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Kommende Buchkritiken
Eine Mittelgewichts-Ehe
The 158-Pound Marriage
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Autor
John Irving
Genre Roman
Verlag Diogenes ISBN 978-3-257-21605-9 Übersetzung Nikolaus Stingl Erscheinungsdatum (D) 1986 Erschienen 1974 Seiten 278 |
Inhalt
Utsch und ihr Ehemann, der auch gleichzeitig der Erzähler dieses Romans ist, sind mit dem Ehepaar Edith und Severin befreundet. Eines Tages, keiner weiß eigentlich so genau wie es kam, beschließen die vier, es einmal mit Partnertausch zu versuchen. Was zunächst wie ein Spiel beginnt, wird aber immer mehr zum bitteren Ernst. Immer deutlicher tritt zutage, dass hier nicht alle gleich lieben, dass die Grenzen des Erlaubten für jeden wieder andere sind. Die Vorgeschichte, die jeder einzelne für sich hat verhindert, dass das Ganze in einer gewissen Leichtigkeit weitergehen kann.
Einer ist es, der ganz eindeutig den Ton angibt, der die Grenzen aufzeigt und die anderen somit manipuliert. Die Viererbeziehung bröckelt an allen Ecken und Enden, die Methoden werden fast unmerklich unfair und was als leichtes Spiel begann, wird unversehens zum erbarmungslosen Kampf, der seine Opfer einfordert.
Buchkritik von Stefanie Rufle
Dies ist ein Irving-Roman, der ganz eindeutig von der 68er-Bewegung geprägt ist. Ganz offenherzig wird hier über Lust und Last des Partnertausches gesprochen, wobei der Autor kein noch so pikantes Detail verschweigt. Ganz offenherzig erzählt Irving eine erotische Geschichte, die aber unversehens in einen blutigen Kampf ausufert. Es wird von Eifersucht erzählt, von der Ohnmacht im Angesicht der eigenen Gefühle und Triebe und vom Unvermögen, in einer solchen Viererbeziehung die Eifersucht und Verlustängste ganz außen vor zu lassen.
Ein spannendes Thema, das der Autor auf intelligente und elegante Art und Weise interpretiert - und doch fehlt diesem Roman die für Irving sonst so übliche Leichtigkeit. Manchmal wird die Lektüre zwischendurch regelrecht zur Qual, fragt man sich unwillkürlich, wann dieses Elend denn endlich ein Ende hat. Zu verschlungen und nebulös sind die Motive der Protagonisten, zu wenig echte Emotionen sind hier spürbar. "Eine Mittelgewichts-Ehe" ist schwere Kost, die nicht wirklich Spaß macht - ein Irving, den man nicht unbedingt gelesen haben muss.
