The Watcher - Sie sieht dich

Autor: Ross Armstrong
Genre: Roman
Verlag: Scherz
ISBN: 978-3-651-02546-2
Erscheinungsdatum (D) 27.07.17 Erschienen 2016
Seiten 432
Übersetzung Christine Strüh

The Watcher - Sie sieht dich The Watcher

Inhalt

Lily Gullick lebt in einem Neubaugebiet Londons. Zugunsten der hippen Gebäude werden alte abgerissen und das sorgt für Unmut und Ärger. Letzthin ist sogar eine junge Anwältin, die sich gegen diese soziale Ungerechtigkeit stark gemacht hat, spurlos verschwunden.
Lily ist in dieser Hinischt hin und hergerissen, denn einerseits liebt sie ihre Wohnung, andererseits aber sorgt sie sich um diejenigen, die ihr Zuhause deswegen verlieren.
Ohnehin ist Lily schwer beschäftigt damit, Vögel zu beobachten, aber manchmal kann sie nicht anders, als auch ihre vielen Nachbarn, die sich ihr in den gegenüberliegenden Gebäuden präsentieren, mit ihrem Fernglas auszuspähen. Dabei lässt sie ihrer Fantasie freien Lauf, gibt den Beobachteten Namen, denkt sich einen Teil ihres Lebens aus und tauscht sich hierüber auch gerne mit ihrem Mann, Aiden, aus, der bücherschreibend viel Zeit in ihrer gemeinsamen Wohnung verbringt.
Doch dann wird eine Frau aus einem der alten Blocks ermordert und nun ist es an ihr, so denkt sie zumindest, die Tat aufzudecken. Dabei wird es für sie selbst immer schwieriger, Fiktion von Wahrheit, Fantasie von Realität zu unterscheiden. Und auch Lily wird beobachtet, denn Menschen, die zu viel sehen, leben gefährlich …

Buchkritik von Angelika  Koch

Wo „Roman“ draufsteht, kann auch durchaus „Thriller“ drin sein. Und in diesem Fall ist es sogar ein Thriller der Extraklasse. Auch wenn man sich als Leser erst an den Schreibstil des Autors gewöhnen muss, so wird man für ein bisschen Geduld beim Einlesen im Laufe des Buches mehr als belohnt. Schon recht bald wird einem klar, dass mit Lily irgendwas ganz und gar nicht stimmt, und dieses Gefühl steigert sich immer weiter, gibt Raum für Vermutungen und nährt einen immer größer werdenden Verdacht. Dennoch scheint alles, was Lily tut, irgendwie plausibel, und mit der Zeit kann auch der Leser – genauso wie Lily – immer weniger zwischen Fantasie und Realität unterscheiden.
Ross Armstrong hat hier eine Protagonistin kreiert, die überaus verstörend wirkt und lässt den Leser in eine Seele blicken, die viele Untiefen hat. Wie der Autor es geschafft hat, solch eine Figur zum Leben zu erwecken, bleibt ein beunruhigendes Geheimnis. Die Geschichte entwickelt eine sogähnliche Wirkung, treibt den Leser unbarmherzig immer weiter, peitscht ihn durch den Plot und lässt ihn schlussendlich mit einem flauen Gefühl zurück, selbst als alles geklärt zu sein scheint. Denn es wird dem Leser - spätestens hier - bewusst, dass in jedem Wahnsinn ein Stück Wahrheit und in jeder Wahrheit ein Stück Wahnsinn liegt.
Dies ist der erste Roman des Autors und es steht zu hoffen, dass er beim Schreiben bleibt, denn Geschichten dieser Art lassen das Herz eines jeden Thrillerfans höher schlagen.
Ein weiteres Kompliment geht an die Übersetzerin – Christine Strüh. Das Perfide der Geschichte von einer Sprache in die andere erfolgreich zu transportieren, das ist ihr überaus gut gelungen!

Ross Armstrong ist britischer Theater- und Fernsehschauspieler. Dies ist sein erster Roman.

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