Special

BuchBasel 2006


Am Sonntag den 7. Mai 2006 hatten Steffi und Kathrin von Booksection.de die Gelegenheit, die Buchmesse "BuchBasel" zu besuchen. Die Anreise fand bereits am frühen Morgen statt, was sich als sehr gut erweisen sollte, da die Messehalle gegen Mittag bereits mehr als nur gut gefüllt war. So hatten die beiden jedoch am Morgen die Möglichkeit, sich das "Meer aus 1001 Buch" in aller Ruhe und ohne nerviges Gedrängel anzuschauen. Die Eindrücke, die unsere Redakteure sammelten, waren im wahrsten Sinne des Wortes überwältigend. Da weder Steffi, noch Kathrin jemals zuvor eine Buchmesse besucht hatten, waren beide von dem großen Angebot, das sich vor ihnen auftat, mehr als nur begeistert - So viele Bücher, so viele Verlage. Eigentlich unglaublich, wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Das ernorme Angebot, aber auch die vielen kleinen "Schmankerl", die die Buchmesse für ihre Besucher bereithielt, waren berauschend. Zahlreiche Autoren, lasen in sämtlichen Ecken der Messehalle aus ihren Bücher und stellten sich anschließend auch meist den Fragen ihrer Leser. Außerdem konnte man an dem einen oder anderen Messestand signierte Exemplare erwerben.

Nachdem die ersten Eindrücke mehr oder weniger verarbeitet waren, ging es an die Erkundung des umfangreichen Programms der Buchmesse. Nach kurzer Überlegung, entschied sich Kathrin dazu, einen Blick in das Jugendliteraturforum zu werfen. Um 11 Uhr stand dort die Jugendbuchautorin Kristina Dunker bereit, aus drei ihrer Werke vorzulesen. Die Moderatorin der Lesung gab dem Publikum, das überraschenderweise aus mehr Erwachsenen als Jugendlichen bestand, einen kurzen Einblick in die Arbeiten von Kristina Dunker. Es stellte sich heraus, dass sich die Autorin in ihren Büchern hauptsächlich mit den Problemen, von Jugendlichen in der heutigen Gesellschaft auseinandersetzt. So handelt ihr Werk "Sommergewitter" zum Beispiel von Spannern, die jungen Mädchen am See auflauern und das Buch "Ein bisschen schwanger" erzählt die Geschichte eines Mädchens, dass in jungen Jahren ungewollt schwanger wird. Obwohl Kristiane Dunker immer über sehr ernste Themen schreibt, ist es der Autorin doch wichtig, dass die ganze Geschichte nicht zu tragisch erscheint. "Ich versuche immer zwischen Lachen und Weinen zu schreiben", erzählt sie dem interessierten Publikum.
Einem aufmerksamen Besucher fiel auf, dass ein Buch der Autorin, nach fünf Jahren plötzlich umbenannt wurde. Frau Dunker berichtete, dass sie mit der Änderung des Titels auch nicht wirklich glücklich sei, Autoren den Wünschen des Verlags jedoch meist machtlos gegenüberstehen. "Das ist, wie wenn man fünf Jahre ein Kind hat, das plötzlich umbenannt wird", erzählt Kristina Dunker ein wenig traurig.
Der strenge Zeitplan verhinderte leider, dass die Zuhörer noch weitere Fragen an die Autorin stellen konnten. Trotz allem, blieb ein guter Eindruck von der vergangenen Stunde zurück, war es doch sehr interessant zu hören, wie eine Autorin ihr eigenes Werk beim Vorlesen interpretiert.

Zeitgleich besuchte Steffi eine Lesung im Sachbuchforum. Der Naturarzt Johann Schmid stellte sein Buch vor, das sich auf jahrelange Erfahrungen in seiner Praxis gründet. Schon sein Einstieg in die Thematik war sehr humorvoll, er warnte die Zuhörer, dass er wohl einige Appenzellerwitze zum Besten geben müsse, da heute ja schließlich Weltlachtag und Lachen doch so gesund sei. In schönster Schweizer Mundart präsentierte Schmid seine Thesen und untermauerte sie immer wieder mit praktischen Beispielen aus seiner eigenen Praxis, die eins ums andere Mal zum Schmunzeln anregten. Sein Buch basiert auf den Grundlagen der ganzheitlichen biologischen Medizin und eindringlich schilderte Schmid, was mit dem Körper durch falsche Ernährung, Bewegungsmangel und Stress geschieht. Er belegte dies mit Blutbildern, die mittels "Dunkelfeld"-Mikroskop entstanden sind. In bester Entertainermanier plädierte der Autor für die ursächliche Therapie und sprach sich gegen die Trennung von Körper und Seele aus, wie sie speziell von Fachärzten praktiziert wird.
Egal, ob man nun mit seinen Behauptungen übereinstimmt, die Operationen seien viel zu lukrativ für die Schulmedizin, als dass man versuchen würde, diese zu vermeiden, oder die Ursache vieler chronischer Erkrankungen seien schulmedizinische Therapien - jeder Zuhörer wird wahrscheinlich mit dem Vorsatz weggehen, in Zukunft doch wieder etwas gesünder zu leben. Unterhaltsam war diese Lesung allemal - allein schon wegen der versprochenen Witze.

Nachdem die erste Etappe geschafft war, stürzten sich Steffi und Kathrin sofort auf die nächsten Programmpunkte. Steffi entschied sich dieses Mal für eine Gesprächsrunde im Autorenforum. Hier, ihr ganz persönlicher Erfahrungsbericht:

Micheal Baigent, Mitautor der Bestseller "Der heilige Gral und seine Erben" und "Verschlusssache Jesus" stellt sein neues Buch "Die Gottes Macher" vor , in dem er behauptet, Jesus von Nazareth sein nicht Gottes Sohn gewesen, er sei nicht am Kreuz gestorben, sei mit Maria Magdalena verheiratet gewesen und habe mit ihr eine dynastische Linie gegründet, die bis in die Gegenwart reiche. Zusammen mit seinem Lektor erscheint Baigent auf der Bühne des "Autorenforum" der Buchmesse - übrigens sein einziger Termin im deutschsprachigen Raum - und sofort spürt man die unglaubliche Präsenz dieses Mannes.
Baigent´s Lektor stellt dem Autor gezielte Fragen und übersetzt die Antworten für das Publikum. Ich ertappe mich allerdings immer wieder dabei, wie ich nur der Stimme dieses interessanten Mannes lausche, der ganz gelassen und entspannt in seinem Sessel sitzt und von einer Sache spricht, von der er augenscheinlich restlos überzeugt ist. Baigent sagt selber, dass dies sein persönlichstes Buch ist und das nimmt man ihm sofort ab. Alles was er dem Publikum berichtet, wirkt völlig authentisch und gut recherchiert, so als wäre es in vielen Jahren gereift.

Es ist spürbar, dass man es hier mit jemandem zu tun hat, der weiß, wovon er spricht - Michael Baigent belegte nach seinem Psychologiestudium Kurse in Mystik und beschäftigte sich mit der Erforschung von Religionserfahrungen und der Geschichte des Templerordens. Immer wieder spricht sich Baigent gegen die archaische Haltung der römischen Amtskirche in der Frauenfrage aus und wundert sich, dass die Kirche immer noch von Männern dominiert wird. In Bezug auf die Behauptung, Jesus sei nie verheiratet gewesen, fragt er einmal fast schon ketzerisch, was wahrscheinlicher sei: dass ein Mann heiraten wird oder dass er über Wasser gehen kann.
Von der ersten bis zur letzen Minute spüre ich, dass Michael Baigent eine Botschaft hat, die ihm sehr wichtig ist, die er unbedingt an seine Leser weitergeben möchte. Ihm ist es gelungen, mich auf diese Botschaft neugierig zu machen - ich kaufe mir sein Buch und lasse es mir mit Herzklopfen von ihm signieren. Seine Botschaft an mich lautet: "Keep asking questions!"

Zur gleichen Zeit trafen sich zahlreiche Besucher der Buchmesse im Literaturforum, wo Tanja Dückers ihr neustes Buch "Der längste Tag des Jahres" vorstellte. Da im Programmheft bereits angekündigt war, dass die Autorin für dieses Werk einige Male ausgezeichnet wurde, waren die Besucher sehr gespannt auf das, was in den nächsten 60 Minuten auf sie zu kommen würde.
Nach einer kurzen Vorstellung des überraschend umfangreichen Schaffens der Schriftstellerin - Neben Prosa und Lyrik schreibt Tanja Dückers auch Essays, Hörspiele und Theaterstücke - las die deutsche Autorin ein Kapitel aus ihrem aktuellen Buch vor. "Der längste Tag des Jahres" befasst sich mit sehr vielen Themenbereichen. Zum einen geht es darum, wie jüngere Menschen auf den Verlust eines Elternteils reagieren, zum anderen kann dieses Buch aber auch als Generationenporträt bezeichnen werden, da in diesem Roman gleich drei Generationen aufeinander treffen. Für Tanja Dückers steht aber auch die - wie sie es nennt - "Weltflucht" im Mittelpunkt. "Alle Menschen suchen nach Freiheit und einer heilen Welt. Gerade nach dem 2. Weltkrieg, ist dies sehr zentral geworden", meint die Autorin. Diesen Themenbereich hat sie vor allem durch viele Wüstenmerkmale in ihr Buch integriert. So sind unter anderem zahlreiche Wüstentiere und Terrarien Symbole für die "Weltflucht".
Auf die Frage aus dem Publikum, wie lange sie für das Schreiben eines Buches brauche, antwortete Tanja Dückers, dass sie diese Frage nicht ganz eindeutig beantworten könne. Am Anfang habe sie lediglich irgendeine Idee, die mit der Zeit immer deutlichere Formen annimmt. Bis diese Idee jedoch voll ausgereift und alles umfangreich recherchiert ist, könne es schon ein paar Jahre dauern. Allerdings betont die Autorin auch, dass sie meistens an mehreren Dingen gleichzeitig arbeitet. Wenn sie allerdings alle Informationen zusammen hat und mit dem Schreiben beginnen kann, dann konzentriere sie sich wochenlang nur auf dieses eine Projekt. Die komplette Entstehung von "Der längste Tag des Jahres" dauerte - von der Idee hin bis zum Druck - ganze fünf Jahre, berichtete Frau Dückers.

Die Buchmesse in Basel ist eine wirklich rundum gelungene Sache, die das Herz eines jeden Lesebegeisterten höher Schlagen lässt. Die Eindrücke, die man durch das Meer an Büchern bekommt, ist nicht in Worte zu fassen und allein die Möglichkeit einen Autor einmal direkt vor der "Linse" zu haben, ist die Reise bereits wert. Kurzfazit: Hinfahren lohnt sich! Die nächste Buchmesse in Basel findet vom 11. bis 13. Mai 2007 statt.


Stefanie Rufle & Kathrin Lang
Booksection.de

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