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Kommende Buchkritiken
Abgezockt und totgepflegt - Alltag in deutschen Pflegeheimen
Abgezockt und totgepflegt
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Autor
Markus Breitscheidel
Genre Sachbuch
Verlag Ullstein ISBN 3-430-11572-8 Erscheinungsdatum (D) 2005 Erschienen 2005 Seiten 240 |
Inhalt
Markus Breitscheidel hat genug von seinem Job als Manager, wo er sehr viel Geld verdient. Nach einem Gespräch mit Günter Wallraff wird sein Verlangen, ein Buch über die Missstände in deutschen Pflegeheimen zu schreiben, immer stärker. Er wagt den Sprung ins kalte Wasser und bewirbt sich als Hilfspfleger in einem Altenheim in München. Ungelernt wie er ist, wird er sofort auf die alten Menschen "losgelassen", ohne nennenswerte Anleitung, ohne Unterstützung oder Hilfe. Was er erlebt ist ein Verbrechen an Menschen, die hilflos und pflegebedürftig sind und sich nicht wehren können. Doch dieses Heim bei München soll nicht das einzige sein, in dem er Dinge sieht und erlebt, die kaum zu beschreiben sind. Es folgen Anstellungen bei Seniorenresidenzen in Hamburg, Köln und Mainz - überall das gleiche Lied: völlig überfordertes und schlecht ausgebildetes Pflegepersonal, kaum Geld in den Kassen, Bewohner, die mehr als unterversorgt sind. Und immer ist da das schlechte Gewissen des Autors, die Erkenntnis, dass die pflegebedürftigen alten Leute auf Hilfe angewiesen sind, die er ihnen nicht gewähren kann. Lediglich bei seiner letzten Anstellung in Berlin-Wilmersdorf erlebt Breitscheidel so etwas wie menschenwürdige und verantwortungsvolle Altenpflege.
Dieser erschütternde Erlebnisbericht wird mit einem Vorwort von Günter Wallraff eröffnet, der selbst immer wieder "undercover" ermittelte und dabei verheerende Missstände etwa bei einer bekannten amerikanischen Fast-Food-Kette aufdeckte. Zusätzlich wird der Leser in verschiedenen Info-Kästen mit Wissenswertem über die Altenpflege versorgt.
Buchkritik von Stefanie Rufle
Ein Buch, das aufrüttelnd und zugleich zutiefst deprimierend auf den Leser wirkt. Wissen wir doch schließlich, dass wir alle irgendwann in die Situation kommen könnten, auf Pflege angewiesen zu sein. Bei der Lektüre wird einem bewusst, wie wichtig es ist, dass Pflegende verantwortungs- und vor allem liebevoll mit ihren Schutzbefohlenen umgehen. Die meisten Menschen, die den Beruf des Altenpflegers wählen, haben sicherlich auch den festen Vorsatz, das zu tun - nur bekommen leider die wenigsten die Möglichkeit dazu. Die Arbeitsbedingungen in vielen deutschen Pflegeheimen sind derart katastrophal, dass nicht einmal Zeit für die Grundversorgung der alten Menschen bleibt.
Der Autor schildert seine Erlebnisse sehr nüchtern, belegt vieles durch schriftliche Dokumente und gibt jede Menge Informationen für die Laien, die mit den Worten Dekubitus oder PEG-Versorgung zunächst einmal wenig anfangen können. Dadurch wird dieser Bericht umso beklemmender und authentischer und lässt einen deshalb kaum noch los. Was Markus Breitscheidel hier schildert, ist ein Verbrechen an hilflosen, alten Menschen, wie es sicherlich tagtäglich in Deutschland vorkommt. Bei der Diskussion mit Menschen, die selber im Pflegebereich tätig sind, wird zwar immer wieder versichert, dass es auch viele Altenheime gibt, in denen es humaner abläuft, aber allein die Tatsache, dass solche Unsäglichkeiten vorkommen, ist kaum auszudenken! Dieses Buch musste einfach geschrieben werden und es bleibt nur zu hoffen, dass es wenigstens einige der Menschen aufzurütteln vermag, die an der jetzigen Pflegesituation tatsächlich etwas verändern könnten...


