Interview mit...

...Barry Hutchison


"Caddies Spiel" kam im September

"Wenn man Horror mag, wird man gerne geängstigt, egal wie alt man ist."

Mit Booksection im Gespräch: "Invisible Friends"-Autor Barry Hutchison über "Invisible Fiends - Mr Mumbles kehrt zurück" und "Invisible Fiends - Caddies Spiel".

Booksection.de: Mit Ihren “Invisible Friends” erschufen Sie bisher zwei tolle Bücher mit richtig gruseliger Atmosphäre. Wie schreiben Sie ihre Bücher? In welcher Umgebung?
Barry Hutchison: Es gab eine Zeit, in der ich absolute Ruhe zum Schreiben brauchte, sodass ich fast im Dunkeln spät nachts arbeitete und mich dabei zu Tode fürchtete. Jetzt ist es so, dass ich ein 14 Monate altes Baby habe, das sich weigert zu schlafen und ich in der Situation bin, dass ich schreiben muss, wann immer es geht. So schreibe ich beispielsweise, während ich mein Kind auf den Knien schaukle und es mich in die Augen piekst. Somit bin ich viel flexibler darin, wann und wie ich schreibe. Jetzt bin ich in der Lage, in Zügen, in Bussen oder auf der Parkbank sitzend zu schreiben – wo immer ich auch fünf Minuten abzwacken kann, um ein paar Worte zu Papier zu bringen.

Booksection.de: Die Idee zu Ihren Büchern ist großartig! Hatten Sie auch unsichtbare Freunde?
Barry Hutchison: Nein, ich selbst hatte keine unsichtbaren Freunde, meine Schwester aber. In der Tat basiert die Figur der Caddie, dem Bösewicht aus Buch zwei, auf der unsichtbaren Freundin, die meine Schwester in ihrer Kindheit hatte. Die war wohl nicht ganz so böse, denke ich, und sie hatte auch keine Killerpuppe als Helfer, aber trotzdem kommt die Idee für Caddie dort her. Wenn man es so sieht, hatte ich vielleicht doch unsichtbare Freunde, aber ich habe das total vergessen – uhaah!

Booksection.de: Mr Mumbles ist sehr gruselig und Carry spielt widerliche Spielchen Was war zu erst da: Die Figuren oder die Dinge, die sie tun?
Barry Hutchison: Die Charaktere an und für sich waren zuerst präsent. Alle Bösewichte basieren irgendwie auf Dingen, die mir als Kind Angst gemacht haben. Als ich sechs oder sieben Jahre alt war, fiel ich hin und schlug mir den Kopf auf und die Wunde musste genäht werden. Ich kann mich noch gut an dieses Horrorgefühl erinnern, wie ich mich selbst mit Stichen auf dem Kopf sah und dieses Gefühl habe ich in Mr. Mumbles verwandelt – einen nicht aufzuhaltenden Verrückten mit einer Naht über seinen Mund. Genauso haben mich immer diese Puppen mit Porzellangesichtern geängstigt und ich wusste, dass Caddie einfach eine solche Puppe als Handlanger haben musste, deshalb erfand ich Raggy Maggie.
Ich hatte auch Angst vor Vögeln, darüber findet Ihr etwas in dem dritten Buch der Serie heraus.

Booksection.de: Kyle ist richtig cool und die ganze Geschichte eigentlich für einen Film gemacht. Können Sie sich vorstellen, wie Ihre Geschichten auf der großen Leinwand aussehen könnten?
Barry Hutchison: Als ich die Bücher geschrieben habe, hatte ich immer den Gedanken im Hinterkopf, dass sie großartige Filme wären. Aber jetzt bin ich mir nicht mehr sicher, denn ich finde, dass die Bücher zu Angst einflößend sind, um sie in Kinderfilme umzusetzen. Ich denke, wenn sie so beängstigend bleiben, müssten sie auf ein älteres Publikum abzielen als die Bücher selbst. Ich hoffe, dass das eines Tages passiert – ich würde zu gerne Mr. Mumble auf der großen Leinwand sehen, wie er durch Kyles Fenster kracht. Vielleicht sogar in 3D! Das wäre toll!

Booksection.de: Wieviele Bücher kommen noch nach diesem zweiten Band?
Barry Hutchison: Die Reihe beinhaltet sechs Bücher, also kommen noch vier. Jedes ist schlimmer als das davor, also wenn Sie schon Angst hatten bei den ersten beiden, bereiten Sie sich auf schlimme Alpträume vor …..

Booksection.de: Was glauben Sie ist die Zielgruppe Ihrer Bücher? Meinen Sie nicht, dass Ihre Bücher für ein junges Publikum zu Angst einflössend sind?
Barry Hutchison: Ich denke, was für den einen Leser furchteinflößend ist, ist das nicht unbedingt für den nächsten. Es gab Kinder mit 8 oder 9, die mir sagten, dass sie die Bücher überhaupt nicht beängstigend fanden und ich habe Erwachsene getroffen, die mir sagten, dass sie diese Bücher so schrecklich fanden, dass sie sie nicht nachts lesen konnten und auf die Morgenstunden warten mussten, um das Buch zu beenden. Bücher finden immer ihre eigenen Leser – wenn man Horrorgeschichten nicht mag, wird man sich nicht von den Coverbildern meiner Bücher angezogen finden. Wenn man aber Horrorgeschichten mag, liest man das Buch, weil man sich fürchten möchte. Was bringt es, Geld für ein solches Buch auszugeben, wenn es einem keine Angst macht? Wenn eine Komödie einen nicht zum Lachen bringt, ist man ja auch enttäuscht. Dasselbe gilt wie ich finde für Horror. Wenn man Horror mag, wird man gerne geängstigt, egal wie alt man ist.
Und eigentlich, verglichen mit vielen Dingen im Fernsehen und Kino, sind Bücher ziemlich harmlos. In keinem der Bücher gibt es viel Blutiges – stattdessen habe ich versucht, sie gruselig und beunruhigend zu gestalten, immer das Gefühl vermittelnd, dass die Gefahr direkt hinter der nächsten Ecke lauert. Ich glaube, die Vorstellung davon, dass gleich etwas Schreckliches passiert, ist viel beängstigender als der Moment, in dem das Schreckliche tatsächlich passiert. Das ist das Gefühl, das meine Bücher in sich haben - finster und gruselig eher als Seiten, die vor Blut und Eingeweiden triefen.

Booksection.de: Welche Art Bücher lesen Sie privat?
Barry Hutchison: Ich versuche, so viel wie möglich zu lesen, obwohl ich leider immer weniger Zeit dafür habe. Als ich jung war, las ich hauptsächlich amerikanische Comics – Batman, Superman, Spider-Man und solche Sachen – bevor ich mich auf lustige Erwachsenengeschichten wie die Pratchett’s Discworld Bücher und die Serie der Douglas Adams’ Hitchhiker’s Guide to Galaxy verlegte. Ich habe nie viel Horror gelesen, weil ich nichts davon wirklich beängstigend fand. Ich finde eigentlich, dass der beste Horror, den es auf dem Markt gibt, auf Kinder zielt – Darren Shan, an den man als erstes denkt, aber auch nicht so bekannte wie William Hussey, David Gatward und Sam Enthoven.
Heutzutage lese ich ein breiteres Spektrum von Genres, obwohl ich den ernsthaften Fantasy-Kram vermeide. Die nächsten Bücher, die ich angehe – nach den Invisible Friends – sind lustige Fantasiegeschichten und ich genieße Bücher, die Humor haben mehr als solche ohne Humor. Ich finde Humor passt zu jedem Genre, auch zum Horror. Ich habe auch versucht, das in „Invisible Friends“ zu integrieren bei der Beziehung zwischen Kyle und Ameena.
Wenn ich einen Autor nennen sollte, ohne den ich nicht leben könnte, wäre das Neil Gaiman. Dieser Mann ist wirklich ein Genie.

Booksection.de: Was ist Ihre größte Angst? – und benutzen Sie Ihre Ängste für Ihre Bücher?
Barry Hutchison: Ich finde, wenn man älter wird, ändern sich die Ängste, die man hat. Als ich jung war, fürchtete ich mich vor vielen, dummen Dingen wie Clowns oder einer Wespe, die sich in meine Lunge verirrt. Jetzt aber, da ich älter bin, habe ich weniger Angst um mich selbst, sondern um die Sicherheit meiner Kinder. Das ist natürlich ein sehr erwachsenes Konzept und würde nicht in ein Kinderhorrorbuch passen, also denke ich an all die Dinge, die ich als Kind gefürchtet habe und benutze sie oft für die Bücher. Clowns beispielsweise tauchen in Buch 4 auf. Genauso wie eine allzu bekannte Figur mit einem zugenähten Mund ….

Booksection.de: Die deutschen Buchcover sind großartig. Haben Sie Einfluss darauf, wie Ihre Bücher aussehen?
Barry Hutchison: Die deutschen Buchcover sind ähnlich wie die aus Großbritannien, aber mit einer viel realistischeren Bebilderung. Außer, dass ich detaillierte Beschreibungen der Bösewichte machen sollte, habe ich nichts dazu beigetragen. So kommt es, dass es immer eine Tortur ist, bis man sieht, was der Künstler dann aus ihnen gemacht hat. Bis jetzt habe ich noch keines der vier anderen Buchercover gesehen. Ich kann es kaum abwarten!



Das Interview wurde am 25.10.2010 durch Thomas Ays geführt und von Angelika Koch übersetzt. Veröffentlicht und freigegeben vom Autor am 18.11.2010

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