Das Leben kostet viel Zeit

Autor: Jens Sparschuh
Genre: Roman
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-31675-9
Erscheinungsdatum (D) 15.02.18 Seiten 384

Das Leben kostet viel Zeit

Inhalt

Seit die Zeitung „Spandauer Bote“ eingestampft wurde, bestreitet der damalige Chefredakteur Titus Brose seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Memoiren für die Firma LebensLauf. Seine Kundschaft findet er oft im Seniorenheim Altes Fährhaus, das unweit von Berlin im Grünen liegt. Hier verbringen ganz unterschiedliche Menschen ihren Lebensabend, und Brose schreibt nicht nur ihre Vergangenheit auf, sondern wird unfreiwillig auch zum Chronisten ihrer letzten Tage. Hier trifft er auch auf Dr. Einhorn, der sein Leben der Biographie des Dichters und Botanikers Adalbert von Chamisso gewidmet hat und dessen besonderer Freundschaft zu Eduard Hitzig. Anfänglich sieht Titus Brose in Einhorns Begeisterung für Chamisso nur einen Weg zu einem neuen Auftrag, doch mehr und mehr verspürt er – angeregt durch Recherchearbeiten für Dr. Einhorn in Berlin und Leipzig – das journalistische Feuer in sich, die Freundschaft dieser beiden historischen Persönlichkeiten zu erkunden…

Buchkritik von Melanie  Frommholz

In der heutigen Zeit, wo Informationen, Ablenkung und Amüsement nur noch einen Mausklick oder ein Wischen entfernt sind und unsere Aufmerksamkeitspanne immer kürzer wird, setzt Jens Sparschuh bei seinem neuen Buch „Das Leben kostet viel Zeit“ auf Langsamkeit. Seine Geschichte des Titus Brose und seiner Erlebnisse und Begegnungen im Seniorenheim Altes Fährhaus sind auf wunderbare Weise in Worte gegossene Entschleunigung. Das wird einem beim Lesen aber erst nach und nach bewusst und so richtig deutlich im Grunde erst zum Ende hin, wo Sparschuh mit kurzen Sätzen und Kapiteln das Tempo plötzlich anzieht. Bis dahin ist nicht alles spannend und ab und an langweilt man sich auch während langer Sätze. Aber Sparschuhs sprachliche Brillanz hält einen bei der Stange, und so kommt man letztlich in den großen Genuss einer bedächtig erzählten Geschichte über genau das, was der Titel sagt: Das Leben, was es uns manchmal kostet und das Vergehen der Zeit. Es sind die sprachlichen Bilder, in denen der Autor mal humorvoll, mal melancholisch über das Leben und seinen Lauf philosophiert, die nachallen und nachdenklich machen. Werden wir tatsächlich im Alter wieder zu denen, die wir eigentlich sind? Wenn die Kraft nachlässt gegenzusteuern, wie Sparschuh es die Leiterin des Alten Fährhauses vermuten lässt? Leben wir im Alter rückwärts? Hauptfigur Titus Brose bringen die Begegnungen mit den alten Menschen in jedem Fall dazu, über sein bisheriges Leben nachzudenken und auch darüber wie er es aktuell gerade lebt. Und als Leser folgt man ihm unweigerlich. „Das Leben kostet viel Zeit“ vereint lustige wie traurige Lebensgeschichten und lebt von den fein beobachteten Momenten und Augenblicken. Wenig offensichtlich strebt der Roman dabei seinem Ziel entgegen.

„Das Leben kostet viel Zeit“ mäandert scheinbar bedächtig dahin, bis es uns am Ende mit Tiefe und Bedeutung beschenkt. Ein ganz und gar unhastiges Buch, das von den vielen Gesichtern des Lebens und des Alterns erzählt, von Freundschaft und davon, wie Lebensgeschichten entstehen.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen