Jack

Autor: Antony McCarten
Genre: Roman
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06856-6
Erscheinungsdatum (D) 28.02.18 Erschienen 2018
Seiten 256
Übersetzung Gabriele Kempf-Allié, Manfred Allié

Jack American Letters

Inhalt

Sein Roman „Unterwegs“ war einst Kult – Jack Kerouac, Idol der Beatnics und Stimme einer ganzen Generation. Was kaum jemand weiß: Er schlachtete das Leben seines besten Freundes Neal Cassady aus, um es als Vorbild für den Kultroman der Jugendbewegung zu benutzen. Heute ist Jack Kerouac nur noch ein Schatten seiner selbst, aus dem Idol ist ein alter, gebeugter und verbrauchter Mann geworden, der sich in Florida ganz gezielt zu Tode säuft. Als eines Tages eine junge Literaturstudentin vor seiner Tür steht, die unbedingt seine erste autorisierte Biographie schreiben möchte, reagiert Jack zunächst mit Abwehr. Doch zugleich schmeichelt es ihm, dass sich die junge, bildhübsche Jan derart für ihn interessiert, ja, ihn sogar regelrecht verehrt. Schließlich stimmt Kerouac zu, Jan sein verkorkstes und alles andere als glorreiches Leben offenzulegen.

Doch der Blick zurück, den Jack zunächst nur zögerlich und dann immer offener und ohne Tabus wagt, wird nicht nur für ihn zu einem Hochseilakt über dem Abgrund. Denn als Jan unbemerkt in Jacks Haus eindringt, um seine angeblich verbrannten Briefe zu finden, wird sie ertappt und muss schließlich ihre wahre Identität preisgeben…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

„Wer bin ich wirklich?“

Diese Frage schwebt, einem Untertitel gleich, über diesem Roman aus der Feder Anthony McCartens, der sich mit echten und geborgten Identitäten beschäftigt. Im Mittelpunkt steht das Beatnik-Idol Jack Kerouac, dessen kometenhafter Ruhm auf dem Unglück seines besten Freundes basiert, und dessen Leben mittlerweile nur noch eine Farce ist. Seine Dämonen und abgründigen Gedanken bilden das Hauptthema dieses Romans, kreist doch alles um seine inneren Kämpfe und die Herausforderung, es mit sich selbst auszuhalten. Auf der anderen Seite steht seine junge Verehrerin Jan, die ihn verfolgt, verehrt und idealisiert. Auch sie ist, wie sich im Verlauf der Geschichte zeigt, nicht die, die sie zunächst vorgibt zu sein.

Dabei ist alles zu Beginn noch recht nebulös, nur allmählich beginnt der Leser zu verstehen, worauf diese Geschichte tatsächlich zusteuert, und erst ab dem zweiten Teil nimmt „Jack“ dann so richtig Fahrt auf. Anthony McCarten erzählt von dem Wunschbild, das andere von uns haben, von der Selbstwahrnehmung, die oft wenig mit der Realität zu tun hat und von der ernüchternden Wahrheit, die oftmals hinter einer scheinbar perfekten Fassade steckt. Zugleich beschäftigt er sich mit der Frage nach Moral und Anstand, die auf dem Weg zu Ehre und Ruhm ganz schnell zweitrangig werden kann. Mit sicherer Hand zeichnet McCarten seine vielschichtigen Charaktere und lässt gerade in ernsten Momenten seinen ganz besonderen, augenzwinkernden Witz aufblitzen. „Jack“ ist ein Roman voller magischer Momente, unangenehmer Wahrheiten und dem ach so Menschlichen, mit dem jeder von uns immer wieder aufs Neue zu kämpfen hat.

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