Der Teufel von Mailand

Autor: Martin Suter
Genre: Roman
Verlag: Diogenes
ISBN: 3-257-06534-5
Erscheinungsdatum (D) Juni 2006 Seiten 297

Der Teufel von Mailand

Inhalt

Sonia hat eine ziemlich schlimme Zeit hinter sich: ihre Ehe mit dem aus gutem Hause stammenden Banker Frédéric Forster war mehr als katastrophal, und ihre Angst vor ihm ist auch nach der Scheidung noch nicht ausgestanden. Als sie nach einem unfreiwilligen LSD-Trip auch noch ständig Flashbacks erlebt, Farben fühlen und Geräusche sehen kann, will sie erst einmal untertauchen. Eher unerwartet bekommt sie die Stelle als Physiotherapeutin in einem neueröffneten Wellness-Hotel in Val Grisch im Unterengadin. Die junge Besitzerin ist Sonia sofort sympathisch, auch wenn sie sich deren finanzielle Situation nicht erklären kann. Das Hotel ist kaum ausgelastet und damit sind die immensen Kosten für den Betrieb wohl nicht einmal annähernd gedeckt.

Sonia, die immer noch hauptsächlich mit den unerklärlichen Flashbacks kämpft, bemerkt zunächst nicht, dass die Stimmung der Dorfbewohner gegenüber den Angestellten des Hotels sehr feindselig ist, war Val Grisch doch bisher dem Tourismus verschlossen geblieben und sollte dies nach Ansicht der Einheimischen wohl auch bleiben. Erst, als sich immer unerklärlichere Dinge im Hotel ereignen, wird Sonia allmählich wach. Als sie dann auch noch auf die alte Engadiner Sage vom Teufel von Mailand stößt, begreift sie, dass hier einiges nicht mit rechten Dingen zugeht - die latente Gefahr wird immer greifbarer für die junge Frau.

Buchkritik von Stefanie Rufle

Wieder erzählt Suter die Geschichte eines Menschen, der durch äußere Umstände eine Bewusstseinsveränderung erlebt, die sich gravierend auf sein weiteres Leben auswirken wird - ein Thema, das immer wieder in seinen Büchern auftaucht. Allerdings ist hier die Hauptperson zum ersten Mal eine Frau, was beweist, dass der Autor offensichtlich auch hervorragend in der Lage ist, sich in das Seelenleben des anderen Geschlechts hineinzudenken. Dieses neue Buch von Martin Suter ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Schnörkellos und ohne alles Überflüssige erzählt er seine Geschichte, schildert seine Figuren so, dass man das Gefühl hat, sie stünden direkt vor einem. Man kann sich des Staunens nicht erwehren, wenn man liest, wie sich die Farben für die Heldin anfühlen, welchen Geschmack Dinge, die sie sieht, auf ihrer Zunge hinterlassen - fast schon bekommt man das Gefühl, sich selbst auf einem LSD-Trip zu befinden.

Martin Suter hat es wirklich geschafft, die Leser, die schon lange auf sein neues Buch warten, nicht zu enttäuschen, er bewältigt auch hier wieder den Drahtseilakt zwischen Psychothriller und Kriminalroman mit Bravour und hält ein sprachliches Niveau, das das Lesen zum Genuss macht.

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