Die Totenleserin

Mistress of the Art of Death

Die Totenleserin

Autor Ariana Franklin Genre Historischer Roman
Verlag Droemer
ISBN 978-3-426-19739-4
Übersetzung Ulrike Wasel und Klaus Timmermann Erscheinungsdatum (D) Februar 2007   
Erschienen 2007  Seiten 477

Inhalt

England im Jahr 1171. Ein kleiner Junge wird ermordet, seine sterblichen Überreste sind grausam verstümmelt. Alles sieht danach aus, als sei der kleine Peter gekreuzigt worden und sofort geraten die Juden in den Verdacht, ihn ermordet zu haben. Kurz darauf verschwinden weitere Kinder spurlos und die Juden geraten immer mehr ins Kreuzfeuer. König Henry II., der auf die kreditfreudigen jüdischen Untertanen angewiesen ist, bittet den König von Sizilien um die Entsendung eines Totenarztes, der den wahren Mörder der Kinder finden soll. Die angesehene Hochschule von Salerno kommt der Bitte des Königs nach und entsendet ausgerechnet Adelia, eine der wenigen Medizinerinnen ihrer Zeit.

Da in England weibliche Ärzte tabu sind, muss Adelia ihre wahre Identität verbergen. Zusammen mit ihren Gefährten, dem Juden Simon aus Neapel und dem Sarazenen Mansur macht sich die Pathologin auf die Suche nach dem grausamen Mörder in diesem kalten und ihr gänzlich fremden Land. Inzwischen wird mit den Gebeinen des ersten Mordopfers ein schwunghafter Reliquienhandel betrieben, er wurde von der zwielichtigen Äbtissin eines nahe gelegenen Klosters zum heiligen St. Peter erhoben und in der ganzen Gegend als Opfer der Juden betrauert. Nicht nur Adelia ist mit der Suche des wahren Mörders betraut, auch Sir Roland, der Steuereintreiber des Königs, hat offensichtlich großes Interesse an den toten Kindern - und an der "Totenärztin", die allerdings nicht weiß, ob sie dem faszinierenden Mann vertrauen kann.

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 4 von 5 Bs Zugegeben, dieser Roman hat nicht wirklich viel zu bieten, was nicht schon irgendwann einmal in einem anderen historischen Kriminalroman zu lesen gewesen wäre. Die Figur der rebellischen jungen Frau, die sich mit ihrer hergebrachten Rolle der treu sorgenden Ehefrau und Mutter, die in der Männerwelt nichts zu melden hat, nicht abfinden möchte, ist ganz sicher keine neue Erschaffung der Autorin. Auch die Tatsache, dass sich die Protagonistin nur inkognito bewegen kann, um ihre Ziele zu erreichen, ist sicherlich schon hundertmal da gewesen. Und doch ist Adelia eine faszinierende Heldin, die mit ihrer verschrobenen Art und ihrer Weltfremdheit einen besonderen Charme ausstrahlt. Hinzu kommt Ariana Franklins ganz eigener Erzählstil, ein durchaus frecher Ton, an den man sich anfangs zwar erst gewöhnen muss, der aber dann immer mehr Spaß bereitet. Dieser etwas flappsige, fast schon respektlose Tonfall unterscheidet "Die Totenleserin" von den bisher da gewesenen Romanen des Genres und tröstet so auch über die nicht wirklich originelle Idee hinweg. Franklin hat einen ganz passablen Fall konstruiert, der in sich schlüssig ist, die nötige Spannung vorzuweisen hat und mit einem, wenn auch nicht völlig unerwartetem, so doch gut gemachten Schluss punkten kann. "Die Totenleserin" lässt sich gut lesen, ist ordentlich recherchiert und bietet unterm Strich eine gehörige Portion Lesevergnügen.

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