Ich mag mich irren, aber ich finde dich fabelhaft

Autor: Dorothy Baker
Genre: Roman
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-28135-5
Erscheinungsdatum (D) 10.11.17 Erschienen 1938
Seiten 240
Übersetzung Kathrin Razum

Ich mag mich irren, aber ich finde dich fabelhaft Young man with a horn

Inhalt

Rick kommt in Georgia zur Welt, seine Mutter stirbt bei seiner Geburt, sein Vater macht sich kurz darauf aus dem Staub und lässt das Baby bei dessen siebzehnjähriger Tante und deren Bruder zurück. Als Rick acht Jahre alt ist, nehmen ihn seine Tante und sein Onkel mit nach Los Angeles und überlassen den Jungen mehr oder weniger sich selbst. Als er absichtslos auf dem Klavier in einem Gemeindehaus herumklimpert, entdeckt Rick seine Liebe zur Musik – die ihn sein Leben lang nicht mehr loslassen soll. Wo der Junge eine Möglichkeit findet, spielt er Klavier und ist bereits als Jugendlicher ein hervorragender Pianist. Weil seine Mittel es nicht zulassen, sich selbst ein Klavier zu kaufen, nimmt er einen Job an, schwänzt die Schule und kauft sich schließlich eine Trompete.

Die Trompete ist genau das richtige Instrument für Rick, der von dem großen Trompeter Art Hazard zwar eine ganze Menge lernt, sein herausragendes Können aber im Blut zu haben scheint. Rick spielt bald schon in Big-Bands rund um Los Angeles und wird schließlich von Lee Valentine entdeckt. Der verpflichtet Rick und nimmt ihn mit nach New York, wo er bald schon von Phil Morrison, der derzeit das Beste der großen Orchester leitet, gekauft wird. Rick ist eine einzige Sensation, seine Gabe ist unermesslich und er kann einfach nicht aufhören, Musik zu machen. Doch er lebt sein Leben wie eine Kerze, die an beiden Enden brennt, geht in allem, was er tut, zu weit und muss schließlich den Preis dafür bezahlen…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Dorothy Bakers Roman „Ich mag mich irren, aber ich finde dich fabelhaft“ aus dem Jahr 1938 erschien erst 2017 in Deutschland und wurde, wie gleich eingangs betont wird, durch die Musik, nicht aber das Leben des 1931 verstorbenen Jazz-Musikers Leon (Bix) Beiderbecke inspiriert. Und Musik klingt aus jeder einzelnen Zeile dieses beeindruckenden Romans, der 1950 unter dem Titel „Der Mann ihrer Träume“ („Young Man with a Horn“) mit Doris Day, Lauren Bacall und Kirk Douglas verfilmt wurde. Nicht nur für Jazz-Fans ist „Ich mag mich irren, aber ich finde dich fabelhaft“ ein Augenöffner dafür, wie es sein muss, wenn ein Mensch – in diesem Fall der junge Rick – von der Musik derart beseelt ist, dass es fast schon an Besessenheit grenzt, wie Musik zum Mittelpunkt des Lebens und Denkens wird und wie das „wirkliche“, „echte“ Leben daneben beinahe verblasst. Auch wenn man zunächst noch von Ausdrücken wie „Neger“ unangenehm berührt ist, relativiert sich diese Irritation schnell, wird doch klar, dass solche Worte damals zum ganz normalen Sprachgebrauch gehörten.

Man wird als Leser Zeuge, wie erstmals ein Weißer die Musik der Schwarzen bewunderte, ja, wie er sogar danach strebte, so zu sein, wie sie – zur damaligen Zeit ein absolutes Sakrileg! Baker gelingt es, den Leser völlig mitzureißen, ihn den Klang von Ricks Trompete förmlich hören zu lassen und mit ihm durch die verrauchten Clubs zu ziehen. Einem infernalisch gespielten Solo gleich steigert sich dann alles rasend schnell: der unerwartete Ruhm, der Zwiespalt zwischen echter Kunst und schnödem Kommerz, die falsche Frau, der immer heftigere Alkoholkonsum und schließlich der Absturz ins Bodenlose. „Ich mag mich irren, aber ich finde dich fabelhaft“ ist das literarische Debüt der damals 31-jährigen Dorothy Baker und der erste Jazz-Roman überhaupt – ein Roman, wie ein melancholisch-schöner Jazz-Song.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen