Die Wand

Die Wand

Autor Marlen Haushofer Genre Roman
Verlag List
ISBN 3-548-60571-0
Erscheinungsdatum (D) 1968   Seiten 285

Inhalt

Eine Frau wird von einem Ehepaar eingeladen, mit ihnen ein paar Tage in einem Jagdhaus in den Bergen zu verbringen. Am Abend nach der Ankunft geht das Paar noch einmal los, um Besorgungen im nächsten Ort zu machen - das ist das letzte Mal, dass die Frau die beiden sieht. Als sie am nächsten Morgen immer noch nicht wieder aufgetaucht sind und deren Hund Luchs allein zu ihr zurückkommt, macht sie sich auf die Suche. Dabei stößt sie auf eine unüberwindbare, durchsichtige Wand, hinter der kein Leben mehr existiert. Egal, in welche Richtung sie auch geht, immer ist da diese Wand, und dahinter scheint alles Leben wie erstarrt zu sein.

Allein mit dem Hund macht sie sich daran, sich in der Jagdhütte und dem kleinen Stück Natur, das ihr geblieben ist, auf ein Leben einzurichten, von dem sie zunächst noch hofft, dass sie bald jemand daraus befreien wird. Nach und nach stoßen noch andere Tiere zu den beiden und bald entwickelt sich daraus eine eingeschworene Gemeinschaft, deren Oberhaupt und Versorgerin die Frau wird. Ihre Aufgabe ist es nun, das tägliche Überleben zu sichern und für sich und die Tiere, die von ihr abhängig sind, für Nahrung und Unterkunft zu sorgen. Je länger dieser Zustand andauert, desto unwahrscheinlicher erscheint es ihr, dass außerhalb der Wand noch Leben herrscht, dass sie irgendwann gefunden wird. Eines Tages beginnt sie damit, Aufzeichnungen zu machen in der Hoffnung, dass es doch noch jemanden geben wird, der sie in ferner Zukunft lesen kann.

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 5 von 5 Bs Ein äußerst beklemmendes und zugleich aber sehr hoffnungsvolles Buch. Beklemmend, weil es die Urangst des Menschen, von aller Welt verlassen zu werden, anspricht. Der Gedanke, eines Morgens aufzuwachen und völlig allein zu sein, ist wahrscheinlich keinem von uns so ganz fremd. Die Autorin spielt mit dieser Urangst und lässt aber doch nie eine völlige Hoffnungslosigkeit zu. Denn Hoffnung gibt es auch hier - in Form der Tiere, die der Protagonistin immer wichtiger werden, die sie schließlich in ihre neue Identität begleiten, die mit ihrer alten Wirklichkeit immer weniger zu tun hat. Zugleich wird auch deutlich, wozu ein Mensch fähig ist, wenn er ganz allein auf sich gestellt ist, wenn es nur noch um das bloße Überleben geht. Dinge, von denen wir glauben, ohne sie nicht sein zu können, stellen sich als völlig nebensächlich heraus. Was ist wirklich wichtig im Leben? Dies ist die grundsätzliche Frage, um die es in diesem Buch geht.

Es handelt sich hier um eine moderne Robinson-Geschichte, um einen weiblichen Robinson ohne Namen, eine Frau, die sich in einer Identitätskrise befindet und sich hinter der "Wand" zu einer gänzlich anderen entwickelt. Aus Marlen Haushofers Roman sprechen eine tief empfundene Achtung vor der Natur und ihren Geschöpfen und ein Überdruss an unserer Gesellschaft und deren Auswüchsen, die den Menschen nicht wirklich glücklich machen. Ein Buch, das jeder lesen sollte!

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