Endzeit (2017)

Autor: Harald Gilbers
Genre: Roman
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3-426-51644-7
Erscheinungsdatum (D) 02.05.17 Seiten 560

Endzeit (2017)

Inhalt

Das Kriegsende steht unmittelbar bevor. Das spüren auch Oppenheimer und seine Frau, die sich seit Wochen in einem Gärkeller verstecken. Wie so viele, die vom Nazi-Regime nicht erwünscht waren oder aufgrund der offensichtlichen Unsinnigkeit des „Endkampfes“ dessertiert sind, müssen sie allerorts fürchten, von den letzten Fanatikern, die noch immer unbeirrt ihr Unwesen treiben, gefangen genommen oder gleich erschossen zu werden. Berlin ist ein einziger Trümmerhaufen, die Menschen verzweifelt, halb verhungert und traumatisiert. Nur die völlig verblendeten Unentwegten glauben noch immer an den Endsieg.
Doch in den letzten Wochen bekommen die Eheleute noch Besuch von einem ominösen Herrn mit Koffer, den der Eigentürmer des Gärkellers dort auch verstecken will. Oppenheimer erhält den Auftrag, besonders auf den Koffer aufzupassen. Was auch immer dessen Inhalt ist, er scheint wichtig zu sein.
Als dann die Russen tatsächlich kommen, wird dieser Auftrag zur Nebensache, denn Oppenheimers Frau wird vergewaltigt und der Eigentümer des Koffers ermordert. Oppenheimer ist so sehr mit seinem eigenen Leben beschäftigt, dass er zwar den Koffer noch gut versteckt, aber schlussendlich die Geschichte aus den Augen verliert. Doch dann sind die Russen auf einmal mehr als interessiert daran, diesen Koffer in ihren Besitz zu bringen, und innerhalb kürzester Zeit überschlagen sich die Ereignisse und Oppenheimer ist einmal mehr mittendrin in einer Geschichte, die seine Dimensionen überschreitet …

Buchkritik von Angelika  Koch

Dies ist nunmehr der dritte Band um Kommissar Oppenheimer, der schon lange nicht mehr seines Amtes walten kann, weil er Jude ist. Der dritte Band zudem, der in den letzten Kriegsjahren und hier direkt in den letzten Kriegswochen spielt. Wie schon bei den Vorbänden, so auch wieder in „Endzeit“ ist die enorme Recherchearbeit des Autors Harald Gilbers besonders hervorzuheben. Wieder wird der Leser direkt in diese Zeit hineinkatapultiert, wieder kann man sich dem Geschehen nicht entziehen, fühlt sich geradezu so, als sei man selbst am Schauplatz. Alle Charaktere, die man schon in den vorherigen Büchern so mochte, sind wieder da. Auch der schräge Ede, der einer der ersten ist, der nach Ende des Krieges am Ku'damm eine Spelunke aufmacht. Schon alleine dieser Teil der Erzählung ist das Lesen des Buches wert.
Oppenheimer gerät einmal mehr in eine spannende, unglaubliche Geschichte, die in „Endzeit“ Ausmaße annimmt, die weit über das hinausgehen, was ein normal Sterblicher verkraften kann. Man erkennt als Leser schnell, wie rasch sich die Nachkriegsgeschichte entwickelte und wie fragil die ersten Gehversuche waren und man merkt, wie hauchdünn das Seil war, auf dem alle balancierten. Durch andere Entscheidungen Einzelner hätte alles auch ganz anders kommen können. Man erkennt, dass Geschichte ein Resultat aus vielen Zufällen und ungeplanten Wendungen ist, und dass es jederzeit auch heute wieder ganz anders kommen könnte.
Wenngleich die Spannung nicht ganz so dramatisch ist wie in den vorherigen Büchern, so ist „Endzeit“ trotzdem wieder hervorragende Literatur, ein wunderbarer Mix aus Spannung und Geschichte, gemischt mit einer Prise Humor. Vielen Dank, Herr Gilbers!

In folgenden Büchern ermittelt Oppenheimer:

Germania
Odins Söhne
Endzeit (2017)

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen