Die Moortochter

Autor: Karen Dionne
Genre: Thriller
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-20535-6
Erscheinungsdatum (D) 24.07.17 Erschienen 2017
Seiten 384
Übersetzung Andreas Jäger

Die Moortochter The Marsh King's Daughter

Inhalt

Helena Pelletier lebt mit ihrem Mann Stephen und den beiden Töchtern Mari und Iris in Michigan auf der einsamen Upper Peninsula. Helena ist eine außergewöhnlich gute Fährtenleserin und Jägerin – und weder ihr Mann noch ihre Kinder wissen etwas von den Abgründen ihrer Vergangenheit. Die Fähigkeit zum Fährtenlesen und Jagen hat Helena von ihrem Vater gelernt, als sie mit ihm und ihrer Mutter in einer Blockhütte mitten im Moor lebte. Für sie war ihr Vater immer ihr Held, ihr großes Vorbild, dem sie in allem nacheiferte – bis zu dem Tag vor fünfzehn Jahren, als sie erfuhr, dass ihr Vater in Wahrheit ein Psychopath war, der ihre Mutter als junges Mädchen entführt und vergewaltigt hatte. Helena und ihrer Mutter gelang daraufhin die Flucht, die schlussendlich zur Verhaftung des Vaters führte, der nun schon seit Jahren im Hochsicherheitsgefängnis einsitzt.

Doch dann kommt der Tag, der für Helena und ihr bis dato so beschauliches Leben alles verändern soll: Ihrem Vater ist die Flucht aus dem Gefängnis gelungen, und Helena ist klar, dass es für sie und ihre Familie keine ruhige Minute mehr geben wird, bis sie ihn gefunden hat. Helena ist sich sicher, dass er sich im Moor versteckt hält und Jagd auf sie machen wird, und ihr bleibt keine andere Wahl, als den Spieß umzudrehen und ihn aufzuspüren – denn ihr Vater hat noch eine Rechnung mit ihr offen, die er um jeden Preis einfordern wird…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Vom ersten Moment an ist es Karen Dionnes faszinierende Protagonistin Helena, die einen erbarmungslos in ihren Bann zu ziehen weiß. Dieser Figur haftet etwas Erbarmungsloses, zu allem Entschlossenes an, das unter der Oberfläche der treu sorgenden Mutter und Ehefrau zu lauern scheint. Gekonnt breitet die Autorin die erschreckende und zugleich faszinierende Kindheitsgeschichte dieser Helena aus, die zutiefst berührt und doch auch irgendwie abschreckt. Es sind archaische, in ihrer Ursprünglichkeit mitreißende Bilder, die im Kopf des Lesers Gestalt annehmen, wenn Dionne die Schauplätze aus Helenas Kindheit zum Leben erweckt. Hier sitzt jeder Federstrich, und auf außergewöhnlich Weise bevölkern Dionnes so andersartige Charaktere diese Geschichte, die immer vielschichtiger und verwinkelter wird.

Vor allem Helenas Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit, ihr nach wie vor zwiespältiges Verhältnis zu ihrem Vater, der sie einerseits zutiefst abstößt, den sie aber dennoch den größten Teil ihrer Kindheit hindurch wie einen Held verehrte, ist Dreh- und Angelpunkt dieser Geschichte. Diese Aspekte lassen aus „Die Moortochter“ einen Thriller werden, der die Genregrenze sprengt und völlig neue Dimensionen eröffnet. Mit unglaublicher Wucht trifft einen diese Geschichte um eine Kindheit, die so glücklich und außergewöhnlich zu sein schien und sich am Ende als unglaublich hässlicher Betrug entpuppte. Bis zum fesselnden Showdown lässt einen „Die Moortochter“ nicht mehr aus ihren Fängen und hallt noch Tage später nach.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen