Louis oder Der Ritt auf der Schildkröte

Autor: Michael Hugentobler
Genre: Roman
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-28152-2
Erscheinungsdatum (D) 09.03.18 Seiten 192

Louis oder Der Ritt auf der Schildkröte

Inhalt

Hans Roth wurde 1849 in einem Schweizer Bergdorf geboren. Von Anfang an konnte seine Mutter ihn nicht leiden, zumal Hans niemals ein so stattlicher Kutscher wie sein Vater werden würde. Als der verstirbt und seine Mutter einen reichen alten Bauern heiratet, beschließt Hans, sein Zuhause hinter sich zu lassen und in die Welt zu fliehen – er ist gerade mal dreizehn Jahre alt. Als er die Schauspielerin Emma Campbell kennen lernt und mit ihr nach Paris geht, heißt er nicht mehr Hans, sondern Louis. Danach wird er in London zum Butler des angesehen Sir Williams und schifft sich schließlich mit einem Gouverneur nach Perth ein. Bei den Aborigines verliebt er sich unsterblich und zeugt ein Kind. Er jagt Warane und heiratet schließlich in Sydney. Nach seiner Zeit in einem Wanderzirkus verschlägt es Louis schließlich wieder nach London, wo er seinem bewegten Leben noch die eine oder andere pikante Unwahrheit hinzudichtet…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Es ist nicht einfach, eine Geschichte zu mögen, deren Hauptfigur einem nicht sympathisch ist, und da Sympathie stets eine sehr subjektive Angelegenheit ist, kann man diese Geschichte dann auch nur bedingt objektiv bewerten. Im Falle von „Louis oder Der Ritt auf der Schildkröte“ ist es dann auch nicht ganz leicht zu beurteilen, ob die Geschichte nur wegen Hans alias Louis weder fesselt noch gefällt, oder ob noch weitere Faktoren die Bewertung beeinflussen. Denn unsympathisch ist er nun einmal, dieser Hans Roth, der im Verlauf der Geschichte zu Louis mutiert, und an dem sich leider nicht ein Attribut finden lässt, welches zu seiner Liebenswürdigkeit beitragen könnte. Dass das nicht nur dem Leser selbst, sondern auch zahlreichen Protagonisten dieses Romans so geht, bestärkt natürlich den Eindruck, es hier mit einem äußerst egozentrischen, egoistischen und alles andere als liebenswürdigen Zeitgenossen zu tun zu haben. Der Charme eines Baron von Münchhausen, der Louis durchaus als Vorbild gedient haben könnte, geht ihm allerdings völlig ab. Es will einfach nicht gelingen, Zugang zu dieser Hauptfigur zu finden, deren schwerer Start ins Leben den unsympathischen Gesamteindruck leider nicht abzumildern weiß.

Bei aller Kritik darf allerdings Michael Hugentoblers große Fabulierkunst nicht verschwiegen werden, die eine farbenfrohe, exotische Welt heraufbeschwört und mit durchaus interessanten Charakteren aufwarten kann. Seine Schilderungen vom anderen Ende der Welt, von Louis’ exotischem und abenteuerlichem Leben bei den Aborigines und den ausgefallenen Winkeln der Welt, die seine Hauptfigur bereist, verdienen Beachtung. Mit seinem humorvollen Erzählstil und seiner ausgefallenen Prosa kann Michael Hugentobler vollends überzeugen – mit seiner Hauptfigur hingegen leider nicht.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen