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Interview mit...
...Arno Strobel
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Buchkritik von "Der Trakt"
"...wäre da nicht mein latenter Hang zur Starrsinnigkeit!"
Mit Booksection im Gespräch: Romanautor Arno Strobel.
Booksection: Ihr neuer Roman „Der Trakt“ spielt
mit einem Gedanken, der sicherlich bei jedem von uns Urängste auslöst:
Eine Frau wacht auf und wird von niemandem mehr erkannt. Ihr gesamtes voriges
Leben scheint wie ausgelöscht zu sein. Was hat Sie zu diesem Thema bewogen?
Arno Strobel: Für mich sind die Situationen am interessantesten,
in denen der nette Kerl oder die freundliche Frau von nebenan plötzlich
und unverschuldet komplett aus ihrem gewohnten Leben gerissen werden, und ich
freue mich immer, wenn in meinem Umfeld etwas geschieht, das ich aufgreifen
und entsprechend „modifizieren“ kann. In diesem Fall war es eine
Bekannte, die mit ihrem Sohn bei uns zu Besuch war. Der junge Mann (5) war an
diesem Tag extrem anstrengend, sodass seine Mutter irgendwann die Augen verdrehte
und stöhnte: „Ich stelle mir nun einfach mal fünf Minuten vor,
ich hätte keinen Sohn.“
Mein Gedanke dazu war: Wie würdest du wohl reagieren, wenn alle anderen
dir sagen würden, du hättest keinen Sohn? Das war die Grundidee zu
„Der Trakt“.
Booksection: Es gelingt Ihnen, auf äußerst beklemmende
und zugleich sehr authentische Art und Weise die Verzweiflung und die Ängste
Ihrer Protagonistin zu schildern. Haben Sie selbst sich gedanklich sehr intensiv
mit diesem Thema beschäftigt?
Arno Strobel: Ich kann mir nicht vorstellen, irgendeinen Roman
schreiben zu können, ohne mich gedanklich sehr intensiv mit der Thematik
der Story auseinanderzusetzen. In diesem speziellen Fall war das aber nicht
ausreichend, denn wie viel Mühe ich mir auch immer gegeben hätte –
ich bin und bleibe ein Mann und denke naturgegeben in mancherlei Hinsicht eben
anders als eine Frau das tut. Zum Glück hat mir meine Frau aber von Anfang
an zur Seite gestanden und mich auf allzu „männliche“ Gedanken
hingewiesen.
Booksection: Würden Sie selbst ähnliche Strategien
wie Sibylle Aurich entwickeln, wenn Sie plötzlich vor einem Nichts stehen
würden, das einmal Ihr Leben war?
Arno Strobel: Ich kann meine Protagonistin dahingehend lenken,
dass sie sich so verhält, dass es für den/die Leser/in (hoffentlich)
spannend bleibt, aber wie ich selbst mich in einer solchen Situation verhalten
würde, kann ich nicht einmal annäherungsweise einschätzen. Aber
die Vorstellung allein empfinde ich schon als sehr beängstigend.
Booksection: Was hat Sie denn dazu bewogen, für Ihre
Hauptfigur eine Frau zu wählen? War das ein Entschluss, den Sie ganz bewusst
getroffen haben, oder geschah das eher intuitiv?
Arno Strobel: Das war ganz bewusst, denn das, was in dem Roman
geschieht, sollte an einem Gefühl scheitern, das aller Beeinflussung widersteht.
Mehr dazu würde zu viel über den Inhalt des Buches verraten.
Booksection: Immer wieder führen Sie Ihre Leser in die
Irre, indem Sie Figuren auftauchen lassen, die offensichtlich nicht das sind,
was sie zu sein scheinen. War Ihnen selbst von Anfang an klar, wie die eine
oder andere Figur sich entwickeln würde, wer am Ende die „Guten“
und wer die „Bösen“ sein würden?
Arno Strobel: Gut und Böse in letzter Instanz war mir
schon weitgehend klar, aber die eine oder andere Wendung hat sich tatsächlich
erst während des Schreibens ergeben.
Booksection: Wie sind Sie bei der Entwicklung des Plots vorgegangen?
Wussten Sie schon zu Beginn, wie die Geschichte enden würde oder entstand
eher eine Eigendynamik, die die Handlung vorantrieb?
Arno Strobel: Das Ende stand für mich fest, als ich mit
dem Schreiben begonnen habe. Es war gerade bei dieser Geschichte wichtig zu
wissen, wie ich anschließend wieder herauskomme, um mir nicht anschließend
etwas zusammenkonstruieren zu müssen. Das lange Stück zwischen dem
Anfang und dem Ende war zu Beginn allerdings bestenfalls eine nebulöse
Vorstellung.
Booksection: Wie ausführlich haben Sie für diesen
Thriller recherchiert?
Arno Strobel: Die meiste Zeit musste ich für die Recherche
vor Ort in Regensburg und in Gespräche mit Medizinern und Psychologen investieren.
Booksection: War für Sie von Anfang an klar, dass Sie
gerne Thriller schreiben würden? Könnten Sie sich auch vorstellen,
mal in ein anderes Genre hineinzuschnuppern?
Arno Strobel: Ich würde es nicht völlig ausschließen,
dass ich mal einen Ausfallschritt mache, aber allzu weit werde ich mich wohl
nicht vom Genre Krimi/Thriller entfernen. Ich fühle mich dort einfach zu
wohl.
Booksection: Wie schwierig ist es, Bürojob, Familie
und das Schreiben von Thrillern unter einen Hut zu bringen? Können Sie
sich vorstellen, irgendwann das Schreiben zu Ihrem Hauptberuf zu machen?
Arno Strobel: Es ist manchmal wirklich nicht einfach, aber
die meisten Autorinnen und Autoren sind in einer ähnlichen Situation. Zum
Glück habe ich die Unterstützung der ganzen Familie, ohne die das
alles nicht machbar wäre.
Ich könnte mir durchaus vorstellen, irgendwann das Schreiben zum Hauptberuf
zu machen, aber ob das je zu realisieren ist, bleibt abzuwarten. Letztendlich
entscheiden die Leserinnen und Leser über Erfolg oder Misserfolg und damit
auch darüber, ob ein/e Autor/in vom Schreiben leben kann oder nicht.
Booksection: Sie haben ja zunächst Kurzgeschichten geschrieben
und dann irgendwann den Schritt gewagt, einen Roman zu schreiben, der ja zuerst
von keinem Verlag angenommen wurde. Ist da die Gefahr nicht sehr groß,
sich entmutigen zu lassen?
Arno Strobel: Doch, an diese Phase der Entmutigung, als Absage
nach Absage bei mir zuhause eintraf, kann ich mich noch gut erinnern. Fast wäre
Resignation daraus geworden, wäre da nicht mein latenter Hang zur Starrsinnigkeit,
die sich meist in der Form: „Jetzt erst recht“ äußert.
Booksection: Können Sie uns schon etwas über Ihren
neuen Thriller „Das Wesen“ verraten?
Arno Strobel: Ich denke, wem „Der Trakt“ gefallen
hat, der wird auch an „Das Wesen“ seine Freude haben, und wem „Der
Trakt“ am Ende etwas zu abgedreht war, dem wird im Wesen ein „realistisches“
Ende der besonderen Art geboten: Die Aachener Kripo erhält einen anonymen
Hinweis: Ein Mädchen soll verschwunden sein. Bei ihren Recherchen erleben
die Kommissare Seifert und Menkhoff eine große Überraschung: Der
Vater des angeblich verschwundenen Kindes ist Dr. Joachim Lichner, ein Psychiater,
den sie viele Jahre zuvor wegen Mordes an einem kleinen Mädchen verhaftet
haben und der in einem spektakulären Indizienprozess zu einer langjährigen
Haftstrafe verurteilt worden ist. Als die Beamten ihn mit erneuten Verdächtigungen
konfrontieren, leugnet Dr. Lichner, überhaupt ein Kind zu haben. Er sei
unschuldig, genau wie damals. Kommissar Menkhoff setzt nach all den Jahren alles
daran, Lichner ein weiteres Gewaltverbrechen nachzuweisen. Ein erbittertes Psychoduell
nimmt seinen schrecklichen Lauf …
Booksection: Vielen Dank für Ihre Zeit, Herr Strobel.
Das Interview wurde am 25.03.2010 durch Stefanie Rufle geführt. Veröffentlicht und freigegeben vom Autor am 29.06.2010