Kalte Sonne

Autor: Sven Koch
Genre: Thriller
Verlag: Knaur.
ISBN: 978-3-426-52154-0
Erscheinungsdatum (D) 01.03.18 Seiten 352

Kalte Sonne

Inhalt

Seitdem vor sechs Jahren die Leiche ihres Mannes Erik aus dem Meer gezogen und anhand eines DNA-Abgleichs eindeutig identifiziert wurde, ist in Majas Leben nichts mehr, wie es einmal war. Sie selbst bewegt sich seither in einem Grenzbereich zwischen Leben und Tod, und ihre kleine Tochter Emma ist für sie der einzige Grund, jeden Morgen aufzustehen. Das Warum für Eriks Freitod kann Maja bis heute nicht begreifen, und wenn sie am Strand von Jütland entlang wandert, bis zu den alten Wehrmachtsbunkern, wo die Leiche ihres Mannes damals angespült wurde, grübelt sie über dessen Gründe nach, aus dem Leben zu scheiden. Die Worte aus seinem Abschiedsbrief: „Ich kann nicht mehr. Verzeih mir bitte!“, stoßen ihr dabei besonders bitter auf, hat sie doch das Gefühl, dass Erik nicht nur ihres, sondern auch das Leben der kleinen Emma vergiftet hat.

Als Emma eines Tages steif und fest behauptet, sie habe ihren Vater im Fernsehen gesehen, hält Maja das zunächst für die lebhafte Fantasie eines kleinen Mädchens. Doch dann sieht sie selbst den betreffenden TV-Beitrag, in dem ganz eindeutig Erik durch das Bild geht. Maja lässt der Gedanken nicht mehr los, dass Erik womöglich noch am Leben sein könnte und reist schließlich Hals über Kopf in die kleine Hafenstadt Hirtshals, in der der Beitrag gedreht wurde. Dort macht sie eine verstörende Entdeckung, die sie zwingt, sich einer Wahrheit zu stellen, die nicht nur ihres, sondern auch Emmas Leben kosten könnte…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

„Kalte Sonne“ bietet mit den finsteren Herbststürmen Jütlands die perfekte Kulisse für einen unheimlichen und geheimnisumwitterten Psychothriller. Perfekt versteht Sven Koch es, diese Kulisse, die von gigantischen Vogelschwärmen und Sort Sol, der schwarzen Sonne, erzählt, in seine Geschichte einzuweben und so den Rahmen für einen atmosphärischen Thriller zu bilden. Dennoch fällt es nicht immer ganz leicht, sich voll und ganz auf die Geschehnisse in „Kalte Sonne“ einzulassen, was wohl hauptsächlich an der etwas sperrigen Hauptfigur liegen mag. Auch wenn es Koch gut gelingt, das Trümmerfeld, zu dem das einstmals so perfekte Leben Majas mutiert ist, vor dem inneren Auge des Leser aufziehen zu lassen, fällt es dennoch schwer, Majas teilweise seltsames Verhalten wirklich zu verstehen. Wie ein dunkler, wirrer Schatten wandelt Maja durch diese Geschichte und hinterlässt weder beim Leser noch in der Geschichte selbst prägnante Spuren, was den Beigeschmack einer gewissen Oberflächlichkeit hinterlässt.

Nichtsdestotrotz erzählt Sven Koch in „Kalte Sonne“ eine klug konstruierte und mit packenden Wendungen versehene Geschichte, die den Leser in ihrer Undurchsichtigkeit über lange Strecken bei der Stange hält. Der Bezug zu aktuellen, politischen Ereignissen hingegen wirkt manchmal arg inszeniert und will sich nicht ganz schlüssig in die Handlung einfügen. Am Ende schlägt man diesen Thriller etwas enttäuscht zu und kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass hier nicht das ganze Potential eines an und für sich packenden und fesselnden Stoffes ausgeschöpft wurde.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen