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Kommende Buchkritiken
Aus der Welt
The Minotaur
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Autor
Barbara Vine
Genre Roman
Verlag Diogenes ISBN 978-3-257-06550-3 Übersetzung Renate Orth-Guttmann Erscheinungsdatum (D) März 2007 Erschienen 2005 Seiten 458 |
Inhalt
Als Kerstin Kvist, eine junge schwedische Krankenschwester, eine Arbeit bei der Familie Cosway in Lydstep Old Hall annimmt, weiß sie nicht, welche Aufgabe sie sich damit aufgebürdet hat. Sie soll den erwachsenen Sohn der Familie, John, pflegen. John wirkt auf Kerstin wie eine Mumie, ein lebender Toter ohne Gefühlsregungen, der wie ein Roboter durch das alte Herrenhaus schlurft. Zunächst erfährt sie nicht, was John fehlt, doch nach und nach bekommt sie heraus, dass er auf Schizophrenie behandelt wird. Eine Diagnose, an der die junge Schwedin immer mehr zweifelt und auch die Medikamente, die John von einem alten Freund der Familie, der Arzt ist, verschrieben bekommt, scheinen ihr nicht die ganz richtigen zu sein.
Doch Kerstin weiß auch, dass sie mit der verwitweten Mrs. Cosway, die ein strenges Regiment über ihre drei Töchter und den kranken Sohn führt, über dieses Thema nicht zu diskutieren braucht. Zu offensichtlich ist deren Abneigung gegen John - Kerstin bekommt gar den Eindruck, dass die alte Frau ihn am liebsten los wäre. Lediglich Zorah, die vierte Tochter, die bereits verwitwet ist und nur von Zeit zu Zeit in dem alten Haus auftaucht, scheint eine gewisse Macht über die Mutter zu haben. Außerdem ist sie die einzige, die einen gewissen Zugang zu John hat und die ihm echte Zuneigung entgegenbringt. Als Mrs. Cosway nach einem Treppensturz für einige Zeit im Krankenhaus bleiben muss, gerät der wohl organisierte Alltag auf Lydstep Old Hall gehörig aus dem Gleis und es tut sich so mancher Abgrund innerhalb dieser scheinbar so wohlanständigen Familie auf...
Buchkritik von Stefanie Rufle
Ein Buch ganz im Stile von Barbara Vine: geheimnisvolle und undurchschaubare Charaktere, eine vielschichtige Handlung, die einen immer tiefer eintauchen lässt in die menschlichen Abgründe, alles erzählt mit großem psychologischen Gespür. "Aus der Welt" lebt wieder vor allem durch die vielen interessanten Figuren, die dem Roman diese besondere Tiefe geben, aus der man gar nicht mehr auftauchen möchte. Vor allem die Protagonistin, die ja in Wirklichkeit eher Beobachterin bleibt, gibt dem Leser das Gefühl, selbst in diesem beklemmenden Haus zu leben, die Tragödie mitzuerleben und sie doch nicht verhindern zu können. Vine gelingt es, Dinge nur anzudeuten, sie aber beim Leser quasi einzusäen, so dass sie ihm nicht mehr aus dem Kopf gehen wollen.
Wieder einmal kreist hier die Geschichte um eine Erbkrankheit - ein beliebtes Thema in Vines Romanen. Höchst gekonnt vermischt sie medizinische Fakten mit einer spannenden Geschichte und verleiht dem Ganzen dadurch eine besondere Authentizität. Mit "Aus der Welt" beweist Barbara Vine alias Ruth Rendell einmal mehr, dass ihre Bücher ein hohes Niveau und vor allem Suchtcharakter besitzen.
