Zu Hause wartet das Glück

Autor: Agnès Ledig
Genre: Roman
Verlag: dtv premium
ISBN: 978-3-423-26168-5
Erscheinungsdatum (D) 12.01.18 Erschienen 2016
Seiten 331
Übersetzung Lisa-Maria Rust

Zu Hause wartet das Glück On regrettera plus tard

Inhalt

Die Grundschullehrerin Valentine lebt schon seit Jahren allein in ihrem gemütlichen Bauernhaus, als eines Nachts ein völlig durchnässter Fremder mit einem kleinen Mädchen auf dem Arm vor ihrer Tür steht. Die siebenjährige Anna-Nina hat hohes Fieber und der Wohnwagen, der Vater und Tochter als Zuhause dient, ist so beschädigt, dass die beiden vorerst nicht damit weiterfahren können. Ohne lange zu überlegen nimmt Valentine Éric und Anna-Nina bei sich auf, Platz hat sie schließlich zur Genüge. Doch aus dem vorübergehenden Aufenthalt, den Éric geplant hat, werden unversehens viele Wochen – Wochen, in denen Anna-Nina Valentine mehr und mehr ans Herz wächst. Bald schon kann sie sich ein Leben ohne das kleine, aufgeweckte Mädchen gar nicht mehr vorstellen.

Éric hingegen hat eine unsichtbare Mauer um sich errichtet, die Valentine einfach nicht durchbrechen kann. Und obwohl er in ihr verwirrende Gefühle weckt, kann auch Valentine sich nicht auf eine Beziehung einlassen, wird sie doch von diffusen Träumen gequält, die sie sich einfach nicht erklären kann. Als Éric zu seinem sterbenden Großvater muss, wird Valentine die Einsamkeit und Leere bewusst, die von ihr Besitz ergreifen würden, wäre die kleine Anna-Nina – und auch ihr Vater – nicht mehr bei ihr. Doch Érics Geheimnis zwingt ihn, nirgends Wurzeln zu schlagen und einfach immer weiterzufahren…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Es ist eine nette, wärmende, wenn auch etwas vorhersehbare Liebesgeschichte, die Agnès Ledig uns in ihrem Roman „Zu Hause wartet das Glück“ zu erzählen weiß. Eine liebenswerte, aber einsame junge Frau, die aus ungeklärten Gründen panische Angst vor einer festen Bindung hat, begegnet einem trauernden Mann, der sich liebevoll um seine kleine Tochter kümmert. Welche Verwicklungen und Wirrnisse daraus entstehen werden, kann der routinierte Leser sich nur allzu lebhaft vorstellen… Eine seichte, wenn auch zu Herzen gehende Liebesgeschichte könnte man „Zu Hause wartet das Glück“ also nennen – wäre da nicht diese sehr viel tiefere, nachdenklich stimmende Ebene, die Agnès Ledig geschickt in ihren Roman einzuziehen weiß und die verhindert, dass dieser in Belanglosigkeit versinkt.

Denn vor allem Valentines Geschichte, die Hintergründe ihrer Beziehungsangst, reichen weit in die Vergangenheit zurück – in eine Vergangenheit, mit der sie selber vordergründig gar nichts zu tun hat. Dennoch macht Ledig deutlich, wie sehr wir alle, und in diesem speziellen Fall eben Valentine, mit der Geschichte unserer Vorfahren verstrickt sind. Durch dieses Verweben von Valentines momentaner Situation mit dem Schicksal einer ihrer Ahninnen gewinnt „Zu Hause wartet das Glück“ eine interessante, nachdenklich stimmende Dimension hinzu, die verhindert, dass dieser Roman in die Kategorie „kitschige Liebesgeschichte“ eingeordnet wird. Auch wenn der Plot trotz allem voller Klischees und vorhersehbarer Wendungen ist, kann man sich mühelos auf Valentines Verstrickungen mit ihrer Familie einlassen – und so am Ende das Buch halbwegs versöhnt weglegen.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen