Place de la Bastille

La Place de la Bastille

Place de la Bastille

Autor Leon de Winter Genre Roman
Verlag Diogenes
ISBN 3-257-06496-9
Übersetzung Hanni Ehlers Erscheinungsdatum (D) 2005   
Erschienen 1981  Seiten 157

Inhalt

Der Niederländer Paul de Wit ist ein ziemlich ausgebrannter Geschichtslehrer. Mit seiner Frau Mieke und den beiden Töchtern führt er ein scheinbar gutbürgerliches Leben. Doch hinter der Fassade ist so manches nicht mehr, wie es sein sollte. Paul ist fernsehsüchtig, hat kaum noch Zeit für seine Familie und Mieke meint, er würde sich immer mehr verflüchtigen. Er ist damit beschäftigt, ein Buch über den französischen König Ludwig XVI. zu schreiben und möchte damit beweisen, dass die Geschichte nur aus einer Aneinanderreihung von Zufällen besteht, dass kein größerer Sinn dahinter steht. Mieke ermuntert ihren Mann, seine Recherchen für sein Buch in Paris wieder aufzunehmen, ohne zu ahnen, dass sie ihn damit wieder in die Arme seiner ehemaligen Geliebten Pauline treibt.

Pauline ist Jüdin - das verbindet sie besonders mit Paul. Er, selber Jude, hat seine Eltern schon als kleines Kind verloren. Sie wurden im Konzentrationslager Auschwitz vergast. Und nicht nur sie, sondern auch Pauls Zwillingsbruder Philip scheint von den Nazis ermordet worden zu sein. Dann entdeckt Paul eines Tages auf einem Foto, das er auf dem Place de la Bastille von Pauline gemacht hat, einen Mann im Hintergrund, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht. Kann das tatsächlich sein tot geglaubter Bruder Philip sein? Von nun an treibt Paul nur noch ein Wunsch um: Philip und damit seine verlorene Vergangenheit wieder zu finden.

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 4 von 5 Bs Leon de Winter, selber niederländischer Jude, gelingt es in seinem unvergleichlich leichten und auch etwas ironischen Stil, ein schweres und tragisches Stück unserer Geschichte zu erzählen. Er beschäftigt sich mit Themen wie Schuld, Schicksal und Glaube, ohne dabei ins Moralisieren abzugleiten. Er bleibt konsequent bei dem, was er zu sagen hat, schildert seine Figuren mit dem ihm eigenen Witz und liefert ein sehr unterhaltsames und gleichzeitig anspruchsvolles Buch.

Viele Nuancen bleiben in dieser Geschichte nur angedeutet, so dass der Leser sie zwangsläufig in seinem Kopf weiterspinnen muss. "Place de la Bastille" ist ein kleines, aber feines Buch (vielleicht ist das der Grund, warum es erst 24 Jahre nach Erscheinen den Weg zu uns nach Deutschland gefunden hat) nicht spektakulär, aber trotzdem unbedingt wert, gelesen zu werden. Am Ende klappt man das Buch zu und denkt: Ja, genauso musste dieser Roman enden!

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