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Kommende Buchkritiken
Die Sehnsucht der Schwalbe
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Autor
Rafik Schami
Genre Roman
Verlag dtv ISBN 3-423-12991-3 Erscheinungsdatum (D) 2000 Seiten 334 |
Inhalt
Bei der Hochzeit seiner Schwester, die eigentlich lieber einen anderen heiraten würde, lernt Barakat den Syrer Lutfi kennen. Sieben Tage wird die arabische Hochzeitsfeier dauern, sieben Tage, in denen Lutfi dem Bruder der Braut seine Lebensgeschichte erzählen kann. Der Syrer erzählt von seiner Kindheit in Damaskus, als "Sohn der Hure", wie er von den anderen Kindern immer genannt wurde. Es ist auch die Liebesgeschichte seiner Eltern, seine Mutter eine Schwarze, die Lutfis Vater, einen begnadeten Geiger abgöttisch geliebt hat. Leider kam der bei einem tragischen Unfall ums Leben, noch ehe sein Sohn geboren war und bevor er seine Geliebte heiraten konnte. Deshalb, und weil sie danach immer wieder auf der Suche nach Geborgenheit bei anderen Männern war, wurde sie nur "die Hure" genannt. Und es ist die Geschichte der Hebamme Nadime, die Lutfi auf die Welt geholt hat und ihn als ihren "Herzzipfel" bezeichnet.
Lutfi der Syrer erzählt aber auch von seiner eigenen Liebesgeschichte, von Samira aus seinem Heimatdorf, für die das Leben wie ein einziger Film ist und die Lutfi nicht heiraten durfte. Und von Molly aus Deutschland, die er bei seinem ersten Aufenthalt dort kennen lernte. Auf dem Flohmarkt in Frankfurt war das, den er als sein "Paradies auf Erden" bezeichnet. Immer wieder zieht es Lutfi dorthin, immer wieder wird er abgeschoben, nur um kurz darauf mit falschen Papieren wieder nach Deutschland zu kommen. Jens Schlender, ein deutscher Polizeibeamter hat es sich zur Aufgabe gemacht, Lutfi zu jagen, ihn immer wieder aufzuspüren und dafür zu sorgen, dass er wieder in seine Heimat abgeschoben wird. Doch der Syrer ist wie eine Schwalbe, immer wieder zieht es ihn an den Ort, an dem er glücklich ist und zu der Frau, die seine große Liebe ist.
Buchkritik von Stefanie Rufle
Mit diesem Buch beweist Rafik Schami aufs Neue, dass er ein begnadeter Geschichtenerzähler ist. Es gelingt ihm mit einer solchen Leichtigkeit, den Leser in eine andere Welt zu entführen, dass man gar nicht anders kann, als sich fallen zu lassen. Dabei erzählt er nicht nur eine Geschichte, sondern hunderte. Trotzdem gelingt es ihm aber, den roten Faden zu behalten, kommt er immer wieder zum Punkt zurück. Wie Sheherazade lässt Schami den Leser die Welt ringsum vergessen und erschafft dabei eine andere Wirklichkeit voller Bilder, Gerüche und Geräusche. Diese Wirklichkeit ist so verspielt und leicht und trotz der vielen traurigen und schlimmen Ereignisse voller Humor. Der Autor nimmt seinen Leser mit auf eine Reise zwischen Arabien und Deutschland, vermittelt zwischen den Kulturen und lässt dabei viele Vorurteile einfach weg schmelzen.
Schami ist, genau wie sein Held Lutfi, ein Wanderer zwischen den Welten, nirgends richtig zu Hause und doch voller Verständnis für die unterschiedlichen Kulturen. Damit ist "Die Sehnsucht der Schwalbe" nicht nur eine wunderschöne Geschichte, sondern auch ein Plädoyer gegen Fremdenhass. Schami vermittelt mit diesem Buch, was sicherlich viele Menschen, die in der "Fremde" leben, empfinden: Sehnsucht nach der Heimat, Suche nach Geborgenheit und auch Lust am Abenteuer. Wer dieses Buch gelesen hat, kann vielleicht manches besser verstehen und nimmt vor allem die eigene Kultur und Wirklichkeit nicht mehr ganz so ernst.
