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Kommende Buchkritiken
Der Nobelpreis
|
Autor
Andreas Eschbach
Genre Thriller
Verlag Lübbe ISBN 3-7857-2219-2 Erscheinungsdatum (D) 2005 Seiten 555 |
Inhalt
Kurz vor Verleihung des Nobelpreises wird Hans-Olof Andersson, Mitglied des Preiskomitees, von Unbekannten erpresst: Wenn er nicht für eine bestimmte Kandidatin stimmt, wird seine Tochter, die entführt wurde, sterben. Andersson beschließt zu tun, was die Erpresser von ihm verlangen, merkt jedoch schnell, dass er Teil eines viel größeren Komplotts geworden ist und damit sein Leben und das seiner Tochter kaum noch etwas wert ist.
In seiner Verzweiflung wendet er sich an den Bruder seiner verstorbenen Frau, der wegen Einbruchs und Industriespionage im Gefängnis sitzt. Es gelingt ihm, Gunnar vorzeitig aus dem Gefängnis freizubekommen, damit dieser sich auf die Jagd nach den Entführern machen kann. Gunnars Erfahrung als Einbrecher, der wirklich in jedes noch so gut gesicherte Gebäude eindringen kann, kommt ihm bei seinen Nachforschungen sehr entgegen. Je weiter er allerdings in die Machenschaften des Schweizer Pharmaunternehmens "Rütlipharm" vordringt, der Firma, bei der die Wissenschaftlerin arbeitet, der der Preis verliehen werden soll, desto verwirrender und undurchsichtiger wird die ganze Geschichte.
Die Zeit scheint gegen Gunnar zu arbeiten, es sind nur noch wenige Tage bis zur Preisverleihung und alle seine Anstrengungen scheinen immer wieder ins Leere zu laufen. Dann allerdings nimmt alles eine völlig neue Wendung und Gunnar sieht sich mit einer Tatsache konfrontiert, die so kaum denkbar für ihn war...
Buchkritik von Stefanie Rufle
Andreas Eschbach stellt in diesem Roman sein Erzähltalent gekonnt unter Beweis. Packend schildert er die Machenschaften skrupelloser Pharmaunternehmen und bestechlicher Wissenschaftler. Obwohl es sich bei "Rütlipharm" um eine fiktive Firma handelt, kann man sich doch vorstellen, dass es in diesem Metier genau so zugehen könnte. Immer mehr lässt man sich von der Verdorbenheit der Menschheit im Allgemeinen und der Pharmaindustrie im Besonderen überzeugen, um dann zum Schluss erkennen zu müssen, dass der Schein doch sehr oft trügt. Herrlich, wie Eschbach hier mit der Leichtgläubigkeit seines Protagonisten und natürlich auch mit der des Lesers spielt.
Das Buch hat zudem noch eine erzählerische Besonderheit, die ganz spannend ist: Der eigentliche Protagonist taucht erst in Kapitel 16 auf und sein Erscheinen gibt der Geschichte eine völlige Wandlung, plötzlich bekommt der Leser eine andere Sichtweise der Dinge.
Alles in allem ist dies ein Roman, der einen sehr ins Grübeln bringen kann über die Macht, die Menschen über andere haben, über den Sinn eines Preises, der aus einem guten Gedanken heraus entstanden ist, der aber mit der Integrität derer, die ihn verleihen steht und fällt. Auch wenn das nur eine erfundene Geschichte ist, wird einem beim Lesen doch bewusst, wieviel Wahrheit sie tatsächlich enthalten könnte und lässt einen vielleicht etwas vorsichtiger mit dem umgehen, was wir täglich in den Medien zu sehen und zu hören bekommen.
Ein Buch, das wärmstens zu empfehlen ist.
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Kommentare
Kommentare
H.W. Flack schreibt am 10.01.12, 14:12
So ganz erfunden ist die Geschichte nicht. Zumindest als Gerücht hat die schwedische Tageszeitung "Dagens Nyheter" behauptet, der Nobelpreis für Medizin im Jahr 1986 sei von einem pharmazeutischen Unternehmen gekauft worden.
Die Preisträgerin war eine italienische Wissenschaftlerin.
Später hat die Zeitung die meldung zurückgenommen und sich entschuldigt.
Die Parallelen sind aber ofensichtlich.
Daraus ist aber ein raffinierer und spannender Roman geworden.
