Die Büglerin

Autor: Heinrich Steinfest
Genre: Roman
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-05663-2
Erscheinungsdatum (D) 01.03.18 Seiten 288

Die Büglerin

Inhalt

Vom Tag ihrer Geburt an führt Tonia Schreiber ein Leben, das so ganz und gar nicht der Norm entspricht: Geboren wird sie auf der Segelyacht ihrer Eltern, beide renommierte Botaniker, die mit ihrer Tochter die Weltmeere befahren. Später lebt sie dann zusammen mit ihrer Halbschwester in der elterlichen Villa und zieht mit ihr zusammen deren kleine Tochter Emilie auf. Als ihre Nichte auf tragische und ihr völlig unverständliche Weise ums Leben kommt, gibt Tonia ihr privilegiertes Leben auf, lässt alles hinter sich und verlässt ihre Heimatstadt Wien. Die Wissenschaftlerin geht nach Deutschland und bestreitet fortan ihren Lebensunterhalt, indem sie die Wäsche anderer Leute bügelt.

Obwohl Tonia ihre Arbeit mit Sorgfalt und äußerster Präzision erledigt, wird sie dafür alles andere als königlich bezahlt. Doch das Geld reicht für ein bescheidenes Leben – das Tonia sich auferlegt hat, quasi als Buße für etwas, das sie sich niemals verzeihen wird. Doch wie es scheint, hat das Leben noch Pläne mit ihr, denn zunächst lernt sie den chronisch schwitzenden Dyballa kennen, und kurz darauf spielt ihr der Zufall etwas in die Hände, das Emilies Tod in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Schuld und Sühne sind die zentralen und alles beherrschenden Themen von Heinrich Steinfests großartigem Roman „Die Büglerin“. Vor der ersten Seite an fühlt man sich magisch zu Steinfests außergewöhnlicher und von undurchdringlicher Melancholie umgebener Hauptfigur Tonia hingezogen. Mit fein ziselierten, spielerisch geschwungenen und mit vielen Grautönen durchdrungenen Linien zeichnet der Autor diese Figur, die sich in keine Schublade stecken lässt und keinem der gängigen Klischees entspricht. Tonias Schicksal berührt auf ganz besondere Weise, ohne dass Steinfeist dazu neigen würde, übertriebenes Mitleid zu heischen oder auf die Tränendrüse zu drücken. Im Gegenteil zeichnet er das Bild einer unglaublich starken Persönlichkeit, die einen konsequenten Weg geht, um sich selbst für etwas zu bestrafen, das sie sich niemals verzeihen wird.

Heinrich Steinfests Prosa ist zugleich kraftvoll und zart, sein Erzählstil herrlich kreativ, und er entwirft Sätze, die an Eloquenz kaum zu übertreffen sind. Heidelberg, der Ort, den Tonia sich für ihre Buße auserwählt hat, wird vor dem geistigen Auge des Lesers lebendig, und fast schon hat man das Gefühl, mit Tonia zusammen auf dem Philosophenweg zu joggen oder mit ihr und Dyballa in einem verträumten Café zu sitzen. Steinfest erzählt in „Die Büglerin“ eine unglaublich tragische und traurige Geschichte und versprüht zwischen den Zeilen doch Lebensfreude und augenzwinkernden Humor gleichermaßen. Dieser Roman zieht einen von Anfang bis Ende in seinen Bann und wirkt auch nach der Lektüre noch lange nach.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen