Ein fast perfektes Wunder

Autor: Andrea De Carlo
Genre: Roman
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-07001-9
Erscheinungsdatum (D) 27.09.17 Erschienen 2016
Seiten 399
Übersetzung Maja Pflug

Ein fast perfektes Wunder L'imperfetta meraviglia

Inhalt

Die Italienerin Milena hat nach einigen herben Enttäuschungen in der Liebe ihrem Land den Rücken gekehrt. Sie lebt zusammen mit ihrer Partnerin Viviane in einem kleinen Städtchen in der Provence und geht darin auf, immer neue, aufregende Eissorten zu kreieren. Die kleine Gelateria, die sie hier betreibt, läuft gut, auch wenn Milena oft Wochen damit zubringt, an ihren Kreationen herumzuexperimentieren, ehe sie die für sie perfekte Geschmacksrichtung gefunden hat. Am Ende des Sommers beschließt Milena, ihre Gelateria offen zu lassen und erhält eine Großbestellung, die zum genau richtigen Zeitpunkt kommt. Milena liefert ihr Eis persönlich im Landhaus des Rockstars Nick Cruickshank, Leadsänger der legendären Bebonkers, aus, der so begeistert von ihren Eiskreationen ist, dass er sie unbedingt persönlich kennen lernen will.

Obwohl Milena und Nick Welten trennen, fühlen sie sich doch auf magische Weise zueinander hingezogen. Denn beide versuchen auf ihre Art, Wunder zu vollbringen – Milena mit ihrem Eis, Nick mit seiner Musik. Und beide sind in ihrem Leben an einem Punkt angekommen, wo sie nur noch die Wünsche und Vorstellungen anderer bedienen, anstatt ihre eigenen Träume zu leben. Zeit also, für ein fast perfektes Wunder…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Ein nicht mehr ganz taufrischer Rockstar, der kurz davor steht, zum dritten Mal zu heiraten und eine von der Liebe enttäuschte Italienerin, die demnächst mit ihrer Freundin ein Kind bekommen soll, treffen aufeinander – und beider Leben wird komplett aus der Bahn geworfen. Was sich zunächst einmal völlig abgedroschen und wie ein wandelndes Klischee anhört, entpuppt sich als wunderschöne und fast schon magische Liebesgeschichte, die von zwei Menschen erzählt, die den Mut haben, ihre bisherigen Lebensentwürfe in Frage zu stellen. De Carlo schildert die Ereignisse jenes Spätsommers in der Provence abwechselnd aus der Perspektive von Milena und Nick und zieht den Leser förmlich in deren jeweiliges Leben hinein. Der Leser fungiert als außen stehender Beobachter und wird so Zeuge der Ängste und Zweifel, die beide zunächst verdrängen wollen, die aber immer größere Ausmaße annehmen, bis sie nicht mehr ignoriert werden können.

Andrea De Carlo lässt diese beiden Hauptfiguren in einem immer enger werdenden Tanz umeinander kreisen, bis es schließlich zum unausweichlichen Aufeinandertreffen kommt, das alles verändern wird. Dabei gelingt es ihm, den Leser direkt in die Seele dieser beiden faszinierenden Charaktere blicken zu lassen und ihm beinahe das Gefühl zu vermitteln, sich selbst inmitten dieser magischen Geschichte zu befinden. „Ein fast perfektes Wunder“ hinterfragt die gängigen Bilder, die wir vom „richtigen Leben“ haben, macht deutlich, dass es niemals nur den einen richtigen Weg gibt, sondern dass gerade die wenig ausgetretenen Pfade uns dorthin führen, wo das Glück auf uns wartet. Milena und Nick erleben ihr fast perfektes Wunder und lassen uns an einer Geschichte teilhaben, die Magie, Gefühl und Humor in sich vereint.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen