Der Engelmacher

De engelenmaker

Der Engelmacher

Autor Stefan Brijs Genre Roman
Verlag btb
ISBN 978-3-442-75176-1
Übersetzung Ilja Braun Erscheinungsdatum (D) Januar 2007   
Erschienen 2005  Seiten 447

Inhalt

Victor Hoppe hat eine grausame Kindheit hinter sich. Gezeichnet mit einer Hasenscharte wurde er als Baby in eine Anstalt für Geisteskranke gegeben und das, obwohl sein Verstand äußerst klar war. Ja, je älter er wurde, desto deutlicher kam zutage, dass er sogar auf intellektueller Ebene mehr als durchschnittlich begabt war. Nur eine junge Novizin erkannte, was wirklich in dem kleinen Jungen steckte und so wurde er schließlich von seinem Vater, den das schlechte Gewissen trieb, wieder nach Hause geholt. Doch der Schaden war bereits angerichtet und das, was Victor in seiner frühesten Kindheit erdulden musste, sollte nie wieder ganz vergessen werden.

Nach zwanzig Jahren schließlich kehrt Victor Hoppe, inzwischen Doktor Hoppe, in seinen Geburtsort Wolfheim, gelegen im Dreiländereck, zurück. Mit ihm kommen drei Babys, offensichtlich Drillinge, die einander aufs Haar gleichen. Victor stellt sie den neugierigen Dorfbewohnern als seine Söhne vor und die Ähnlichkeit ist nicht zu übersehen, sind die Babys doch alle drei durch eine Hasenscharte entstellt. Die Dorfbewohner sind äußerst misstrauisch und die Gerüchteküche brodelt nur so. Victor seinerseits tut wenig, um das Gerede zu unterbinden, er verschanzt sich mit den Babys in seinem Haus, wartet geduldig auf die ersten Patienten und lässt nichts über die Mutter der Kinder oder die Umstände seiner Heimkehr verlauten. Dann rettet der Arzt einem Dorfjungen das Leben und die Stimmung schlägt augenblicklich um. Doch dann kommt die Kinderfrau der Drillinge ums Leben und alles ändert sich erneut...

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 5 von 5 Bs Dem Niederländer Stefan Brijs ist ein äußerst dichter und unglaublich beklemmender Roman gelungen. Er verarbeitet gekonnt mehrere Themen gleichzeitig und schafft es doch, eine stimmige Geschichte zu erschaffen. Es geht hier um die ethischen Grenzen der Forschung, um religiösen Wahn und seine Folgen, um die Verantwortung für die Ergebnisse wissenschaftlicher Experimente und um die Doppelmoral der Menschen. Der Autor lässt die dunkelsten Ängste der Menschen, die tiefsten Abgründe wahr werden - und tut so, als sei das das Normalste auf der Welt. Mit jeder Seite, die man umblättert wird die Beklemmung deutlicher und eigentlich möchte man gar nicht darüber nachdenken, wohin das Ganze führen könnte. Und doch wird man in die Handlung hineingezogen, wie in einen Sog.

Hier stimmt einfach alles! Der Erzählstil ist virtuos und voller Eleganz, die Worte sind meisterhaft gewählt, verraten nie zuviel und schlagen doch immer die richtige Saite an. Die Geschichte ist raffiniert konstruiert und gibt immer Raum für Vermutungen. Die Figuren sind hervorragend beschrieben und vermitteln doch immer eine gewisse Distanziertheit - bleiben undurchschaubar. Dieser Roman fesselt von Anfang bis zum Schluss und bietet Stoff für manche Diskussion. Unbedingt lesen!

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