Ab September im Handel:
Still von Zoran Drvenkar

 

Aktuelle Autoren

 
Eshkol Nevo
 
Sharon Bolton
 
Zoran Drvenkar
 
John Green

Interview mit...

...Bernhard Hennen


...zur Buchkritik von "Drachenelfen"

"Mir ist sehr daran gelegen, unvollkommene Figuren zu erschaffen. Figuren, bei denen ungewiss ist, ob sie die Konflikte, in die sie verwickelt werden überstehen oder aber daran zerbrechen."

Keiner schreibt in Deutschland momentan so erfolgreich Elfen-Roman wie Bernhard Hennen. Seine Bücher sind Bestseller. Mit „Drachenelfen“ eröffnet er ein neues Elfen-Epos und reist dafür zu den Anfängen seiner Welt zurück. Mit Booksection.de sprach er über das Eigenleben von Figuren, die Angst sich zu wiederholen und Inspirationsquellen.

Booksection.de: Mit „Drachenelfen“ beginnen Sie ein neues Elfen-Epos. Nach so vielen Elfen-Büchern aus Ihrer Feder – was reizt Sie nach wie vor an diesem Volk?
Bernhard Hennen: In „Drachenelfen“ mache ich einen weiten Schritt zurück in die Vergangenheit. In den bisher erschienenen Romanen waren die Elfen die Herrscher Albenmarks. In der Epoche, über die ich nun schreibe, gibt es eine andere Weltordnung. Die Elfen sind nur eines von vielen Völkern unter der Herrschaft der Himmelsschlangen. Das Setting ist so grundverschieden, als würde ich nach historischen Romanen über das Hochmittelalter und die Renaissance einen Sprung zurück in die späte Bronzezeit machen. Es geht diesmal also um einen völlig neuen Blick auf die Elfen. Sie sind weit weniger vollkommen als in den bisher erschienenen Romanen. Gerade beginnen sie – unter Anleitung der Himmelsschlangen – die Kunst des Zauberwebens zu beherrschen. Doch dafür bezahlen sie einen hohen Preis.

Booksection.de: Haben Sie keine Angst sich zu wiederholen?
Bernhard Hennen: Selbst das Genre zu wechseln, wäre kein Schutz davor, sich möglicherweise zu wiederholen. Ich versuche selbiges zu vermeiden, indem ich mir für jeden Elfenzyklus einige Hauptthemen aussuche, die das Setting der Geschichten so variieren, dass die Gefahr, sich zu wiederholen, gering bleibt. Für die Drachenelfen benutze ich als politisches Hintergrundkonstrukt die Ausgangslage des kalten Krieges. Der historische Hintergrund für die Welt der Menschen ist die Übergangszeit zwischen später Bronzezeit und früher Eisenzeit. Auf einer dritten Ebene geht es um die ökologischen Konsequenzen von Überbevölkerung und Krieg.

Booksection.de: „Drachenelfen“ besticht mit einer Fülle von Details und spannenden Figuren, die der Handlung Substanz geben. Wie behalten Sie dabei den Überblick?
Bernhard Hennen: Durch ein sehr umfassendes Glossar, das ich immer weiter fortschreibe und durch eine Reihe kritischer Testleser, die meine Romane kennen und nach Widersprüchen suchen.

Booksection.de: Liegt eine der Figuren Ihnen besonders am Herzen?
Bernhard Hennen: Das variiert je nach Tagesstimmung. Sehr häufig ist Ollowain mein Favorit, der in den Drachenelfen in seiner früheren Inkarnation als Gonvalon eine bedeutende Rolle hat. Sehr gefallen hat mir aber auch Volodi, da für ihn so wenige Regeln gelten und Nandalee, die Rebellin, und Artax… Ich glaube, ich mag sie fast alle, auf ihre Art.

Booksection.de: Sei es nun Gonvalon oder Nandalee – Ihre Hauptfiguren sind keine einfachen Charaktere. Welche Charaktereigenschaften interessieren Sie am meisten?
Bernhard Hennen: Mir ist sehr daran gelegen, unvollkommene Figuren zu erschaffen. Figuren, bei denen ungewiss ist, ob sie die Konflikte, in die sie verwickelt werden, überstehen oder aber daran zerbrechen. Dass auch sympathische Figuren, die auf moralischer Ebene alles richtig machen, scheitern können, ist bei mir stets eine Option. Das erhöht die Spannung beim Lesen und sorgt dafür, dass die Geschichten sich glaubwürdig „anfühlen“, auch wenn es „nur“ Fantasy-Romane sind.

Booksection.de: Entwickeln Sie Ihre Figuren zunächst losgelöst von der Geschichte oder entwickelt die Geschichte Ihre Figuren? Gibt es einen festen Plan?
Bernhard Hennen: Es gibt zwar einen Plan, allerdings kommt es hin und wieder vor, dass Figuren aus den Rollen, die ich ihnen ursprünglich zugedacht habe, ausbrechen. Das geht zwar nie so weit, dass sich daraufhin das geplante Ende eines Romans auflöst, allerdings kann es schon sein, dass neue Wege zum Ende führen. So hat sich Volodi zum Beispiel in den Drachenelfen eine größere Rolle erobert, als ihm ursprünglich zugedacht war.

Booksection.de: An „Drachenelfen“ besonders gefallen hat mir die Facettenvielfalt, mit der Sie Ihre drei Welten beschreiben und zeichnen. Woher nehmen Sie Ihre Kreativität? Lassen Sie sich auch von den Geschichten anderen Fantasyautoren inspirieren?
Bernhard Hennen: Meine Hauptinspirationsquellen sind die irdische Geschichte und die unzähligen Mythengestalten unserer Welt. Ich recherchiere gerne – eine Neigung, die mir aus meiner Zeit als Journalist erhalten geblieben ist – und kann in der Lektüre von Beschreibungen antiker Städte und längst versunkener Hochkulturen - die Welt um mich herum vergessen. In variierter Form sind dies dann die Orte, an die ich meine Leser entführe.

Booksection.de: Eine der Hauptfiguren - der Mensch Artax – heißt wie das Pferd von Atreju aus Michel Endes „Die unendliche Geschichte“. Bloß ein Zufall?
Bernhard Hennen: Artax ist hergeleitet von Artaxes oder Artashes, beides Namen aus dem alten Armenien und somit grob dem Kulturraum, dem der Artax meines Romans entstammt. Die „Unendliche Geschichte“ habe ich zwar vor langer Zeit gelesen, aber wenn ich mich noch an den Pferdenamen erinnert hätte, dann hätte Artax einen anderen Namen bekommen.

Booksection.de: „Drachenelfen“ endet an einem entscheidenden Punkt der Geschichte. Wann werden wir erfahren, wie es weitergeht?
Bernhard Hennen: Ende 2012 wird der nächste Band des „Drachenelfen-Zyklus“ erscheinen und so viel sei schon jetzt verraten: Er beginnt sehr dramatisch für die Zwerge, die mit den Konsequenzen ihrer letzten Drachenjagd konfrontiert werden, und für die Kriegerprinzessin Shaya, die in die Wandernde Stadt befohlen wird.
Booksection.de: Herr Hennen, vielen Dank für das Interview


Das Interview durch Melanie Frommholz geführt. Veröffentlicht und freigegeben vom Autor am 30.10.2011