Wenn der Wind dreht

Giro di Vento

Wenn der Wind dreht

Autor Andrea De Carlo Genre Roman
Verlag Diogenes
ISBN 978-3-257-06544-2
Übersetzung Monika Lustig Erscheinungsdatum (D) April 2007   
Erschienen 2004  Seiten 427

Inhalt

Enrico, Architekt, seine Frau Luisa, eine Lektorin bei einem Mailänder Verlag, Arturo und die beliebte Showmasterin Margherita sind schon seit Jahren befreundet. Nun sind sie auf der Suche nach einem Haus in Umbrien, das sie für gemeinsame Urlaube nutzen wollen. Bei den hohen Ansprüchen, die die vier verwöhnten Städter haben, scheint der erfahrene Makler Alessio genau der Richtige zu sein. Natürlich braucht er nicht lange zu überlegen, um ein geeignetes Objekt zu finden und gemeinsam mit seinen vier Kunden macht er sich auf zur Besichtigungstour. Doch leider hat der Makler es versäumt, sich das hoch gepriesene Haus einmal selbst anzuschauen und verfährt sich mit seiner anspruchsvollen Kundschaft hoffnungslos. Als dann auch noch das Auto ausfällt, bleibt dem Gespann nur noch ein Fußmarsch in strömendem Regen, in der Hoffnung, irgendwo auf ein bewohntes Haus zu stoßen.

Tatsächlich landen die fünf schließlich bei einer alternativen Wohngemeinschaft, einer Gruppe von Aussteigern. Die allerdings sind alles andere als erfreut, als die Städter sie um Hilfe bitten, leben sie doch schon seit Jahren fernab von jeglicher Zivilisation - und das nicht ohne Grund. Eine äußerst unangenehme Situation also, die noch dadurch erschwert wird, dass kein Handy hier weit und breit Empfang hat und die Aussteiger weder über ein Telefon noch über ein Auto verfügen. Für den Moment heißt es also ausharren und das beste aus der misslichen Lage machen - was nicht so ganz einfach ist, prallen hier doch zwei völlig unterschiedliche Lebenskonzepte aufeinander.

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 5 von 5 Bs Herrlich erfrischend und voller Ironie beschreibt der Autor den Kontakt zweier Lebensphilosophien, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Augenzwinkernd erzählt er von den Eigenheiten unserer so genannten Zivilisation und deren Bewohner, die ohne ihr Handy und die ja ach so wichtigen Terminabsprachen völlig lebensunfähig sind. Auf der anderen Seite stehen die Individuen, die von all dem genug haben und ein vermeintlich freies Leben gewählt haben. Nun treffen diese sich völlig fremden Menschen aufeinander, was Verständnislosigkeit, Kopfschütteln und sich immer mehr zuspitzende Aggression zur Folge hat. All das schildert der Autor in seiner wunderbar klaren Sprache, die unheimlich erfrischend wirkt.

Gleichzeitig ist "Wenn der Wind dreht" aber auch ein beunruhigendes, ja manchmal sogar beklemmendes Buch, das uns nur zu deutlich macht, in welch verrückter Zeit wir leben, wo das scheinbar so normale Verhalten vieler Zeitgenossen erschreckend kranke Züge aufweist. Aber auch wenn uns das bewusst ist, ist es eben doch unsere Zeit, aus der wir nicht entfliehen können, selbst wenn ein paar Aussteiger das nur zu gerne würden. All diese Erkenntnisse hat De Carlo in einen heiteren, witzigen und spannenden Roman verpackt, den man am liebsten in einem Zug durchlesen würde.

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