Zartbittertod

Autor: Elisabeth Herrmann
Genre: Thriller
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570165133
Erscheinungsdatum (D) 19.03.18 Seiten 480

Zartbittertod

Inhalt

Eigentlich würde Mia gerne das wunderbare Chocolaterie-Geschäft ihrer Eltern in Meißen übernehmen. Aber leider scheinen die Pläne der Familie anders zu sein: Ihr älterer Bruder soll es weiterführen. Wobei allen klar ist, dass das eine schwierige Aufgabe werden wird: Die Träume aus Schokolade, Marzipan, Nougat und sonstigen feinen Zutaten, sind zwar beliebt, dennoch reicht der Reinerlös nicht hinten und nicht vorne. Schweren Herzens hat sich Mia dazu entschieden, stattdessen Journalismus zu studieren. Als Aufnahmeprüfung an einer Uni in Hamburg soll sie eine Recherche über ein altes Familienfoto erstellen. Welches Foto sie hierfür nehmen soll, darüber muss sie nicht lange nachdenken: Im Laden ihrer Eltern hängt ein seltsames Bild, das ein riesiges Nashorn aus Schokolade zeigt. Daneben stehen der ältere Lehrherr und ein kleiner schwarzer Junge. Mia weiß bisher nur, dass dieser Junge ihr Urgroßvater Jakob ist, der Anfang des letzten Jahrhunderts von „Deutsch-Südwestafrika“ hierher kam. Die genauen Hintergründe kennt keiner und so macht sich Mia auf den Weg, um diese herauszubekommen. Dieser Weg führt sie nach Lüneburg, um einen Nachfahren des Lehrherrn Jakobs zu treffen und erste Fragen zu stellen.
Doch dazu kommt es nicht mehr, denn Mia hat offenbar in ein Wespennest gestochen und die Ereignisse überschlagen sich, bis Mia nicht mehr weiß, wer Freund oder Feind ist und ob es wirklich eine gute Idee war, diese Recherchen ins Rollen zu bringen …

Buchkritik von Angelika  Koch

Elisabeth Herrmann hat hier mit viel Hingabe ein Buch geschrieben, das sich intensiv mit den Grausamkeiten der deutschen Besatzer in „Deutsch-Südwestafrika“ beschäftigt. Schon Anfang des letzten Jahrhunderts konnten es die Deutschen nicht lassen, sich selbst als etwas Besseres, Gottgewolltes zu sehen, Einheimische als Wilde, Hottentotten oder Bambusen zu bezeichnen und schlussendlich Unzählige hinzumetzeln. Dieses Drama ist den meisten gar nicht mehr bewusst, sodass die Geschichte um Mia eine – gerade heute wieder – nötige Mahnung ist. Der Stamm der Herero wurde nahezu ausgerottet, Frauen vergewaltigt und viele zwanghaft christianisiert. Die Autorin erzählt dies mit viel Feingefühl und trotzdem der nötigen Distanz.
Den Leser/innen, die Schokolade lieben, wird hier zudem des Öfteren das Wasser im Mund zusammenlaufen ob all der leckeren Rezepte und der hingebungsvollen Zubereitung.
Bei diesen Dingen kann die Autorin also punkten. Aber – was ist mit der Spannung und den geheimnisollen Abgründen, die auf dem Cover versprochen werden und die man bei einem Thriller erwartet? So leid es einem tun kann, aber diese Eigenschaften sind nicht vorhanden. Warum auch immer, aber die Geschichte plätschert dahin, spannend gemeinte Momente sind langweilig und trocken. Eine Autorin, die es schafft, spannungsgeladene Bücher wie „Die Mühle“ zu schreiben, ist eine Autorin, von der man auch viel erwartet. Hier werden die Erwartungen in dieser Hinsicht leider enttäuscht. Lediglich die hingebungsvolle Beschäftigung mit einem schlimmen Teil der deutschen Geschichte bewahrt das Buch davor, eine schlechtere Bewertung zu bekommen.

Elisabeth Herrmann ist auch Autorin der Reihe um den Berliner Anwalt Vernau, die erfolgreich im ZDF mit Jan Josef Liefers verfilmt wird. Sie erhielt den Radio-Bremen-Krimipreis und den Deutschen Krimipreis 2012.

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