Wir sind die Guten

Autor: Dora Heldt
Genre: Krimi
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-26149-4
Erscheinungsdatum (D) 09.06.17 Seiten 512

Wir sind die Guten

Inhalt

Karl Sönnigsen, seines Zeichens Hauptkommissar, allerdings außer Dienst, kann es nicht lassen. Das Verbrechen findet ja schließlich keine Ruhe. Und somit auch er nicht, auch wenn das nicht erwünscht ist, denn die Polizei von Westerland auf der ansonsten so beschaulichen Insel Sylt ist gut aufgestellt – unter anderem mit der Tochter seines besten Freundes Onno. Das hat ihm schon oft Ärger eingehandelt. So auch vor einem Jahr, als er und seine selbst ernannte SOKO, bestehend aus einer illustren Rentnerrunde, tatsächlich einen Fall gelöst hatte. Doch nun geht es um eine verschwundene Frau: Die Vermieterin hat Alarm geschlagen, denn die nette junge Dame ist spurlos verschwunden. Leider kann die Vermieterin sich nicht an die Polizei wenden, denn die Wohnung wurde von ihr schwarz vermietet. So kommt es, wie es kommen muss: Wieder wird eine Sonderkommission gegründet, und wieder gehen die Senioren ihre eigenen Wege. Und schon bald finden sie auch eine Spur.
Gleichzeitig wird auf Sylt am Fuß des Roten Kliffs eine männliche Leiche gefunden. Auch nach der Identifizierung des Toten findet sich kein Motiv, keine Tatwaffe und noch nicht mal Spuren eines Angriffs. Die Polizei fischt im Trüben.
Dass sich die beiden Fälle früher oder später kreuzen werden, bleibt unvermeidlich, und während wiederum Heinz und Walter einem scheinbar noch anderen Fall nachgehen, nämlich der Schwarzarbeit auf Sylt, fügen sich die Geschehnisse wundersam zusammen …

Buchkritik von Angelika  Koch

Wer glaubt, er habe es bei diesem Buch mit einem beschaulichen Inselkrimi zu tun, der eher langweilig daherkommt und nichts Besonderes zu bieten hat, außer Kaffee- und Eierlikörrunden, hat sich gewaltig getäuscht. Dora Heldt wartet hier mit einer äußerst spannenden Geschichte auf, die zwar durchaus vergnüglich erzählt wird, aber dennoch nichts an kriminalistischer Finesse vermissen lässt. Lange tappt der Leser genauso wie die Polizei von Westerland völlig im Dunkeln, hat keine Ahnung, wie sich die Fäden wohl später zusammenspinnen lassen. Stück für Stück erlaubt die Autorin dem Leser, die Zusammenhänge zu erkennen und lüftet kein Geheimnis zu früh. Dass drei Erzählstränge schlussendlich so passgenau zusammenkommen, ist kein Zufall, sondern den erzählerischen Fähigkeiten der Autorin geschuldet. Dora Heldt wartet hier mit einer Geschichte auf, die ungewöhnlich ist und dem Leser zeigt, dass eben doch noch nicht alles erzählt wurde, dass es immer wieder Autoren gibt, die nicht auf den bereits ausgetretenen Pfaden wandeln.
Natürlich trifft man hier auch wieder auf altbekannte und liebgewonnene Protagonisten, die einem geradezu ans Herz gewachsen sind. Wieder darf der Leser sich auch hier erfreuen an diesen wunderbar menschlichen, manchmal etwas skurrilen und immer herzlichen Charakteren. Witzig und leicht gehen Dora Heldt hier die Konversationen der Senioren-Clique von der Hand, immer wieder bringt sie den Leser zum Schmunzeln, dennoch fängt sie ihn in der nächsten Zeile durchaus schon wieder mit dem Spanungsbogen ein.
Eine herrlich gekonnte Mischung aus Krimi und Komödie, so könnte man „Wir sind die Guten“ bezeichnen. Es steht zu hoffen, dass es auf Sylt – zumindest schriftstellerisch – noch weitere Verbrechen geben wird, die unbedingt von dieser Truppe gelöst werden müssen.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen