Niemands Mutter - Eine wahre Geschichte

Niemands Mutter - Eine wahre Geschichte

Autor Gunter Haug Genre Biographie
Verlag Bastei Lübbe
ISBN 978-3-404-61600-8
Erscheinungsdatum (D) 2005   Seiten 460

Inhalt

Deutschland im Jahr 1889. Die kleine, unehelich geborene Anna ist sieben Jahre alt, als ihre Mutter stirbt. Unversehens wird sie aus ihrer glücklichen Kindheit herausgerissen und muss fortan in ärmlichen Verhältnissen bei ihrer Patentante Magdalena in der Nähe von Rothenburg ob der Tauber aufwachsen. Diese hat aber genug mit ihrer eigenen, immer größer werdenden Familie zu tun, und obwohl sie ihr Patenkind aufrichtig liebt, sieht sie sich dazu gezwungen, Anna bei einem Bauern als Magd in Anstellung zu geben. Ein harter, arbeitsreicher Alltag voller Entbehrungen - das ist es, was Anna nun täglich erwartet. Platz für Liebe, Zuneigung und Zärtlichkeit gibt es da nicht.

Dann lernt Anna den Bauernsohn Leonhard kennen und erlebt für wenige Stunden die Glückseligkeit, die sie nur aus Kindheitstagen kannte. Doch das soll für die junge Magd nicht ohne Folgen bleiben, was sie lange verdrängt, wird doch zur Gewissheit: Anna ist schwanger, ist in genau derselben auswegslosen Situation wie damals ihre Mutter. Die junge Frau darf nicht hoffen, dass Leonhard sich zu ihr und dem Kind bekennen wird, verhindern doch die strengen Standesregeln die Heirat eines gut gestellten Bauernsohnes mit einer einfachen Magd. So ist Anna gezwungen, ihr Kind, das sie doch so sehr liebt, schon wenige Tage nach der Geburt dem Vater zu geben - eine Entscheidung, an der sie zerbrechen soll.

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 4 von 5 Bs Der Autor Gunter Haug erzählt hier die wahre Geschichte seiner Urgroßmutter Anna Magdalena Hammel. Am Anfang des Buches ist zu lesen: "Eine Geschichte von vielen..." Man möchte gar nicht darüber nachdenken, wie viele ledige Mütter in der damaligen Zeit das Schicksal der Anna Magdalena Hammel teilen mussten. Viele wurden vergewaltigt, von ihren Arbeitgebern missbraucht und dann mit den Kindern alleingelassen. Die Schande war ihnen gewiss. All das erzählt Haug in Romanform und macht doch immer wieder deutlich, dass es sich hier um Tatsachen handelt. Bei den Zusammenhängen muss er sich oft auf Vermutungen stützen, doch ergibt das Ganze eine einheitliche Form, die vorstellbar macht, dass sich die Geschichte der Magd Anna so oder so ähnlich tatsächlich zugetragen haben könnte.

Bei der Lektüre muss man auf der Hut sein, damit man nicht in Depressionen verfällt. Zu grausam, unmenschlich und verlogen ging es doch damals zu - eine Frau hatte wirklich keinerlei Rechte und kaum irgendwelche Fürsprecher, die sich für sie einsetzten. Es wird das Schicksal einer Frau geschildert, die ein Leben voller Entbehrungen und Enttäuschungen führen musste und darüber verbittert wurde. Gleichzeitig darf man sich glücklich schätzen, in der Gegenwart zu leben, die zwar auch verlogen ist, in der Frauen aber doch viel besser geschützt werden. "Niemands Mutter" ist die Schilderung eines wechselvollen Lebens - bewegend und zutiefst berührend.

Wissenswertes

Auch von Gunter Haug erschienen ist "Niemands Tochter", die Lebensgeschichte von Anna Hammels Tochter Maria Margareta Staudacher, die diese weggeben musste.

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