Interview mit...

...Eoin Colfer


Artemis Fowl: Der Atlantis-Komplex

"Manchmal wünsche ich mir den alten Artemis zurück."

Im Booksection.de-Interview: "Artemis Fowl"-Autor Eoin Colfer.

Booksection.de: Was war zuerst da? Die Geschichte hinter „Artemis Fowl“, Artemis selbst oder die Welt, in der die Geschichte spielt?
Eoin Colfer: Artemis war zuerst da. Er basiert ja auf einem Foto meines Bruders, als der ein Junge war. Er war für die Kirche zurechtgemacht und sah aus wie ein winziger James Bond-Bösewicht. Da kam mir die Idee zu Artemis.

Booksection.de: Wir haben im Laufe der Geschichten einige lieb gewonnene Figuren verloren. Leiden Sie auch, wenn eine Ihrer Kreationen stirbt?
Eoin Colfer: Ich bedauere es auch, wenn ein Charakter stirbt, aber es dient alles eben der Geschichte, die ich erzähle. Ich bin immer überrascht von den Reaktionen der Leser, die sich manchmal sehr darüber aufregen, wenn eine ihrer Lieblingsfiguren stirbt. Deswegen überlege ich sehr genau, bevor ich jemanden eliminiere und ich tue es ja auch nicht sehr oft.

Booksection.de: Im ersten Buch ist Artemis Fowl der Bösewicht. Einer, der gleichzeitig cool, lustig, aber doch der Böse ist und die Unterwelt terrorisiert. Nun ist Artemis nicht länger der Schurke. Was ist Ihr Lieblings-Artemis?
Eoin Colfer: Ich glaube der böse, charismatische Junge ist mein Lieblings-Artemis. Es hat soviel Spaß gemacht, ihn zu schreiben. Es war unausweichlich, dass er sich während der Serie zu jemandem mit einem Gewissen entwickelt, nur manchmal wünsche ich mir den alten Artemis zurück. Deswegen muss die Serie auch enden. Ist Artemis komplett gut, ist mein Werk an ihm vollbracht.

Booksection.de: Wenn Sie könnten: Welche Ihrer Figuren würden Sie sein und warum?
Eoin Colfer: Wenn ich eine Figur aus meinen Büchern wählen könnte, glaube ich, wäre ich am liebsten Foaly, der Zentaur. Er liebt Computer, hat eine liebevolle Familie, nimmt an den Abenteuern um ihn herum aus einer sicheren Entfernung teil.

Booksection.de: Während des Lesens wächst einem Butler immer mehr ans Herz. Er ist loyal, liebevoll und, wie es scheint, auch unzerstörbar. Was macht Ihrer Meinung nach die Faszination von Artemis’ Bodyguard aus?
Eoin Colfer: Butler war schon immer eine Lieblingsfigur der Leser. Ich glaube, er ist ein bewundernswerter Mann und ein moralisches Zentrum der Bücher. Die Leser vertrauen ihm und wissen, dass wenn Artemis seinen Ratschlägen folgte, alles schon gut werden würde. Es gibt auch Frauen, die finden meine Beschreibungen von ihm sehr attraktiv und sind immer sehr enttäuscht, wenn sie mich treffen, weil sie dann merken, dass ich nicht wie er bin.

Booksection.de: Welche Figur ist Ihnen am leichtesten gefallen beim Schreiben?
Eoin Colfer: Artemis kleine Brüder waren sehr einfach zu schreiben und sie haben auch sehr viel Spaß gemacht. Ich habe ansehnliche Erfahrungen in der Wissenschaft, kleine Brüder zu managen. Und es ist eine Wissenschaft – dafür sollte es einen Diplomkurs geben.

Booksection.de: Was lesen Sie privat?
Eoin Colfer: Ich lese alle Genres. Ich finde es besser, jedes Buch nach seinen eigenen künstlerischen Werten zu beurteilen und nicht nach seinem Genre. Ich will überrascht werden und mag es, wenn es ein Buch schafft, mich irgendwohin zu bringen, wohin ich nicht dachte gehen zu können. Das letzte Buch, das das geschafft hat, war „True Grit“ von Charles Portis.

Booksection.de: Wie viele Bände von Artemis erwarten uns noch?
Eoin Colfer: Ein Buch wird es noch geben. Dann wird er endgültig der Gute sein und sich vom Bösen verabschieden.

Booksection.de: Vielen Dank für Ihre Zeit, Mr. Colfer.
Eoin Colfer: Gern geschehen.



Das Interview wurde durch Thomas Ays geführt und auch von ihm übersetzt. Veröffentlicht und freigegeben vom Autor am 13.04.2011

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