Der Vermesser

The Great Stink

Der Vermesser

Autor Clare Clark Genre Roman
Verlag Heyne
ISBN 978-3-453-81078-5
Übersetzung Rita Seuß, Bernhard Jendricke Erscheinungsdatum (D) 2005   
Erschienen 2005  Seiten 413

Inhalt

London im Jahr 1855. William May, ein junger Ingenieur, ist gerade aus dem Krimkrieg zurückgekehrt. Obwohl er schwer traumatisiert und verstört von den Schrecken des Krieges ist, versucht er das Leben mit seiner jungen Frau Polly und seinem kleinen Sohn Di wieder in geregelte Bahnen zu leiten. Er findet eine Arbeit als Vermesser bei der städtischen Baubehörde und alles scheint sich zum Guten zu wenden. Als der seelisch immer noch labile William zum ersten Mal in Londons Abwasserkanäle geschickt wird, um dort Vermessungen für die geplante Untergrundbahn vorzunehmen, verspürt er plötzlich eine unheimliche Anziehungskraft auf ihn; der dort herrschende Gestank und die totale Dunkelheit scheinen ihn wenigstens für wenige Momente seine schrecklichen Erinnerungen vergessen lassen zu können. Immer wieder erfindet er nun Vorwände um in die finsteren, stinkenden Katakomben der Metropole steigen zu können - eine Angewohnheit die ihm zum Verhängnis werden soll. Denn in den Abwasserkanälen tummeln sich neben den Kanaljägern, die mit dem was sie in den Tunneln finden, ihren Lebensunterhalt bestreiten, auch viele zwielichtige Gestalten, die ihre Machenschaften unter allen Umständen verbergen wollen. Und so lang keiner sieht, was dort vor sich geht, haben auch alle ihre Ruhe. Doch dann geschieht ein grausamer Mord...

Buchkritik von Johanna Dessecker

Johanna vergibt 4 von 5 Bs Moder, Schimmel, Kloake, Fäulnis - Clare Clark beschreibt in ihrem ersten Roman „Der Vermesser“ erstaunlich greifbar und eindringlich die übelsten Gerüche, die man sich vorstellen kann. So wird der düstere Rahmen, in den sie ihre Geschichte eingebettet hat, sehr lebendig und man wird förmlich in die Londoner Abwasserkanäle des 19. Jahrhunderts hineingezogen. Den in den Kritiken oft gebrauchten und auch nahe liegenden Vergleich mit Patrick Süskinds „Das Parfum“ braucht der Roman zwar nicht zu scheuen, aber „Der Vermesser“ ist, wenn auch ein fast ebenso gutes, doch ein ganz anderes Buch.
Sehr gelungen ist der Handlungsaufbau: erst nach gut der Hälfte des Romans geschieht die eigentliche Katastrophe und bis dahin wird eine große, kaum zu ertragende Spannung aufgebaut, die allerdings auch danach nicht aufgelöst wird und so kann man nicht anders, als das Buch atemlos durchzulesen. Atempausen gibt es kaum, denn während des ganzen Romanes verfolgt Clare Clark ihre stilistische Linie. Das ist einerseits faszinierend und fesselnd, andererseits strengt es auch unheimlich an. Und schließlich ist es fast eine Enttäuschung, dass nicht wenigstens der Schluss ein wenig versöhnlicher ausfällt. Trotzdem, „Der Vermesser“ ist eine Perle für jeden, der außergewöhnliche historische Romane mag.

Wissenswertes

2005 wurde „Der Vermesser“ für den „Orange Prize for Fiction“ nominiert.

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