Leute, die an die Tür klopfen

People who Knock on the Door

Leute, die an die Tür klopfen

Autor Patricia Highsmith Genre Roman
Verlag Diogenes
ISBN 3-257-06419-5
Übersetzung Manfred Allié Erscheinungsdatum (D) 1983   
Erschienen 1983  Seiten 523

Inhalt

Der siebzehnjährige Arthur ist gelinde gesagt ziemlich genervt von seiner Familie: sein jüngerer Bruder ist der Jähzorn in Person und treibt sich mit äußerst dubiosen Typen herum. Vater Richard gehört neuerdings zu den „neugeborenen Christen“ und bringt mit seinem religiösen Eifer die ganze Familie durcheinander. Arthurs Mutter engagiert sich lieber ehrenamtlich in einem Kinderheim, anstatt sich der Sorgen ihres Sohnes anzunehmen. Einzig seine Großmutter ist ganz vernünftig und unterstützt ihren Enkel, wo es nur geht.

Und ein bisschen Unterstützung hat Arthur wirklich mehr als nötig, verliebt er sich doch Hals über Kopf in die gleichaltrige Maggie. Diese Liebe bleibt nicht ohne Folgen, Maggie wird schwanger – und das in einem Ort wie Chalmerston, in dem jeder über den anderen Bescheid weiß. Die Lösung dieses „Problems“ treibt nicht nur Arthurs Familie um und löst eine Kette von Ereignissen aus, die schließlich in einer Katastrophe gipfeln.

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 5 von 5 Bs Dieser Roman schildert das puritanische und kleinbürgerliche Amerika der Reagan-Ära par excellence. Die Doppelmoral, die in dem kleinen Ort und speziell in der Familie des Protagonisten herrscht, ist kaum auszuhalten. Meisterhaft beschreibt Highsmith die Verlogenheit der Erweckungsprediger und wie sie dem Helden die Luft zum Atmen nimmt. Sie entlarvt auf äußerst subtile Art und Weise die fromme Heuchelei, die in den frühen 80er Jahren die kuriosesten Blüten trieb, ohne diese aber zu diffamieren. In jeder Sekunde gilt das Mitgefühl des Lesers dem jungen Arthur, die beklemmende Atmosphäre ist manchmal kaum auszuhalten.

Die Autorin hat mit Arthur eine Figur geschaffen, die von Anfang an die Sympathie auf ihrer Seite hat. Entgegen allen Widerständen findet er seinen Weg, unterstützt durch die Frauen, die um ihn sind. Ein Roman also auch, der die Weisheit der Frauen hochhält, ohne dabei aber die Männerwelt in ein schlechtes Licht zu rücken. „Leute, die an die Tür klopfen“ ist spannend, sozialkritisch und absolut zeitlos – ein unbedingt lesenswertes Buch!

Wissenswertes

2002 hat der Diogenes Verlag eine Werkausgabe der „Romane und Stories“ mit weltweit unveröffentlichten Stories und Neuübersetzungen des Werks von Patricia Highsmith gestartet. Die neue Werkausgabe ist jeweils mit einem Nachwort zur Lebens- und Werkgeschichte versehen und wird von Paul Ingendaay und Anna von Planta herausgegeben.

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