Interview mit...

...Anthony McCarten


...zur Buchkritik von "Superhero"

"Das erste Mal vergißt Du nie!"

Mit Booksection im Gespräch: Autor Anthony McCarten über sein aktuelles Buch "Superhero".

Booksection: “Superhero” ist eine Geschichte über einen vierzehnjährigen Jungen, der bald sterben wird. Im ersten Moment eine sehr traurige Geschichte, doch als Leser merkt man schnell, dass sie auch sehr witzig ist. Wie haben Sie es geschafft diese Balance so gut zu halten?
Anthony McCarten: Bei „Superhero“ handelt es sich um eine Geschichte, die herausfinden soll, was wichtig im Leben ist. Weil der Junge bald sterben wird, hat er keine Zeit zu verlieren. Er trifft schnell Entscheidungen, für die manche von uns ein ganzes Leben brauchen. Donald geht eine schnelle Entwicklung durch: Von einem kleinen Jungen, der viele Träume hat, zu jemand, der diese Träume realisiert hat.

Booksection: Warum haben Sie gerade einen vierzehnjährigen Jungen und keinen älteren als Protagonisten gewählt?
Anthony McCarten: Die Geschichte von „Superhero“ basiert auf einer wahren Begebenheit – es ist so ähnlich vor 15 bis 20 Jahren in Australien passiert. Es war wichtig, dass Donald ein noch junger und unerfahrener Junge ist. Er ist noch eine Jungfrau und zu heutigen Zeiten, ist das bei einem Sechzehnjährigen unrealistisch. Ebenso bei einem Fünfzehnjährigen. Bei einem Vierzehnjährigen ist das glaubhaft und okay. Aber jetzt haben wir ein Problem, denn dieser kleine Junge wird von seinem Psychologen zu einer Prostituierten gebracht und genau darin lag die Herausforderung für mich: Was für eine Beziehung muss ein kleiner Junge zu seinem Psychologen haben, dass so etwas passieren kann?

Booksection: War es schwierig für Sie, herauszufinden, was ein vierzehnjähriger Junge fühlt? Haben Sie sich an ihre Zeit als Teenager zurückerinnert?
Anthony McCarten: Ich habe einen 20 Jahre alten Sohn und habe erlebt, wie ein Vierzehnjähriger ist. Ich denke es ist die Zeit, in der man so viele Dinge zum ersten Mal erlebt – Und das erste Mal vergisst du nie. Du erinnerst dich daran, wie du zum ersten Mal die Schlüssel zu deinem Auto bekommen hast und wie du zum ersten Mal einen anderen Menschen geküsst hast. Wenn du diese Dinge jemals vergisst, dann hast du kein Recht zu leben. Also ist „Superhero“ eine Geschichte über all deine „Ersten-Mal-Erfahrungen“.

Booksection: Was hat ihr Sohn zu ihrem Buch gesagt? Hat es ihm gefallen?
Anthony McCarten: Ich habe drei Söhne. Mein Ältester hat „Superhero“ gelesen und ich habe ihn gefragt, was er darüber denkt. Er sagte nur: „Cool!“ (lacht)

Booksection: “Superhero” erinnert stark an ein Drehbuch. Warum haben sie dieses Stilmittel gewählt?
Anthony McCarten: Ich habe schon zwei Drehbücher für Hollywood geschrieben. Dabei wurde ich mit diesem Gebiet vertraut. Der Verlauf der Geschichte kann auf diese Art viel schneller vorangetrieben werden und das hat gut zu meiner Geschichte, über den todkranken Jungen der keine Zeit zu verlieren hat, gepasst. Ich konnte schnelle Schnitte einbauen und mit nur wenigen Worten viel sagen.

Booksection: Wir haben gehört, dass sie “Superhero” verfilmen wollen. Stimmt das?
Anthony McCarten: Ja, der Film ist gerade in Arbeit. Es ist eine Kooperation mit einer deutschen Filmfirma: Bavariafilm.

Booksection: Können sie uns schon etwas über die Schauspieler sagen?
Anthony McCarten: Wir haben schon welche in der engeren Auswahl, aber sie sind noch nicht endgültig gecastet.

Booksection: Im Moment schreiben sie an ihrem vierten Roman. Können sie uns schon etwas darüber erzählen?
Anthony McCarten: Ja, sicher. Ich habe das Buch bereits abgeschlossen. Es handelt von einem verrückten Wettbewerb, bei dem eine Gruppe von ganz unterschiedlichen Leuten ein Auto gewinnen will. All diese Leute stehen um das Auto herum – Tag für Tag, für Tag… Sie gehen nicht schlafen, nur weil sie dieses blöde Auto gewinnen wollen. Sie sind alle in einer absoluten Ausnahmesituation, denn letztendlich geht es nur darum, möglichst lange um das Auto herum zu stehen und seine Hand nicht davon zu nehmen. Ich dachte dieser Wettbewerb bietet einen guten Platz, um eine Geschichte über die verschiedenen Lebensweisen der Menschen zu erzählen. Denn jeder der um das Auto herum steht, hat eine Geschichte, die er uns erzählen kann.

Booksection: Ihr Roman „The English Harem“ handelt von dem Islam. Haben sie Beziehungen zu dieser Religion oder warum haben sie gerade über dieses Thema geschrieben?
Anthony McCarten: Ich denke, dass jeder von uns mit dem Islam vertraut ist. Ich lebe in Los Angeles, einer Stadt mit der größten Moslemanzahl außerhalb des Irans und ich habe viel über diese Kultur mitbekommen. Eines Tages habe ich in einer Zeitung über ein junges Mädchen gelesen, das einen Moslem geheiratet hat, der bereits zwei weitere Frauen hatte. Dieses Mädchen musste zu ihren Eltern gehen und sagen: „Mum, Dad. Ich habe einen älteren Mann kennen gelernt, der mich gefragt hat, ob ich ihn heiraten will und ich habe „ja“ gesagt. Und ganz nebenbei: Er ist Moslem und ich bin seine dritte Frau.“ Ich fand es spannend darüber nachzudenken, wie die Eltern darauf wohl reagiert haben. Es ist interessant über verschiedenen Kulturen zu diskutieren und nachzudenken, denn wir werden jeden Tag mit ihnen konfrontiert.

Booksection: Also wollten sie ihren Lesern eine Botschaft vermitteln, über die sie nachdenken sollen?
Anthony McCarten: Oh, nein. Wenn ich dem Leser eine Botschaft übermitteln will, dann heißt das, dass ich auch Antworten habe. „The English Harem“ stellt jedoch Fragen und auf diese Fragen auch die Antworten zu finden, ist sehr schwierig.   

Booksection: Handelt es sich bei „The English Harem“ auch um ein witziges Buch?
Anthony McCarten: Ja, es ist auch sehr lustig. Es gibt eine Szene, in der die Eltern des Mädchens in einem Restaurant sitzen und plötzlich fürchterlich wütend werden. Der Vater fängt dann an, das ganze Essen aus dem Fenster zu werfen – und sie sitzen im 15. Stock eines Hauses! All das Essen fliegt dann herunter auf die englische Straße und ja, ich denke, das ist schon sehr lustig. (lacht)

Booksection: Wann dürfen wir uns in Deutschland auf dieses Buch freuen?
Anthony McCarten: Es wurde bereits übersetzt. Es wird nicht mehr all zu lange dauern, bis es auch auf Deutsch erscheint.



Das Interview wurde veröffentlicht am: 11.10.2007

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