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Kommende Buchkritiken
Orfeo
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Autor
Elisabeth Binder
Genre Roman
Verlag Klett-Cotta ISBN 978-3-608-93725-1 Erscheinungsdatum (D) Februar 2007 Seiten 168 |
Inhalt
Hans Bauer begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit. Nach vierzig Jahren will er Stella wieder finden, die Frau, die er über alles liebte, die seine Ehefrau wurde, um ihn kurze Zeit darauf wieder zu verlassen. In Venedig, in den Restaurants und Gassen der Stadt, auf den Brücken und den vielen Plätzen, sucht er nach der einstigen Geliebten, die er nie vergessen konnte. Damals hatte er sie mitgenommen in sein kleines, verschlafenes Dorf in der Schweiz, wo sie eine Sensation für die Dorfbewohner war. Schön, aufregend und Welt erfahren wie sie war, konnte sie aber in dieser Einöde nicht glücklich werden, fühlte sich wie eingesperrt. So war es nicht nur der andere Mann, dessentwegen sie Hans damals verließ...
Für Hans konnte es immer nur Stella geben, nie wieder verliebte er sich in eine andere Frau, lebte ein einsames und ereignisloses Leben in seinem Haus mit Garten. Als er in Venedig tatsächlich auf die Frau seines Herzens trifft, ist das aber anders, als er es sich vorgestellt hatte. Natürlich ist Stella nicht mehr die, die er in seinen Vorstellungen stets bei sich trug. Wie er, ist auch sie alt geworden, eine alte Frau, die ein völlig anderes Lebens als Hans gelebt hat, die immer von Männern umschwärmt gewesen war. Auch sie erkennt ihren früheren Ehemann wieder, doch ist ihre Wiedersehensfreude eine gänzlich andere, als die seine...
Buchkritik von Stefanie Rufle
Elisabeth Binder hat einen kleinen, feinen Roman über das Altwerden, über verborgene Sehnsüchte und längst vergessen geglaubte Träume geschrieben. Man empfindet großes Mitleid mit dem einsamen, alten Hans und gleichzeitig bewundert man ihn für seine Entschlossenheit, am Ende seines Lebens den Mut aufzubringen, sich mit einer längst vergangenen Geschichte auseinanderzusetzen. Je länger man liest, desto klarer wird einem, dass man es hier mit einem Mann zu tun hat, der sein Leben einer Erinnerung geopfert hat, der sich kaum noch an die vergangenen vierzig Jahre erinnern kann.
Unwillkürlich fragt man sich, wie viele Menschen es tatsächlich gibt, die ihr Leben in einem derartigen Dämmerschlaf verbringen, ohne eigentlich wirklich etwas zu empfinden. Gleichzeitig hat man es aber auch mit einem Mann zu tun, dessen Hoffnung niemals völlig starb, der diese Hoffnung braucht, um am Leben zu bleiben. Obwohl dieses Buch wenig Aufregendes oder Neues zu bieten hat, fühlt man sich von ihm seltsam berührt, fast so, als würde einem ein vertrauter Mensch seine Lebensgeschichte erzählen. Binder hat eine Sprache, die voll von Bildern und Aphorismen ist und dieses Buch fast zu einem Gedicht werden lässt. So schreibt sie etwa über den Nebel: "Es war wie eine Invasion, obschon kein Laut zu hören war. So in Luft verwandelt, hatte das Wasser seine Stimme verloren." "Orfeo" ist ein Buch, das man ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen möchte.
