der Nacht“ anschließt. Diese hundert Seiten wurden der Kern von etwas Neuem – und das Zwischenstück von diesem Neuen, das ich erst schreiben werde, und der „Arbeit der Nacht“ ist nun „Das Leben der Wünsche“.

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Interview mit Michael Peinkofer

...zur Buchkritik "Das Gesetz der Orks"

Um 17:30 Uhr traf sich Melli dann abschließend mit Fantasyautor Michael Peinkofer zu einem Interview über die "Orks" und "Die Zauberer".

"Die Charaktere dürfen auch zuweilen „Scheiße“ sagen."

Booksection: In Ihrer „Ork-Trilogie“ kommen die Zauberer nicht gerade gut weg und haben auch nur einen kleinen Part. Gehen Sie daher in der Zeit von Erdwelt zurück, um dieses Bild gerade zurücken?
Michael Peinkofer: Es ist schon so, dass man im Laufen von den drei „Ork“-Bänden relativ viel von den Zauberern erfahren hat, aber immer nur andeutungsweise. Während der Arbeit an den „Orks“ ist der Wunsch entstanden die Vorgeschichte zu erzählen. Deswegen habe ich mir als nächstes die Geschichte des großen Krieges vorgenommen und hier spielen die Zauberer eine tragende Rolle. Das hat sich aus der Handlung, dem Inhalt heraus entwickelt.

Booksection: Im April 2009 ist der erste Band „Die Zauberer“ erschienen. Den zweiten Teil haben Sie bereits für 2010 angekündigt. Wird es eventuell wieder eine Trilogie werden, oder sogar noch mehr Bände geben?
Michael Peinkofer: Wir Fantasy-Autoren denken ja meist in Trilogien (lacht). Davon darf man also auch hier bei den Zauberern ausgehen. Der zweite Band ist gerade noch in Arbeit, ich bin bei den letzten Korrekturen. Nächstes Jahr im Frühjahr ist es dann soweit.

...zum kompletten Interview mit Michael Peinkofer...


Freitag, 16. Oktober 2009
Am Freitag standen viele Verlagsgespräche und Lesungen auf dem Programm.

Nina Blazon im Gespräch mit ihren Fans

Bericht über Nina Blazon

Am Freitag kam die Autorin Nina Blazon auf die Frankfurter Buchmesse, um im Lesezelt ihren neusten Roman „Totenbraut“ vorzustellen. Nach der Lesung eines Kapitels sprach die sympathische Autorin mit der Moderatorin Maren Bonacker über ihre Arbeit. Dabei konnten treue Leser einige interessante Infos über Nina Blazon und ihre Werke erfahren. So stellte sich heraus, dass Blazon sowohl Jugendbücher als auch Historische Romane schreibt und ihr beide Arbeiten sehr viel Spaß machen. „Ich mag die Recherche für die Historischen Romane sehr und bei den Jugendbüchern ist es so, dass mich das Fantastische, bei dem ich meiner Fantasie freien Lauf lassen kann, besonders gefällt“, erzählte die sympathische Autorin ihrem Publikum.
Anschließend berichtete sie von der Recherche über ihre Vampirfigur. Es stellte sich heraus, dass dabei vor allem Urmeister Bram Stoker als großes Vorbild fungierte. Für die vierjährige Recherche zu „Totenbraut“ ging sie in der Zeit jedoch noch etwas weiter zurück: Neben dem Lesen von Märchen und alten Sagen, verschlang sie auch Sekundärliteratur über das Phänomen der Vampire, das sich viele Jahrzehnte zurückführen lässt. So diente ihr vor allem eine umfangreiche Doktorarbeit zu dem Thema als Stütze. Schnell war dem Publikum klar, welch enormer Arbeitsaufwand hinter den Romanen von Nina Blazon steckt. Für viele ihrer Historischen Romane hat sie sich auch auf Studienreisen begeben und dabei Museen besucht und Städte besichtigt. Die Recherchen für ihre Romane sind sehr ausführlich und überaus gewissenhaft - was man der deutschen Autorin während dem Gespräch im Lesezelt auch sofort abkauft.
Im Anschluss berichtete Blazon noch von ihrem Schreibevorgang. Da sie den Leser gerne in die Irre führt und an vielen Stellen in ihrem Buch überraschen will, ist der Plot ihrer Romane immer sehr gut geplant und steht bereits vor dem Schreiben genau fest. „Das einzige, das mich beim Schreiben überrascht, sind die Figuren die neu dazu kommen. Das passiert sehr häufig.“, erzählt Blazon. Auf die Frage der Moderatorin, wie viel von Nina Blazon in ihrer Hauptfigur Jasna steckt, antwortet sie, dass sie gerne so gewesen wäre wie ihre Protagonistin: „Als junges Mädchen war ich allerdings sehr schüchtern und hätte etwas mehr Stärke gut gebrauchen können.“ Die Frage nach der Zielgruppe von „Totenbraut“ konnte die Autorin nicht genau beantworten. Zwar spreche der Titel mehr weibliche Leserinnen an, doch glaube sie, dass ihr Buch auch einige Elemente und Identifikationsfiguren beinhalte, die auch männliche Leser ansprechen könnten.
Nach diesem interessanten Gespräch warf die Autorin noch einen kurzen Blick in die Zukunft und erzählte von ihrem nächsten Werk, das 2010 bei Ravensburger erscheinen wird. „Schattenaugen“ sei ein Krimi, der im Hier und Jetzt spiele. „Der Krimi wird ganz was anderes werden, als meine letzten Romane!“, machte Nina Blazon zum Abschluss das Publikum auf die neue Geschichte neugierig.


Filmkritik "Romy" (Moviesection.de)

Bericht über "Romy"

„Jessica Schwarz erspielt sich die Ähnlichkeit zu Romy Schneider“ (Michael Schmidl, SWR)

Der Mythos Romy Schneider brachte bisher unzählige Bildbände hervor, jede Fernsehanstalt kann sich hoher Einschaltquoten sicher sein, wenn eine Dokumentation über die schöne Aktrice ausgestrahlt wird.

Seit Monaten berichtete die Presse über die mögliche Kinoverfilmung der Biographie mit Yvonne Catterfeld. Die Kinofassung kam ins Stocken und hat scheinbar keine Aussicht mehr gedreht zu werden. Ganz anders die TV-Produktion „Romy“. Die ARD drehte die Biographie mit drei verschiedenen Romy- Darstellerinnen ab, von der am meisten Jessica Schwarz für Aufsehen sorgte. Regisseur Thorsten C. Fischer hatte bereits vor zwei Jahren den Wunsch die wandlungsfähige Schauspielerin in der Rolle zu besetzen. Als ihm der Regiestuhl für das Projekt angeboten wurde, stellt er dies zur Bedingung.
Zur Besuch bei der Frankfurter Buchmesse waren Redakteur Michael Schmidl vom SWR und Jungschauspielerin Alicia von Rittberg, die die 15jährige Romy Schneider verkörpert. Ihre Rolle füllt die Spanne zwischen Kindheit und den „Sissi“ - Filmen aus.

„Steck deine Kindheit in die Tasche und renn davon. Das ist alles was du hast.“

Die Worte von Romy Schneiders Vater haben nicht nur das eindrückliche Spiel von Rittberg geprägt, sondern halfen ihr auch dabei sich in die schwierige Rolle einzufinden.
Der Redaktion ging nicht so sehr darum, dass die Darstellerinnen ihrer Figur ähnlich sehen, sondern sich vor allem sehr nah an der Realität zu halten und somit dem Mythos und der Frau Romy Schneider so gut wie möglich anzunähern. Die Zuschauer können sich am 11. November 2009 in der ARD von dem Ergebnis überzeugen.


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Interview mit Stefan Seitz

"Eine gute Geschichte ist letztendlich das, was wir schon immer hören wollten."

Gegen 13:00 trafen sich Tom und Steffi mit Stefan Seitz, dem Erfinder des "Unkrautlandes", zum Interview.

Booksection: Wie entstand „Das Unkrautland“?
Stefan Seitz: Tja, das ist wohl die schwierigste Frage von allen. Ich denke, wir alle haben als Kinder nach etwas gesucht. Seien es Geheimtüren, verborgene Schätze oder sagenumwobene Gebäude. Leider konnte ich mich nicht zu den Glücklichen zählen, die etwas dementsprechendes gefunden haben - weshalb ich den Entschluss gefasst habe, selbst ein Geheimnis entstehen zu lassen, das nun andere ergründen können.

Booksection: Miss Plim und Primus streiten sich sehr oft im ersten Band zum „Unkrautland“ und liefern sich viele Dialogschlachten. In unserer Kritik bemängelten wir die Schärfe der Dialoge. Oftmals hätte es noch bissiger, vielleicht auch böser sein dürfen. Können Sie diese Kritik nachvollziehen?
Stefan Seitz: Ich kann das sehr gut nachvollziehen, vor allem wenn man als Leser aus dem Fantasygenre kommt und so etwas gerne liest. „Das Unkrautland“ ist jedoch etwas völlig anderes. Es ist ein Märchen und jenes musste ich so gestalten, dass sich die Leser wohlfühlen - sowohl von der Gestaltung der Titelbilder, als auch von der Atmosphäre des Geschehens. Natürlich hätten sich Miss Plim und Primus öfter in die Wolle kriegen können, aber das hätte nicht der jungen Leserschaft entsprochen, die das Buch vorwiegend zu Hand nimmt. Für das reifere Publikum steckt dafür einiges zwischen den Zeilen, über das es sich zu grübeln lohnt. Diese Kombination finde ich weitaus charmanter.

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Gespräch mit Sebastian Fitzek

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Am Stand von Droemer-Knaur trafen Tom und Steffi den deutschen Thriller-Autoren Sebastian Fitzek. Obwohl er nur privat auf der Messe weilte, konnte er sich kaum vor begeisterten Fans und wild entschlossenen und teilweise schon wirklich unverschämten Fotografen retten. Obwohl Fitzek von allen Seiten bedrängt wurde, nahm er sich für uns Zeit, um für unsere Redakteurin Angelika, die wohl zu seinen größten Fans zählt, und die deshalb auch untröstlich war, nicht auf der Messe sein zu können, ein Buch zu signieren. Der sympathische und trotz allem Erfolg eher bescheidene Autor wird im Juni sein neues Buch veröffentlichen, und erklärte sich ohne Umschweife bereit, 2010 für ein exklusives Autoren-Porträt bei Booksection.de zur Verfügung zu stehen.


Bericht über "Acht auf einen Streich"

„Kinder nehmen Märchen sehr ernst und glauben was wir machen... das bringt eine große Verantwortung mit sich“. (Sabine Preuschhof, RBB)

Zu Weihnachten 2008 strahlte die ARD sechs Märchenverfilmungen aus. Klingt nicht aufsehenerregend, war es aber! Denn die einstündigen Produktionen mit Darstellern wie Marianne Sägerbrecht („Frau Holle“), Ken Duken („König Drosselbart“), Ingo Naujoks (Tischlein deck dich“), Kostja Ullmann („Das tapfere Schneiderlein“), Andrea Sawatzki („Brüderchen und Schwesterchen“), Richy Müller und Sidonie von Krosigk (beide beim „Froschkönig“), um nur einige Namen zu nennen, interpretierten die bekannten Grimm-Märchen neu und waren einfach sehenswert.

Der Erfolg gab den Machern und ihrem Konzept der „sanften Modernisierung“ Recht, und nun reicht ARD zu Weihnachten gleich acht weitere Märchen nach. Anlass genug, Regisseur Bodo Fürneisen auf der Frankfurter Buchmesse und sein „Rapunzel“ stellvertretend für die Fortsetzung einzuladen. Fürneisen, der schon in der DDR Märchen für die DEFA inszenierte, freute sich sichtlich über die erneute Möglichkeit in die Welt einzutauchen, in der „man noch träumen kann“ und die „immer ein gutes Ende nimmt“.
Dass sich die Art Märchen zu drehen seit den tschechischen und ostdeutschen Großproduktionen der 70er Jahre gewandelt hat, kann der gestandene Regisseur nur begrüßen. So sind die Ansätze, das Genre neu zu beleben, vielfältig und aufwendig. Bei den Drehbüchern wurde auf Hintergrundgeschichten und neue Motive der Figuren geachtet. Wendungen, die sonst nicht bei den Grimms zu finden sind, aber dafür zur Geschichte passen, halten ebenso Einzug wie die erfrischende Mischung aus Spannung und Komik. Das bekannte Schema von Gut und Böse wurde zugunsten einer komplexeren Handlung aufgeweicht. Herausgekommen sind tolle Produktionen mit bekannten Darstellern die Jung und Alt gleichermaßen begeistern. So können wir uns schon jetzt auf schöne Fernsehunterhaltung unterm Weihnachtsbaum freuen, wenn es wieder heißt: „Es war einmal...“.

Neu verfilmt wurden: „Schneewittchen“, „Rapunzel“, „Der gestiefelte Kater“, „Dornröschen“, „Die Gänsemagd“, „Rumpelstilzchen“, „Die Bremer Stadtmusikanten“ und „Die kluge Bauerntochter“.


Interview mit Jan Weiler

...zur Buchkritik von "Drachensaat"

Gegen 16:00 trafen sich dann Steffi und Kathrin mit dem erfolgreichen Autor und Journalisten Jan Weiler zum Interview über "Maria, ihm schmeckt's nicht" und "Drachensaat".

"Diese lustigen Dinge sind trojanische Pferde, um die Dinge zu erzählen, die wirklich erschütternd sind."

Booksection: Um „Maria, ihm schmeckt´s nicht“ ist mittlerweile ein regelrechter Hype entstanden. Selbst Leute, die normalerweise gar nicht lesen, sind verrückt nach Ihrem Buch.
Jan Weiler: Nicht unbedingt ein Kompliment für das Buch…(lacht)

Booksection: Das würde ich nicht sagen. Wenn ein Buch es schafft, Leute zum Lesen zu animieren, ist das doch in jedem Fall ein gutes Zeichen.
Jan Weiler: Ja, okay.

Booksection: Hätten Sie mit einem solchen Erfolg gerechnet und können Sie sich die Faszination dieses Buches erklären?
Jan Weiler: Ich glaube, rechnen kann man damit nicht, zumal, wenn es das erste Buch ist, das man schreibt. Das war eben ein Volltreffer, ich bin unheimlich überrascht darüber gewesen. Es gibt drei Dinge an dem Buch, die glaube ich sehr zu dessen Popularität beigetragen haben. Das eine ist, dass die Deutschen Italien sehr mögen. Es gibt diesen berühmten „Isch abe gar kein Auto-Italiener“ – Giovanni Trapattoni war hier unglaublich populär als Fußballtrainer – und es existiert eben dieses Sehnsuchtsland-Thema. Das gibt es nur mit Italien. Belgien ist kein Sehnsuchtsland, Costa Rica ist kein Sehnsuchtsland. Zum zweiten stellten wir fest, dass die Migrationsgeschichte der Italiener gar nicht so oft erzählt worden war, wie man vielleicht glaubt. Es gibt kaum Romane zu diesem Thema, jeder kennt aber einen italienischen Restaurant-Besitzer in seiner Nachbarschaft. Dieser Umstand spielt auch deswegen eine Rolle, weil dadurch ein so großes Publikum da ist. Menschen wie meine Frau, die Migranten-Kinder sind, machen einen großen Anteil unserer Bevölkerung aus und es ist deren Geschichte. Der dritte Grund ist, glaube ich, dass die Geschichten stA?n??? ?????????soilistisch so geschrieben sind, dass die Leute das gerne gelesen haben. Sie sind komisch, haben aber auch melancholische Anteile, was Leser gerne mögen. Damit kann man aber auch nicht reißbrettartig umgehen, indem man sagt: „So, jetzt schreibe ich mal einen Bestseller!“ Da hat sich niemand hingesetzt und gesagt: Es gibt diese Nische von Leuten, über die man noch nicht so viele Romane geschrieben hat und außerdem machen wir´s jetzt mal lustig und dann wird das ein Erfolg. So war das nicht. Das war einfach meine Geschichte.?

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Buchkritik "Das Leben der Wünsche

Bericht über "Das Leben der Wünsche"

„Ich glaube in der Literatur geht es nicht um Verständnis, sondern um Wahrhaftigkeit!“

Am Freitag kam Bestsellerautor Thomas Glavinic auf die ARD-Fernsehbühne, um dort über seinen neusten Roman „Das Leben der Wünsche“ zu sprechen. In dem Buch begegnet Protagonist Jonas einem älteren Mann, der ihm drei Wünsche erfüllen will. Glavinic berichtet, dass es ihm in seinem Roman jedoch nicht primär um die Wunscherfüllungsthematik gehe, sondern viel mehr um die menschlichen Abgründe und die dunklen Stellen, die sich durch die Wünsche auftun. Jonas sei demnach ein Mensch, der Dramatik in seinem Leben sucht und die positiven Dinge, wie seine Liebe zu Marie, eher in den Hintergrund stellt. Der Autor erzählte, dass Jonas eine dunkle, eine Nachtseite habe. Seine Sehnsüchte und Wünsche gehen auf eine unbewusste Art und Weise in die Richtung des Tods von anderen Menschen. „Wie die Wünsche mit dem Unterbewusstsein von Jonas zusammenhängen, kann ich allerdings selbst nicht genau sagen“, ergänzt Glavinic die Erörterung über seinen Protagonisten. Sicher sei jedoch, dass die Wünscherfüllung über ihn hinaus wachse und außer Kontrolle gerate. Auf eine gewisse Weise würde das Jonas jedoch gefallen, da er auf seinem Weg nicht nach einem Durchschnittsdasein suche, sondern nach mehr Würze in seinem Leben, so der Autor.

Auf tiefergehende Fragen der Moderatorin wollte Glavinic keine genauen Antworten liefern. Er sei kein Freund von Interpretationen, weil er seine Bücher für den Leser nicht einschränken wolle: „Ich glaube in der Literatur geht es nicht um Verständnis, sondern um Wahrhaftigkeit!“ Dafür fand Glavinic offene Worte über den Deutschen Buchpreis. Da „Das Leben der Wünsche“ in diesem Jahr auf der Longlist stand, wollte die Moderatorin von dem Autor wissen, was dies für ihn und seine Karriere bedeute. Thomas Glavinic antwortete darauf, dass er den Deutschen Buchpreis problematisch finde: „Ich weiß nicht, ob es gut ist, wenn einige wenige Leute entscheiden, was diesen Herbst gelesen werden muss. Ich mag das Wettrennen darum wer der Beste ist einfach nicht.“ Dennoch sei er natürlich froh über diese ´Ehrung´ und gestand auch, dass er sehr dankbar darüber sei, als Schriftsteller in der Gesellschaft Bestand zu haben.


Interview mit Sebastian Koch

...zur Buchkritik von "Der Seewolf"

Zuvor sprach Melli noch mit Schauspieler Sebastian Koch über "Der Seewolf", der nun bald auf DVD erscheint und auf dem Roman von Jack London basiert.

"Dieser Roman ist ein Geschenk, eine Glanzleistung von Jack London."

Booksection: Muss man als Schauspieler an seiner eigenen dunklen Seite rühren, um eine Figur wie Wolf Larsen glaubwürdig verkörpern zu können, oder hilft einem hier die Schauspieltechnik?
Sebastian Koch: Das ist wie mit dem berühmten Mörder, den man auch spielen kann ohne selbst zu morden. Ich versuche den Menschen, den ich spiele zu begreifen und zu verstehen. Wenn ich das Wesentliche begreife, was ihn treibt, dann kann ich ihn meistens auch spielen und die äußere Haltung kommt automatisch. Ich weiß dann wohin es geht. Das Begreifen ist eine Auseinandersetzung, die im Vorfeld stattfindet. Ich überlege, was diesen Mann ausmacht.

Booksection: Die Figur Wolf Larsen lebt von eine ungeheuren Körperlichkeit aus der sich seine Bedrohlichkeit dann auch ableitet. Haben Sie sich hier speziell vorbereitet?
Sebastian Koch: In diesem Fall ja. Das musste man. Ich verändere meinen Körper nicht jeden Tag für eine Rolle, aber hier war der Körper ein zentrales Thema bei der Figur. Er ist wie eine Waffe. Die Figur lebt von diesem Körper, definiert sich durch diesen Körper. Gar nicht äußerlich, sondern nur als Werkzeug. Als unglaublich schnell, behände und kraftvoll und dominant. Er kann mit bloßen Händen Menschen töten. Das muss man irgendwie erahnen, ich muss es mir glauben.

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Nach vielen Interviews, Gesprächen, Fragen, Antworten, Pressekonferenzen, Buch -und Verlagspräsentationen haben wir uns Freitagabend wieder von Frankfurt verabschiedet und sind mit viel Arbeit im Gepäck zurück in die Redaktion gefahren.

Wir hoffen, wir konnten Euch umfassend und eindrücklich informieren.

Eure Booksection-Buchmessler
Kathrin, Melli, Steffi, Jane, Gaby & Tom


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