Und da kam Frau Kugelmann

Und da kam Frau Kugelmann

Autor Minka Pradelski Genre Roman
Verlag Frankfurter Verlagsanstalt
ISBN 3-627-00123-0
Erscheinungsdatum (D) 2005   Seiten 255

Inhalt

Zippy erhält die Nachricht, dass ihre Tante Halina aus Tel Aviv gestorben ist und ihr ein altes Fischbesteck vererbt hat. Obwohl Zippy wegen ihrer Sucht nach tief gefrorenem Gemüse kaum verreist, fliegt sie doch nach Tel Aviv, um ihr Erbe entgegenzunehmen. In ihrem Hotel hat sich aber bereits eine andere Dame ihres Namens eingemietet, so dass sie gezwungen ist, sich ein anderes Hotel zu nehmen. Was sich aber als wahres Glück herausstellt, denn kaum im neuen Hotel angekommen klopft auch schon Frau Kugelmann an Zippys Zimmertür. Frau Kugelmann sieht genauso aus, wie sie heißt - sehr dick und kugelrund. Und sie lässt sich – freundlich aber bestimmt – von Zippy nicht mehr abwimmeln.

So beginnt Frau Kugelmann der jungen Frau ihre Geschichte zu erzählen: von ihrer Jugend im polnischen Bendzin, von ihrer Familie, den Schulfreunden, dem schönen Adam und der Polin. Längst vergessen geglaubte Zeiten tauchen wieder auf und Zippy wartet immer begieriger auf Frau Kugelmanns Erscheinen und die Fortsetzung der Erzählung, die auch von dem traurigen Schicksal der polnischen Juden, von der Deportation und Ermordung handelt.

Als Frau Kugelmann plötzlich von einem alten Fischbesteck erzählt, fällt es Zippy wie Schuppen von den Augen – Frau Kugelmanns Geschichte könnte die ihrer eigenen Familie sein, von der Zippy kaum etwas weiß. Wie besessen ist sie nun davon, alles zu erfahren, die Bestätigung zu bekommen, dass sie nun endlich eine Erklärung gefunden hat für das seltsame Verhalten ihres Vaters...

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 5 von 5 Bs Vielen Dank, Minka Pradelski, für diese wundervolle Geschichte. Selten darf man ein Buch lesen, in dem mit der Thematik des Holocaust so behutsam und feinsinnig umgegangen wird. Es geht hier nicht um all die erschreckenden Fakten der Judenvernichtung, nicht um eine Anklage der Täter. Hier soll von dem Leben der Menschen berichtet werden, die später zu Opfern wurden. Aber hauptsächlich waren sie eben Menschen, für die es ein Leben vor dem Holocaust gab – ein Leben voller Lachen, voller lustiger und anrührender Episoden, das diese Menschen ausmachte.

Pradelski, selber ein Kind Überlebender, schreibt über das Schweigen zwischen den Generationen, von der älteren Generation, die die jüngere nicht mit dem Schrecklichen belasten will und darüber vergisst, von den glücklichen und schönen Zeiten zu berichten. Sie schreibt so anrührend aber auch voller Humor, dass man dieses Buch am Ende eigentlich kaum aus den Händen legen möchte.

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