Special

BuchBasel 2007


Vom 11. bis 13. Mai fand dieses Jahr erneut die "BuchBasel" statt. Dieses Jahr hatten Melli, Kathrin, Steffi und Tom die Gelegenheit diese doch recht überschaubare Messe zu besuchen und einige Schmankerl für Booksection's Leser aufzutun.

Autorenlesung

Jenny-Mai Nuyen, "Das Drachentor"

Die überaus sympathische junge Autorin Jenny-Mai Nuyen gab am Samstag, 12. Mai einen spannenden und beeindruckenden Einblick in ihr Fantasy-Jugendbuch "Das Drachentor". Dies war die erste Lesung aus ihrem Roman und zahlreiche, vor allem jugendliche Leser, lauschten ihr fasziniert. Jenny verstand es aber auch, die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen. Getragen von ihrer schön klingenden Stimme versank man augenblicklich in einer verzauberten Welt von Elfen, Drachen und spannenden Kämpfen. Eine atemberaubende Geschichte tat sich da den Zuhörern auf und immer wieder machte Jenny kurze Unterbrechungen, um den Zusammenhang zu erklären.

Jenny, die in Florenz und New York Film studiert wurde von der Moderatorin als Autorin mit einem ganz eigenen Stil vorgestellt. Auf die Frage, warum sie sich ausgerechnet für das Schreiben von Fantasy-Romanen entschieden habe, hatte sie eine ganz einfache Erklärung: Das sei das Genre gewesen, das sie selbst als erstes gelesen habe und zudem hätte man ihrer Meinung nach einer so jungen Autorin wie ihr einen Thriller ganz einfach nicht abgenommen. An Fantasy-Romanen liebt sie ihrer Aussage nach besonders, dass die Realität in Symbolen umgesetzt werden kann, die Essenz der Realität kann quasi herausgezogen werden und so bleiben viele Interpretationsmöglichkeiten. Jenny gab zu, gerne Klischees zu analysieren und diese in ihr Gegenteil umzukehren. Sie spielt mit Klischees, liebt es, Helden zu demontieren. Helden seien die dominante Idee bei Fantasy-Geschichten und bei ihrem "Helden" Rewyn sei das genau umgekehrt. Ihm wurde prophezeit, dass er eines Tages etwas ganz Furchtbares tun würde und ist somit eher ein Anti-Held. Auf den Hinweis der Moderatorin, dass dieser Roman auch eine Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus sei, erklärte Jenny, dass in "Das Drachentor" Menschen und Elfen einander einfach zu ähnlich seien. Das sei der Grund für den Rassismus untereinander und somit auch der Grund dafür, dass die Figuren in ihrem Buch sich gegenseitig bekriegen.

Über ihren neuen Roman wollte die Autorin nur soviel verraten, dass auch er in einer (diesmal nur teilweise) erfundenen Welt im 20. Jahrhundert spiele und somit etwas moderner sei, als die Vorgänger. Auf sehr nette und einfühlsame Art beantwortete Jenny Mai Nuyen noch einige Fragen aus dem vorwiegend jungen Publikum und hinterließ einen sehr klugen und doch angenehm bodenständigen Eindruck.

Interview mit Jenny-Mai Nuyen, "Das Drachentor"

Die 19jährige Jenny-Mai Nuyen stellte auf der BuchBasel ihr gerade erschienenes Buch „Das Drachentor“ vor. Im Anschluss an die Lesung hat sich die sympathische Münchnerin mit uns zum Interview getroffen.

„Wenn ich damals gewusst hätte, dass es 2, 3 Jahre dauert, bis ein Buch vom Manuskript ins Geschäft braucht, hätte ich es wahrscheinlich gleich aufgegeben.“ – Booksection im Gespräch mit Jenny-Mai Nuyen

Booksection: Jenny, schön, dass Du Dir die Zeit nimmst, mit uns zu sprechen.
Wir wissen ja, Du hast Deine ersten Schreibversuche mit 13 Jahren gemacht. Wie kamst Du dann zum Schreiben? Bist Du dann irgendwann morgens aufgewacht und hast gedacht: „Jetzt werde ich Buchautorin?!“
Jenny Mai-Nuyen: Eigentlich habe ich für alles, was ich je geschrieben habe, immer erst eine Motivation gebraucht. Ich wollte nie „nur“ für mich schreiben. Ich wollte in gewisser Weise einen Sinn. Als ich 10 war, hab ich mir fest vorgenommen: „Ich werd ein Drehbuch schreiben und Leonardo DiCaprio wird mitspielen!“ Das war dann eine Art Nachgeburt von „Titanic“ auf 30 Seiten. Das war das einzige, was ich weggeschmissen habe, alles andere hab ich immer behalten. Um auf die Frage zurück zu kommen: Ich bin nicht aufgewacht, aber es war kurz, bevor ich eingeschlafen bin. Ich lag im Bett und dachte ‚Jetzt schreib ich auch ein Buch, und es soll veröffentlicht werden!’

Booksection: Das kam also alles aus Dir. Es gab da keine Mutter oder Vater, der Dich in eine Richtung „gedrängt“ oder Dich in diese Richtung beeinflusst hat?
Jenny: Nein überhaupt nicht. Ich habe mir damals vorgestellt, dass ich meine Eltern damit überrasche. Ich dachte mir auch: ‚Ein Buch wird in so zwei Monaten geschrieben und drei Wochen später ist es dann im Regal und man kanns verschenken!’  Wenn ich damals gewusst hätte, dass es 2, 3 Jahre dauert, bis ein Manuskript ins Geschäft kommt, hätte ich wahrscheinlich gleich aufgegeben. Ich bin sehr ungeduldig.
Nein, meine Eltern haben mit Büchern auch nichts zu tun. Mein Vater hat Informatik studiert, meine Mutter Chinesisch. Als ich irgendwann auf Seite 60 meines ersten Manuskripts war, hab ich zu meinen Eltern gesagt „Ich schreib da ne Geschichte.“ Ich hab mich nicht getraut zu sagen, dass es ein Buch war. War es ja auch noch nicht. Als ich es dann fertig hatte, habe ich mich im Internet informiert, wie ein Buch veröffentlicht wird.

Booksection: Das Fantasy-Genre ist aber schon „Dein Genre“. Oder würdest Du gerne mal wechseln?
Jenny: Ich denke ehrlich gesagt nicht über das Genre nach. Ich habe auch schon keine Fantasy-Geschichten geschrieben. Ich habe meistens erst eine Idee und dann überlege ich mir, wie ich das am besten umsetzen kann. In was für eine Welt, in was für einen Kontext. Dann kommt erst das Genre.

Booksection: Wie kommt man auf diese tollen Namen, die Du in Deinen Büchern für Figuren verwendest?
Jenny: Ich denke mir total gerne Namen aus. Meistens habe ich zuerst die Figur, den Charakter, und dann kommt der Name. Es spielen nicht nur die Klänge eine Rolle, sondern auch das Aussehen auf dem Papier. Das finde ich in Büchern immer wichtig. Zum Beispiel bei Scapa (aus „Nijura“ – Anm. der Red.): Da wusste ich, es muss ein Name sein, der fast wie ein Mädchenname klingt. Ich wollte, dass da ein kleiner Kontrast ist. Das da was ist, das im ersten Moment irritiert. Und Scapa war es dann. Der Name hat auch etwas hartes, durch dieses C und gleichzeitig das weiche A, weil er ja ein wenig der Typ „Harte Schale, weicher Kern“ ist.

Booksection: Wie schaffst Du es glaubhaft Männerfiguren zu zeichnen. Ist das als Frau nicht schwierig, sich in Männer hineinzuversetzen?
Jenny: Ich vertrete generell die Annahme, dass es da gar nicht so große Unterschiede gibt. Während meiner Schulzeit hatte ich mit jemandem ein kontinuierliches Streitgespräch darüber, ob Frauen sich wirklich nicht orientieren können. Ich habe immer gesagt, dass das absolut nicht stimmt, aber das Schlimme ist, dass ich mich selbst wirklich gar nicht orientieren kann. Ich weiß kaum, wo draußen und drinnen ist.
Bei meinen Figuren ist es ganz oft so, das ich denke ‚Ja, das ist jetzt ein Junge, oder ein Mädchen.’ und dann verändere ich das Geschlecht doch noch, um Klischeerollen vorzubeugen. Dadurch ändert sich aber niemandes Charakter.

Booksection: „Nocturna – Die Nacht der gestohlenen Schatten“ ist Dein neues Buch, was im Herbst 2007 erscheint.
Jenny: „Nocturna“ ist was ganz Neues. Ich hoffe, es macht meinen Lesern Spaß, mal etwas anderes zu lesen. Wer „Nijura“ und „Das Drachentor“ wegen der Figuren und der Geschichte mochte, wird bestimmt auch das neue Buch mögen, weil es wieder mehr um die Figuren geht, als um die Welt, in der das Buch spielt.

Booksection: Wir dürfen uns also noch auf viele Bücher von Dir freuen?
Jenny: Ja, ich hab noch einige Geschichten in meinem Kopf, die hoffentlich den Weg aufs Papier finden werden.

Booksection: Du studierst ja „Film“ in New York. Es gibt also für Dich die Alternative zum Beruf der Autorin.
Jenny: Nicht die Alternative. Beides gleichzeitig! Ich möchte, wenn es klappt, Filme machen und Bücher schreiben. Es ist natürlich wahnsinnig schwer und macht braucht auch ganz viel Glück. Das ist mein Wunsch, an den ich mich gerade ranzutasten versuche.

Booksection: Dabei wünschen wir Dir viel Glück und bedanken uns für Deine Zeit.

Autorenlesung Sonya Kraus, "Baustelle Mann"

Am Sonntag, 13. Mai las Sonya Kraus aus ihrem Buch „Baustelle Mann - Der ultimative Love-Guide“. Mit dem Moderator, Urs Heinz Aerni, lieferte sie sich ein überaus witziges und pointiertes Wortduell, bei dem kein Auge trocken blieb. Auf seine Anmerkung, dass es in einem Land, in dem es viele Baustellen gäbe, doch eigentlich gut gehe, meinte Sonya Kraus, dass es durchaus auch unter den Männern Luxusliegenschaften gäbe. Etwas ernster merkte sie an, dass der Buchtitel aber auch nicht so ganz ernst gemeint sei, schließlich müssen wir Frauen uns auch selber an die Nase greifen, weil wir glauben, die Männer immer ändern zu müssen. Was aber denn nun der größte Schwachpunkt des männlichen Geschlechts sei, fragte Herr Aerni voller Interesse. Sehr diplomatisch meinte die Autorin, dass Kommunikation nicht unbedingt die Stärke des Mannes sei, wohingegen Frauen auch noch das kleinste Detail ausdiskutieren müssten. Sie selber habe immer das Gefühl, wenn eine ihrer Freundinnen eine neue Beziehung habe, dass sie selber die Parallelaffäre dazu führe, weil sie aber auch wirklich jedes Detail des neuen Freundes kenne. Herr Aerni fand, ein großes Problem der Männer sei es, dass sie im Gegensatz zu den Frauen kein Netzwerk haben, da ja selbst der früher übliche Stammtisch mittlerweile vom Aussterben bedroht sei. Sonya Kraus bestätigte das und betonte, wie wichtig die Solidarität der Frauen untereinander sei – „Gemeinsam sind wir unschlagbar!“ – meinte sie dazu.
Etwas ratlos fragte der Moderator, wo sich Männer und Frauen denn eigentlich noch begegnen. Verschmitzt erklärte ihm Sonya Kraus, dass Frauen grundsätzlich erst einmal auf die Männer herabschauen, um aber gleich anzumerken, dass die Welt doch wirklich langweilig wäre ohne die Männer. „Wie reagiert die Männerwelt denn auf ihr Buch?“ fragte Urs Aerni. Sie erzählte von der Vorabveröffentlichung, die eine große Boulevardzeitung zu der Überschrift „So macht Sex mehr Spaß!“ veranlasste. Jeder dachte nun Zitat: „Die Krause hat ein total verschweintes Fickbuch geschrieben.“ Natürlich kauften nun Massen von Männern „Baustelle Mann“, um enttäuscht festzustellen, dass es sich hier nicht um einen Sex-Ratgeber handelt. Sonya Kraus bezeichnet ihr Buch als eine augenzwinkernde Hommage an den Mann und gleichzeitig als Manifest gegen den Mann. (Eine Aussage, die ihrer Überzeugung nach nur die Frauen verstehen würden.) Herr Aerni wollte wissen, wo denn jetzt eigentlich die Rolle des Mannes sei, um hören zu müssen, dass die Männer tausende von Jahren das Sagen hatten, jetzt seien ja wohl mal die Frauen am Drücker. Die Autorin ist der Meinung, dass man einfach verstehen müsse, dass Männer nie erwachsen werden – so könne man sie als Frau besser verstehen. Ihr ist es wichtig, dass man durch ihr Buch über Männer, Frauen und Sex schmunzeln könne und schön fände sie es, wenn Männer mehr über sich und ihre Männlichkeit lachen könnten – etwas mehr Selbstironie wäre durchaus hilfreich. Alles in allem kann sie von sich sagen, dass sie – bis auf einige Ausnahmen – alles an Männern liebt. Sie würde sich wünschen, dass die Männer mehr die männliche Seite an den Frauen schätzen würden – eine Gabe, die ihrer Erfahrung nach immer mehr junge Männer haben.
Im Anschluss las Sonya Kraus eine witzige Passage aus ihrem Buch vor, bei der die Lachmuskeln des Publikums (übrigens auch des männlichen) arg strapaziert wurden. Eigentlich würde man sich wünschen, dass Frau Kraus einem ihr ganzes Buch bei einem gemütlichen Gläschen Prosecco vorlesen würde, so sympathisch und unkompliziert wirkte sie während der ganzen Dreiviertelstunde.

Gespräch mit Sonya Kraus, "Baustelle Mann"

Wir hatten die Möglichkeit, mit der äußerst erfolgreichen Moderatorin und dem hübschen Aushängeschild des Privatsenders PRO7 über ihr Buch „Baustelle Mann“ zu sprechen.
Auf die Frage, wie sie denn eigentlich darauf kam, ein Buch zu schreiben, kam die Antwort, wie aus der Pistole geschossen: "Ich? Ich gar nicht." Der Chef des Verlagshauses LÜBBE rief sie an, und erzählte ihr, er sei durch ihre Kolumnen, die sie für verschiedene Zeitungen schrieb, auf sie aufmerksam geworden, frei nach dem Motto "Jetzt schreib doch mal ein Buch!" Nach etlichen Überlegungen und Diskussionen mit Freundinnen bei dem obligatorischem Prosecco, freundete sich Sonya Kraus allmählich mit dem Gedanken an und wusste auch schon das Thema ihres Buches: Männer.
Sie schrieb, auf Nachfrage, an dem Buch ein halbes Jahr, fand die Zeit neben Moderatoren-Jobs im Fernsehen und musste feststellen, das sie doch einigen Spaß beim Verfassen des Buches empfand. Den perfekten Ort, an dem sie am besten schreiben konnte, hat sie im Übrigen auch gefunden: Im Bett ihrer Mutter. Sie bat jedoch darum, keine psychologischen Schlussfolgerungen zu ziehen.
Auf die Frage, in wie weit sich diese zwei Welten unterscheiden, die des Entertainments und die der Bücher, gab Sonya an, die Welt der Bücher sei ruhiger. Sie könne aus diesem Bereich mehr lernen, nicht ganz so ausgeflippt und zapplig zu sein. Vorurteile ihr gegenüber hätten andere Autoren bestimmt, sagte sie uns. Junge Autoren hätten dieses Schubladendenken jedoch nicht. Nur weil sie vielleicht gut aussieht, oder Miniröcke trägt, heißt das ja noch lange nicht, sie hätte nichts in der Birne.
Im Übrigen verstand es Sonya Kraus im Interview mit uns, als auch auf der Bühne bei ihrer Lesung, ihr Buch toll zu kommentieren und gleichzeitig sympathisch auf ihrer Zuhörer einzugehen. Durchweg auf dem Boden geblieben bedankte sich Sonya Kraus am Ende für das Interesse und hinterließ einen durchweg positiven Eindruck bei uns.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen