Interview mit...

...Bettina Belitz


zur Kritik von "Scherbenmond"

"Süße, schmachtende Liebesromane liegen mir nicht."

Mit Booksection im Gespräch: Jugendbuchautorin Bettina Belitz.

Booksection.de: Ein Jahr ist es nun her, dass „Splitterherz“ veröffentlicht wurde. Als Leserin weiß ich, wie ungeduldig man auf die Veröffentlichung des zweiten Teils rundum Ellie und Colin gewartet hat. Aber wie war die lange Wartezeit für sie als Autorin?
Bettina Belitz: Ich hatte in dieser Wartezeit sehr viel zu tun - nicht nur mit dem Schreiben und dem Lektorat von Scherbenmond, sondern auch mit anderen Manuskripten, Lesungen und Messebesuchen. Insofern hatte ich kaum Zeit, ungeduldig zu werden. Doch wenige Wochen vor dem Erscheinungstermin hat die Nervosität mich wider Erwarten in ihre Fänge genommen und leider hatte sie auch jede Menge Selbstzweifel im Gepäck, denn der Erwartungsdruck war ungleich höher als bei "Splitterherz", wo ich noch nichts zu verlieren hatte.

Booksection.de: „Splitterherz“ war sehr erfolgreich und die Erwartungen an den zweiten Teil „Scherbenmond“ entsprechend hoch. Wie geht man mit dem Druck um, wenn man sich gerade noch in der Schreibphase eines heißersehnten Buches befindet?
Bettina Belitz: Indem man ihn so gut es geht ausblendet. Anders funktioniert es nicht. Ich habe inzwischen meine Methoden, mit dem Druck umzugehen und weiß, dass ich mir und meinen Ideen treu bleiben muss und nicht auf einzelne Wünsche der Leser eingehen kann. Einige Fans baten mich zum Beispiel, Colin und Ellie doch so schnell wie möglich glücklich und zufrieden werden zu lassen, doch wäre das tatsächlich logisch und was gäbe es dann noch zu erzählen? Das wäre nicht mehr Ellies Geschichte, würde an Glaubwürdigkeit vermissen lassen und die Leser sicherlich enttäuschen. Süße, schmachtende Liebesromane liegen mir nicht und ich möchte auch keine Märchen erzählen. Mir geht es in erster Linie um menschliche Emotionen und da sollte ich realistisch bleiben.

Booksection.de: Ist ihnen „Scherbenmond“ schwerer gefallen als „Splitterherz“?
Bettina Belitz: Nein, überhaupt nicht. Allerdings gibt es ein paar Szenen im Buch, vor denen ich mich beim Schreiben regelrecht gefürchtet habe und mich, als es so weit war, mit Bauchschmerzen an den Computer gesetzt habe - nicht, weil ich etwa eine Blockade hatte, sondern weil sie mir extrem unter die Haut gingen.

Booksection.de: Mir fiel der Abschied vom schönen Kaulenfeld im Westerwald schwer. Wie war es für Sie, mit Ellie ihre Heimat zu verlassen, um zusammen mit ihr nach Hamburg und an die Nordsee zu reisen?
Bettina Belitz: Kaulenfeld mag im Sommer schön und romantisch sein, aber im Winter ist es das nicht immer (ich weiß, wovon ich rede, ich lebe im Westerwald ... die Winter sind lange und hart) und ich wollte vor allem nicht alle drei Bände in diesem kleinen Dorf spielen lassen. Irgendwann würde sich das erschöpfen und es ist auch kein Ort, an dem sich eine junge Heldin so entwickeln kann, wie es eine Trilogie verlangt. Ich habe den Aufbruch nach Hamburg und an die See sehr genossen - auf zu neuen Ufern! Es war für mich von Anfang an klar, dass es im zweiten Band an einen anderen Schauplatz, nämlich an die See, geht.

Booksection.de: Ellie ist in „Scherbenmond“ merklich reifer geworden. Hatten Sie diese Entwicklung von Anfang an im Sinn oder hat sich das erst während dem Schreiben ergeben?
Bettina Belitz: Das war von Beginn an geplant - es wäre ja schlimm, wenn sie sich nicht entwickeln würde angesichts der Ereignisse, denen sie sich stellen musste. Sie hat einiges durchgemacht und dadurch an Reife gewonnen. Ich warne allerdings davor, sie als eine "fertige" Person zu betrachten. Ellie ist fehlbar und überschätzt so manches Mal ihre Kräfte.

Booksection.de: Sie sind viel im Internet aktiv und suchen dort die Nähe zu den Fans. Wirken sich die Ideen und Anregungen, die Ihre Leser haben, manchmal auch auf den Schreibprozess aus? Ist das eine zusätzliche Inspirationsquelle?
Bettina Belitz: Ich habe es ja eben schon erwähnt - ich lasse mich nicht von konkreten Wünschen oder Anregungen beeinflussen, da ich von Beginn an die komplette Geschichte (also alle drei Bände) im Kopf hatte und sie so ehrlich wie möglich erzählen möchte. Außerdem muss ich meine Ideen schon selbst entwickeln, das ist schließlich mein Job. Nichtsdestotrotz bedeutet mir der Austausch mit den Lesern immens viel, denn natürlich inspiriert er mich insofern, dass er mir Energie und Kraft gibt in dem doch oft etwas einsamen Dasein des Schriftstellers. Bei allen Themen rund ums Buch spinnen wir auch liebend gerne gemeinsam Ideen - zum Beispiel, welcher Schauspieler gut Colin mimen könnte. Im Moment ist Ben Barnes der Favorit. Fasziniert bin ich auch von den Fantrailern auf YouTube, Gänsehaut pur! Es ist also kein Zufall, dass unter anderem meine Facebook-Fans in der Danksagung erwähnt werden.

Booksection.de: Immer mehr erfolgreiche Bücher, gerade im Fantasy- und Jugendbereich, werden häufig auch verfilmt. Könnten Sie sich vorstellen Ellie und Colin eines Tages im Kino, auf der großen Leinwand zu begegnen?
Bettina Belitz: Ja, natürlich, das kann ich mir sogar sehr gut vorstellen und hoffe, dass es eines Tages auch geschieht.

Booksection.de: „Scherbenmond“ ist bereits deutlich düsterer als noch „Splitterherz“ - das verrät bereits das Cover. Dürfen wir bei Teil drei einen noch dunkleren Bucheinband erwarten?
Bettina Belitz: Da bin ich überfragt. Bisher gibt es keine Cover-Entwürfe für den dritten Band. Aber ich finde nicht, dass es innerhalb der Geschichte farblich düsterer wird, denn wir steuern wieder auf den Sommer zu und es geht in den Süden - was allerdings nicht bedeutet, dass der dritte Band harmlos wird. Das wird er ganz und gar nicht. Und trotzdem wird er in manchen Passagen möglicherweise mit ungeahnter Leichtigkeit überraschen ...

Booksection.de: Wird die Geschichte rundum Ellie und Colin nach dem dritten Teil tatsächlich enden oder haben Sie heimlich schon Ideen für weitere Bände?
Bettina Belitz: Die Geschichte ist nach dem dritten Teil erzählt und danach wird es auch keine weiteren Bände geben. Außerdem freue ich mich auf neue Projekte und möchte nicht Zeit meines Lebens auf Colin, Ellie und die Nachtmahre festgenagelt werden - so sehr mich der Abschied von ihnen auch schmerzen wird.



Das Interview wurde durch Kathrin Lang geführt. Veröffentlicht und freigegeben von der Autorin am 21.01.2011

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