Die Frau im hellblauen Kleid

Autor: Beate Maxian
Genre: Roman
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-42212-4
Erscheinungsdatum (D) 13.11.17 Seiten 448

Die Frau im hellblauen Kleid

Inhalt

Vera Altmann konnte nie ihrer Mutter oder gar Großmutter das Wasser reichen: Beide waren einst gefeierte Filmstars. Ihre Mutter lebt mittlerweile zurückgezogen in einem gemeinsamen Haus in Wien. Eine gewisse Enttäuschung gegenüber Vera kann sie nicht verbergen und ist daher umso glücklicher über ihre Enkelin, die von den Schauspielergenen wohl mehr abbekommen hat und auf dem besten Weg ist, Karriere zu machen.
Vera trifft jedoch eine Entscheidung, die das gemeinsame Leben der Altmann-Damen stark verändert: Sie will eine Filmdokumentation über ihre Familie drehen. Marianne ist nicht gerade begeistert, denn im Zuge der Recherchen könnten Dinge ans Licht kommen, die bisher verschwiegen wurden. Und das aus gutem Grund.
Doch Vera ist nicht mehr von ihren Plänen abzubringen und bevor sich die Dinge anders entwickeln als von Marianne gewollt, nimmt sie das Ruder in die Hand und beginnt, Stück für Stück, die Geheimnisse ihrer Vorfahren zu entblättern. Das wiederum führt dazu, dass die Dokumentation völlig anders gerät, als Vera sich das vorgestellt hätte …

Buchkritik von Angelika  Koch

„Die Frau im hellblauen Kleid“ wird in zwei Zeitebenen erzählt. Zum einen in der Gegenwart, im Leben der drei Altmann-Damen, und zum anderen beginnt ein Erzählstrang im Deutschland der 20er Jahre. Hier fängt die Geschichte der Schauspielerei mit Käthe an, die mit viel Mut und Disziplin zum gefeierten Filmstar wird und sich auch in den Zeiten des Nationalsozialismus behauptet. Während die Geschichte der Käthe und die einschneidenden Erlebnisse in den 30er und 40er Jahren mit viel Gefühl und Tiefgang erzählt werden, dümpelt der Erzählstrang der Gegenwart in der Oberflächligkeit herum. Immer, wenn man als Leser erneut in den Jahren der Jetztzeit landet, wünscht man sich ganz schnell wieder den Wechsel in die Vergangenheit. Diese Diskrepanz tut dem Buch nicht gut. Hätte die Autorin es geschafft, die Spannung und Erzähldichte aus der Vergangenheitsebene in die Gegenwart zu transportieren, wäre dies ein überaus gutes Buch geworden. So aber kommt es beim Lesen leider immer wieder zu Ermüdungserscheinungen und Lustlosigkeit. Dieses etepetete Highsocietyleben und diese Überheblichkeit und Abgehobenheit der drei Frauen geht einem irgendwann schlicht und ergreifend auf die Nerven. Und, was noch viel schlimmer ist, die lang angekündigte Katastrophe in der Vergangenheit der Familie entpuppt sich schlussendlich als zusätzlicher Gähnfaktor.
Hätte es die Autorin nicht geschafft, die Erzählung in der Vergangenheit so gut umzusetzen, wäre es hier noch nicht mal zu dieser Bewertung gekommen. Schade. Daraus hätte man mehr machen können.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen