Ich bin mal eben wieder tot - Wie ich lernte, mit Angst zu leben

Autor: Nicholas Müller
Genre: Erlebnisbericht
Verlag: Knaur.
ISBN: 978-3-426-78918-6
Erscheinungsdatum (D) 02.10.17 Seiten 272

Ich bin mal eben wieder tot - Wie ich lernte, mit Angst zu leben

Inhalt

Zehn Jahre lang lebt Nicholas Müller mit einer Angststörung. Als die Symptome zum ersten Mal auftreten, weiß Müller nicht, wie ihm geschieht, er hat keinen Namen für das, was gerade mit ihm passiert. Just in dem Moment als der Singer und Songwriter und Frontmann der Band Jupiter Jones den Zenit seines Erfolges erreicht, wird ihm klar, dass er so nicht mehr weiterleben kann. Gerade als sein Erfolgshit „Still“ das meistgespielte Lied im Radio ist, begibt Nicholas Müller sich endlich in Therapie, weil er erkennt, dass er alleine nicht aus dieser Spirale aus Panik, Angst und Verzweiflung herauskommt, die sich im Fachjargon generalisierte Angststörung mit starken Panikattacken, Hypochondrie und depressiven Episoden nennt. Im geschützten Rahmen der Therapie gelingt es Müller schließlich, zu einer Stärke zurückzufinden die es ihm erlaubt, dem Leben zu begegnen…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Schonungslos offen und bestechend ehrlich erzählt der Singer und Songwriter Nicholas Müller von den langen Jahren, in denen er mit seiner Angststörung leben musste, ohne zu wissen, wie er einen Weg zurück ins „normale“ Leben finden sollte. Wenn Müller von seinen Panikattacken berichtet, der Angst, gerade einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden oder an einem irgendwo in seinem Körper verborgenen Tumor dahinzusiechen, dann kann man kaum glauben, es mit dem bekannten Musiker der Band Jupiter Jones zu tun zu haben, der mit seinem Song „Still“ monatelang in sämtlichen Radiosendern zu hören war. Doch gerade die Tatsache, dass ein Prominenter von seiner psychischen Erkrankung erzählt, zeigt, dass sie wirklich jeden treffen kann und falsche Scham oder Verschleierungstaktiken alles nur noch schlimmer machen würden. Denn das, was Nicholas Müller in seinem Buch schildert, ist der ganz normale Alltag eines psychisch kranken Menschen. Vor allem die Sequenzen, in denen der Autor sich zur Therapie in einer Klinik aufhält, können all jenen Betroffenen Mut machen, die bisher davor zurückgeschreckt sind, sich professionelle Hilfe zu holen.

Auch wenn Nicholas Müller sehr offen uns äußerst sensibel von seiner Erkrankung erzählt, gibt es immer wieder Passagen, die etwas ermüdend sind, weil sich ähnliche Gedankengänge wiederholen. Müllers Humor und Selbstironie sind durchaus erfrischend, nehmen der Thematik allerdings hin und wieder etwas von ihrer eigentlichen Tiefe. Manchmal wirkt „Ich bin mal eben wieder tot“ zu eindimensional, und nicht immer gelingt es dem Leser, sich in Müllers Gedankengänge einzufinden. Dennoch ist Nicholas Müllers Bericht über den langen Weg hinaus aus seiner Angsterkrankung mit Sicherheit ein Buch, das vielen Betroffenen und deren Angehörigen Mut machen dürfte.



Der Singer und Songwriter Nicholas Müller ist der frühere Frontmann der Band Jupiter Jones. 2015 gründete er die Band von Brücken und arbeitet außerdem als Hochschul-Dozent für Popmusik. Müller ist Schirmherr der Deutschen Angsthilfe.

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