Mein Herz so weiß

Corazón Tan Blanco

Mein Herz so weiß

Autor Javier Marías Genre Roman
Verlag Klett-Cotta
ISBN 978-3608933864
Übersetzung Elke Wehr Erscheinungsdatum (D) 1996   
Erschienen 1992  Seiten 364

Inhalt

Teresa und Ranz sind frisch verheiratet, gerade eben von der Hochzeitsreise zurückgekehrt, als die junge Braut sich das Leben nimmt. Alle sitzen zum Essen um den Tisch versammelt, als Teresa ins Bad geht, die Bluse aufknöpft, den Büstenhalter auszieht und sich mit der Pistole ihres Vaters ins Herz schießt.

Seit diesen Geschehnissen sind vierzig Jahre vergangen. Ranz hat kurz darauf wieder geheiratet - Teresas Schwester Juana. Juan, der Sohn der beiden, der auch gerade geheiratet hat, kommt diesen Geschehnissen auf die Spur. Selber mit seiner frisch geschlossenen Ehe beschäftigt, ist sich Juan nicht ganz sicher, ob er tatsächlich wissen möchte, was damals geschah. Am Ende erfährt er dann aber doch die schreckliche Wahrheit über den Tod seiner Tante Teresa, die eigentlich nie wirklich seine Tante war.

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 6 von 5 Bs Dieses Buch ist grandios! Selten bekommt man etwas so Schönes und Ergreifendes zu lesen, das gleichzeitig so voller Spannung und Geheimnisvollem ist. Trotzdem ist der Wunsch, ganz langsam und bedächtig zu lesen fast übermächtig, sollte dieses Buch doch am besten gar nicht enden. Ja, und wenn es dann doch ausgelesen ist, ist da schon die Sehnsucht, nocheinmal von vorne anzufangen.

Meisterhaft gelingt es Marías, seinen Leser von der ersten Minute an zu fesseln mit dieser Geschichte, die irgendwie so seltsam anmutet, die so verworren erscheint, dass man manchmal gar nicht sieht, wo die Zusammenhänge sind. Doch hat der Autor alle Fäden fest in der Hand, verwebt die Schicksale miteinander und lässt so ein regelrechtes Kunstwerk entstehen. Nur sehr selten begegnet einem ein Autor, der die Sprache so raffiniert einzusetzen weiß, der Bilder erzeugen kann, wie sie detaillierter kaum sein könnten. Marías spielt mit der Sprache, ist seinem Protagonisten diese schließlich auch nur zu vertraut - er weiß als Übersetzer um ihre Nuancen und die Macht, die sie ausüben kann.

Javier Marías wird von Reich-Ranicki als "einer der größten im Augenblick lebenden Schriftsteller der Welt" bezeichnet und das ist wohl keineswegs übertrieben. "Mein Herz so weiß" ist eine Offenbarung - unbedingt lesen!

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