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Angelika Koch

Name: Angelika Koch
Jahrgang: 1963
Position: Freie Redakteurin
Bereich: Buchkritiken, Biographien
Bevorzugte Genres: Romane, Thriller, Krimis und Wissenschaft
Kontakt-Email: 'angelika.koch (at) booksection.de'


Booksection.de-Interview mit 'Angelika'

Hast Du schon einmal ein Buch nicht zu Ende gelesen, und wenn ja warum?
Ich glaube, das ist mir in all den Jahren nur zwei- oder dreimal passiert. Ich gebe normalerweise nicht auf. Auch wenn ein Buch mir nicht gut erscheint, möchte ich ihm doch nicht das Recht absprechen, gelesen zu werden, außerdem kann es ja doch noch irgendwann eine überraschende Wendung geben (was dann aber leider meist nicht der Fall ist). Bei den zwei oder drei Büchern, die ich dann tatsächlich abgebrochen habe, muss es wirklich entsetzlich langweilig gewesen sein oder vielleicht so tiefgründig, dass ich es nicht verstanden habe. Ich hatte auch einmal selbst aufgegeben. Aus lauter Selbstüberschätzung dachte ich, ich müsste Tom Sawyer auf Englisch lesen. Ich habe es immerhin bis zur Mitte geschafft.

Gibt es ein Buchgenre, das Dir gar nicht zusagt und wenn ja kannst Du Gründe benennen warum?
Ja, eindeutig. Fantasy. Ich mochte schon als Kind Märchen nicht und Fantasy ist für mich nichts anderes als Märchen für Erwachsene. Ganz ehrlich und ohne, dass ich da jemanden auf die Füße treten will, das ist mir einfach zu „spinnert“.

Was unterscheidet für die Dich die Faszination Buch von der Faszination Film?
Oh, viel. Film ist fertig zubereitetes Essen, das man so verzehren muss wie es ist. Beim Buch kann ich selbst „kochen“. Ich muss mir gewisse Szenen nicht bis ins Detail ausmalen, ich muss mich nicht mit Bildern konfrontieren lassen, die ich selbst nicht entworfen habe. Beim Buch kann ich selbst entscheiden, was tiefer gehen kann, was grausamer werden darf oder umgekehrt noch schöner, beim Film nicht.

Hat sich Dein Buchgeschmack mit der Zeit wesentlich verändert?
Ja, in der Tat. Es fing alles mit Hanni und Nanni an und ist heute beim Psychothriller angelangt. Mit Anfang 20 war Hesse und Böll angesagt (wahrscheinlich habe ich die Hälfte nicht verstanden, aber es war damals „in“ diese Autoren zu lesen) und Dürrenmatt, den ich aber bis heute toll finde. Dann kam die Spionagephase, dann – kinderbedingt – eine lange, lange Phase unendlich vieler Kinderbücher. Das war dann alles aber eher schwerpunktmäßig, habe immer auch andere Sachen gelesen. Momentan – wie gesagt – stehe ich am meisten auf Psychothriller, mal sehen, was in der Zukunft noch kommt.

Hast Du den Eindruck, dass manche Bücher den richtigen Zeitpunkt benötigen, um sie zu lesen? Wenn ja - gibt es ein Buch, das Du zum jetzigen Zeitpunkt gerne noch einmal lesen würdest, weil Du das Gefühl hast, dass Du es jetzt ganz anders verstehen würdest?
Ob es einen „richtigen“ Zeitpunkt gibt, weiß ich nicht, aber einen „anderen“. Bekanntlich entwickeln wir uns ja im Leben (zumindest sollten wir das) und ich bin sicher, dass man manche Bücher sogar mehrere Male lesen könnte, um sie jedes Mal wieder neu zu verstehen. Ich hatte z.B. „Die Wand“ von Marlene Haushofer mit Anfang 20 gelesen, da hatte mir das Buch gar nichts gesagt, vor ein paar Jahren habe ich es noch mal gelesen und fand es sensationell. Gerne noch mal lesen würde ich Siddhartha von Hesse, ich glaube auch da nicht, dass ich dieses Buch damals so verstanden habe, wie ich das heute tun würde. Was aber nicht heißt, dass ich es damals oder heute „richtig“ verstanden habe und verstehe, sondern einfach anders. Ok, das werde ich dann wohl man wirklich in Angriff nehmen, dürfte interessant sein.

Sebastian Fitzek gehört zu Deinen bevorzugten Autoren. Was hat er, was anderen Thrillerautoren fehlt?
Bei Sebastian Fitzek fasziniert mich ganz besonders sein aufrichtiges Interesse an den Abgründen und Tiefen der menschlichen Psyche. Es scheint mir bei ihm keine Effekthascherei, sondern wahre Begeisterung für dieses Thema zu sein. Seine Geschichten sind wirklich unglaublich, aber nicht unmöglich.

Von Romanen über Krimis bis hin zu Thrillern ist in deinem Leserepertoire alles vertreten. Nach welchen Kriterien suchst Du deine Lektüre aus?
Ich muss schon ehrlich sagen, dass es mich in Büchereien immer erst in die „Psychothriller“-Ecke zieht. Da finde ich immer was. Dann erst schaue ich nach anderen Büchern. Ich lese immer die Klappentexte und entscheide dann, ob mich das Buch interessiert. Das Design des Covers beispielsweise beeinflusst mich überhaupt nicht, nur der Titel ist mein Anhaltspunkt, ob ich dann den Klappentext lese oder nicht.
Und ich gehe natürlich nach Empfehlungen von Menschen, bei denen ich weiß, dass sie einen ähnlichen Buchgeschmack haben wie ich. Als ich noch nicht für Booksection geschrieben habe (und eigentlich auch heute noch), bin ich oft nach Steffis Bewertungen gegangen und habe mir das Buch dann gekauft.

Du liest gern Thriller. Magst du es, Dich beim Lesen zu fürchten oder hast du gar keine Angst vor geistesgestörten Serienkillern und grausamen Tötungsritualen?
Wenn ich mir das so genau überlege, kamen in meinem Thrillern und Psychothrillern kaum mal ein geistesgestörter Serienkiller und/oder grausame Tötungsrituale vor, ich bevorzuge eher die etwas subtilere Art von Thrillern. Aber ein bisschen gestört und grausam darf es ruhig sein. Und dann denke ich schon manchmal, dass solche Dinge mancherorts tatsächlich passieren und dass ich heilfroh bin, dass mir persönlich noch nicht so was passiert ist, aber so ein bisschen Sensationslust haben wir doch alle, wenn wir nur mal ehrlich sind. Und sich ein bisschen fürchten in den sicheren Wänden des Wohnzimmers ist doch auch mal ganz prickelnd.




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