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...Carina Bargmann
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Buchkritik von "Sayuri"
"Ach verdammt, wo ist denn das Irrlicht?"
Mit Booksection im Gespräch: Fantasyautorin Carina Bargmann.
Booksection: Wie entstand die Idee zu Ihrem Buch „Sayuri“?
Carina Bargmann: Die Idee hatte einen ziemlich langen Anlauf.
Es hat alles mit einer Wüste angefangen. Und mit einer Stadt, die zunächst
am Rande der Wüste lag. Dann wurde sie in die Mitte der Wüste verlagert.
Sayuri als Charakter stand schon lange fest. Durch die Zusammenarbeit mit dem
Verlag hat sich alles dann aber noch einmal, teils auch stark, verändert.
Das Wasser kam als wichtiges Element hinzu. An bestimmten Erlebnissen in meinem
Leben kann ich aber nichts festmachen.
Booksection: Also war die Idee schon länger da?
Carina Bargmann: Die Idee hatte sich in dem Sommer, bevor
der Kontakt mit dem Verlag zustande kam, entwickelt.
Booksection: Wollten Sie schon immer Autorin werden?
Carina Bargmann: Ich will schon immer gerne Geschichten erzählen.
Das habe ich glaube ich schon als Zweijährige (lacht). Angeblich hatte
ich einen riesigen Wortschatz. Ich selbst weiß das nicht mehr. Das hat
sich über längere Zeit entwickelt. Ich habe längere Geschichten
erzählt, aufgeschrieben und Freunden geschickt. Hätte ich kein Publikum
gehabt, hätte ich wahrscheinlich schnell wieder aufgehört.
Booksection: Ich habe gelesen, dass Sie schon zwei weitere
Fantasy-Romane verfasst haben. Sind diese auch bereits veröffentlicht?
Carina Bargmann: Nein, die Geschichten sind nicht veröffentlicht.
Es sind längere Geschichten, keine kompletten Bücher. Eine spielt,
ähnlich wie „Sayuri“, in einer Wüste. Eine weitere ist
noch älter und im Alter von 13 oder 14 entstanden. Im Laufe der Zeit bastelt
man sich schon die eine oder andere Welt. Ich habe auch eine ganz große
Welt, an der ich jetzt schon arbeite seit dem ich 12 Jahre alt bin. Sie wird
immer ein Stückchen weiter entwickelt. Die Welt hat in der Zwischenzeit
schon eine Art Chronik. Irgendwann, wenn ich die Geschichte auf unter 8.000
Seiten bekomme, schreibe ich sie auch auf (lacht). Daran muss ich aber noch
arbeiten.
Booksection: Sie interessieren sich auch sehr für die
asiatische Kultur. Wie viel davon ist in „Sayuri“ eingeflossen?
Carina Bargmann: Bewusst eigentlich gar nicht so viel. Ich
hatte, als ich mit „Sayuri“ begonnen hatte, gerade aufgehört
Japanisch zu lernen, da das nicht mehr mit meinem Stundenplan passte. Danach
habe ich mich vom Japanischen insgesamt eher gelöst. Aber ich fand die
Namen so schön. Ich hatte zu dem Zeitpunkt komplett aufgehört, Mangas
zu lesen, was ich bis dahin immer mal wieder gemacht habe. Einiges habe ich
in „Sayuri“ dann trotzdem mitgenommen. Wobei ich sagen muss, dass
„Sayrui“ nicht als Manga oder Comic vor meinem inneren Auge abgelaufen
ist. Es ist für mich einfach „nur“ eine Geschichte. In Japan
ist die Spanne zwischen Moderne und Tradition, wie zum Beispiel die Teezeremonie,
die fünf Stunden dauern kann, sehr groß. Daher faszinierte mich das
Land so. Aber ich habe grundsätzlich auch großes Interesse an anderen
Völkern und Kulturen.
Booksection: Wo wir gerade bei Stundenplan waren. Sie sind
noch Schülerin und schreiben sozusagen nur „nebenberuflich“.
Wie sieht da der Alltag aus?
Carina Bargmann: Schule geht immer ganz klar vor. Wenn ich
Freizeit habe sitze ich eigentlich immer am Rechner und schreibe. Freunde gehen
auch vor. Ich bin viel unterwegs und fahre auch gerne auf Freizeiten.
Wenn man sich nur in seine stille Kammer zurückzieht, dann werden die Geschichten,
die man schreibt, schnell unrealistisch, weil man selbst nicht mehr nah genug
am Geschehen ist. Das will ich vermeiden.
Booksection: Zu den Figuren: Besonders das klein Irrlicht
Shio hat mir gut gefallen. Auffällig ist aber, dass es sich nie in wörtlicher
Rede äußert. Hat das einen bestimmten Grund?
Carina Bargmann: Eigentlich habe ich diesen Charakter andauernd
beim Schreiben vergessen (lacht). Ich musste ihn ganz oft nachfügen und
dachte immer wieder: ach verdammt, wo ist denn das Irrlicht? Als Idee fand ich
es ursprünglich total gut, aber es war für mich nicht so eine wichtige
Figur. In meiner ersten längeren Geschichte hatte ich auch schon einmal
ein solches kleines Wesen, das ich ständig vergessen habe. Meine Figuren
mussten dann immer umkehren und es suchen (grinst). Das konnte ich bei „Sayuri“
natürlich nicht machen. Daher habe ich Shio immer nachgebessert. Außerdem
hatte ich den Eindruck, dass es zuviel wäre, wenn dass Irrlicht auch noch
spricht. Ich wollte eigentlich, dass es so ein kleines flirrendes Teil ist,
dass immer dabei ist, aber keine Hauptrolle hat. Hätte Shio geredet, dann
wäre er noch menschlicher geworden und das wollte ich vermeiden. Er ist
mehr wie ein Haustier. Eine fliegende Leselampe, oder so.
Booksection: „Sayuri“ ist Ihr Debüt-Roman.
Wie fühlen Sie sich, wenn Sie Ihr Buch irgendwo stehen sehen, hier auf
der Messe oder im Buchladen zum Beispiel?
Carina Bargmann: Ich finde es spannend. Und ich freue mich
jedes Mal. Vor kurzem war ich in Hannover mit einem Freund. Wir waren in einer
Buchhandlung, weil er nach einem Buch schauen wollte. Wir haben auch nach „Sayuri“
geschaut und es stand da. Das war total cool, weil man gar nicht damit rechnet,
dass es sozusagen „überall“ im Buchladen steht.
Booksection: Werden Sie jetzt oft darauf angesprochen? Auf
der Straße oder in der Schule?
Carina Bargmann: Nein, so prominent bin ich nicht (lacht).
Auf der Straße werde ich nicht erkannt. In der Schule wurde ich von einer
Mitschülerin angesprochen und ich habe verzweifelt versucht, mich daran
zu erinnern, woher ich sie kenne. Gott sei Dank kannte nur sie mich und nicht
umgekehrt. Ich hatte schon Angst, ein Gesicht vergessen zu haben. Es ist schon
seltsam, wenn man von völlig Fremden angesprochen wird.
Booksection: Lesen Sie selbst gerne und wenn ja auch viel
Fantasy?
Carina Bargmann: Ich lese sehr viel und gerne. Ich bin Mitglied
in der Jugend-Jury des Friedrich-Gerstäcker-Preises (Anm. d. R: Friedrich-Gerstäcker-Preis
für Jugendliteratur der Stadt Braunschweig“) und bekomme daher immer
einen ganzen Stapel Jugendbücher zum Lesen vorgelegt. Die darf ich zwar
mit aussuchen, aber sie müssen auch bestimmten Kriterien entsprechen. Da
ist viel Unterschiedliches dabei: Typische Jugendromane, Fantasy und Krimis.
Wenn ich mir selbst Bücher aussuche, dann sind es meist Fantasy-Romane,
z.B. von Markus Heitz, Bernhard Hennen, Christoph Marzi, Cassandra Clare, aber
auch die erste Trilogie von Trudi Canavan ist toll. Krimis lese ich manchmal
auch, aber meist eher, wenn mir jemand einen guten Krimi empfiehlt. Selber danach
suchen tue ich nicht. Ich schaue Krimis lieber im Fernsehen. Wenn ich DVDs suche,
nehme ich tatsächlich eher Krimis als Fantasy.
Booksection: Sind Ideen aus den Büchern, die Sie gelesen
haben oder auch aus Filmen in „Sayuri“ eingeflossen?
Carina Bargmann: Irgendwie muss es eingeflossen sein. Man
kann seine Ideen ja nur aus dem nehmen, was man liest, hört oder erlebt.
Aber es ist nicht so, dass ich mich bewusst für die Übernahme einer
Idee aus einem anderen Buch entschieden hätte. Ich gebe mir vielmehr Mühe
zu vermeiden, dass man meine Lesegewohnheiten aus meinen Geschichten ablesen
kann.
Booksection: Auf was dürfen wir uns als nächste
von Ihnen freuen?
Carina Bargmann: Eine Idee habe ich schon und mittlerweile
„darf“ ich auch schreiben. Aber ich habe noch kein einziges Wort
niedergeschrieben. Daher möchte ich noch nicht so viel verraten. Es kommt
aber in jeden Fall noch etwas.
Booksection: Vielen Dank für das Interview.
Das Interview wurde am 19.03.2010 durch Karolin Kullmann geführt. Veröffentlicht und freigegeben vom Autor am 14.04.2010