Was in heller Nacht geschah

Autor: Karen Winter
Genre: Thriller
Verlag: Droemer
ISBN: 978-3-426-30585-0
Erscheinungsdatum (D) 01.02.18 Seiten 326

Was in heller Nacht geschah

Inhalt

Die erfolgreiche Autorin Judith Wagner fühlt sich beinahe zwanghaft zu den Lofoten, dem Schauplatz ihres aktuellen Buches, hingezogen. Die Insel der Götter, wie die skandinavische Inselgruppe von den Wikingern genannt wurde, hat eine besondere Bedeutung für Judith, und sie hofft, die Leere, die sie in den vergangenen Monaten gespürt hat, hier wieder füllen zu können. Doch kaum ist die Autorin auf den Lofoten angekommen, wird sie mit Situationen aus ihrem eigenen Buch konfrontiert und begegnet Menschen, die sie sich selbst ausgedacht hat. Judith beginnt an ihrem Verstand zu zweifeln, und auch der Besitzer des Ferienhauses, das sie bezieht und ihre dortige Mitbewohnerin beginnen sich zu fragen, woher Judiths seltsames Verhalten rührt.

Doch als Judith dem schweigsamen Norweger Rune begegnet, dessen Geschichte sich auf verstörende Weise mit den Ereignissen aus ihrem Buch deckt, beginnt sie zu ahnen, dass es nicht die unwirkliche Schönheit der taghellen Polarnächte ist, die ihre Sinne vernebelt. Als Judith Stück für Stück die Zusammenhänge versteht, muss sie erkennen, welch diabolische Macht hinter all dem steckt – und in welch großer Gefahr sie und Rune schweben…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Mit den abgeschiedenen und äußerst kargen Lofoten hat Karen Winter sich einen Schauplatz für ihren Psychothriller erwählt, der schon per se schon für Gänsehaut und Atmosphäre zu sorgen weiß. Es gelingt ihr dabei hervorragend, die außergewöhnliche Stimmung dieser Inselgruppe zum Leser zu transportieren und gekonnt in ihre geheimnisvolle Geschichte einzuspinnen. Auch Judith Wagner, die weibliche Hauptfigur, zeichnet sich durch ein zutiefst sprödes Verhalten und seltsame Stimmungsschwankungen aus, die es dem Leser von Anfang an nicht leicht machen, dieser Figur bedingungslos zu folgen. Obwohl Judiths Verhalten sich im Verlauf der Ereignisse immer besser verstehen lässt, gelingt es Winter nicht, diesen Charakter für ihre Leser wirklich zugänglich zu machen, was leider zur Folge hat, dass man sich immer wieder an ihr reibt.

Auch manche Wendungen dieser mysteriösen Geschichte wirken gar zu gewollt und fügen sich nicht wirklich schlüssig in den Plot ein. Dennoch versteht es Karen Winter, einen Spannungsbogen aufzubauen, der den Leser dazu treibt, die Zusammenhänge verstehen zu wollen. Auch mit der Zeichnung der restlichen Charaktere macht Winter alles richtig, lässt sie doch das Bild einer spröden aber liebenswerten Inselgemeinschaft entstehen, die für diesen entlegenen Teil Norwegens charakteristisch zu sein scheint. „Was in heller Nacht geschah“ ist ein Psychothriller, der trotz vieler positiver Attribute allerdings eine Spur zu viel Mystik und unerklärliche Zusammenhänge präsentiert, um vollends überzeugen zu können.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen