Interview mit...

...Bettina Belitz


zur Kritik von "Splitterherz"

"Mit Vampiren hätte meine Geschichte nicht funktioniert."

Mit Booksection im Gespräch: Jugendbuchautorin Bettina Belitz.

Booksection: „Splitterherz“ ist ihr Debütroman. Wie erging es Ihnen beim Schreiben dieser nicht geraden einfachgestrickten Geschichte?
Bettina Belitz: Die Freude darüber, offiziell ein solch umfangreiches Buch schreiben und dabei auch gleich eine "neue" Spezies (der Aberglaube daran ist ja uralt ...) erfinden zu dürfen, stand im Vordergrund. Es war eine aufregende und intensive, aber auch eine sehr anstrengende Zeit, da mein Söhnchen erst wenige Wochen alt war, als ich mit dem Schreiben begann, und wie Ellie unter Dauermüdigkeit und Schlafstörungen litt. Der Grund dafür war in meinem Fall jedoch deutlich harmloser ...

Booksection: Im Januar erscheinen nun gleich vier Bücher von Ihnen auf dem Markt. Wird damit ein lang ersehnter Traum wahr?
Bettina Belitz: Ja, auf jeden Fall. Ich habe schon in frühen Jugendjahren mit dem Schreiben begonnen und hegte immer den heimlichen Traum, dass wenigstens eine meiner Ideen irgendwann mal einen Verlag findet. Dass nun gleich vier Bücher auf einen Streich erscheinen, ist für mich nach wie vor kaum fassbar und fühlt sich noch sehr abstrakt an.

Booksection: Im Grunde ist „Splitterherz“ nicht nur ein Jugendbuch, sondern dürfte auch einige Fans unter den Erwachsenen Leser(innen) finden. Haben sie die Geschichte für beide Zielgruppen angelegt? Oder sollte „Splitterherz“ ein reines Jugendbuch werden?
Bettina Belitz: Script 5 ist ja ein Verlag für junge Erwachsene ab zirka 13 Jahren - aber ich glaube, beim Lesen zählt vor allem das gefühlte Alter. Es gibt Menschen, die wollen sich partout nicht an ihre Jugend erinnern und nichts mehr mit dem zu schaffen haben, was damals passiert ist. Für sie ist "Splitterherz" womöglich weniger geeignet. Wer aber nicht vergessen hat, woher er kommt und noch gut weiß, wie ungestüm man sich in diesen jungen Jahren verlieben kann, sollte es wagen, einen Blick ins Buch zu werfen. Ich habe inzwischen viele Rückmeldungen von Erwachsenen bekommen, die es begeistert verschlungen haben.

Booksection: Sie leben selbst, ähnlich wie Ihre Protagonistin Ellie, in einem kleinen 400-Seelen-Dorf. Wie viel von ihrer tatsächlichen Umgebung haben sie in die Geschichte mit einfließen lassen?
Bettina Belitz: Oh, da gibt es schon einiges, obwohl ich beim Schreiben natürlich das Mittel der Verfremdung eingesetzt habe. Die Orte Rieddorf und Kaulenfeld gibt es nicht im Westerwald, wohl aber einige Stellen, die im Buch eine Rolle spielen. Manche liegen jedoch sehr versteckt. Vielleicht biete ich mal eine geführte Lesung an, bei denen ich die Teilnehmer zu diesen Stellen führe - das Buch eignet sich gut dazu.

Booksection: Es gibt einen Punkt in der Geschichte, an dem man glaubt, dass sich „Splitterherz“ zu einem Vampirroman entwickelt. Dann geht es aber doch in eine andere Richtung. Haben sie bewusst mit dieser Erwartungshaltung des Lesers gespielt?
Bettina Belitz: Ich gebe es zu: ein kleines bisschen. Aber wirklich nur ein kleines bisschen, denn ich bin selbst ein großer Vampirfan vor dem Herrn. Allerdings bevorzuge ich es klassisch. Ich finde, dass in Bram Stokers Dracula fast alles gesagt ist, und die Coppola-Verfilmung empfinde ich nach wie vor als sehr modern - ich liebe sie und kann sie mitsprechen. Gary Oldman mimt Dracula einfach fantastisch! Vor allem ist er kein Schönling. Das finde ich sehr angenehm. Den niedlichen Vampiren habe ich mich als Kind gewidmet - und zwar mit der Fernsehserie "Der kleine Vampir". Meine beste Freundin und ich waren beide ein wenig in Rüdiger verschossen.

Booksection: Ist ihr „Splitterherz“ eine bewusste Abwendung von der derzeitigen Vampirromanwelle?
Bettina Belitz: Mit Vampiren hätte meine Geschichte nicht funktioniert. Dennoch hatte ich beim Schreiben nicht das Ziel, mich von einem Trend abzuwenden, sondern einen möglichst realistischen Fantasyroman zu schreiben. Darin bestand für mich ein großer Reiz. Leider stehen momentan fast alle Fantasyautoren - ob sie nun Vampire auftauchen lassen oder nicht - im Schatten von Twilight. Aber davon muss man sich befreien, sonst wird man beim Schreiben verrückt. Wenn man auf Teufel komm raus den Vorwurf, man wolle auf der Welle mitschwimmen, vermeiden möchte, dürfte man nie wieder zulassen, dass ein Menschenmädchen sich in ein Anderswesen verliebt. Das wäre doch schade, denn es gibt tausend Spielarten, einen solchen Plot zu erzählen. Und eine bewusste Abwendung kann auch in die Hose gehen, denn darin liegt die Gefahr, dass man sich verkrampft.

Booksection: Dieser ersten Geschichte sollen nun zwei weitere Bände folgen. War „Splitterherz“ von Anfang an als Trilogie angelegt?
Bettina Belitz: Ich habe schon beim Schreiben des ersten Bandes sehr rasch gemerkt, dass es genug Stoff für zwei weitere Bände geben wird, und als dann der Verlag sagte, er wünsche sich eine Trilogie, war ich natürlich sehr glücklich darüber. Ich habe "Splitterherz" dennoch so geschrieben, dass es in sich abgeschlossen ist und für sich stehen kann - sieht man mal von dem ein oder anderen Cliffhanger ab ...

Booksection: Können Sie uns schon etwas über den zweiten Teil verraten?
Bettina Belitz: Ellie wird es auf jeden Fall nicht leicht haben. Und wir werden es endlich mit ihrem Bruder Paul in natura zu tun bekommen. Und: Ellie und Colin werden sich wiedersehen. Doch wie man schon ahnen kann: Auf roten Rosen wird ihre Liebe nicht gebettet sein. Mehr möchte ich noch nicht verraten ...

Booksection: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben.



Das Interview wurde durch Kathrin Lang geführt. Veröffentlicht und freigegeben von der Autorin am 01.02.2010

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen