Nobody knows

Nobody knows

Autor Amanda Taylor Genre Roman
Verlag Diogenes
ISBN 978-3-257-06609-8
Übersetzung Manfred Allié Erscheinungsdatum (D) Oktober 2007   
Erschienen 2007  Seiten 386

Inhalt

Die kleine Jessica hat keine Kindheit wie alle anderen. Unendliche Freiheiten darf sie sich herausnehmen - ins Bett gehen, wann es ihr gefällt, essen, wozu sie Lust hat und wenn sie gelegentlich mal einen Schluck Bier oder Wein kostet, kümmert das auch niemanden. Doch das, was jedes Kind so dringend braucht - Zuwendung, liebevolle Rituale, Sicherheit und die Liebe der Eltern - bekommt das Mädchen nicht. In ärmlichen Verhältnissen lebt sie mit ihren beiden Geschwistern - alle von unterschiedlichen Vätern - und ihrer Hippie-Mutter, die zu kaum einem Mann einmal nein sagen kann. Die Familie zieht ständig um, Jessica wechselt permanent die Schule und hat eigentlich keine richtigen Freunde. Wie froh ist sie da, als sie von Walter, der schon weit über fünfzig ist, alle Aufmerksamkeit bekommt, die sie braucht. Wie ein Löschpapier saugt sie dessen Zärtlichkeiten auf und merkt nicht, wie ihr ältlicher Freund mehr und mehr die Grenzen überschreitet.

Es ist nicht das erste Mal, dass die dreizehnjährige Schönheit, durch deren Adern unverkennbar Indianerblut fließt, sich unerlaubten Annäherungsversuchen älterer Männer ausgesetzt sieht. Doch diesmal ist es ihr schier unmöglich, sich zur Wehr zu setzen, gibt Walter ihr doch alles, was sie in ihrem kurzen Leben bisher vermissen musste. Jessicas Mutter ist viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um zu merken, was sich da vor ihren Augen abspielt und so ist das Mädchen ganz allein auf sich selbst gestellt.

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 5 von 5 Bs "Nach einer wahren Geschichte" lautet der Untertitel dieses Buches. Unfassbar! Manchmal ist es kaum zu ertragen, was Amanda Taylor, die unter einem Pseudonym schreibt, in einer fast schon fröhlichen und kindlich naiven Sprache erzählt. Doch gerade ihr Schreibstil bewirkt, dass man dieses Buch nicht etwa voller Grauen, sondern vielmehr mit einer gewissen Vorfreude immer wieder zur Hand nimmt. Dem Leser ist es gestattet, durch die ahnungslosen Augen eines halbwüchsigen Mädchens zu blicken - und was er da sieht ist zwar einerseits grauenvoll und schier unerträglich, andererseits weht einen hier ein derartiger Humor an, dass man eins ums andere Mal schmunzeln muss.

Der Autorin ist ein wahres Meisterstück gelungen: sie erzählt eine Geschichte voller Tragik, Schmerz und Wut und wirkt dabei doch nie verbittert. Dass es ihre eigene Geschichte ist, ist ganz und gar offensichtlich - doch nicht einmal bekommt man den Eindruck, dass sie an ihren Erlebnissen zerbrochen ist. Sicherlich ist da viel Zorn, doch überwiegt das Gefühl, dass es dieser jungen Frau gelungen ist, Kraft aus dem zu schöpfen, was sie erlebt hat und das Leben trotz allem (oder vielleicht gerade deswegen) durch und durch positiv zu sehen. "Nobody knows" ist ein Buch, das es verdient hat gelesen zu werden, ein Buch, das das Schicksal vieler einsamer Kinder erzählt und gleichzeitig unglaublich viel Mut macht.

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