Mozart - Eine Biographie

Mozart - Eine Biographie

Autor Dorothea Leonhart Genre Biographie
Verlag Diogenes
ISBN 3-257-09499-3
Erscheinungsdatum (D) 1996, 2004   Seiten 385

Inhalt

Diese Biographie konzentriert sich insbesondere auf die sehr menschlichen Aspekte Wolfgang Amadeus Mozarts. Geschildert werden die unermüdlichen Bemühungen Leopold Mozarts, des Vaters des genialen Komponisten, seinem Sohn zu einer gesicherten Anstellung zu verhelfen, sein unverbrüchlicher Glaube an die Begabung und Herzensgüte Wolfgangs und seine Bereitschaft, sich über und über in Schulden zu stürzen, um die Karriere des Musikers voranzutreiben. Ferner wird berichtet von den Reisen Mozarts, die er gemeinsam mit seiner Mutter tätigte, und die das Ziel hatten, ihm hohes Ansehen einzubringen.

Es wird auf Mozarts verschwenderischen Lebensstil eingegangen, auf seine Neigung, der Familie Weber - deren Tochter Aloisia er heimlich liebte und deren Schwester Konstanze er schließlich heiratete - alles Geld seines Vaters zuzuschustern, weil er deren falsches Spiel nicht durchschaute. Und es wird Schluss gemacht mit der weit verbreiteten Ansicht, dass Mozart ein von der damaligen Zeit verkanntes Genie war, das die letzten Tage seines Lebens in Armut fristen musste.

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 4 von 5 Bs Was an dieser Biographie besonders positiv ist, dass sie sich völlig von den bisherigen Lebensberichten Mozarts unterscheidet. Dorothea Leonhart konzentriert sich auf die menschliche Seite des Komponisten und räumt dadurch mit einigen Vorurteilen auf. Vor allem die Rolle des Vaters - bisher der egoistische Familiendespot, der sich an der Karriere seines Sohnes bereichern möchte - wird hier ganz neu dargestellt. Es bröckelt am Denkmal Mozarts, ohne dass aber seine Genialität und Bedeutung für die Musikgeschichte in Frage gestellt werden. Sympathisch ist, dass Leonhart sich ausschließlich auf die überlieferten Quellen beruft und sich nicht verleiten lässt, sich in Spekulationen zu ergehen. Wenn so manchem Biographen vor ihr der Mut gefehlt hat, auch die unbequemen Wahrheiten im Leben des Musikers auszusprechen, so tut sie das. Dadurch ergibt sich ein völlig neues aber durchaus glaubwürdiges Bild der Familie Weber und der Ehefrau Konstanze, das es durchaus Wert ist, einmal genauer betrachtet zu werden.

Was etwas stört, ist die offensichtliche Überzeugung der Autorin, jeder ihrer Leser müsse zwangsläufig des Italienischen, Französischen und Englischen mächtig sein. Viele Zitate werden hier einfach unübersetzt serviert und könnten sicherlich den einen oder anderen etwas ratlos zurücklassen. Es gibt einen ausführlichen Anhang mit dem Literaturverzeichnis, dem Verzeichnis der erwähnten Werke nach dem Köchelverzeichnis und einem Personenregister. Außerdem gibt es jede Menge Fußnoten, die das Geschriebene noch einmal ausführlicher erklären - warum also macht Leonhart sich nicht die Mühe, auch die erwähnten Zitate ins Deutsche zu übersetzen?

Alles in allem ist dies eine überaus geistreiche und etwas andere Biographie des Genies Mozart, die man jedem Liebhaber klassischer Musik durchaus empfehlen kann.

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