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Kommende Buchkritiken
Hemmersmoor
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Autor
Stefan Kiesbye
Genre Roman
Verlag Tropen ISBN 978-3-608-50208-4 Erscheinungsdatum (D) 21.02.11 Seiten 207 |
Inhalt
Schreckliche Dinge tragen sich in Hemmersmoor zu, dem kleinen Dorf in Norddeutschland, in dem Christian und seine Freunde Jahre nach dem Krieg aufwachsen. Während in der Dorfkneipe die Alten ihre Geschichten von Irrlichtern und Wiedergängern erzählen, ist die Realität sehr viel grausamer und erschreckender, als die alten Sagen es sein könnten. Eine ganze Familie wird von der Dorfgemeinschaft niedergemetzelt, weil man zu wissen glaubt, sie seien vom Teufel besessen. Bei einem scheinbar unschuldigen Spiel unter Freunden kommt ein kleiner Junge zu Tode. Ein Mädchen wird schwanger und will nicht verraten, wer der Vater des Kindes ist – denn die Schande für ihre Familie wäre vernichtend. Ein Junge tötet seine Schwester, um deren Seele an den Satan zu verkaufen.
Inzest, Brutalität und finsterster Aberglaube begleiten die Kindheit von Christian und seinen Freunden und machen Hemmersmoor zu einem grausamen und einsamen Ort. Auch als sie selbst zu den Alten zählen, die längst vergangene Geschichten erzählen, werden sie immer wieder von den dunklen Schatten ihrer Kindheit in Hemmersmoor eingeholt.
Buchkritik von Stefanie Rufle
Erschreckende, unheimliche und durch und durch böse Gestalten sind es, die uns Stefan Kiesbye in seinem Schauerroman „Hemmersmoor“ präsentiert. In diesem Ort scheint das Böse zu wohnen und zu Anfang fällt es schwer, sich in die abgründigen Winkel der menschlichen Seele einzuschleichen. Kiesbye führt uns vor Augen, wie tiefschwarz die Abgründe sein können, die hinter einer scheinbar harmlosen und gutbürgerlichen Fassade lauern. Inzest, Vergewaltigung und Mord verbergen sich oftmals unter dem Deckmantel der Solidität. Doch wo man zu Beginn noch fassungslos und angewidert den Kopf schüttelt, findet man sich im Laufe der Zeit mehr und mehr in die unheimliche und andersartige Geschichte ein und folgt ihr bald schon atemlos.
Gut und Böse liegen oftmals näher beieinander, als wir vermuten, aus einem unschuldigen Spiel kann sehr schnell blutiger Ernst werden. Beinahe beiläufig schildert der Autor heimtückische und todbringende Taten scheinbar harmloser Dorfbewohner und zeigt dabei, dass das Leben uns oftmals keine Wahl lässt.
„Hemmersmoor“ lässt den Leser am Ende mit einer Frage zurück, die ihn einfach nicht mehr loslassen will: Was, wenn die Vergangenheit nie wirklich abgeschlossen ist, wenn die Toten keine Ruhe finden und die Lebenden nicht freigeben wollen? Was, wenn in unserem scheinbar so normalen Leben immer ein Stückchen von Hemmersmoor lauert?
